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Ökumenisches Heiligenlexikon

Crispinus und Crispinianus

Gedenktag katholisch: 25. Oktober
gebotener Gedenktag im Bistum Osnabrück
in Soissons: 27. Juni
Auffindung der Gebeine: 6. März
Übertragung der Gebeine ins Kloster Lézat-sur-Lèze bei Rieux-Minervais nahe Toulouse 1621: 5. April
in Osnabrück: Übertragung der Gebeine: 20. Juni
in Metz: Übertragung der Gebeine: 27. Juni

Gedenktag anglikanisch: 25. Oktober

Name bedeutet: der Fröhliche (latein.)
oder:
der Kraushaarige (latein.)

Märtyrer
* in Rom
† um 287 in Soissons in Frankreich


naive Crispin-Statue, in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Almansa bei Albacete
naive Crispin-Statue, in der Kirche Mariä Himmelfahrt in Almansa bei Albacete

Die Legende berichtet von Crispin und seinem Bruder Crispinianus, den Söhnen einer vornehmen römischen Familie, dass sie vor der Verfolgung unter Kaiser Diokletian zusammen mit dem Sohn eines Senators aus Rom nach Soissons flohen, um dort als Glaubensboten zu wirken. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie als Schuhmacher, den Armen machten sie unentgeltlich Schuhe, wodurch sie viele Menschen für den Glauben gewannen. In den Christenverfolgungen unter Kaiser Maximinian wurden sie vom Präfekten Rictiovarus verhaftet und gefoltert: er ließ ihnen Pfrieme unter die Fingernägel stecken, sie mit flüssigem Blei übergießen, sie ins Feuer und mit einem Mühlstein beschwert ins eiskalte Wasser des Flusses Aisne werfen; nachdem sie am anderen Ufer gesund aus dem Fluss stiegen, wurden sie erneut gefoltert, schließlich enthauptet; andere Überlieferungen berichten, dass sie verbrannt wurden oder dass ihnen wie Bartholomäus die Haut bei lebendigem Leibe abgezogen wurde.

Die Berichte über ihr Leben und ihr Martyrium sind späteren Datums und enthalten viele, auch in anderen Märtyrerlegenden enthaltene Züge, dazu gehört der Name des Richters Rictiovarus, der auch bei Justus von Beauvais und bei Makra von Reims vorkommt.

An der Stelle des Martyriums von Crispin und Crispinianus wurde schon im 6. Jahrhundert eine Basilika erbaut, die Gregor von Tours erwähnte - heute die Basilika SS. Giovanni e Paolo; weil ihr Andenken mit dem von Johannes und Paulus von Rom verbunden war, ist auch ihr Gedenktag dort am 27. Juni. Reliquien der beiden wurden 570 durch König Sigibert I. aus Soissons in sein Jagdgebiet - im heutigen Lisdorf bei Saarlouis - gebracht und dort am 25. Oktober 570 durch Bischof Petrus von Metz in einem Festgottesdienst in den Altar der neu geweihten Kirche eingemauert. Weitere Reliquien kamen im 9. Jahrhundert im Zuge der Sachsenmission unter Karl „dem Großen” nach Osnabrück. Diese wurden 1721 erhoben. Von hier breitet sich ihre Verehrung in Europa aus, sie sind im Kalender von St. Gallen und Köln verzeichnet. Auch nach Rom soll eine Übertragung stattgefunden haben, (angeblich in die Kirche S. Lorenzo in Panisperna. Dort wurde ihre legende mit der von Johannes von Rom und Paulus von Rom verknüft. Von Rom kamen angebliche Reliquien 838 auch nach Fulda.

Petrus von Saluzzo: Crispinus und Crispinianus als Schuhmacher, 15. Jahrhundert, in der Johanneskirche in Saluzzo
Petrus von Saluzzo: Crispinus und Crispinianus als Schuhmacher, 15. Jahrhundert, in der Johanneskirche in Saluzzo

Der in der Volksüberlieferung verbreitete Satz Crispinus machte den Armen die Schuh' / und stahl das Leder auch dazu beruhte auf dem Missverständnis des alten Ausdrucks stalt, der eigentlich stellte bedeutet. Im 3. Aufzug der Meistersinger von Nürnberg von Richard Wagner singt die aufmarschierende Schusterzunft:
Sankt Crispin war gar ein heilig Mann, / zeigt, was ein Schuster kann.
Die Armen hatten gute Zeit, / macht ihnen warme Schuh.
Und wenn ihm keiner's Leder leiht / so stahl er sich's dazu.

Attribute: Schuhmacherwerkzeug, Ahle
Patrone von Osnabrück und Soissons; der Schuhmacher *, Sattler, Gerber, Schneider, Weber und Handschuhmacher; zweite Patrone des Bistums Osnabrück
Bauernregel: Am Tage von Crispin / sind die letzten Fliegen hin.

* Dabei wird Crispinus oft als Patron der Schuhmacher, der kleine Crispianus als der der Schuhflicker betrachtet.

Catholic Encyclopedia





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 01.11.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Gerald Knoll aus Saarlouis, E-Mail vom 23. April 2005
• http://www.gildebesoijen.nl/historie.htm
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• http://heimatforschung.rodena.de/Lisdorf/KatholischeKirche.pdf