der Große
|
|
Skulptur im Magdeburger
Dom: Otto mit seiner ersten (?) Frau Editha 
Otto, Sohn von König Heinrich I. und seiner Frau Mathilde,
heiratete 929 standesgemäß Editha *, die Tochter des
angelsächsischen Königs Eduard des Älteren und Halbschwester König Æthelstans.
Ihr Ahnherr war der Oswald, der einst im Kampf gegen
die Heiden fiel und in ganz Europa verehrt wurde, ihr Großvater Alfred
(Ælfred) wurde ob seines Sieges über die Wikinger längst der Große
genannt.
Editha verschaffte dem neuen sächsischen Königshof das nötige Prestige.
Die Morgengabe Magdeburg,
eine wichtige abendländische Handelsstationen im Osten, baute Otto zu einem
bedeutenden Missionsstützpunkt bei der Eroberung slawischer Gebiete und deren
Christianisierung aus. 936 wurde Otto zum König gewählt. Seine Regierungszeit
war geprägt von zahlreichen Kämpfen mit seinem Halbbruder Thankmar und seinem
jüngerem Bruder Heinrich, die ihren Thronanspruch in mehreren
Aufstandsbewegungen verteidigen wollten. Auch mit dem Adel und den Herzögen, so
denen von Franken, Bayern und Lothringen,
gab es Konflikte, weil Otto in Anknüpfung an die karolingische Herrschaftspraxis
bestrebt war, die Position des Königs wieder stärker zur Geltung zu bringen.
Fast die Hälfte seiner Regierungszeit war ausgefüllt mit den mühevollen
Versuchen, die Macht- und Herrschaftsverhältnisse im Reich zu klären. Ab 938
folgte die Niederschlagung der Aufständischen und eine Neuordnung im Reich durch
Besetzung von Schlüsselpositionen mit loyalen Familienangehörigen.
Otto (links unten) übergibt dem thronenden Christus
im Beisein von Petrus (rechts unten)
und anderen Heiligen den Magdeburger
Dom, Mailand
(?) 962 - 968, im Metropolitan Museum of Art in New
York 
Stütze seiner Herrschaft wurde für Otto nun verstärkt die Reichskirche. Durch
großzügige Ausstattung der Kirche mit Gütern und Hoheitsrechten schuf er die
Voraussetzung für den Reichsdienst
der Bischöfe und Äbte, dem Ausbau der
Hofkapelle ließ er besondere Fürsorge angedeihen. Als loyalen Bischof setzte er
seinen jüngsten Bruder Brun
als Erzbischof von Köln
ein. Den 927 geborenen unehelichen Sohn Wilhelm machte Otto zum Erzbischof von
Mainz.
937 gründete er das Mauritius geweihte
Benediktinerkloster in Magdeburg.
946 starb nach 17-jähriger Ehe Ottos Frau Editha. Sie hatte den etwas groben Gemahl kultiviert
und ihn zu Liebe und Milde geläutert, sich um Klöster und Arme gekümmert. Nach ihrem
frühen Tod schildern Legenden viele Wundertaten der Königin, die im Volk lange
als heilige Edith
weiterlebte. Ihre adeligen Züge erstrahlten in herrlicher Schönheit
,
rühmte Roswitha von Gandersheim.
Dank ihres vollkommenen Wesens und Wandels war sie im eigenen Land so gepriesen, dass
nach dem einmüt'gen Urteil des Volkes sie als die herrlichste galt unter sämtlichen Frauen.
Im Jahr 2009 wurde im Magdeburger
Dom ein Skelett entdeckt, das von Forschern als das von Editha identifiziert wurde.
Otto hat dieser Frau also trotz einer weiteren Ehe noch über den Tod hinaus die Treue gehalten:
er wollte er beerdigt sein „in loco, wo Edgith liegt“; jetzt ist gewiss, dass sich sein
Sohn Otto II. an dieses Vermächtnis gehalten hat.
Die Heilige Lanze, 8. Jahrhundert, in der Schatzkammer im Kunsthistorischen
Museum in Wien.
Das älteste der Reichskleinodien der römisch-deutschen Könige und Kaiser,
enthält angeblich ein Stück des Nagels vom Kreuz Christi.
Nach der Legende gehörte sie dem Hauptmann Mauritius,
nach anderen Quellen dem Hauptmann Longinus.

953 kam es durch einen Aufstand des ersten Sohnes Liudolf um die Frage der Thronfolge wieder zu schweren Auseinandersetzungen, die rasch um sich griffen, bis nach Sachsen ausstrahlten und erst mit den 954 wieder einsetzenden Ungarneinfällen zum Erliegen kamen.
Auf Bitten der Witwe des Langobardenkönigs, Adelheid,
besetzte Otto 951 Oberitalien mit Pavia,
befreite Adelheid aus der Gefangenschaft bei Berengar II. von Ivrea
und heiratete sie. Der Versuch, damit auch die Krönung zum Kaiser in Rom zu erreichen,
scheiterte an den Machtverhältnissen in Rom. 955 schlug Otto mit Unterstützung von
Bischof Ulrich auf dem Lechfeld
bei Augsburg
die angreifenden Ungarn vernichtend mit der Kraft der vereinten deutschen Stämme;
dabei habe er die heilige Lanze
, in deren Spitze wenigstens ein Nagel des
Kreuzes von Jesus Christus
eingelassen war, mit sich geführt. Ottos Anhänger sollen ihn an Ort und Stelle
zum magnus imperator
ausgerufen haben, zum großen Feldherrn und Gebieter
.
