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Ökumenisches Heiligenlexikon

Hieronymus Ämiliani

italienischer Name: Girolamo oder Gerolamo, Emiliani oder Miani


Hieronymus Ämiliani war das vierte Kind einer wohlhabenden, altadeligen Familie; sein Vater war Senator, starb aber, als Hieronymus zehn Jahre alt war; die Mutter erzog ihren Sohn mit strenger Frömmigkeit. Er erhielt eine hervorragende Ausbildung und wurde 1509 Soldat und General in der Zeit der Machtkämpfe zwischen den Städten und Familien Italiens und der Kriege gegen Spanien und Frankreich. Bei der Verteidigung des neuen Kastells in Quero bei Belluno gegen die Liga von Cambrai geriet Hieronymus 1511 in Gefangenschaft und erlebte dort eine innere Umkehr; erzählt wird, dass er sich in seiner Verzweiflung an Maria gewandt habe und gelobt, vom wüsten Leben abzusagen, woraufhin sich seine Ketten lösten, die Tür sich öffnete und er unbemerkt das Gefängnis verlassen konnte. Nach seiner wunderhaften Befreiung und der Begegnung mit Reformern wie Kajetan von Thiene quittierte er den Militärdienst, kehrte nach Treviso zurück, übernahm die Erziehung seiner Neffen und Nichten, da seine Brüder verstorben waren, und führte ein Leben der Nächstenliebe, des Gebetes und der Buße.

Carlo Carloni; Girolamo und seinen Schülern erscheint die Jungfrau Maria
Carlo Carloni: Girolamo und seinen Schülern erscheint die Jungfrau Maria, um 1754, Altarbild in der Kirche der Jungfrau von Loreto in Como

1527 begann Hieronymus Ämiliani seine Tätigkeit für ein Hospital in Venedig, er weitete seine wohltätige Arbeit auf Arme, Waisen, Witwen und andere Bedürftige aus. Er pflegte weiterhin die Kranken, versorgte Waisen, denen er in seinem Haus Essen und Kleidung gab und denen er eine Grundbildung vermittelte, er kümmerte sich um Sterbende und begrub des Nachts die Toten. 1529 erkrankte er an der Pest, wurde aber wieder gesund. 1531 verzichtete er auf seine Güter und gründete ein weiteres Waisenhaus in dem er die Kinder zu Handwerken ausbilden ließ, damit sie später ihren Lebensunterhalt verdienen konnten. Mit Unterstützung der Bischöfe, der Städtverwaltungen und des Adels richtete er für die umher streunenden Kinder weitere Waisenhäuser in Bergamo und Brescia ein, es folgten Häuser in den oberitalienischen Städten Verona, Como und Mailand. Beeindruckt schlossen sich ihm andere Menschen an; daraus entstand 1528 die Gesellschaft der Diener der Armen, aus der dann der Orden der Somasker wuchs, benannt nach dem Gründungsort Somasca - heute ein Ortsteil von Vercurago -, wo 1534 die Ordenszentrale eingerichtet wurde; Hieronymus wurde jedoch kein Ordensmann. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er zurückgezogen in einer Höhle. Er starb im Mutterhaus des Ordens in Somasca, nachdem er sich während einer neuerlichen Pestseuche bei der Pflege an der tödlichen Krankheit angesteckt hatte.

Heiligtum in Vercurago
Heiligtum in Vercurago Foto: Francescogb

Hieronymus wurde in der Kirche San Bartolomeo in Somasca bestattet. Sein Orden errichtete im nahen Vercurago ein eigenes Heiligtum für ihn, das schon 1544 geweiht wurde; zum Gedenktag wird dort regelmäßi eine Prozession veranstaltet. Ganz in der Nähe ist eine kleine Kapelle Maria, Mutter der Waisen, gewidmet, sie grenzt an das ehemalige Haus von Hieronymus an. Über die Scala Santa, die heilige Treppe kann man den Felsen erreichen, auf dem Hieronymus oft zum Gebet verweilte, und zu der Grotte, in der er zeitweilig lebte. Der Quelle, die über die neben der Grotte erricheten Kirche zugänglich ist, wird nachgesagt, dass Hieronymus sie aus dem Stein habe entspringen lassen.

Noch heute ist der Somaskerorden in Italien tätig, in Belgien gibt es einen Orden der Brüder vom heiligen Hieronymus Ämiliani.

Kanonisation: Papst Benedikt XIV. sprach den Ordensstifter am 23. April 1747 selig, Papst Clemens XIII. sprach ihn am 16. Juli 1767 heilig, Papst Pius XI. ernannte ihn 1928 zum Patron der Waisen und der verlassenen Jugend.
Attribute: Mönch mit Büchern und Totenkopf
Patron von Treviso und Venedig, der verlassenen Jugendlichen und Waisen, der Gründer von Schulen und Waisenhäusern




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 08.02.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
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Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. II, Hamm 1990
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
• https://de.zenit.org/articles/girolamo-emiliani-1486-1537/