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Hans Schwarz: Porträtmedaille der Argula von Grumbach aus Blei, Nürnberg,
um 1520, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg 
Argula, Tochter des Reichsfreiherrn Bernhardin von Stauff, des Hauptmannes von Landshut, und der Katharina von Törring zu Seefeld, beide aus altbayrischem, aber inzwischen verarmtem Adel, bekam schon 1502 von ihrem Vater eine Bibel in deutscher Sprache geschenkt. 1509 verlor sie durch die Pest innerhalb von fünf Tagen beide Eltern, kam dann an den Hof der Herzöge von Bayern und heiratete 1514 den Ritter Friedrich von Grumbach - dem heutigen Burggrumbach. Argula, eine Schülerin von Georg Spalatin, las die Schriften von Martin Luther und stand mit ihm im Briefwechsel.
1523 kam es an der Universität in Ingolstadt
zu einem Aufsehen erregenden Prozess gegen einen jungen Magister namens Arsacius
Seehofer, der als Anhänger Luthers
für die neue Glaubensbewegung unter den
Studenten geworben hatte, aber nun durch Gewaltandrohung zum öffentlichen
Widerruf gezwungen wurde. Argula schrieb einen Brief an den Rektor und an die
gesamte Universität, worin sie sich beschwerte, dass man den jungen Magister
durch Drohungen zum Widerruf gezwungen habe: Ich finde an keinem Ort der Bibel,
dass Christus noch seine
Apostel oder Propheten jemanden eingekerkert, gebrannt noch gemordet haben oder das
Land verboten.
Sie forderte die Professoren auf,
in Gegenwart unserer drei Fürsten und der ganzen Gemeinde
sich mit ihr
theologisch auseinanderzusetzen, und zwar in Deutsch und auf der Grundlage der
Heiligen Schrift.
Ich finde einen Spruch Matthäus am 10., also lautend:Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.Und Lukas am 9.:Wer sich mein schämt und meiner Worte, des werde ich mich auch schämen, wenn ich komme in meiner Herrlichkeit.Solche Worte, von Gott selbst geredet, sind mir allezeit vor meinen Augen; denn es werden weder Frauen noch Männer darin ausgeschlossen. Aus diesem werde ich als ein Christ gedrungen, Euch zu schreiben. Denn Ezechiel 33 heißt es:Siehst du sündigen deinen Bruder, so straf ihn, oder ich will sein Blut fordern von deinen Händen.
Ach Gott, wie werdet Ihr bestehen mit Eurer Hohen Schule, dass Ihr so töricht und gewalttätig handelt wider das Wort Gottes und mit Gewalt zwingt, das heilige Evangelium in der Hand zu halten und dasselbige dazu zu verleugnen, wie Ihr denn mit Arsacius Seehofer getan habt und ihn mit Gefängnis und Drohung des Feuers dazu gezwungen habt, Christum und sein Wort zu verleugnen. Hat Euch das Christus gelehrt oder seine Apostel, Propheten und Evangelisten? Zeigt mir, wo es steht, Ihr hohen Meister, ich finde es an keinem Ort der Bibel, dass Christus noch seine Apostel oder Propheten jemanden eingekerkert, gebrannt noch gemordet haben oder das Land verboten.
Man weiß wohl, wie weit man der Obrigkeit gehorsam sein soll. Aber über das Wort Gottes haben sie nicht zu gebieten, weder Papst, Kaiser noch Fürsten, wie es Apostelgeschichte 4 und 5 heißt. Ich bekenne aber bei Gott und meiner Seelen Seligkeit, wo ich Luthers und Melanchthons Schriften verleugnete, dass ich Gott und sein Wort verleugnete, davor Gott ewig sei. Amen.
Im Spätsommer 1523 schrieb sie dem Herzog von Bayern, den sie aus ihrer Zeit am Hof in München persönlich kannte, einen Brief, in dem sie ihm die Vorgänge in Ingolstadt schilderte und erklärte, ein Christ müsse der Obrigkeit gehorchen, diese aber die ihr von der Heiligen Schrift gesetzten Grenzen achten; im Konflikt zwischen Gehorsam gegenüber der Obrigkeit oder Gott, habe der Christ eher Leib und Leben zu riskieren, als das Wort Gottes zu verleugnen. Der Herzog antwortete ebenfalls nicht, entließ aber umgehend Argulas Mann aus seiner gut dotierten Stelllung als Statthalter in Dietfurt an der Altmühl, weil er seine Frau nicht gehindert habe, solche Briefe zu schreiben. Ohne ihr Zutun erschienen beide Briefe im Druck, Argula wurde so die erste weibliche Autorin im Protestantismus.
Titelblatt der Flugschrift mit Argulas Brief an die Universität Ingolstadt:
Wie eine christliche Frau des Adels in Bayern durch ihren in göttlicher
Schrift wohlgegründeten Sendbrief die Hochschule zu Ingolstadt, weil sie einen
evangelischen Jüngling zu Widersprechung des Wortes Gottes bedrängt haben,
strafet.
