Gedenktag katholisch: 23. Juli
nicht gebotener Gedenktag
Fest in Europa
in Schweden: 7. Oktober
Fest im Bistum Essen und Paderborn: 24. Juli, in Köln: 27. Juli
in Skandinavien und Prag: Übertragung der Gebeine: 28. Mai
Gedenktag evangelisch: 23. Juli
Gedenktag anglikanisch: 23. Juli
Name bedeutet: die Erhabene (keltisch)
Statue Portraitähnliche Birgitta
in der Klosterkirche
in Vadstena zwischen 1390 und 1450, aus Florenz

Birgitta war die Tochter von Birger Persson, dem Lagmann
- dem Chef der
Verwaltung und der Rechtssprechung - von Uppland, der zugleich einer der
reichsten Grundbesitzer Schwedens war, und seiner Frau Ingeborg Bengtsdotter
aus königlicher Familie. Als Birgitta elf Jahre alt war starb ihre Mutter; der
war kurz vor Birgittas Geburt, als sie bei einem Schiffbruch gerettet wurde,
Maria erschienen und hatte ihr ein
seliges
Kind prophezeit.
Nun hatte auch Birgitta erste Visionen des gekreuzigten Christus und teuflischer Ungeheuer, die sie mit dem Kruzifix bannte. Mit 14 Jahren heiratete sie Ulf Gudmarsson, den späteren Lagmann von Närke, und wohnte in Ulvåsa - beim heutigen Motala in Östergötland. Sie gebar acht Kinder; zwei Söhne starben jung, Tochter Ingeborg wurde Zisterzienserin, Tochter Cäcilia Dominikanerin. Sohn Birger wurde Rechtsanwalt, ihr Lieblingssohn Karl, der gegen das entsagungsvolle Leben seiner Mutter protestierte, starb 1372 in Rom. Ihre Tochter Katharina folgte ihr später auf dem Weg ihrer klösterlichen Berufung. Hoch geachtet war Birgitta bald schon ob ihrer Wohltätigkeit und Frömmigkeit.
1335 wurde Ulf Reichsrat am Hof von König Magnus Eriksson und Birgitta Hofmeisterin bei dessen Gemahlin Bölanche sowie Erzieherin der Königin Blanche von Namur. Am Hof erwarb sie Erfahrungen, die ihr später im Umgang mit Mächtigen zugute kamen. Mit ihrem Mann unternahm sie 1339 eine Wallfahrt nach Nidaros - dem heutigen Trondheim in Norwegen -, dem wichtigsten Pilgerziel in Skandinavien und Ort der Verehrung von Olaf von Norwegen, 1341 eine Wallfahrt zu Jakobus nach Santiago de Compostela. Die Pilgerfahrt, ein Zeichen der Religiosität des Paares, brachte auch Einblicke in die politischen und kirchlichen Verhältnisse in Europa und die Schrecken, die der Hundertjährige Krieg mit England in Frankreich anrichtete. Bald nach der Heimkehr zog sich Ulf in das Zisterzienserkloster Alvastra bei Ödeshög zurück, wo er 1344 starb.
ehemaliges Zisterzienserkloster
Alvastra bei Ödeshög

Auch Birgitta ging nun in die Nähe der Zisterzienserabtei
von Alvastra,
wo sie ein Leben in Armut führte, das ganz dem Gebet geweiht war. Die
Offenbarungen, die sie erstmals wohl 1342 als Braut und Sprachrohr Christi
empfangen
hatte und die ausdrücklich nicht nur für sie persönlich, sondern für
die ganze Christenheit bestimmt waren, wurden nun ausführlicher und wiederholten
sich immer häufiger. Die zunächst ihrem Sekretär, Magister Matthias von Linköping,
diktierten Visionen wurden schriftlich festgehalten. Bei einem Aufenthalt
im Schloss Vadstena
am Vätternsee erhielt sie in ihren Visionen auch den Auftrag und die Regeln für
eine Klostergründung, die zur Reform des Mönchswesens beitragen sollte.
Albrecht Dürer: Visionen der Birgitta, Holzschnitt, 1500, im British Museum in
London

König Magnus stellte Birgitta 1346 das Gut Vadstena
am Vätternsee zum Bau eines Ordenshauses zur Verfügung. Sie gründete - wohl
schon in diesem Jahr - eine Lebensgemeinschaft als Keimzelle eines Klosters, der
sie ergänzte Augustinerregeln gab und die
sowohl Schwestern als auch Priester - eine Klosterfamilie als Symbol der
Urgemeinde - umfasste. Der Grundstein eines neuen Ordens, des Birgittenorden,
war gelegt. Inzwischen nahm sich ihr Beichtvater, Prior Peter Olofsson,
den Birgitta zuteil gewordenen Botschaften an, der sie ins Lateinische
übersetzte und als Offenbarungen
stilisierte. Durch Verbreitung der
Offenbarungen kritisierte sie den Lebenswandel von Priestern, Bischöfen und
Laien besonders in Schweden und hielt geistliche wie weltliche Stände zur
Umkehr, einer christlicheren Lebensführung und nachdrücklicher Besserung an.
