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Ökumenisches Heiligenlexikon

Ulrich von Augsburg

althochdeutsch: Uodalricus

Gedenktag katholisch: 4. Juli
nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet
Hochfest im Bistum Augsburg
gebotener Gedenktag im Bistum St. Gallen
Diözesankalender Eichstätt, Regensburg, Freiburg i. Br., Rottenburg, Paderborn, Chur
in Deutschland: Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

Gedenktag evangelisch: 4. Juli

Name bedeutet: der an Erbgut Reiche (althochdt.)

Bischof von Augsburg
* um 890 in Wittislingen bei Dillingen in Bayern
† 4. Juli 973 in Augsburg in Bayern

Kartenskizze

Ulrich, Sohn des alemannischen Gaugrafen Hubald von Dillingen und dessen Frau Thietburga, wurde für den geistlichen Stand bestimmt und studierte um 900 bis 908 im Kloster St. Gallen. Er wurde dann Kämmerer seines Onkels, des Bischofs Adalbero von Augsburg und verwaltete gleichzeitig die großen Familiengüter, auf die er sich nach Adalberos Tod ganz zurückzog, weil er bei der Nachfolge seines Onkels übergangen worden war. 923 wurde er, auf Empfehlung seines Verwandten, des Herzogs Burchard I. von Schwaben, von König Heinrich I. doch als Bischof von Augsburg eingesetzt - dies habe ihm bei einem Besuch in St. Gallen die dort lebende Reklusin Wiborada so auch vorhergesagt.

Jakob Bradl: Statue vor der Jesuitenkirche in Dillingen, 1910

Jakob Bradl: Statue vor der Jesuitenkirche in Dillingen, 1910

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Ulrich verkehrte aufgrund verwandtschaflicher Beziehungen am Hof von König Heinrich I. und von Otto I., er beriet Fürsten, hielt SynodenSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. ab, sorgte 926 für die Befestigung Augsburgs mit steinernen Mauern und verteidigte die Ansprüche seines Bistums. Die Legende erzählt, wie Afra dem Schlafenden im Traum erschien und ihm durchs Fenster Petrus zeigte, der mit vielen Bischöfen auf dem Lechfeld saß; Petrus teilte Ulrich mit, dass er beim Kaiser die ihm zustehende Weihe über Klöster und Stifte gegen Herzog Arnulf durchsetzen solle. Beim Aufstand von Herzog Liudolf 953/954 verteidigte er als einziger schwäbischer Fürst den Kaiser und vermittelte schließlich den Waffenstillstand.

955 befehligte Ulrich als Reichsfürst hoch zu Ross die Verteidigung von Augsburg gegen die andrängenden Ungarn; seinem inständigen Gebet, mit dem er die Kämpfenden stärkte, wurde der Sieg auf dem Lechfeld zugeschrieben. Ohne Schild und Waffen sei er, nur mit der Bibel in der Hand, den andrängenden und militärisch weit überlegenen Heiden entgegen geritten; zum Dank verlieh Otto I. ihm das Münzrecht für Augsburg. Ulrich baute dann die von den Ungarn zerstörten Klöster und Dörfer seines Gebietes wieder auf, zeitweise war er selbst neben seinem Amt als Bischof auch Abt des Klosters in Kempten und ab 973 Abt des Klosters in Ottobeuren; ihm gewährte Kaiser Otto „der Große” Abgabenfreiheit und freie Abtswahl. Ulrich ließ den von den Ungarn 955 zerstörten Dom in Augsburg neu errichten, er gründete das beim Ungarneinfall ebenfalls zerstörte Kanonikerstift neu und bestimmte es zu seiner Grabstätte. ußerhalb der ehemaligen Stadtmauern gründete er 968 das Kanonissenstift St. Stephan und ein Spital.

Nikolaus und Jörg Seld: Ulrichskreuz. Reliquiar, das das hölzerne Siegkreuz enthält, das Ulrich bei der Lechfeldschlacht den Ungarn entgegen gehalten habe. 1494, in der Heiltumskammer der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg

Nikolaus und Jörg Seld: Ulrichskreuz. Reliquiar, das das hölzerne Siegkreuz enthält, das Ulrich bei der Lechfeldschlacht den Ungarn entgegen gehalten habe. 1494, in der Heiltumskammer der Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg

Ulrich sorgte sich um würdige und zur rechten Zeit eingehaltene kirchliche Feiern, um feierliche Liturgie, um Arme und Kranke. Alle vier Jahre hielt er in den Hauptorten seiner Diözese Versammlungen ab, spendete die Firmung, visitierte die Geistlichen, sorgte für deren auskömmlichen Unterhalt mit entsprechenden Pfründen.

