Gedenktag katholisch: 9. August
nicht gebotener Gedenktag
Fest in Europa
Diözesankalender Augsburg, Freiburg i.Br., Hamburg, Hildesheim, Köln, Münster, Speyer, Osnabrück
geb. Gedenktag im Trappistenorden und im Orden der Unbeschuhten Karmeliten
Ordenskalender der Karmeliten
Name bedeutet: T: von der Insel Thera
(der heutigen Insel Santorin) stammend (griech.)
B: die Gesegnete (latein.)
E: Kämpferin um den Besitz (angelsächsisch - althochdt. - latein.)
Edith Stein, jüngstes von elf Kindern jüdischer Eltern, war Tochter eines wohlhabenden Holzhändlers. Im Alter von 15
Jahren verabschiedete sie sich von ihrem traditionell-jüdischen Kinderglauben und bezeichnete sich dann als Atheistin.
Sie studierte ab 1911 Psychologie, Philosophie, Germanistik und Geschichte in
Göttingen und
Breslau. 1915 arbeite sie als Freiwillige in
einem Lazarett des 1. Weltkrieges, 1916 promovierte sie summa cum laude
bei Edmund Husserl in
Freiburg über das Thema Einfühlung
und
wurde Assistentin des berühmten Philosophen; als jüdischer Frau verwehrte man ihr aber die Habilitation. 1922 konvertierte
sie nach der Lektüre der Biografie der Teresia von Ávila zur
katholischen Kirche und wollte Nonne werden; ihr geistlicher Führer, der Erzabt des Klosters in
Beuron, empfahl ihr aber ein weiteres Wirken
in der Welt
. Sie war ab 1923 als Lehrerin an der Schule der
Dominikanerinnen von St. Magdalena in
Speyer tätig und setzte sich in Reden und
Schriften für die Emanzipation der Frauen ein. Zwischen 1928 und 1933 hielt sie sich häufig zu stillen Tagen im
Benediktinerkloster in Beuron auf.
Je höher die Erkenntnis ist, desto dunkler und geheimnisvoller ist sie, desto weniger ist es möglich, sie in Worte zu fassen. Der Aufstieg zu Gott ist ein Aufsteig ins Dunkel und Schweigen.
Endliches und ewiges Sein - Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins, 1937
1932 wurde Edith Stein Dozentin am Lehrstuhl für wissenschaftliche Pädagogik in
Münster; nach der Machtübernahme der
Nationalsozialisten verließ sie 1933 das katholische Institut, um dessen Leitung und die Mitarbeiter nicht in Gefahr
zu bringen. Im Oktober 1933 konnte sie in Köln
in den Karmeliterorden eintreten und nahm den Ordensnamen Teresia Benedicta
vom Kreuz an. Im Nachdenken über die Nachfolge Jesu entwickelte sie ein
neues Bewusstsein auch über ihre jüdischen Wurzeln. 1937 stellte sie ihre philosophisch-theologische Schrift Endliches
und ewiges Sein - Versuch eines Aufstiegs zum Sinn des Seins
vor. Im Jahr der großen Judenpogrome 1938 legte sie ihre
Gelübde ab. Mehrfach versuchte sie ab 1933, Papst Pius XI. zu einer Stellungnahme gegen Antisemitismus und Pogrome der
Nazis zu bewegen. Schon im April 1933 hatte sie dem Papst geschrieben: Wir alle, die treue Kinder der Kirche sind und
die Verhältnisse in Deutschland mit offenen Augen betrachten, fürchten das Schlimmste für das Ansehen der Kirche, wenn
das Schweigen noch länger anhält.
