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Hiller wurde als Sohn eines Pfarrers geboren, aber schon als er zwei Jahre
alt war starb sein Vater. Im Alter von acht Jahren war Hiller mit seiner Mutter
und seinem Stiefvater auf der Flucht vor den mordenden und plünderndenten
Soldaten der französischen Besatzung. Schon früh wurde seine außerordentliche
Begabung als musikalisches Wunderkind deutlich. Er wurde ab 1713 in der
Klosterschule in Denkendorf
Schüler von Johann
Albrecht Bengel, danach Student der Theologie in Tübingen,
wo er 1724 das Examen ablegte. Nach einigen Stellen als Vikar und zwei Jahren
als Hauslehrer in Nürnberg
wurde er 1732 Pfarrer in Markgröningen
und heiratete eine Pfarrerstochter. Sein Talent als Liederdichter stellte er bei
der Vertonung des Arndtschen Paradiesgärtleins
, einer Gebetssammlung des
Theologen Johann Arndt, unter
Beweis.
1748 wurde Hiller Pfarrer in Steinheim
bei Heidenheim. Seine elf Kinder stellten ihn wegen seines niedrigen Gehalts vor
ständige Versorgungsprobleme, auch ein plötzlich auftretendes Halsleiden
bereitete ihm Kopfzerbrechen. Ein anonymer Geldgeber sorgte für Linderung der
finanziellen Situation, aber auch Medikamente konnten den drohenden Verlust der
Stimme nicht aufhalten. Durch Hillers fortschreitende Heiserkeit sah sich eine
Gruppe von Gemeindegliedern veranlasst, beim zuständigen Dekan in Heidenheim
Hillers Amtsenthebung zu fordern. Einer Überlieferung zufolge habe die
Beschwerdedelegation auf dem Weg nach Heidenheim ein Liedmanuskript ihres
Pfarrers gefunden, das dieser verloren hatte. In Unkenntnis der Autorenschaft
hätten sie den Dekan gebeten, ihnen statt ihres stimmlosen Pfarrers einen
richtigen
Pfarrer zu vermitteln, der solche Lieder komponieren könne. Als sie
beim Schlichtungsgespräch diesen Wunsch erneuerten, hätte der Dekan ihnen ihren
eigenen und stimmlosen Pfarrer als Autor vorgestellt, worauf die
Beschwerdeführer vor Scham gerne im Boden versunken wären. Hiller blieb im Amt.
Ein Vikar entlastete den heiseren Pfarrer, so dass er sich auf Seelsorge,
Erbauungsstunden im privaten Kreis und vor allem auf sein Dichten konzentrieren
konnte.
In dieser Zeit enstanden die beiden Teile seines Geistlichen Liederkästleins
.
Der erste Teil erschien 1762 und enthält Werke aus Hillers Frühzeit und Lieder
über die Gebete in Arndts
Paradiesgärtlein
. Im zweiten Teil, 1767 erschienen, sind 732 kurze Lieder zu
ausgewählten Bibelworten enthalten, wobei Hiller neue Texte zu alten, bekannten
Melodien schreib. Seine Lieder unterscheiden sich durch ihre knappe und
nüchterne Sprache von dem eher süßlichen und überschwenglichen Stil des
Halleschen Pietismus und der Herrnhuter
Bewegung Zinzendorfs.
Seine streng auf Christus
bezogenen Texte setzten sich von der Aufklärung ab, die auch in der Kirche
inzwischen Wurzeln schlug. Das Lob Gottes sei sein Anliegen, schrieb Hiller in
der Vorrede zum ersten Liederkästlein. Er starb nach einem Schlaganfall.
Insgesamt hat Hiller über tausend Lieder getextet, das Lied Jesus Christus
herrscht als König
(EG 123) wird vielfach zu den schönsten Kirchenliedern des
18. Jahrhunderts gerechnet. Seine Texte fanden schnell Eingang in den
Erbauungsstunden
der Gemeinschaften im schwäbischen Pietismus;
ins offizielle Kirchengesangbuch wurden sie erst 1842 auf Initiative von Albert
Knapp aufgenommen. Heute enthält das Evangelische Gesangbuch vier Lieder mit
Texten von Hiller.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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