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Edith Stein kam als Kind jüdischer Eltern zur Welt, ihr Vater war ein
wohlhabender Holzhändler. Sie studierte Philosophie in Göttingen
und Breslau,
promovierte summa cum laude
bei Edmund Husserl in Freiburg
über das Thema Einfühlung
und wurde Assistentin des berühmten Philosophen,
als jüdischer Frau verwehrte man ihr aber die Habilitation. 1922 konvertierte sie
nach der Lektüre der Biografie der Teresia
von Ávila zur katholischen Kirche und wollte Nonne werden; ihr geistlicher Führer,
der Erzabt des Klosters in Beuron,
empfahl ihr aber ein weiteres Wirken in der Welt
. Sie war nun als Lehrerin tätig
und setzte sich in Reden und Schriften für die Emanzipation der Frauen ein. Zwischen 1928
und 1933 hielt sie sich häufig zu stillen Tagen im Benediktinerkloster
in Beuron auf.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde sie 1933 von ihrem
Lehrstuhl für wissenschaftliche Pädagogik in Münster
verstoßen, wenig später konnte sie doch noch in Köln
in den Karmeliterorden eintreten und nahm
den Ordensnamen Teresia Benedicta vom Kreuz an. 1937 stellte sie ihre
philosophisch-theologische Schrift Endliches und ewiges Sein - Versuch eines Aufstiegs
zum Sinn des Seins
vor. Im Jahr der großen Judenpogrome 1938 legte sie ihre
Gelübde ab. Mehrfach versuchte sie ab 1933, Papst Pius XI. zu einer Stellungnahme
gegen Antisemitismus und Pogrome der Nazis zu bewegen. Schon im April 1933 hatte sie dem
Papst geschrieben: Wir alle, die treue Kinder der Kirche sind und die Verhältnisse
in Deutschland mit offenen Augen betrachten, fürchten das Schlimmste für das Ansehen
der Kirche, wenn das Schweigen noch länger anhält.
Anläasslich der Volksabstimmung zum Anschluss Österreichs 1938 wurde die
jüdische Abstammung von Teresia Benedicta offenbar, deshalb floh sie am 1.
Januar 1939 vor den Nationalsozialisten nach Holland ins Kloster in Echt.
Die Priorin ihres eigenen Klosters verriet den Nazis, dass sie jüdischer
Abstammung ist. * Bei einer Polizeiaktion gegen Juden, die
zum Christentum konvertiert waren, wurden Teresia Benedicta vom Kreuz und ihre
Schwester Rosa am 2. August 1942 in Echt verhaftet - wohl ein Racheakt gegenüber
der katholischen Kirche, weil die Bischöfe eine Woche vorher in den Kirchen der
Niederlande ein Protestschreiben gegen die nationalsozialistischen Besatzer
hatten verlesen lassen. ihre Schwester Rosa lebte seit dem Tod der Mutter 1936
als ständiger Gast und Tertiarin im Karmeliterkloster in
Echt und arbeitete dort an der Pforte mit. **.Am 7. August wurde Teresia Benedicta
vom Kreuz nach Auschwitz - das heutige Oświęcim
- verschleppt und dort in der Gaskammer ermordet. Komm, wir gehen für unser Volk
,
sagte Teresia Benedicta vom Kreuz dabei zu Rosa. Auf die zuvor mögliche Flucht in die
Schweiz hatte sie verzichtet, weil diese nur ohne ihre Schwester möglich gewesen wäre.
Das katholische Gotteslob enthält die Vertonung des Stein-Gedichtes Erhör, o
Gott, mein Flehen
(GL 302). 1999 wurde ein Edith-Stein-Denkmal vor dem Priesterseminar
in Köln, 2006 eine Skulptur in einer der letzten freien Außenkonchen des Petersdomes
in Rom aufgestellt und von Papst Benedikt XVI. geweiht. Sie zeigt Edith Stein, die
eine Torarolle und ein Kreuz hält, wobei das Kreuz die Torarolle überragt, auf der
in hebräischen Buchstaben Schema Jisrael
, Höre, Israel
steht. 2008
wurde Edith Stein auf Beschluss der Bayerischen Staatsregierung in die Ruhmeshalle
Walhalla aufgenommen.
Kanonisation:
Teresia Benedicta vom Kreuz Stein wurde beim Deutschlandbesuch von Papst
Johannes Paul II. 1987 selig
gesprochen, im Oktober 1998 erfolgte durch ihn die Heiligsprechung. Sie ist die
erste geborene Jüdin, die offiziell heilg gesprochen wurde. ***
Die katholische Kirche will die Heiligsprechung als Zeichen der Versöhnung
mit dem Judentum gewertet wissen; Kritiker weisen auf die Vereinnahmung
jüdischen Leidens hin und sehen die Heiligsprechung auch als Maßnahme, um vom
Versagen der katholischen Kirche unter Papst Pius XI. abzulenken.
1999 wurde sie von Papst Johannes
Paul II. zusammen mit Birgitta
von Schweden und Katharina
von Siena zur Schutzheiligen Europas erklärt.
Patronin
von Europa
* Quellen:
Andreas Geldner: Eine Katholikin mit Widersprüchen. Stuttgarter Zeitung, 9. Oktober 1998,
Deggendorfer Zeitung vom Donnerstag, 8. Oktober 1998, auch
im Internet,
kirche unterwegs
, 3. Quartal 2006, ebenfalls
im Internet verfügbar.
** Rosa Stein ist nie in den Karmelitenorden eingetreten oder aufgenommen worden. Dieser Fehler taucht immer wieder auf, ist aber durch einen Blick in die neuere Literatur leicht zu entkräften.
*** C. S. weist zurecht darauf hin, dass natürlich viele Frauen aus dem Neuen Testament und dem Urchristentum auch heilige Jüdinnen sind, allen voran Maria.
Edith Stein: Erhör, o Gott, mein Flehen
Hirtenwort der deutschen
Bischöfe zur Heiligsprechung von Edith Stein
Eine
schöne Internet-Seite mit ausführlichen Informationen
über Edith Stein haben die Karmeliten in Österreich.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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