Das Neue Testament in deutscher Sprache, übersetzt von Martin Luther, erschien im September 1522 in Wittenberg, gedruckt von Melchior Lotter, verlegt von Christian Döring und Lukas Cranach, dem älteren.
Titelblatt der Luther-Bibel von 1534
Links: Gott in Wolken thronend; die Eherne Schlange (4. Mose, 15, 32 ff);
Sündenfall; Höllenrachen (darin ein Mönch mit Tonsur und der Papst mit Tiara),
in den der Tod und der bocksbeinige Teufel einen Menschen stoßen; daneben Moses
mit Gesetzestafeln
Rechts: Verkündigung an Maria und
an die Hirten auf dem Feld; Höllenfahrt Christi
mit Siegesfahne, der den Drachen und Tod zertritt; gekreuzigter Christus, dessen
Blutstrahl den bittenden sündigen Menschen trifft; neben ihm Johannes
der Täufer in härenem Gewand, der auf Christus hinweist (Markusevangelium 1,
6 - 8); unter dem Kreuzesstamm das Lamm (Jesaja 53, 7; Apostelgeschichte. 8, 32)
mit der Kreuzesfahne ![]()
Seit der SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten.
In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet.
von Toulouse
1229 gab es ein striktes Verbot, die Bibel oder
Teile daraus in die Landessprache zu übersetzen; damit wollte man Übersetzungen
und Laienpredigten der Albigenser
bekämpfen; Ähnliche Beschlüsse gab es 1234 in Tarragona
für Spanien. Kaiser Karl IV. erließ 1369 in Lucca
ein Verbot für deutschsprachige Bücher, damit die Laien
nicht durch falsches Verständnis zu Irrlerhren verführt werden
; 1376
verordnete Papst Gregor XI., dass alle Literatur über die Bibel der kirchlichen
Leitung zu unterstellen sei. So war nur der Text der lateinischen Vulgata
geduldet und es gab nur wenige und schlechte Übersetzungen in die Landessprache.
Durch Luthers öffentliches
Wirken und seine ständige Berufung auf die Bibel wurde aber das allgemeine
Interesse an der Heiligen Schrift geweckt. Viele wollten sie nun aus eigener
Lektüre in einer verständlichen Sprache selber kennenlernen. Die wenigen
vorlutherischen Bibeln waren eher ungelenke Übersetzungen aus dem lateinischen
Bibeltext der Vulgata; Luther benützte aber den griechischen Urtext. Sein
Übersetzungsprinzip lautete: Man muss nicht die Buchstaben in lateinischer
Sprache fragen, wie man soll deutsch reden, sondern man muss die Mutter im Hause,
... den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und danach dolmetschen, so
verstehen sie es denn.
Während seines Zwangsaufenthalts auf der Wartburg übersetzte Luther
das Neue Testament in nur 11 Wochen - eine unglaubliche Leistung! Es erschien
auf Luthers Wunsch ohne Verfassernamen im September 1522 mit 21 ganzseitigen
Holzschnitten zur Offenbarung des Johannes von Lukas
Cranach dem älteren und seiner Werkstatt und wird September-Testament
genannt. Schon im Dezember waren die 3000 Exemplare der ersten Auflage trotz des
hohen Preises vergriffen. Es folgte die zweite revidierte Auflage im Dezember
mit sprachlichen Verbesserungen an 576 Stellen. Als auffälligste Abweichung
wurden die agressiv antipäpstlichen Darstellungen der Holzschnitte aus dem
Septembertestament abgeschwächt: nur in der Erstausgabe tragen die Drachen und
die babylonische Hure die päpstliche Tiara.
Septembertestament: Der Anfang von Kapitel 11 der Offenbarung des Johannes mit
dem Holzschnitt von Lukas Cranach
vom Tier aus dem Abgrund
, das die Tiara, die Papstkrone, trägt
Der Übersetzung des Neuen Testaments folgten ab 1523 nur Teilausgaben des Alten Testaments, da sich die Übersetzung aus dem hebräischen Urtext oft sehr schwierig gestaltete. Hatte Luther für das Neue Testament nur elf Wochen benötigt, so dauerten die Übersetzungsarbeiten am Alten Testament insgesamt 13 Jahre. Luther wurde dabei besonders von seinem Freund Philipp Melanchthon unterstützt. 1534 erschien bei Hans Luft in Wittenberg die erste Gesamtausgabe aller biblischen Bücher in Luthers Übersetzung als zweibändiges Werk.
Zu Lebzeiten Luthers gab es noch keine Verseinteilung, sondern nur die Kapiteleinteilung, die im 13. Jahrhundert von Stephan Langton, dem Erzbischof von Canterburry, eingeführt wurde. Erst 1551 wurde durch den französischen Buchdrucker Robert Stephanus (Estiné) die Verseinteilung eingeführt. Eine der ersten deutschen Bibeln mit Verseinteilung ist die durch Johann Feyerabendt in Frankfurt gedruckte Lutherbibel von 1589. Luthers Bibelübersetzung trat einen Siegeszug ohnegleichen an und hat unsere deutsche Sprache tief geprägt.
Online zu
lesen gibt es die Bibel-Übersetzung
Luthers im originalen Textbestand der Ausgabe letzter Hand von 1545
bei der
Bibliothek Zeno.org.
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint. |
||||||||||||||||||||