Ökumenisches Heiligenlexikon

Josef von Calasanz
spanischer Name: José de Calasanz

Gedenktag katholisch: 25. August
     nicht gebotener Gedenktag
Name bedeutet: Gott hat hinzugefügt (hebr.)
Priester, Ordensgründer
* 31. Juli 1557 (oder 11. September 1556) auf Schloss Calasanz bei Lleida in Spanien
† 25. August 1648 in Rom
Kartenskizze

Statue in der 1756 von den Piaristen als Klosterkirche erbauten Kirche St. Thekla in Wien

Statue in der 1756 von den Piaristen als Klosterkirche erbauten Kirche St. Thekla in Wien

Josef aus der Adelsfamilie derer von Calasanz studierte Theologie und Philosophie in Lérida und Valencia, erwarb den Doktorgrad und wurde 1583 zum Priester geweiht. Zunächst war er in der Seelsorge und kirchlichen Verwaltung in seiner Heimat tätig. 1592, nach dem Tod des Vaters, verzichtete er auf sein Erbe zugunsten einer kirchlichen Karriere und trat in Rom in den Dienst des Kardinals Marcantonio IV. Colonna. Er fand Zugang zu Kreisen, die für eine Kirchenreform eintraten, und wurde Mitglied verschiedener Bruderschaften.

In Rom erlebte Josef die Verwahrlosung vieler Kinder, die ihre Eltern in vorhergegangenen Seuchen verloren hatten, und begann 1597 in der Sakristei der Kirche S. Dorotea im Stadteil Trastevere, diese Kinder unentgeltlich zu unterrichten. * Eine damals neue Idee war, die Schüler nach dem Alter in Klassen einzuteilen. Andere hilfsbereite Lehrer und Priester schlossen sich der Idee an, bald schon wurden über 1000 Kinder unterrichtet und betreut; aus den Unterrichtenden entstand eine Lebensgemeinschaft unter Josefs Führung, schließlich die Genossenschaft der RegularklerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. der frommen Schulen, die Piaristen, auch Scolopini. 1605 übersiedelte die Schule ins Zentrum von Rom in ein größeres Haus bei der Kirche S. Pantaleo, das dann zum Generalat des Ordens wurde. Josef leitete den Orden als Genaraloberer, verfasste die Ordensregel und pädagogische Schriften und sorgte für das Wachstum der Gemeinschaft. die die Päpste 1617 und 1621 bestätigten.

Die Ausbreitung des Ordens erfolgte rasch, besonders auch in Österreich. 1637 hatte der Orden 362 Mitglider in sechs Provinzen mit 27 Häusern. Weil Josef wollte, dass die Lehrer seiner Schulen die beste Ausbildung erhielten, schickte er sie zu den wichtigsten Gelehrten seiner Zeit, so zu Galileo Galilei, was von der Kirchenleitung natürlich nicht hingenommen wurde. Josef wurde 1646 als Genraloberer abgesetzt, der Orden einer Strafaktion unterzogen, die erst 1659 zurückgenommen wurde. Wegen der vielen Anfeindungen und Schicksalsschläge, die er zu erdulden hatte, nannte man Josef auch den Ijob des Neuen Bundes. Erst die Selig- und Heiligsprechung Mitte des 18. Jahrhunderts bedeuteten Josefs völlige Rehabilitierung.

Der Orden der nach Joseph von Calasanza genannten Kalasantiner, die Kongregation für die christlichen Arbeiter vom heiligen Josef Calasanz, wurde 1889 in Wien von dem Arbeiterpriester Anton Maria Schwartz gegründet.

Kanonisation: Josef wurde 1748 selig- und 1767 heiliggesprochen. 1948 erklärte Papst Pius XII. Josef zum Patron der Volksschulen
Patron der christlichen Volksschulen; der Kinder

* Dies wird gelegentlich als die erste unentgeltliche Volksschule Europas bezeichnet; dieser Verdienst kommt tatsächlich der Reformation und besonders Philipp Melanchthon zu.

Catholic Encyclopedia

Unter dem Titel Der Weg durch das Feuer haben Christian Wlaschütz und Gefährten einen deutschsprachigen Blick auf die Geschichte des Joseph von Calasanza ins Netz gestellt.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996


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