Ökumenisches Heiligenlexikon

Franz Stock
auch genannt: Abbé Stock

Gedenktag katholisch: 24. Februar

Name bedeutet: der Franke (latein.)

Priester
* 21. September 1904 in Neheim, heute Stadtteil von Arnsberg in Nordrhein-Westfalen
† 24. Februar 1948 in Paris in Frankreich

Franz Stock, erstes von neun Kindern des Ehepaares Johannes Stock und Franziska geb. Schramm, besuchte das Realgymnasium seiner Heimatstadt bis zum Abitur 1926. Schon während seiner Schulzeit schloss er sich dem Bund Neudeutschland und später der Quickbornbewegung an, einer katholischen Jugendbewegung; durch sie erlebte er eine ihn prägenden internationalen Jugendbegegnung mit über 10.000 Teilnehmern teil, die 1926 in Bierville bei Rouen von dem Vorkämpfer der deutsch-französischen Verständigung Marc Sangnier veranstaltet wurde. 1926 bis 1932 studierte er Theologie in Paderborn und als erster deutscher Theologiestudent in Frankreich seit dem Mittelalter in Paris. 1932 wurde er zum Priester geweiht.

Nach einer ersten Stelle als Seelsorger war er Vikar in Dortmund-Eving. Dort lernte er neben französisch auch polnisch, um sich mit seinen vielen aus Polen stammenden Gemeindemitgliedern besser verständigen zu können. 1934 wurde er zum Rektor der deutschen Gemeinde in Paris berufen. Zur Betreuung von rund 500 Gemeindemitgliedern gehörten neben der seelsorglichen Tätigkeit auch viele sozial-karitative Aufgaben und bald auch die Hilfe für die vor den Nationalsozialisten geflohenen politischen Flüchtlinge. Kurz vor Kriegsbeginn am 1. September 1939 musste Franz Stock Paris verlassen und übernahm Vertreterstellen. Als im Juni 1940 Paris von der Deutschen Wehrmacht besetzt wurde, kam Franz Stock erneut als Seelsorger der Deutschen nach Paris. Als Standortpfarrer im Nebenamt begann er Anfang 1941 auch seine Tätigkeit in den Pariser Wehrmachtsgefängnissen; er betreute die Häftlinge und bereite die zum Tode Verurteilten auf ihre Hinrichtung vor. In seinem Tagebuch erwähnt er 863 Erschießungen, denen er beiwohnen musste; kurz vor seinem Tod äußerte er, es seien über 2000 gewesen; die Gedenktafel auf dem Mont Valerien nennt eine Zahl von über 4500. Stock leistete aufopferungsvoll seinen Dienst an den ungerecht Verurteilten, gerühmt wird seine Menschlichkeit und sein Zugehen auf andere.

Als im August 1944 Charles de Gaulle Paris zurückeroberte, blieb Stock in der Stadt und half im Hospital la Pitié, mehr als 600 nicht transportfähige, verwundete deutsche Soldaten zu betreuen. Als der Offizier der französischen Truppen Franz Stock dort erkannte, den er als Gefangener der Deutschen kennengelernt hatt, ließ er das Lazarett unter den Schutz der Résistance stellen; seine Insassen waren vor Repressalien geschützt. Nachdem die Amerikaner das Lazarett übernahmen, wurde Stock amerikanischer Kriegsgefangener im Lager in Cherbourg. 1945 war Franz Stocks Gesundheit schwer angegriffen, er hätte in die Heimat hätte zurückkehren können, beteiligte sich aber an der Gründung eines Priesterseminars, in dem deutschsprachige Priester und Seminaristen zusammengeführt werden sollten. Es wurde auf Initiative der französischen Regierung und mit Unterstützung des Apostolischen NuntiusDer Apostolische Nuntius ist der Botschafter des Staates Vatikanstadt in einem Land. Zugleich vertritt er den Papst als Kirchenoberhaupt gegenüber den Ortskirchen dieses Landes. Roncalli, des späteren Papstes Johannes XXIII., gegründet. Abbé Stock wurde gebeten, dieses Seminar als Regens zu leiten. Das Seminar wurde im April 1945 in Orléans eröffnet und im August nach Chartres verlegt. Dort wurden alle in französischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Priester und Seminaristen zusammengelegt.

Im Juni 1947 wurde das Seminar aufgelöst, Franz Stock kehrte nach Paris zurück. Im Dezember 1947 wurde zum Ehrendoktor der Universität Freiburg im Breisgau ernannt. Abbé Franz Stock starb dann plötzlich und unerwartet, noch keine 44 Jahre alt; sein Tod durfte in der Presse nicht bekannt gegeben werden, da er noch immer den Status eines Kriegsgefangenen hatte, deshalb folgte seinem Sarg nur ein knappes Dutzend Menschen; von der Familie konnte niemand teilnehmen, da sie keine Einreiseerlaubnis erhalten hatte. Bei der Totenfeier in der Kirche St-Jacques-du-Haut-Pas sagte Nuntius Roncalli: Abbé Franz Stock - das ist kein Name - das ist ein Programm!. Die erste öffentliche Gedenkfeier fand im Juli 1949 im Invalidendom statt, wo bis dahin noch nie ein Deutscher geehrt worden war. Pater Riquet,der Domprediger von Notre Dame, sagte in seiner Ansprache: Das ist die Paradoxie, dass ein deutscher Priester sich mitten im Kriege zum Diener und Freund derer machte, die seine Regierung als die ärgsten Feinde betrachtete. Die Familien der Inhaftierten und Erschossenen stiften den Grabsteinfür Abbé Stock mit der Inschrift PAX.

In Frankreich erhielt Stock die Beinamen l'Aumônier de l'enfer, der Seelsorger der Hölle und l'Archange en enfer, der Erzengel in der Hölle. Viele Widerstandskämpfer haben ihm die Ehre erwiesen. Heute ist der Platz vor dem Mémorial de la France Combattante, das an den Widerstand der Franzosen gegen die deutsche Besatzungsmacht erinnert, nach Abbé Franz Stock, benannt. 1963 wurden die Gebeine von Paris nach Chartres in die neuerbaute Kirche Saint Jean Baptiste übertragen. 1998 fanden in Paris die Feierlichkeiten zum 50. Todestag von Abbé Franz Stock statt. Höhepunkt war das Pontifikalamt in der Kathedrale von Chartres, das der Erzbischof von Paris, Kardinal Lustiger, zusammen mit Bischof Lehmann, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, im Beisein des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl und dem Präsidenten des Senats und damit zweitem Mann der französischen Republik, zelebrierte.

Kanonisation: 2009 eröffnete der Erzbischof von Paderborn das Seligprechungsverfahren für Franz Stock.

Die Website der Franz-Stock-Vereinigungen in Frankreich und Deutschland bietet ausführliche Informationen auch in französicher und englischer Sprache.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• http://www.franz-stock.org/index.php?option=com_content&view=article&id=46&Itemid=34&lang=de
• Robert Jauch. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. XXX, Nordhausen 2009.