Ökumenisches Heiligenlexikon

Hieronymus Ämiliani

italienischer Name: Girolamo oder Gerolamo Emiliani
eigentlich: Miani


Mosaik am Hieronymus geweihten Sanktuarium in Somasca
Mosaik am Hieronymus geweihten Sanktuarium in Somasca

Hieronymus Ämiliani war das vierte Kind einer hochadeligen Familie; sein Vater Angelo entstammte dem Zweig San Vidal der Patrizierfamilie Miani und war Senator, verübte aber Selbsttötung, als Hieronymus zehn Jahre alt war; die Mutter Eleonora geb. Morosini war Tochter einer altadeligen Familie, die in Venedig schon mehrere Dogen gestellt hatte. Sie erzog ihren Sohn mit strenger Frömmigkeit. Hieronymus erhielt eine hervorragende Ausbildung und wurde 1509 Soldat und General in der Zeit der Machtkämpfe zwischen den Städten und Familien Italiens und der Kriege gegen Spanien und Frankreich.

Bei der Verteidigung des 1376 errichteten neuen Kastells in Quero bei Belluno gegen die Venedig bekämpfende Liga von Cambrai geriet Hieronymus 1511 in Gefangenschaft und erlebte dort eine innere Umkehr; erzählt wird, dass er sich in seiner Verzweiflung an Maria gewandt habe und gelobt, vom wüsten Leben abzusagen, woraufhin sich seine Ketten lösten, die Tür sich öffnete und er unbemerkt das Gefängnis verlassen konnte; in der Kirche Kirche Santa Maria Maggiore in Treviso legte er nach seiner wunderhaften Befreiung seine Ketten auf den Altar.

Kirche Santa Maria Maggiore in Treviso
Kirche Santa Maria Maggiore in Treviso

Dann half Hieronymus Ämiliani bei der - erfolgreichen - Verteidigung von Treviso gegen die andrängenden Habsburger. 1516 bis 1527 diente er als Statthalter in Quero. Dann kehrte er in sein Elternhaus nach Venedig zurück, übernahm die Erziehung seiner Neffen und Nichten, da seine Brüder verstorben waren, und führte ein Leben der Nächstenliebe, des Gebets und der Buße. In der schweren Hungersnot 1528 gab er sein ganzes Geld und und verkaufte Kleidung, Teppiche, Möbel und anderes, um Bedürftige mit Nahrung und Unterkunft zu versorgen; zudem gab er ihnen moralische Unterstützung. Dabei wurde er 1529 von der Pest angesteckt, sah den Tod kommen, überlebte aber. Die Begegnung mit Reformern wie Kajetan von Thiene überzeugte ihn, in der Nächstenliebe fortzufahren.

Carlo Carloni; Girolamo und seinen Schülern erscheint die Jungfrau Maria
Carlo Carloni: Girolamo und seinen Schülern erscheint die Jungfrau Maria, um 1754, Altarbild in der Kirche der Jungfrau von Loreto in Como

1531 verließ er endgültig sein Elternhaus, ersetzte seine Patrizierkleidung durch eine grobe Tracht und zog mit einer Gruppe von dreißig Straßenkindern in ein gemietetes Erdgeschoss nahe der Kirche San Rocco in Venedig. Er stellte Handwerksmeister ein und eröffnete in dem 1522 von Kajetan von Thiene gegründeten Hospital degli Incurabili - heute Sitz der Kunstakademie von Venedig - eine Kunstgewerbeschule, um den Kindern Berufe beizubringen, damit sie später ihren Lebensunterhalt verdienen konnten.

ehemaliges Hospital degli Incurabili in Venedig
ehemaliges Hospital degli Incurabili in Venedig

Mit Unterstützung der Bischöfe, der Stadtverwaltungen und des Adels richtete Hieronymus Ämiliani für die umher streunenden Kinder Waisenhäuser ein in Bergamo und an der damaligen Kirche San Bartolomeo in Brescia - die Gebäude wurden 1797 Kaserne und 2010 Privatbesitz. Es folgten Häuser in den oberitalienischen Städten Verona, Como und Mailand. Beeindruckt schlossen sich ihm andere Menschen an; daraus entstand 1528 die Gesellschaft der Diener der Armen, aus der dann der Orden der Somasker wuchs, benannt nach dem Gründungsort Somasca - heute ein Ortsteil von Vercurago, wo 1534 die Ordenszentrale eingerichtet wurde; Hieronymus wurde jedoch kein Ordensmann. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er zurückgezogen in einer Grotte nahe des Mutterhauses. Nachdem er sich während einer neuerlichen Pestseuche bei der Pflege an der tödlichen Krankheit angesteckt hatte, starb er im Mutterhaus in Somasca.