Auch folgen hernach die Artikel, die Magister Arsacius Seehofer von
München durch die Hochschule zu Ingolstadt beredt am Abend unserer
Frauen Geburt nächst verschiedenen widerrufen und verworfen hat.
Argula erhielt nie eine Antwort auf ihre Eingaben. Deshalb schrieb sie an
den Bürgermeister und die Ratsherren von Ingolstadt,
um sie, die heimliche Jünger des Herrn
sind und vor Furcht wie Nikodemus
Christus nicht zu bekennen wagen
, zum Bekenntnis zu ermahnen. Wenn
ich allein sterbe, so werden doch hundert Frauen wider sie schreiben. Denn
ihrer sind viele, die belesener und geschickter sind als ich.
Dann schrieb
sie auch an Kurfürst Friedrich
„den Weisen”. Die katholischen Verwandten aber rieten ihrem Mann, Argula einzumauern. Sie
musste die Zerrüttung ihrer Ehe und die finanzielle Not ihrer Familie mit ihren
drei Söhnen und einer Tochter erleben. Im Spätherbst 1523 reiste sie zur
Versammlung der Reichsstände nach Nürnberg,
um die Fürsten zugunsten der Reformation zu beeinflussen. Aber sie wurde enttäuscht:
Wenn man so viel Fleiß auf Gottes Wort legen würde wie auf Essen, Trinken,
Bankett halten, Spielen, Plaudern und Anderem würde es bald besser ... Ich habe
es selbst zu Nürnberg gesehen, ein solch kindisches Wesen der Fürsten, das mir
zeit meines Lebens vor Augen sein wird.
Unerschrocken setzte sich Argula auch sonst für die freie
Verkündigung des Evangeliums ein, sie verfasste weitere Flugschriften und unter dem
Pseudonym Argula von Stauff Schriften zur Verteidigung der lutherischen Lehre; ihre
acht Werke erreichten eine Auflage von 30.000 Exemplaren.
Liebe Brüder, seid eingedenk, dass Euch Gott zu Hütern und Aufsehern gesetzt hat, nehmet wahr der Seelen in Eurem Gebiet, nicht mit Gold oder Silber erkauft, sondern mit einem teuren Wert des rosenfarbenen Bluts des Herrn Christus. Es ist Zeit, aufzustehen vom Schlaf; denn unser Heil ist näher, denn da wir gläubig wurden. Lasst uns ritterlich wider die Feinde Gottes kämpfen; er wird sie erschlagen mit dem Hauch seines Mundes. Das Wort Gottes muß unsere Waffe sein - nicht mit Waffen dreinzuschlagen, sondern den Nächsten zu lieben und Frieden untereinander zu haben. Das ist die Ursach, dass ich hab gewagt, Euer Lieben zu schreiben und zu ermahnen. Es ist Zeit, dass die Steine bei uns schreien.
Man heißt mich lutherisch, ich bin es aber nicht, ich bin im Namen Christi getauft, den bekenn ich und nicht Luther. Aber ich bekenn, dass ihn Martinus auch als ein getreuer Christ bekennt. Gott helfe, dass wir solches nimmermehr verleugnen, weder durch Schmach, Schande, Kerker, Peinigung, auch durch den Tod. Das helf und verleihe Gott allen Christen. Amen.
Nach der Absetzung ihres Mannes behielt Arhula ihre Zuversicht: Meine vier Kindlein
wird Gott wohl versorgen und sie speisen mit den Vögeln in der Luft, auch bekleiden
mit den Blümlein des Feldes. Er hat's gesagt, er kann nicht lügen.
Ihr Mann
überließ nun ihr allein die Verwaltung des verschuldeten Besitzes.
1529 starb ihr Mann, Argula musste Bayern verlassen und ging nach Franken. 1530
traf sie in Coburg
mit Luther zusammen, mit dem sie
schon zuvor in Briefwechsel stand. Sie ist ein besonderes Werkzeug Christi
,
hatte der geurteilt - und sie dennoch in ihren Auseinandersetzungen nie unterstützt.
1533 heiratete Argula den protestantischen Grafen Schlick von Passau, schon 1535
wurde sie erneut Witwe; auch drei ihrer Kinder musste sie in den Folgejahren
beerdigen. Öffentlich äußerte sie sich nun nicht mehr. 1563 wurde sie - mittlerweile
71 Jahre alt - in Straubing
verhaftet, weil sie Menschen vom rechten katholischen Glauben abgehalten habe.
In ihrem Buch 40
Frauenschicksale aus dem 15. und 16. Jahrhundert schildert Maike
Vogt-Lüerssen höchst lesenswert das Schicksal von Argula von Grumbach -
auch
online zu lesen.
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