Ulrich lebte selbst enthaltsam wie ein Mönch und war freigiebig gegenüber den Armen. Die Fischlegende berichtet: Als er an einem Donnerstagabend mit dem Bischof Konrad von Konstanz zu Tisch saß, vertieften sich beide die Nacht über ins Gespräch, bis am Morgen des Freitag ein Bote des Herzogs, dem Ulrich Unrecht vorgehalten hatte, einen Brief brachte. Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehrten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote brachte dies dem Herzog, um den Bischof nun seinerseits des Unrechts überführen zu können, dass er am Freitag Fleisch esse; als der Herzog das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt.

Ein Jahr vor seinem Tod wollte Ulrich nach 49-jähriger Amtszeit zugunsten seines Neffen Adalbero sein Amt niederlegen, aber die SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. von Ingelheim lehnte dies ab. Dem schwerkranken, auf einem Sessel ruhenden Ulrich erschienen nach der Legende zwei Engel mit Kelch und Patene, damit er die Messe halten könne; bei der Kelcherhebung wurde ihm die segnende Hand Gottes aus goldenen Strahlen sichtbar, seine beiden neben ihm knienden Diakone sahen sie nicht.

Als Ulrich starb, wurde er nach mehrtägiger Aufbahrung im Dom nach St. Afra überführt und dort in der vorbereiteten Grablege beigesetzt; der Überlieferung nach wurde er mit dem Teppich, auf dem er auf der Erde zu schlafen pflegte, begraben; Bischof Wolfgang leitete die Trauerfeier.

Schon etwa zehn Jahre nach Ulrichs Tod begann sein ehemaliger Dompropst Gerhard, die Lebensgeschichte abzufassen, die den Prototypen eines Reichsbischofs der Ottonen zeichnet und ein beredtes Beispiel für die Verehrung ist. Ulrichs Grab wurde schnell eine vielbesuchte und durch Wunder ausgezeichnete Wallfahrtsstätte. Noch im 10. Jahrhundert wurde er in Nekrologe und sein Fest in Kalender aufgenommen. Schon 992 wurde bei der Weihe des Domes in Halberstadt ein Seitenaltar ihm geweiht. 1036 beschloss die SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Trebur die Feier einer Messe in seinem Namen, 1061 ist erstmals das Patrozinium Ulrichs neben dem von Afra für Dom und Kloster in Augsburg nachgewiesen. 1187 wurden Ulrichs Gebeine in die nach einem Brand neu gebaute Klosterkirche übertragen.

Bald wurde Ulrich Patron vieler Kirchen in Süddeutschland und darüber hinaus. In Hymnen und Litaneien besungen, in überarbeiteten Lebensgeschichten gepriesen, in Sagen dargestellt und im Schultheater der Jesuiten im 17./18. Jahrhundert als Vorbild dargestellt, blieb Ulrich im Gedächtnis. Ulrichskreuze nach dem Vorbild der legendären, siegbringenden Kreuze der Schlacht auf dem Lechfeld, werden seit dem 16. Jahrhundert bis heute Wallfahrern als Schutz gegen Unheil mitgegeben. Ulrichs-Brünnlein, die der Überlieferung nach auf seine Fürbitte entsprangen, helfen bei Augenleiden. Ulrich-Minne wird als gesegneter Wein gereicht.

In Wittislingen finden sich noch heute viele Spuren von Ulrich: sein wahrscheinliches Geburtshaus, die Grabstätte seiner Mutter Thietburga, die von Ulrich erweiterte Kirche mit dem ehemaligen Bergfried, der jetzt Kirchenturm ist. Brauch ist dort auch noch das tägliche Ulrichsläuten um 21 Uhr und 2 Uhr in der Nacht, das so weltweit einmalig ist und auf die Ulrichssage zurückgeht.