Hieronymus geweihtes Sanktuarium in Somasca
Hieronymus geweihtes Sanktuarium in Somasca

Hieronymus wurde in der Kirche San Bartolomeo in Somasca bestattet; sein Orden errichtete daraus das ab 1544 nun auch Hieronymus geweihte Sanktuarium; zum Gedenktag wird dort regelmäßi eine Prozession veranstaltet. Ganz in der Nähe ist eine kleine Kapelle Maria, der Mutter der Waisen, gewidmet, sie grenzt an das ehemalige Wohnhaus von Hieronymus an. Über die Scala Santa, die heilige Treppe kann man den Felsen erreichen, auf dem Hieronymus oft zum Gebet verweilte, und dort die Grotte, in der er zeitweilig lebte. Der Quelle, die über die neben der Grotte erricheten Kirche zugänglich ist, wird nachgesagt, dass Hieronymus sie aus dem Stein habe entspringen lassen.

Noch heute ist der Somaskerorden in Italien tätig, in Belgien gibt es einen Orden der Brüder vom heiligen Hieronymus Ämiliani. An Hieronymus' Elternhaus in Venedig erinnert eine Gedenktafel an ihn. Das neue Kastell in Quero war später Hotel, seit 1927 ist es ein Oratorium der Somasker.

Kanonisation: Papst Benedikt XIV. sprach den Ordensstifter am 23. April 1747 selig, Papst Clemens XIII. sprach ihn am 16. Juli 1767 heilig, Papst Pius XI. ernannte ihn 1928 zum Patron der Waisen und der verlassenen Jugend.
Attribute: Mönch mit Büchern und Totenkopf
Patron von Treviso und Venedig, der verlassenen Jugendlichen und Waisen, der Gründer von Schulen und Waisenhäusern

Worte des Heiligen

In einem Brief mahnt Hieronymus seine Mitbrüder, nur auf Gott zu vertrauen:
In Jesus Christus geliebte Brüder, Söhne der Gesellschaft der Diener der Armen! Euer geringer Vater grüßt euch.
Unser Ziel ist Gott, der Quell alles Guten, und wir müssen, wie wir es in unserem Gebet aussprechen, nur auf ihn vertrauen, nicht auf andere. Unser Herr ist gütig. Er wird unseren Glauben mehren, ohne den, wie der Evangelist sagt, Christus die vielen Zeichen nicht wirken kann. Er wollte euer Gebet erhören und beschloss, euch arm, gequält, betrübt, ermüdet, von allen missachtet zu machen, euch auch meiner leiblichen Gegenwart zu berauben, nicht jedoch des Geistes eures armen, geliebten und liebenden Vaters. Warum er euch so haben wollte, weiß er selbst allein. Wir können jedoch drei Gründe dafür sehen:
Erstens erinnert euch unser gepriesener Herr daran, dass er euch seinen geliebten Söhnen zurechnen will, wenn ihr auf seinen Wegen bleibt; denn so tat er seinen Freunden und machte sie heilig.
Der zweite Grund ist dieser: Er will, dass ihr immer mehr nur auf ihn vertraut, nicht auf andere. Wie gesagt, wirkt Gott seine Werke nicht an denen, die sich weigern, ihren ganzen Glauben und ihre ganze Hoffnung nur auf ihn zu setzen. Dagegen gießt er die ganze Fülle seiner Liebe aus auf die, welche einen großen Glauben und eine große Hoffnung haben. Ihnen hat er Großes getan. Wenn ihr daher mit Glauben und Hoffnung ausgerüstet seid, tut er Großes an euch, da er die Niedrigen erhöht. Wenn er euch daher mich oder jemand anders, der euch angenehm ist, weggenommen hat, hat er euch zwei Möglichkeiten zur Wahl gestellt: entweder den Glauben aufzugeben und zu den Dingen der Welt zurückzukehren oder im Glauben stark zu bleiben und euch so vor ihm [Gott] zu bewahren.
Dazu kommt noch ein dritter Grund: Gott will euch wie Gold im Feuer läutern. Die Schlacken des Goldes werden im Feuer verzehrt, das gute Gold aber bleibt zurück und gewinnt an Wert. So macht es Gott mit dem guten Knecht, der hofft und während der Bedrängnis standhaft in ihm bleibt. Gott richtet ihn auf, erstattet ihm in dieser Welt hundertfach, was er aus Liebe zu ihm verlassen hat, und gibt ihm einst das ewige Leben.

Quelle: Hieronymus Ämiliani: E litteris ad confratres suos, Venedig 1535. In: Liturgia horarum, Bd. 3. Rom 1977, S. 1124f; deutsch in: Monastisches Lektionar zum 8. Februar

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Die Kirche San Rocco in Venedig ist täglich von 9.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, der Zutritt erfolgt über die Scuola Grande di San Rocco, einem Museum, der Eintritt beträgt zusammen 10 €. (2020)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 21.10.2021

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. II, Hamm 1990
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
• https://de.zenit.org/articles/girolamo-emiliani-1486-1537
• Francisco Manuel Fernández González: Miani e chiesa die San Vidal. Mestre 2016, S. 8f
• https://it.wikipedia.org/wiki/Girolamo_Emiliani
• https://kripkit.com/iglesia-de-san-bartolomeo-brescia

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.


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