Zwei Monate später wurden die Slawen an der Recknitz besiegt: Otto war nun
unbestritten mächtiger als alle anderen Fürsten in Europa, und als Retter der
Christenheit. Bereits vor der Ungarnschlacht hatte Otto dem Tagesheilien
Laurentius die Gründung eines
Bistums in Merseburg gelobt; nach dem Sieg über die Ungarn war der Weg zur
Missionierung und Herrschaft im Osten geebnet.
961 folgte Ottos zweiter Italienfeldzug, weil Papst Johannes XII. gegen
Berengar II. um Schutz nachsuchte; nachdem so die Herrschaft auch in Italien
gesichert war, erfolgte 962 die Kaiserkrönung durch Papst Johannes XII. in Rom;
im Gegenzug bestätigte Otto Besitzungen und Rechte der römischen Kirche. Er
führte nun auch den Titel Stellvertreter Christi
- diesen Titel benützten in der Folge seine Römisch-Deutschen Kaisernachfolger ebenfalls;
die Päpste übernahmen ihn dann ab dem zwölften Jahrhundert.
Die Salbung als Teil der Krönungs-Zeremonie verdeutlichte den sakralen, priesterlichen Charakter des
Kaisertums. Die Sicherung der Herrschaft in Italien nahm Otto so in Anspruch,
dass er erst 965 nach Deutschland zurückkehrte.
Ein Hilferuf von Papst Johannes XIII., der sich von den Byzantinern in Süditalien bedroht sah, war Anlass für Ottos dritten Italienzug, der von 966 bis 972 dauerte. Es zu einer Neuauflage der Rivalität und des Zweikaiser-Problems, um deren Beilegung sich Otto vergeblich bemühte. Demonstrativ ließ er deshalb an Weihnachten 967 seinen Sohn Otto II. nach byzantinischem Vorbild zum Mitkaiser krönen; als Geste der Aussöhnung diente auch die Heirat des Thronfolgers mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu. Mit Unterstützung von Papst Johannes XIII. gelang Otto nun die Verwirklichung seines Missionsplans in den unterworfenen slawischen Gebieten. 967 wurde auf einer SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Ravenna die Gründung des Erzbistums Magdeburg beschlossen, dem neben Brandenburg an der Havel und Havelberg auch die zur Sicherung der Ostgrenzen errichteten Bistümer Merseburg, Meißen und Zeitz - 1028 nach Naumburg verlegt - zugeordnet wurden. Magdeburg wurde zur Metropole, die auch Rom des Ostens genannt wurde.
Ottos Ziel war die Schaffung des Heiligen Römischen Reiches, ein Europa unter dem Zeichen des Kreuzes. Kolonisation und Mission gingen Hand in Hand. Er belehnte die Bischöfe, die ihn bei dieser Aufgabe tatkräftig unterstützten, mit großen Besitztümern, forderte von ihnen aber auch höhere Abgaben und mehr Soldaten für das kaiserliche Heer als von weltlichen Herzögen. Damit verhalf er der Kirche zu wirtschaftlicher und militärischer Macht und band sie in das Staatsgefüge ein.
Die kaiserliche Familie huldigt Christus.
Oben rechts und links jeweils ein Engel, darunter links Maria
und rechts Mauritius; zu Christi
Füßen das Herrscherpaar mit seinem Sohn, links Otto, der Christi Fuß küsst.
Elfenbeinplatte, Mailand (?), um 965/983, im Castello Sforzesco in Mailand

Mit der Rückkehr aus Italien hatte Otto 972 den Höhepunkt seiner Macht
erreicht. Ein 973, kurz vor seinem Tode, in Quedlinburg
abgehaltener Hoftag pries den Kaiser als Haupt der Welt
, geehrt durch Gesandte
aus nahezu allen Teilen der damals bekannten Welt. Sein auf den Akt der Salbung
gegründetes Königtum wurde zum Vorbild der christlichen Monarchien des
Mittelalters. Wegen der Erneuerung des abendländischen Kaisertums, das fortan
mit dem deutschen Königtum verbunden blieb, belegte ihn Bischof Otto
von Freising mit dem Beinamen der Große
.
* Editha war möglicherweise nicht Ottos erste
Frau. Überlieferungen berichten von einer ersten Ehe mit einer Slawenprinzessin
aus der Brandenburg, die Ottos Vater Heinrich seinem Sohn aus politischen
Gründen anverlobte. Auch der Name dieser Heidin
ist nicht bekannt, sehr
unsichere Quellen sprechen von Dragomira
. Zumindest soll der Sohn, der dieser
Verbindung entstammte, der 968 verstorbene Erzbischof Wilhelm von Mainz
gewesen sein. 930, im Jahr nach der Niederringung der Brandenburg, als die
Liaison politisch wertlos wurde, hat man die Frau demnach in ein Kloster gegeben,
wo sie namen- und gedenkenlos verstarb.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren
Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen
Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
|
||||||||||||||||||||
Preußischen Landbotenin Plaue an der Havel, E-Mail vom 18. März 2006