Anlässlich der Volksabstimmung zum Anschluss Österreichs 1938 wurde die jüdische Abstammung von Teresia Benedicta
offenbar; die Priorin ihres eigenen Klosters verriet den Nazis, dass sie jüdischer Abstammung ist
*. Deshalb floh sie am 1. Januar 1939 vor den Nationalsozialisten ins Kloster nach
Echt in den Niederlanden. Im selben Jahr noch
verfasste sie ihr Testament mit der Erklärung ihrer Hingabe an das Kreuz Jesu,
das zu tragen sie für ihre Kirche und ihren Orden, für das jüdische Volk und für
Deutschland sowie alle, die mir Gott gegeben
mit jeglicher Todesart bereit sei. Bei einer Polizeiaktion gegen
Juden, die zum Christentum konvertiert waren, wurden Teresia Benedicta vom Kreuz und ihre Schwester Rosa am 2. August
1942 in Echt verhaftet - wohl ein Racheakt gegenüber der katholischen Kirche, weil deren Bischöfe eine Woche vorher in
den Kirchen der Niederlande ein Protestschreiben gegen die nationalsozialistischen Besatzer hatten verlesen lassen.
Ihre Schwester Rosa lebte seit dem Tod der Mutter 1936 als ständiger Gast und Tertiarin im Karmeliterkloster in Echt
und arbeitete dort an der Pforte mit. ** Am 7. August wurde Teresia Benedicta vom Kreuz
nach Auschwitz - das heutige Oświęcim
- verschleppt und dort zusammen mit ihrer Schwester in der Gaskammer ermordet. Komm, wir gehen für unser Volk
,
sagte sie dabei zu Rosa. Auf die zuvor mögliche Flucht in die Schweiz hatte sie verzichtet, weil diese nur ohne ihre
Schwester möglich gewesen wäre.
Das katholische Gotteslob enthält die Vertonung des Stein-Gedichtes Erhör, o Gott, mein Flehen
(GL 302). 1999
wurde ein Edith-Stein-Denkmal vor dem Priesterseminar in
Köln, 2006 eine Skulptur in einer der letzten
freien Außenkonchen des Petersdomes in Rom
aufgestellt und von Papst Benedikt XVI. geweiht. Sie zeigt Edith Stein, die eine Torarolle und ein Kreuz hält, wobei das
Kreuz die Torarolle überragt, auf der in hebräischen Buchstaben Schema Jisrael
, Höre, Israel
steht. 2008
wurde Edith Stein auf Beschluss der Bayerischen Staatsregierung in die Ruhmeshalle Walhalla aufgenommen.
Teresia Benedicta vom Kreuz als Ordensfrau, angefertigt als Passfoto Ende 1938, kurz vor der Flucht nach Holland 
Kanonisation:
Teresia Benedicta vom Kreuz Stein wurde beim Deutschlandbesuch von Papst
Johannes Paul II. am 1. Mai 1987 seliggesprochen, am 11. Oktober
1998 erfolgte durch ihn die Heiligsprechung. Sie ist die erste geborene Jüdin in der Kirchengeschichte, die offiziell
heilig gesprochen wurde. ***
Die katholische Kirche will die Heiligsprechung als Zeichen der Versöhnung mit dem Judentum gewertet wissen;
Kritiker weisen auf die Vereinnahmung jüdischen Leidens hin und sehen die Heiligsprechung auch als Maßnahme, um vom
Versagen der katholischen Kirche unter Papst Pius XI. abzulenken.
1999 wurde sie von Papst Johannes Paul II. zusammen mit
Birgitta von Schweden und
Katharina von Siena zur Schutzheiligen Europas erklärt.
Patronin
von Europa
* Quellen:
Andreas Geldner: Eine Katholikin mit Widersprüchen. Stuttgarter Zeitung, 9. Oktober 1998,
Deggendorfer Zeitung vom Donnerstag, 8. Oktober 1998, auch
im Internet,
kirche unterwegs
, 3. Quartal 2006, ebenfalls
im Internet verfügbar.
** Rosa Stein ist nie in den Karmelitenorden eingetreten oder aufgenommen worden. Dieser Fehler taucht immer wieder auf, ist aber durch einen Blick in die neuere Literatur leicht zu entkräften.
*** C. S. weist zurecht darauf hin, dass natürlich viele Frauen aus dem Neuen Testament und dem Urchristentum auch heilige Jüdinnen sind, allen voran Maria.
Edith Stein: Erhör, o Gott, mein Flehen
Hirtenwort der deutschen Bischöfe zur Heiligsprechung von Edith Stein
Eine schöne Internet-Seite mit
ausführlichen Informationen über Edith Stein haben die
Karmeliten in Österreich.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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