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Gemälde von Meister Theoderic aus Prag,
um 1365 ![]()
Der Legende zufolge wurde der Sohn eines heidnischen Senators Hylas in Mazzara - dem heutigen Mazara del Vallo auf Sizilien - von seiner Amme Crescentia und seinem Erzieher Modestus bekehrt. Schon als 7-jähriger wirkte er Wunder und wurde deshalb von seinem Vater geschlagen und vor den Richter gebracht, weil er nicht von seinem Glauben lassen wollte. Auch der Richter befahl, ihn zu schlagen, aber dem Richter und seinen Knechten verdorrten die Arme, worauf Vitus betete und sie heilte. Der Vater schloss ihn mit musizierenden und tanzenden Mädchen ein, die ihn verführen sollten. Als er ihn dabei durchs Schlüsselloch beobachtete, sah er seinen Sohn von sieben Engeln umgeben und wurde blind. Er gelobte vergeblich, einen Stier mit goldenen Hörnern im Jupiter-Tempel zu opfern; erst das Gebet des Sohnes heilte ihn. Trotzdem trachtete er ihm nun nach dem Leben, aber ein Engel veranlasste Vitus, mit seinem Lehrer Modestus und seiner Amme Creszentia auf einem Schiff nach Lucanien zu fliehen, wo ihnen ein Adler Brot brachte.
Vitus und seine Begleiter wurden entdeckt und zu Kaiser Diokletian gerufen. Vitus heilte zwar dessen besessenen Sohn, aber er weigerte sich auch jetzt, den Göttern zu opfern und wurde mit Modestus und Crescentia ins Gefängnis geworfen. Die schweren Eisenplatten, die sie erdrücken sollten, fielen von ihnen und Engel erleuchteten die Finsternis des Kerkers. Man warf sie in einen heißen Ölkessel, aber sie stiegen unversehrt heraus. Ein Löwe wurde auf sie gehetzt, aber der legte sich zahm zu ihren Füßen und leckte sie. Mit Modestus auf die Folterbank gespannt, um mit Haken zerfleischt zu werden, zerschlugen Blitze das Martergerät, ein Erdbeben ließ die Tempel rundum einstürzen, die Folterknechte und das entsetzt fliehende Volk wurden von den Trümmern erschlagen. Engel lösten Vitus, Modestus und Creszentia von ihren Fesseln, brachten sie nach Lucanien zurück und betteten sie am Ufer des Flusses Sele, wo sie ruhten und sanft im Gebet ihre Seelen aufgaben. Adler bewachten ihre Leiber, bis die fromme Witwe Florentia sie fand und bestattete.
Buchmalerei, 1493, Hartmann Schedels Nürnberger
Weltchronik ![]()
Nach einer Legende soll Bischof Otto von Bamberg bei der Bekehrung der Pommern, die einen Hahn heilig hielten, ein silbernes Reliquiar mit Gebeinen des Vitus, das von einem Hahn gekrönt war, aufgestellt haben; dieses Reliquiar haben die Pommern anerkannt, so wurden sie durch die Kraft der Reliquien bekehrt.
Vitus' Verehrung ist schon früh belegt. Papst Gelasius I. weihte ihm eine Kirche, Papst Gregor I. berichtete von Klöstern auf Sizilien und Sardinien, die seinen Namen tragen. Der Überlieferung zufolge wurden seine Gebeine 583 von Sizilien aufs italienische Festland übertragen, Abt Fulrad erwarb 756 Reliquien für sein Kloster St-Denis, - dem heutigen Stadtteil von Paris -, 836 kamen diese in die berühmte Abtei Corvey. Davon erwarb Herzog Wenzeslaus eine Armreliquie, für die er in Prag eine Kirche errichtete, aus der der Veits-Dom wuchs; hinzu kamen dort weitere Reliquien, die Kaiser Karl IV. in Pavia erwarb und die im 30-jährigen Krieg in Corvey geraubt wurden, darunter Veits Haupt. An rund 150 weiteren Orten erklärt man sich im Besitz von Reliquien.
Vitus ist einer der 14 Nothelfer.
Über dreißig Patronate zeigen, wie volkstümlich und beliebt dieser Heilige
geworden ist. Er wird traditionell von den an Chorea, dem Veitstanz
,
Erkrankten angerufen; Chorea ist eine der Epilespie ähnliche Nervenkrankheit mit ungewollten,
spastischen Bewegungen des gesamten Körpers, die sich willentlich nicht
unterdrücken lassen und durch eine organische Schädigung im Zentralnervensystem
bedingt sind.
Vielleicht weil Vitus' Gedenktag im Bereich der Sonnwende liegt, knüpft sich
in der Volksfrömmigkeit an diesen Heiligen der Glaube, er sei für pünktliches
Wachwerden ohne Uhr zuständig: Heiliger St. Veit / wecke mich zur rechten Zeit;
/ nicht zu früh und nicht zu spät, / bist die Glocke ... schlägt.
Er wird
dargestellt mit einem Hahn, weil er den slawischen Lichtgott Svantevit verdrängte,
dem Hühner und Hähne geopfert wurden.
Wappen von Mönchengladbach
(bis zur Kreisreform von 1975) ![]()
Attribute:
im Ölkessel, Adler, Rabe, Hahn, Hund an der Leine
Patron
von Niedersachsen, Sachsen, Böhmen,
Pommern, Rügen,
Sizilien,
von Prag,
Corvey,
Höxter,
Mönchengladbach,
Ellwangen,
Veitshöchheim
am Main und Krems;
der Jugendlichen und Epileptiker, der Gastwirte, Apotheker, Winzer, Schauspieler,
Bierbrauer, Küfer, Bergleute, Kupferschmiede und Landsknechte; der Stummen und Tauben;
der Haustiere; für Keuschheit, gute Saat und gute Ernte; gegen Besessenheit, Aufregung,
Hysterie, Schlangenbiss, Krämpfe, Tollwut und Epilepsie (Veitstanz
), bettnässende
Kinder, Augen- und Ohrenleiden, Unwetter, Blitz und Feuersgefahr, Unfruchtbarkeit
Bauernregeln:
Regnet's an St.Veit, / Gerste nicht leid's
Heiliger Veit, regne nicht, / dass es uns nicht an Gerst' gebricht.
Ist zu St. Vitus der Himmel klar, / gibt es ein fruchtbares Jahr.
Nach St. Veit / wendet sich die Zeit.
Der Wind dreht sich um St. Veit, / da legt sich`s Laub auf die andere
Seit'.
Hat der Wein abgeblüht auf St. Vit, / bringt er ein schönes Weinjahr mit.
Wer dem Veit nicht traut, / kriegt auch kein Kraut.
Hat St. Veit starken Regen, / bringt er unermesslichen Segen.
Legenda
Aurea: Vitus und Modestus
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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