Aus der Ulrichsage:
Ulrich lebte in seiner Kammer auf dem väterlichen Schloss in Wittislingen. Jeden Morgen ging er nach dem zwei Stunden entfernten Dillingen in die Klosterschule und kehrte oft am späten Abend von dort zurück. Der Pfad führte durch ein sumpfiges Ried; weil der Knabe sich schon mehrmals verirrt hatte, ließ seine Mutter täglich um die neunte Stunde mit einem Glöcklein läuten, damit er künftig heimfinden könne. An einem nebeligen Herbsttag verlor Ulrich bald Weg und Steg. Um auf dem weichen, von vielen Wassergräben durchzogenen Boden rascher vorwärts zu kommen, suchte Ulrich nach einer Stütze und riss einen Pfahl aus, der als Grenzmal zwischen zwei Wiesen im Erdboden steckte. Doch wie er sich auch mühte, er fand nicht nach Hause, auch der vertraute Glockenton blieb aus. Es wurde ihm sehr bange, und er dachte schon auf freiem Felde nächtigen zu müssen. Da vernahm er plötzlich eine innere Stimme, die ihn daran erinnerte, dass der Pflock fremdes Gut war. Ulrich kehrte um, steckte den Grenzpfahl wieder an seinen Ort, hörte gleich darauf das Glöcklein und fand sicher heim ins Elternhaus, das er um die zweite Morgenstunde erreichte. Vater und Mutter hatten in großer Sorge auf ihn gewartet. Da nach Mitternacht niemand das Glöcklein geläutet hatte, konnte es nur Gottes Stimme gewesen sein, die dem Knaben den richtigen Weg wies.

Nach Zweifeln an ihrer Echtheit wurden Ulrichs Gebeine 1762 erhoben, ärztlich untersucht und 1764 in einen Barockschrein umgebettet. 1962/63 wurde die Gruft neu gebaut, 1971 gab es eine erneute ärztliche Begutachtung der Gebeine.

Kanonisation: Ulrich war der erste im offiziellen Verfahren von Rom Heiliggesprochene, heiliggesprochen durch die SynodeSynode (altgriech. für „Zusammenkunft”) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden „Konzil” und „Synode” synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. im Lateran unter Vorsitz von Papst Johannes XV. in einer förmlichen und feierlichen Kanonisation am 31. Januar 993, also nur zwanzig Jahre nach seinem Tod. Die Urkunde der Kanonisation gibt es in Stadlers Vollständigem Heiligenlexikon. *

Konrad Huber: die Verherrlichung von Ulrich (links) und Martin von Tours, 1787, Deckengemälde in der Pfarrkirche in Wittislingen, die Ulrich erweitern ließ, wo seine Eltern bestattet sind und deren Turm auf Resten des Bergfriedes der alten Burg steht

Konrad Huber: die Verherrlichung von Ulrich (links) und Martin von Tours, 1787, Deckengemälde in der Pfarrkirche in Wittislingen, die Ulrich erweitern ließ, wo seine Eltern bestattet sind und deren Turm auf Resten des Bergfriedes der alten Burg steht

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Attribute: Evangelienbuch, Fisch, Engel, Stab, Pferd
Patron von Augsburg und St. Ulrich in Gröden/Ortisei; der Winzer, Weber, Fischer und Fischhändler; auf der Reise; gegen Augenleiden und Wassergefahren; für gutes Wetter; des Bistums Augsburg
Bauernregeln: Regen am St.-Ulrichstag, / macht die Birnen stichig-mad.
Wenn's am Ulrichstag donnert, fallen die Nüsse vom Baum.

Statue vor dem Bildungshaus St. Ulrich in Augsburg

Statue vor dem Bildungshaus St. Ulrich in Augsburg

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* Die Echtheit dieser Kanonisationsurkunde wurde neuerdings von B. Schimmelpfennig 1993 und G. Wolf 1994 angezweifelt, von E.-D. Hehl 1995 aber vehement verteidigt.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Schriften von Ulrich und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 28.10.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.bauernregeln.net/juli.html
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 10. Herder, Freiburg im Breisgau 2001
• Willi Winkler: Heidenjagd auf dem Lechfeld. Süddeutsche Zeitung, 1. September 2007
• Marcus Kleebaur aus Wittislingen, E-Mail vom 9. November 2010
• http://www.wittislingen.de/index.php?option=com_content&view=article&id=27&Itemid=30