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Ökumenisches Heiligenlexikon

Huldrych Zwingli

Gedenktag evangelisch: 11. Oktober

Name bedeutet: reich an Erbgut (althochdt.)

Priester, Reformator
* 1. Januar 1484 in Wildhaus in Toggenburg in der Schweiz
† 11. Oktober 1531 nahe Kappel bei Zürich in der Schweiz


Hans Asper, 1531, im Kunstmuseum Winterthur. Dieses Bild gilt als sehr realitätsnah.
Hans Asper, 1531, im Kunstmuseum in Winterthur. Dieses Bild gilt als sehr realitätsnah.

Huldrych Zwingli war von 1506 bis 1516 Pfarrer in Glarus *, wo er in seiner volkstümlichen Art bei den Menschen sehr beliebt war. Zugleich nahm er als Feldprediger in den Jahren 1512 - 1515 an den Feldzügen der Glarner zur Unterstützung des Papstes gegen die Franzosen teil und erlebte dabei die Schlachten in Pavia, Novara und die Schlacht von Marignano in Melegnano. Nach der verheerenden Niederlage der Schweizer gegen die Franzosen wollten viele den schnellen Friedensschluss; Zwingli aber war dagegen, weil er weiterhin den Papst unterstützte; seine Stellung in Glarus wurde deshalb unhaltbar, er musste sein Pfarramt verlassen.

Schon 1515 hatte er Erasmus von Rotterdam kennengelernt. Zwingli lernte nun Griechisch, konnte so den Urtext des Neuen Testaments lesen und erstrebte nun die von Erasmus angemahnte Läuterung der Kirche. 1516 wurde er als Leutpriester ans Kloster Einsiedeln berufen. Da die Zürcher Regierung wie Zwingli gegen das Söldnerwesen eingestellt war, holte sie ihn 1519 als Priester ans Goßmünster von Zürich und er begann, das Evangelium Jesu Christi zu predigen. Großen Einfluss übte Martin Luthers Auftritt bei der Leipziger Disputation 1519 auf Zwingli aus, immer schärfer wurden nun seine Angriffe auf die Strukturen und Lehren der Kirche. 1522 verfasste er seine Schrift Vom Erkiesen und Freiheit der Speisen mit scharfen Angriffen gegen gesetzliche Fastengebote. Im Januar und Oktober 1523 veranstaltete der Rat der Stadt Zürich Disputationen zwischen Zwingli und dem Bischof von Konstanz zur Klärung der aufgebrochenen Streitfragen.

„Helferei”, Zwinglis Amtswohnung in Zürich ab 1525, mit „Großmünsterkapelle” von 1859
Helferei, Zwinglis Amtswohnung in Zürich ab 1525, mit Großmünsterkapelle von 1859

Die zweite Disputation bewog den Rat der Stadt zur Einleitung der Reformation in Zürich: der Rat setzte sich als verantwortliche kirchliche Obrigkeit und führte nach der Schnur Christi die Reformen durch: alles, was nicht in der Bibel begründet war, sollte abgeschafft werden. So wurden die Klöster reformiert, die Liturgie der Taufe nach Luthers Vorbild gestaltet, die Bilder in den Kirchen abgenommen - damit wurden sie hier nicht durch Bilderstürmer zerstört -, Prozessionen, Orgelspiel und Gemeindegesang, Firmung und letzte Ölung abgeschafft, die Zahl der Feiertage verringert, das Abendmahl in beiderlei Gestalt an einem Tisch abgehalten, ein Ehegericht eingeführt. Nicht zuletzt mit der Einrichtung einer SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. 1528 gelang es, die Reformation in geordnete Bahnen zu lenken.

Zwinglis Theologie ist stark von Augustinus und dem Humanismus des Erasmus von Rotterdam geprägt. Die praktische und politische Seite des Glaubens war ihm wichtig, eine aristokratisch-repräsentative Demokratie war für ihn die entsprechende Staatsverfassung. 1525 erschien sein Hauptwerk De vera ac falsa religione, von wahrer und falscher Religion.

Theologisch stimmte Zwingli weitgehend mit Luther überein, in den Konsequenzen war er sehr viel radikaler und konsequenter, ihm war die Neuordnung der Verhältnisse zentrales Anliegen, Zwingli war in alledem zugleich Politiker. Er schmiedete an einer großen Koalition gegen die Habsburger; aus diesem Grund kam es durch Vermittlung von Philipp von Hessen 1529 zum Marburger Religionsgespräch zwischen Zwingli und Luther; eine Einigung war in vielen Fragen möglich, nicht jedoch in der Frage der Substanz der Elemente beim Abendmahl: während Luther die bis heute gültige katholische Lehre von der Wandlung der Elemente, wonach aus Brot und Wein beim Abendmahl tatsächlich, real und endgültig Leib und Blut Christi werden, nur modifizierte - Brot und Wein bleiben, was sie sind, bekommen aber tatsächlich und real zusätzlich die Eigenschaften von Leib und Blut Christi -, beharrte Zwingli darauf, dass Brot und Wein nur Zeichen seien, die auf Leib und Blut Christi hinweisen.

Seit diesem Zeitpunkt ging der lutherische Protestantismus getrennt vom reformierten, der von Zwingli und Johannes Calvin geprägt wurde. Zwinglis Reformation setzte sich v. a. in der Schweiz, dann in Frankreich und Norditalien durch, sie übte starken Einfluss aus auf die schottische und dann auf die anglikanische Kirche.

Gedenkstätte an der Stelle des Todes von Zwingli nahe Kappel am Albis
Gedenkstätte an der Stelle des Todes von Zwingli nahe Kappel am Albis. Inschrift: Den Leib können sie tödten. Nicht aber die Seele, so sprach an dieser Stätte Ulrich Zwingli, für Wahrheit und der christlichen Kirche Freiheit den Heldentod sterbend den 11. Octob. 1531.

Zwingli starb bei einem Einsatz als Feldprediger nahe Kappel am Albis.

* Die Kirche von Glarus stand bis zum Stadtbrand von 1861 an der Stelle des heutigen Gerichtshauses.

Catholic Encyclopedia

  Schöne und informative Internet-Seiten über Zwingli bietet die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Zwinglis Geburtshaus in Wildhaus kann täglich außer montags von 14 bis 16 Uhr kostenlos besichtigt werden. (2013)
Das Großmünster in Zürich ist täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet, der Kreuzgang montags bis samstags von 10 Uhr bis 17 Uhr (2015)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 04.08.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen: