Ökumenisches Heiligenlexikon

Wenzeslaus (Wenzel, Václav)

Gedenktag katholisch: 28. September
     n.g. Gedenktag
     Übertragung der Gebeine: 4. März
     in Prag: Sammlung seiner Gebeine: 27. Juni
Gedenktag orthodox: 28. September
     Übertragung der Gebeine: 4. März
Name bedeutet: der bekränzte Berühmte (slawisch)
Fürst von Prag und Böhmen, Märtyrer
* um 907 in Altbunzlau an der Elbe, heute Stará Boleslav in Tschechien
† 28. September 935 (oder 929) daselbst
Kartenskizze

Wenzel, Sohn des christlichen Herzogs Wratislaw I. von Böhmen aus der Přemysliden-Dynastie, wurde von seiner frommen Großmutter Ludmilla am Fürstenenhof in Tetín christlich erzogen. Um 915 soll er durch einen Bischof - möglicherweise Nother II. von Verona - die Tonsur erhalten haben. 921 wurde er nach dem Tod seines Vaters Herzog von Böhmen, aber seine Mutter Drahomíra wurde Regentin für den noch Minderjährigen. Sie unterstützte die kirchenslawische Tradition und ließ auch heidnische Praktiken gewähren - wohl fürchtend, dass mit dem lateinischen Christentum das Deutsche Reich die böhmische Unabhängigkeit gefährden könnte. Darüber geriet sie in Streit mit der Schwiegermutter Ludmilla, die durch sie den Märtyrertod erlitt.

923/924 übernahm der inzwischen mündig gewordenen Wenzel die Macht, nachdem er 922 das Land erfolgreich gegen einen Angriff des Herzogs Arnulf von Bayern verteidigt hatte. Drahomíra wurde in Budec interniert, Wenzel betrieb nun energisch die Christianisierung seines Landes, holte Priester und Reliquien ins Land und ließ auch Ludmilas Gebeine nach Prag überführen. In den Burgen ließ er Kirchen errichten. Er wurde gerühmt ob seines Gerechtigkeitssinnes und seiner Frömmigkeit; die Todesstrafe wurde abgeschafft. Zwar ist nichts von einer Ehefrau überliefert, die Legende von Wenzels Keuschheit ist aber nicht haltbar: er hatte einen Sohn.

Nach dem Einfall von König Heinrich I. 929 erkannte Wenzel die Oberherrschaft des sächsischen Königs an und verpflichtete sich zur regelmäßigen Tributzahlung; Damit hatte sich auch das lateinische Christentum durchgesetzt; Symbol dafür war die Gründung der ersten Veitskirche in Prag. Dies stärkte die Opposition mit Wenzels Bruder Boleslav I. an der Spitze, die sich zum offenen Widerstand ausweitete. Wenzel wollte eigentlich demissionieren und seinem Bruder Boleslaw I. die Macht überlassen, um ins Kloster zu gehen; schon 915 hatte er sich ja die Haare scheren lassen. Aber noch bevor er sein Vorhaben kund tat wurde er auf der Burg seines Bruders in Altbunzlau - dem heutigen Stará Boleslav -, wohin man ihn zur Taufe von Boleslavs Sohn eingeladen hatte, während des Gottesdienstes vom eigenen Bruder erschlagen und von anderen in Stücke gehauen. Seine Anhänger wurden verfolgt und erschlagen, die ihm ergebenen Priester des Landes verwiesen.

Schon bald nach Wenzels Tod begann die Verehrung als Märtyrer und Nationalheiliger Böhmens. Berichte über Wunder an seinem Grab und wohl auch das Bestreben, die dem Christentum feindliche gesonnene Partei zurückzudrängen, veranlassten Boleslaw I. 938 zur Überführung der Reliquien in die von Wenzel erbaute Veitskirche in Prag; heute ruhen sie in der Wenzels-Kapelle des Veits-Doms. Reliquien sind auch in Bamberg, Trier, Erfurt und Tegernsee.

Die reiche Legendenüberlieferung beginnt schon kurz nach seinem Tod. Eine zuverlässige altkirchenslawische Legende ist - allerdings nur in drei späteren Fassungen aus Kroatien und Russland - überliefert, spätere lateinische Biografien wurden vom Ende des 10. bis zum 14. Jahrhundert verfasst, so 980 im Auftrag von Kaiser Otto II. durch Bischof Gumpold von Mantua. Nach Boleslwas Tod 970 wurde die Einrichtung eines Bistums in Prag angestrebt, die Verbreitung von Legenden und Verehrung Wenzels sollte dieses Ziel befördern. Im 11. Jahrhundert wndelten sich seine Darstellungen vom fürbittenden und segnenden Heiligen zum ritterlichen Fürsten.

Wenzel spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der böhmischen Staatsidentität. Er wurde zum Patron des Landes und darüber hinaus zum ewigen Herrscher, der seine Macht den jeweiligen Herrschern überträgt, sowie zum Schlachtenhelfer der böhmischen Truppen. Im 13. Jahrhundert entwickelte sich die Verehrung Wenzels zum Staatskult, er wurde zum Garanten der Existenz Böhmens. Kaiser Karl IV. wollte Wenzels Verehrung dann für sein gesamtes Reich nützen, er verfasste selbst die Hystoria nova de sancto Wenceslao; im Dom in Aachen wurde 1368 ein Wenzels-Altar errichtet, im Prager Dom die ihm geweihte Kapelle.

Eine wichtige Rolle spielte Wenzel auch in der Zeit der Hussiten, als er sowohl von diesen als auch von den Katholiken als Beschützer und Patron bezeichnet wurde. Auf den Hussitenschilden war Wenzel unter dem Abendmahlskelch abgebildet, mit einem neu verfassten Wenzelslied zogen die Hussiten in die Schlachten. Das neuzeitliche tschechische Nationalbewusstsein berif sich auf Wenzel, 1848 wurde der zentrale Platz in Prag nach ihm benannt, 1912 / 13 das Denkmal errichtet. Der Platz wurde dann auch Ort der großen Demonstartionen im Prager Frühling 1968 und bei der Wende von 1989.

Reiterstandbild von 1912 / 13 vor dem Nationalmuseum auf dem Wenzelsplatz in Prag

Reiterstandbild von 1912 / 13 vor dem Nationalmuseum auf dem Wenzelsplatz in Prag

Kanonisation: Wenzel wurde 1729 als der erste Tscheche heilig gesprochen.
Attribute: Schild, Schwert, Lanze
Patron von Böhmen
Bauernregeln: Kommt Wenzeslaus mit Regen an, / werden wir Nüsse bis Weihnachten han.
Wie viele Fröste vor Wenzeslaus fallen, / so viel werden nach Jakobi folgen.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://home.zcu.cz/~kkoudelk/
• http://www.bauernregeln.net/september.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 10. Herder, Freiburg im Breisgau 2001



Digg it delicious Facebook Google Bookmark Mister Wong Myspace netvibes linkarena blinklist Yahoo Yigg StudiVZ Folkd Newsvine reddit StumbleUpon Windows Live
W3C