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Peter Parler (1330 - 1399): Statue in der Wenzel geweihten Kapelle im Veits-Dom in Prag

Wenzel, Sohn des christlichen Herzogs Wratislaw I. von Böhmen aus der Přemysliden-Dynastie, wurde von seiner frommen Großmutter Ludmilla am Fürstenenhof in Tetín christlich erzogen. Um 915 soll er durch einen Bischof - möglicherweise Nother II. von Verona - die Tonsur erhalten haben. 921 wurde er nach dem Tod seines Vaters Herzog von Böhmen, aber seine Mutter Drahomíra wurde Regentin für den noch Minderjährigen. Sie unterstützte die kirchenslawische Tradition und ließ auch heidnische Praktiken gewähren - wohl fürchtend, dass mit dem lateinischen Christentum das Deutsche Reich die böhmische Unabhängigkeit gefährden könnte. Darüber geriet sie in Streit mit der Schwiegermutter Ludmilla, die durch sie den Märtyrertod erlitt.
923/924 übernahm der inzwischen mündig gewordenen Wenzel die Macht, nachdem er 922 das Land erfolgreich gegen einen Angriff des Herzogs Arnulf von Bayern verteidigt hatte. Drahomíra wurde in Budec interniert, Wenzel betrieb nun energisch die Christianisierung seines Landes, holte Priester und Reliquien ins Land und ließ auch Ludmilas Gebeine nach Prag überführen. In den Burgen ließ er Kirchen errichten. Er wurde gerühmt ob seines Gerechtigkeitssinnes und seiner Frömmigkeit; die Todesstrafe wurde abgeschafft. Zwar ist nichts von einer Ehefrau überliefert, die Legende von Wenzels Keuschheit ist aber nicht haltbar: er hatte einen Sohn.
Nach dem Einfall von König Heinrich I. dem Vogler
im Jahr 929 erkannte Wenzel die Oberherrschaft
des sächsischen Königs an und verpflichtete sich zur regelmäßigen Tributzahlung;
Damit hatte sich auch das lateinische Christentum durchgesetzt; Symbol dafür war
die Gründung der ersten Veitskirche
in Prag.
Dies stärkte die Opposition mit Wenzels Bruder Boleslav I. an der Spitze, die
sich zum offenen Widerstand ausweitete. Wenzel wollte eigentlich demissionieren
und seinem Bruder Boleslaw I. die Macht überlassen, um ins Kloster zu gehen;
schon 915 hatte er sich ja die Haare scheren lassen. Aber noch bevor er sein Vorhaben
kund tat wurde er auf der Burg seines Bruders in Altbunzlau - dem heutigen Stará
Boleslav -, wohin man ihn zur Taufe von Boleslavs Sohn eingeladen hatte, während
des Gottesdienstes vom eigenen Bruder erschlagen und von anderen in Stücke gehauen.
Seine Anhänger wurden verfolgt und erschlagen, die ihm ergebenen Priester des Landes
verwiesen.
Bild auf der Burg Karlštejn

Schon bald nach Wenzels Tod begann die Verehrung als Märtyrer und Nationalheiliger Böhmens. Berichte über Wunder an seinem Grab und wohl auch das Bestreben, die dem Christentum feindliche gesonnene Partei zurückzudrängen, veranlassten Boleslaw I. 938 zur Überführung der Reliquien in die von Wenzel erbaute Veitskirche in Prag; heute ruhen sie in der Wenzels-Kapelle des Veits-Doms. Reliquien sind auch in Bamberg, Trier, Erfurt und Tegernsee.
Die reiche Legendenüberlieferung beginnt schon kurz nach seinem Tod. Eine zuverlässige altkirchenslawische Legende ist - allerdings nur in drei späteren Fassungen aus Kroatien und Russland - überliefert, spätere lateinische Biografien wurden vom Ende des 10. bis zum 14. Jahrhundert verfasst, so 980 im Auftrag von Kaiser Otto II. durch Bischof Gumpold von Mantua. Nach Boleslwas Tod 970 wurde die Einrichtung eines Bistums in Prag angestrebt, die Verbreitung von Legenden und Verehrung Wenzels sollte dieses Ziel befördern. Im 11. Jahrhundert wandelten sich seine Darstellungen vom fürbittenden und segnenden Heiligen zum ritterlichen Fürsten.
Wenzel spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der böhmischen
Staatsidentität. Er wurde zum Patron des Landes und darüber hinaus zum ewigen
Herrscher
, der seine Macht den jeweiligen Herrschern überträgt, sowie zum
Schlachtenhelfer der böhmischen Truppen. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich die
Verehrung Wenzels zum Staatskult, er wurde zum Garanten der Existenz Böhmens.
Kaiser Karl IV. wollte Wenzels Verehrung dann für sein gesamtes Reich nützen, er
verfasste selbst die Hystoria nova de sancto Wenceslao
; im Dom in Aachen
wurde 1368 ein Wenzels-Altar errichtet, im Prager
Dom die ihm geweihte Kapelle.
Eine wichtige Rolle spielte Wenzel auch in der Zeit der Hussiten,
als er sowohl von diesen als auch von den Katholiken als Beschützer und Patron
bezeichnet wurde. Auf den Hussitenschilden war Wenzel unter dem Abendmahlskelch
abgebildet, mit einem neu verfassten Wenzelslied zogen die Hussiten in die
Schlachten. Das neuzeitliche tschechische Nationalbewusstsein berief sich auf
Wenzel, 1848 wurde der zentrale Platz in Prag
nach ihm benannt, 1912 / 13 das Denkmal errichtet. Der Platz wurde dann auch
Ort der großen Demonstartionen im Prager Frühling
1968 und bei der Wende
von 1989. Seit dem Jahr 2000 ist der Namenstag des Heiligen in Tschechien wieder
offizieller Staatsfeiertag; in ganz Europa Raum gibt es keinen anderen Heiligenkult,
der so stark auch in der nichtkatholischen und atheistischen Bevölkerung verankert
ist. Schon während der Zeit der Ersten Republik galt Wenzel als ein Staatssymbol,
heute ist der Kult um den Landespatron aber sehr viel stärker ausgeprägt.
Reiterstandbild von 1912 / 13 vor dem Nationalmuseum auf dem Wenzelsplatz in Prag
Zur Interpretation des Wirkens von Wenzel gibt es in Tschechien zwei völlig
entgegengesetzte Positionen: Die eine sieht Wenzel als den vorbildlichen Christen
und weisen Staatsmann, die andere jedoch als Schwächling und Symbol der tschechischen
Untertanenmentalität, da Wenzel König Heinrich huldigte und ihm jährlich Tribut zahlen
ließ. Wenzel als Symbol der Schwäche hat seine Wurzeln wohl in der Nazi-Zeit; während
der Zeit des Protektorats spendeten sie Nazis den Heiligen-Wenzels-Adler
als
Verdienstorden für tschechische Kollaborateure. Die Sichtweise auf Wenzel als weiser
Staatsmann ist die seit dem 10. Jahrhundert verbreitete. Die kritische
Geschichtswissenschaft tut sich schwer, weil seine Gestalt vor allem von der Legende
gezeichnet ist.
Kanonisation:
Wenzel wurde 1729 als der erste Tscheche heiliggesprochen.
Attribute:
Schild, Schwert, Lanze
Patron
von Böhmen
Bauernregeln:
Kommt Wenzeslaus mit Regen an, / werden wir Nüsse bis Weihnachten
han.
Wie viele Fröste vor Wenzeslaus fallen, / so viel werden nach Jakobi
folgen.
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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