1348 versuchte sie, zwischen den Kriegsparteien Frankreich und
England zu vermitteln und setzte sich - zunächst erfolgreich - ein für die
Rückkehr des Papstes Clemens VI. von Avignon
nach Rom.
Die Jahre 1346 - 49 markieren aber auch eine tiefe Glaubens- und Vertrauenskrise, die Birgitta nach enttäuschenden Erfahrungen durchlitt. Eine Ordensvisitation bestätigte dagegen ihr Wirken als Klostermutter; das Königspaar legte nun in seinem Tetament die endgültige Übertragung des Gutes Vadstena an Birgittas Orden fest.
1349 begab Birgitta sich, wie es ihr in Offenbarungen aufgetragen worden war, mit einem kleinem Gefolge - darunter ihren Beichtvätern Prior Peter Olofsson von Alvastra und Magister Peter Olofsson von Skänninge - nach Rom, um an den Feiern zum Heiligen Jahr 1350 teilzunehmen und um die Anerkennung ihres Ordens zu erwirken; aber erst 1370 approbierte Papst Urban V. die Ordensregel - in einer stark verkürzten, Birgitta nicht wirklich befriedigenden Form; die offizielle Anerkennung des Ordens 1378 erlebte sie nicht mehr.
Hans Hesse und Johannes Stenrat: Birgitten-Altar mit Szenen aus ihrem Leben, um
1450, in der ihr geweihten Kapelle der Klosterkirche in Vadstena 
Birgittas Haus an der Piazza Farnese in Rom wurde zur Herberge für Pilger aus dem Norden, sie kümmerte sich um Obdachlose und unterstützte Arme, es entstand eine klösterliche Lebensgemeinschaft. Große Hoffnungen setzte sie dabei auf Papst Urban V., der 1367 aus Avignon nach Rom gekommen war. Birgitta besuchte angeblich alle italienischen Heiligenschreine; 1365 bis 1367 weilte sie in Neapel, um diese Reisen von dort aus anzutreten. 1371 kam sie wieder in die Stadt vor dem Aufbruch zu einer Wallfahrt ins Heilige Land, von der sie erst Anfang 1373 nach Rom zurückkehrte.
Johannes Rosenrod: Birgitta und Katharina
auf Wallfahrt, Fresko, 1437, in
der Kirche in Tensta
in Uppland in Schweden 
Ihre anhaltenden Offenbarungen belegen ihr Ergriffensein von der Gerechtigkeit Gottes und der übergroßen Kraft der Liebe, vermittelt besonders durch die Fürsprache der Gottesmutter und die Heiligkeit der Kirche. Birgittas politische Offenbarungen wurden nachträglich von Bischof Alfons von Jaén gesammelt, der nach ihrem Tod sich auch besonders für ihre Heiligsprechung einsetzte.
Birgitta starb kurz nach ihrer Rückkehr von der Pilgerreise nach Jerusalem
in ihrem Haus in Rom,
ohne bis dahin ihre Vision von einem Kloster in Schweden endgültig erfüllt zu
haben. Erst ihre Tochter realisiert diese Absicht, deshalb war eigentlich
Katharina die Gründerin
des Erlöserordens, des Birgittenordens
, wenngleich er aus Birgittas
Offenbarungen erwuchs. Zunächst in Rom bestattet, wurde Birgittas Leichnam 1374
von ihrer Tochter Katharina nach Vadstena
überführt; der 7. Oktober gilt als Tag der Translation.
1377 kehrte Papst Gregor IX. aus Avignon
nach Rom
zurück, der Prozess zur Heiligsprechung von Birgitta wurde eingeleitet, die
Visionen der Birgitta erschienen. Wohl ab 1368 übersetzte Alonso Pecha von
Vadaterra das Werk in Rom in Birgittas Auftrag ins Lateinische und redigierte es,
was auch eine Überprüfung der insgesamt etwa 700 Offenbarungen auf ihre
Rechtgläubigkeit einschloss, woraus sich die Frage nach dem Anteil des Redaktors
an den endgültigen Formulierungen stellt. Sieben Bücher Revelationes coelestes
,
Himmlische Offenbarungen
, das politische Liber celestis imperatoris ad reges
als eine Art Fürstenspiegel, eine Sammlung liturgischer Lesungen für die
Andachten der Birgittinerinnen und Quattuor orationes
, vierzig Gebete
bilden
den Kern ihrer hinterlassenen Botschaften. Weitere Offenbarungen wurden 1380 von
Peter Olofsson nach Vadstena
gebracht und dort allmählich in das vorliegende Werk eingefügt bzw. zu den -
vorwiegend Birgittas Ordensregel, die Regula Sancti Salvatoris
, Regel des
heiligen Erlösers
ergänzenden - Revelationes extravagantes
,
außerordentlichen Offenbarungen
zusammengestellt.
