Ökumenisches Heiligenlexikon

Agapitus I.

auch: Agapius, Agapet

1 Gedenktag katholisch: 22. April
Übertragung der Gebeine: 20. September

1 Gedenktag orthodox: 17. und 22. April

1 Gedenktag armenisch: 19. April

Name bedeutet: der Geliebte (griech.)

Papst
* in Rom
† 22. April 536 in Konstantinopel, heute Ístanbul in der Türkei


Medaillon, um 1848, in der Basilika San Paolo fuori le Mura in Rom
Medaillon, um 1848, in der Basilika San Paolo fuori le Mura in Rom

Agapitus war der Sohn des römischen Priesters Gordianus, der in den Unruhen zur Zeit des Papstes Symmachus erschlagen wurde. Agapitus wurde 535 zum Papst gewählt. Seine erste Amtshandlung war, den Bann zu verbrennen, den sein Vorvorgänger Bonfatius II. gegen Dioskur ausgesprochen hatte. Er setzte die Beschlüsse des Konzils von Karthago - dem heutigen Vorort von Tunis in Tunesien - in Kraft, nach denen ehemalige Anhänger des Arianismus keine kirchlichen Ämter übernehmen konnten.

Nachdem die byzantinischen Truppen unter Belisarius schon Sizilien erobert hatten und nun Italien bedrohten, sandte Ostgotenkönig Theodehad den Papst nach Konstantinopel zu Kaiser Justinian I. „den Großen”, um Frieden zu erbitten. Damit er die Reisekosten aufbringen konnte, musste Agapitus die heiligen Gefäße der römischen Kirchen verpfänden. In Begleitung von fünf Bischöfen und einem stattlichen Gefolge kam er im Februar 536 in die Hauptstadt des östlichen Reichsteiles; aber wie Agapitus vorhergesehen hatte, scheiterte seine Mission: Justinian beharrte auf seinen Rechten. Für die Kirche war die Reise dennoch ein Erfolg: eine Unterminierung der Beschlüsse des Konzils von Chalcedon konnte gerade noch rechtzeitig verhindert werden, Justinian setzte den Patriarchen Anthimus - insgeheim ein Anhänger des Monophysitismus - ab und übergab dem Papst ein schriftliches Glaubensbekenntnis.

Wenig später wurde Agapitus krank und starb nach zehnmonatiger glänzender Regierungszeit. Seine sterblichen Überreste wurden aus Konstantinopel in die Peterskirche nach Rom überführt.

Worte des Heiligen

Brief von Papst Agapetus an Bischof Cäsarius von Arles bezüglich der Veräußerung von Kirchengut:
Mit Gottes Gnade ist unsere Hochachtung, sowohl was die Armenspeisung als auch was deine brüderliche Zuneigung betrifft, so groß, dass wir es in keiner Weise für uns lästig erachten, wozu ihr unsere Zustimmung wünscht.
Doch halten uns die verehrungswürdigen offenkundigen Bestimmungen der Väter ab zuzustimmen, diese verbieten uns, Grundstücke, die von Rechts wegen der Kirche gehören und über die uns der allmächtige Gott gesetzt hat, unter irgendeinem beliebigen Titel an die Rechte anderer zu übertragen. Dabei glauben wir, dass es in dieser Angelegenheit eurer Weisheit sehr willkommen ist, dass es, wie wir annehmen, in keiner Weise zum Verkauf kommt gegen alte Rechtsbestimmungen und -regeln, sei es aufgrund einer beliebigen Gelegenheit oder mit Rücksicht auf irgendeine Person. Ihr sollt nicht glauben, dass wir das aus Sturheit oder eines weltlichen Nutzens wegen tun, sondern wir gehalten mit Rücksicht auf das göttliche Gericht die Beschlüsse der heiligen SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. unverletzlich zu bewahren. Damit dies deiner Liebe unzweifelhaft klar wird, teilen wir den entsprechenden Artikel aus den Bestimmungen der Väter mit und schicken wir ihn euch zusammen mit diesen unseren Aussagen.
Lieber Bruder, Gott bewahre und schütze dich.
Am 15. August nach Ablauf des Konsulats von Paulinus dem Jüngeren, einem trefflichen Mann.
[also im Jahr 535]

Quelle: Brief 6. In: Patrologia Latina66, Sp. 45 f; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn

Catholic Encyclopedia

Briefe von Agapitus gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 25.08.2026

Quellen:
• Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte. Tübingen 1976
• https://www.newadvent.org/cathen/01202c.htm - abgerufen am 19.07.2023
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.