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Marie-Françoise Thérèse Martin, neuntes Kind der Familie, wurde im
Alter von erst viereinhalb Jahren Halbwaise; nach dem Tod ihrer Mutter zog die
Familie um nach Lisieux.
Schon in jungen Jahren hatte sie ein besonderes Verhältnis zu Maria.
Mit knapp sieben Jahren ging sie erstmals zur Beichte, an Pfingsten
1883 wurde sie durch Fürsprache der Maria und das Lächeln der Gottesmutter
wunderbar von
einer schweren Krankheit geheilt. Nach Unterrichtung durch die Benediktinerinnen
von Lisieux und nach intensiver Vorbereitung, die in einer Erfahrung der
Verschmelzung mit Christus
ihren Höhepunkt fand, empfing sie 1884 die Erstkommunion, kurz danach die
Firmung.
Thérèse entschloss sich 1886, bei den Karmelitinnen in Lisieux ein kontemplatives Leben zu führen wie ihre Schwestern Pauline und Marie, doch der zuständige Bischof verweigerte wegen ihres jugendlichen Alters die Aufnahme. 1887 wallfahrtete sie mit ihrem Vater nach Italien, besuchte die heiligen Stätten in Rom und bat während einer Audienz bei Papst Leo XIII. für Pilger aus Lisieux um Aufnahme in den Orden, aber auch das war vergeblich.
Erst 1888 konnte Marie-Françoise den Unbeschuhten
Karmelitinnen in Lisieux
beitreten. Als ihre Aufgabe erkannte sie, stellvertretend leidend da zu sein für
die armen Seelen der Sünder auf dem Weg, der von der Gründerin Teresa
von Ávila aufgezeigt worden war. Sie nahm nach deren Vorbild den Ordensnamen
Thérèse an und folgte dem - wie sie sagte - kleinen Weg
einer innigen Hingabe
an Gott, die wie ein Kind sich angstlos den Armen des Vaters überläßt. Gott in
Jesus über alles lieben und in
der Liebe zu Menschen Gott erfahren: das war der Kern ihrer Frömmigkeit. Sie
wollte den Weg der Einfachheit gehen und Gott lieben, wie er noch nie geliebt
worden ist, gerade in den kleinen und einfachen Dingen des alltäglichen Lebens.
Sie erkannte ihre Schwachheit und setzte mit kindlichem Vertrauen ganz auf die
Hilfe und Barmherzigkeit Gottes.
Thérèse als Jeanne
d'Arc. Foto von 1894 ![]()
Die Ordensschwestern hielten die junge Thérèse für eingebildet und machten
ihr das Leben oft schwer, die Priorin behandelte sie in den ersten Jahren mit
größter Strenge. Hinzu kamen Ängste, die sie ihr Leben lang quälten, das Erleben
einer geistigen Dürre
und schwere Krankheiten. Ihr Glaube wurde auch durch die
Krankheit ihres geliebten Vaters Louis Martin auf die Probe gestellt, der im
Juli 1894 starb. Trotzdem wuchs in Thérèse die Heiligkeit, in ihrer
Autobiographie hinterließ sie Beschreibungen ihrer geistlichen Erfahrungen.
Diese wurde zunächst 1898 in einer zensierten Fassung als Histoire d'une âme
,
Geschichte einer Seele
herausgegeben, wurde zu einer der meistgelesenen
religiösen Autobiografien und in über 50 Sprachen übersetzt. 1956 erschien
erstmals das Original Selbstbiographische Schriften
mit Berichten aus ihrer
Kindheit bis 1894, der Beschreibung ihres kleinen Weges
und der Schilderung
ihrer Krankheiten und Gewissensprüfungen, dazu einem Kommentar zum Hohen Lied
aus dem Alten Testament.
Der von Thérèse gelehrte kleine Weg
ist der Weg, der zunächst die
geistliche Armut des Menschen erkennt, der vor Gott mit leeren Händen steht und
sich von ihm alles schenken lassen muss. Auch die Tugenden eines Menschen sind
Geschenk Gottes; dies anzuerkennen und sich dabei immer als klein
, also
empfangend zu erkennen, ist die Schwierigkeit dieses Weges für den gerne so
stolzen und selbstgewissen Menschen. Aus solcher Armut
folgt Barmherzigkeit,
Ausfluss der Liebe Gottes für alle Menschen, auch für die Sünder. Thérèse fand
den Weg heiliger Kindheit und lehrte ihn den ihr anvertrauten Novizinnen, 1893
wurde sie zweite Novizenmeisterin im Kloster Lisieux. Sie empfand es als
besondere Gabe, zwei Missionsbrüder mit Gebeten zu begleiten, und wurde sich
immer mehr ihrer apostolischen und missionarischen Berufung bewusst.