Johannes Rosenrod: Birgitta empfängt eine Offenbarung von Jesus Christus
und Maria, Fresko, 1437, in der Kirche in
Tensta in Uppland in Schweden 
Birgittas Visionen hatten politische Bedeutung und wirkten gegen den
kirchlichen Verfall jener Zeit. In den Passionsbetrachtungen zeigt sich eine
starke Mütterlichkeit, die sich auch in ihrer Vision von Christi
Geburt zeigt und die für die Darstellung der vor dem Kinde knienden Maria
bedeutsam geworden ist. Durch ihren religiösen Gehalt und die Kraft ihres
bilderreichen Ausdrucks sind die Revelationes
das wichtigste
spätmittelalterliche Literaturdenkmal Skandinaviens. Von Rom
und Vadstena
aus erreichten sie weite Verbreitung und waren das erste Werk skandinavischen
Ursprungs, das in fast alle Sprachen Europas übersetzt wurde. Birgitte war
eine der ersten Frauengestalten ihrer Zeit, die bewusst öffentliche Wirksamkeit
entfaltete und so zum Vorbild, etwa für Katharina
von Siena, wurde.
Schon 1377 erschien der Bericht über Ruf, Leben und Wunder Birgittas
von Bischof Waldemar von Odense, auch ihre
beiden Beichtväter gaben Berichte ihrer Erlebnisse mit Birgitta heraus.
Vadstena wurde schon vor der Heiligsprechung von
Birgitta zum Wallfahrtsort; über ganz Europa verstreute Pilgerzeichen aus Vadstena
bezeugen die Bedeutung der Wallfahrt. Im Kloster San
Lorenzo in Panisperna in Rom blieb eine Armreliquie.
Johannes Rosenrod: Birgitta mit Katharina und den Söhnen Birger
und Karl vor Papst Urban V. und einem Kardinal, Fresko, 1437, in der Kirche in
Tensta in Uppland in Schweden.
Der Überlieferung nach habe Urban zu Birger gesagt: Du bist deiner Mutter Sohn
- hier symbolisiert durch das
weiße Gewand der Reinheit - und zu Karl: Du bist ein Kind der Welt
- symbolisiert durch den Nerzmantel mit Schellen
am Kragen. 
In Dänemark wurde um 1418 das Kloster Maribo auf Lolland und 1446 das Kloster Mariager auf Jütland gegründet. Das Kloster Munkeliv im norwegischen Bergen wurde um 1426 birgittinisch. Ein Tochterkloster von Vadstena wurde das Kloster Nådendal - das heutige Naantali in Finnland. Der Orden verbreitete sich im Baltikum, in den Niederlanden und in England.
Das erste Birgitten-Kloster in Polen wurde in Gdańsk / Danzig gegründet; deshalb wählte die Arbeiterbewegung Solidarnosc Birgitta - nach Maria - zur zweiten Schutzpatronin; dies war wohl einer der Gründe für Papst Johannes Paul II., Birgitta zur Patronin Europas zu erheben. In Deutschland gab es das erste Birgittenkloster ab 1426 in Gnadenberg in der Oberpfalz, es folgten 1472 Maihingen und 1487 Altomünster bei Augsburg. Im Oktober 2002 wurde in Bremen das Birgittenkloster als erstes Kloster des Ordens nach der Reformation eröffnet; dessen Schwestern kommen aus Mexiko, Indien, Italien und Polen.
Ruine des Birgittenklosters in Gnadenberg,
Gemeinde Berg. Foto: S. Kormann 
Kanonisation:
1391 wurde Birgitta auf nachhaltiges Betreiben ihrer Tochter Katharina
durch Papst Bonifatius IX. heiliggesprochen. Sie wurde 1396 zur Schutzheiligen ihres Heimatlandes erklärt und bedeutet für
Schweden, was Jeanne d'Arc für Frankreich bedeutet. 1999
wurde sie von Papst Johannes Paul II. zusammen mit
Katharina von Siena und
Edith Stein zur Schutzheiligen Europas erklärt.
Attribute:
Buch und Feder, Herz mit einem Kreuz
Patronin
von Europa, von Schweden; der Pilger; für einen sanften Tod
Die Weihnachtsvision der Birgitta
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Gute Informationen über Birgitta
bietet ein Vortrag von Pater Dr. Ildefons
Fux OSB.
Das
Birgittenkloster Altomünster hat eine nette Homepage.
Die
Birgittaschwestern von Vadstena informieren
auch in Deutsch, Englisch und Holländisch über ihren Orden und das Kloster Vadstena; das
Pilgerzentrum in Vadstena bietet Informationen über
Pilgerreisen nach Vadstena.
Diptychon, das Verzeichnis der Patriarchen, Bischöfe, Persönlichkeiten und von Wohltäter der Kirche: Bischof
Hemming und Birgitta, aus Finnland 
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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