|
|
Amalie Sieveking, Tochter des Kaufmanns und Ratsherrn Heinrich Christian
Sieveking und seine Frau Karoline Louise, geb. Volkmann, wurde als
15-jährige Waise, auch drei ihrer vier Brüder starben schon früh. 1813 kam sie
bei einer Verwandten von Friedrich
Gottlieb Klopstock unter und unterrichtete deren Nichten, um sie im Glauben
zu unterweisen und auf die Konfirmation vorzubereiten. Schon nach wenigen
Jahren unterrichtete sie mit anderen Hilfskräften zusammen junge Mädchen in der
von ihr gegründeten Erziehungsschule, dazu gab sie jeden Sonntagnachmittag
Unterricht in einer Armenschule; zeitlebens blieb sie dieser Arbeit treu.
Großen Eindruck machte ein Besuch bei der Herrnhuter
Brüdergemeine in Gnadau
bei Magdeburg. Werke von Thomas von Kempen
und August Hermann Francke
beeinflussten ihre Frömmigkeit, die teilweise schwärmerische Züge annahm. Andern
dienend, sich selbst verzehrend
, wurde ihr Wahlspruch.
Schon als 18-jährige wollte Amalie Sieveking eine barmherzige Schwesternschaft in der
evangelischen Kirche gründen, kam aber über die Idee nicht hinaus. 1816 gründete
sie mit elf weiteren Frauen eine kleine Freischule für arme Mädchen, die bis
1858 existierte. Ab 1823 befasste sie sich mit dem Plan, nach dem Vorbild
der Vinzentinerinnen
einen Orden barmherziger Schwestern innerhalb der evangelischen Kirche zu gründen.
1824 traf sie mit Johannes
Evangelista Goßner zusammen, dessen Werk sie stark beeindruckte. Als 1831
in Hamburg
eine Choleraepidemie ausbrach, fehlte es an ausgebildeten Pflegekräften. Amalie
Sieveking meldete sich als Krankenpflegerin, bald schon übertrug man ihr die
Aufsicht über die Pflegekräfte. Bei dieser Arbeit kam sie mit der tiefen Armut
großer Bevölkerungsteile in Berührung und gründete deshalb den Weiblichen Verein
für Armen- und Krankenpflege
auf genossenschaftlicher Basis. Die Mitglieder
wirkten aus ihrem bürgerlichen Alltagsleben heraus durch Vermittlung von Arbeit
und Bildung sowie Hilfen zur Selbsthilfe.
Amalie Sieveking gehörte zu den ersten Frauen des Bürgertums, die sich der
sozialen Not in dieser Weise annahmen. Ihr Werk wuchs schnell und wurde Vorbild
für Einrichtungen zur Krankenpflege in anderen Großstädten. Neben dem Aufbau dieser
ersten Einrichtung der freien Wohlfahrtspflege verfasste sie mehrere lesenswerte
Bibelauslegungen. Theodor
Fliedner wollte ihr die Leitung seines Diakonissenhauses übertragen, Amalie
verzichtete aber und schlug ihre Mitarbeiterin Karolina
Bertheau für dieses Amt vor, denn sie wollte in Hamburg
die Entwicklung ihres Vereins weiter antreiben. 1837 konnte mit dem Bau von
Armenwohnungen begonnen werden. 1840 wurde das Amalienstift
eingeweiht,
dem ein privates Kinderkrankenhaus angegliedert war. Zur gleichen Zeit erteilte
Amalie Sieveking in einem neuen Institut für Erzieherinnen Religionsunterricht.
In Publikationen und auf Vortragsreisen setzte Amalie Sieveking sich mit
Themen der Armenfürsorge auseinander. In ihren 1855 veröffentlichten Unterhaltungen
über einzelne Abschnitte der Heiligen Schrift
knüpfte sie an ihre ersten
religiösen Schriften an.
Der von Amalie Sieveking gegründete Verein für Armen- und Krankenpflege wuchs
auch nach ihrem Tod weiter und besteht seit 1978 als Amalie-Sieveking-Stiftung
.
Amalie Sieveking schuf die genossenschaftlich organisierte Vereinsbasis für weibliche
Diakonie, wobei den Frauen die Leitungs-, den Männern allenfalls Beratungsfunktion
zukam; sie förderte damit die Frauen zur Übernahme kirchlicher Verantwortung.
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren
Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen
Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
|
||||||||||||||||||||