Neben ihrem Hauptwerk verfasste Thérèse 266 Briefe, 54 Gedichte und 21 Gebete, die alle ihre spirituellen Erfahrungen zum Gegenstand haben. Weniger bekannt sind acht von ihr geschriebene Theaterstücke.
Sarg der Thérèse
Am Dreieinigkeitsfest 1895 gab
Thérèse sich selbst hin als heiliges Opfer der barmherzigen Liebe Gottes
. In
den folgenden Monaten schrieb sie ihr erstes autobiografisches Manuskript, das
sie im Januar 1896 ihrer Oberin übergab. In der Nacht von Gründonnerstag
auf Karfreitag 1896 erkrankte
sie wieder, diesmal an Tuberkulose, und erlebte dies als Begegnung mit ihrem
göttlichen Lebensgefährten. Und
sie schrieb: Wenn ich hätte Priester werden können, hätte ich in diesem Juni
die heilige Weihen empfangen. Was tat also Gott? Damit ich nicht enttäuscht wäre,
ließ er mich krank werden. Auf diese Weise konnte ich nicht dabei sein, und ich
sterbe, bevor ich mein Amt ausüben könnte.
Aus Trauer und Protest
darüber,
dass sie nicht zum Priester geweiht werden konnte, hatte Thérèse sich schon
zuvor die Haare kurz wie ein Priester schneiden lassen.
Auch auf dem Krankenbett verfasste sie weitere Manuskripte, nach der
Überführung ins Krankenzimmer des Klosters schrieben Mitschwestern ihre Worte
nieder *. Am Abend ihres Todes, eineinhalb Jahre nach
Ausbruch der Krankheit, schrieb sie an ihren geistlichen Bruder M. Bellier: Ich
sterbe nun, ich gehe ins Leben.
Mit den Worten Mein Gott ..., ich liebe dich!
beschloss sie im Alter von nur 24 Jahren ihr Leben.
Basilika in Lisieux
Bereits kurz nach ihrem Tod sprach man Thérèse eine Vielzahl von Wundertaten
zu, die ihre geheimnisvollen Worte Nach meinem Tod will ich es Rosen regnen
lassen
im Nachhinein mit Bedeutung zu füllen schienen. 1907 nannte Papst Pius
X. sie die größte Heilige der Neuzeit.
Ihre Gebeine wurden 1910 im Beisein
des Bischofs erhoben und umgebettet, dann 1917 erneut erhoben und 1923 in einen
prächtigen Sarg gelegt, der seinen Platz in der Kapelle der Unbeschuhten
Karmelitinnen in Lisieux
fand. Im Jahr 2002 waren mehr als 1700 Kirchen oder Kapellen, zwei Kathedralen
und fünf Basiliken ihr geweiht und mehrere hundert religiöse Kongregationen
ihrem Patronat unterstellt. Lisieux ist heute nach Lourdes
der zweitgrößte Wallfahrtsort in Frankreich mit jährlich fast eineinhalb
Millionen Pilgern und Besuchern; mit dem Baus der Basilika in Lisieux wurde 1929
begonnen, 1954 war die Einweihung; finanziert durch Spenden aus der ganzen Welt
ist sie eine der größten Kirchen, die im 20. Jahrhundert gebaut wurden.
Kanonisation:
1923 wurde Thérèse von Papst Pius XI. selig und 1925 von ihm im Beisein von
50.000 Menschen im Petersdom, 500.000 davor, 23 Kardinälen und 250 Bischöfen
heilig gesprochen. 1927 wurde Thérèse neben Franz
Xaver zur Patronin aller Missionen erklärt. 1997 ernannte Papst Johannes
Paul II. sie zur Kirchenlehrerin.
Im Jahr 2008 wurden auch ihre Eltern selig gesprochen. Es war erst das zweite Mal
in der Kirchengeschichte, dass ein Ehepaar gleichzeitig selig gesprochen wurde, und
das erste Mal, dass es die Eltern einer Heiligen waren.
Attribute:
Rosen
Patronin
von Frankreich; der Weltmission, der Missionen und der Flieger; in allen
Anliegen
* J.-F. Six bestritt 1997 in seinem Buch Licht in
der Nacht. Die 18 letzten Monate im Leben der Thérèse von Lisieux
die Echtheit.
Mit leeren Händen. Die
Biographie von Conrad de Meester
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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