Ökumenisches Heiligenlexikon

Kajetan von Thiene

italienischer Name: Gaëtano


Fresko in der Kirche San Paolo Maggiore in Neapel, in der Kajetan bestattet ist
Fresko in der Kirche San Paolo Maggiore in Neapel, in der Kajetan bestattet ist

Kajetan, Sohn des Grafen Gaëtano aus der Republik Venedig, wurde schon als Kind der Heilige genannt. Er studierte Jura in Padua und wurde 1506 Geheimer Sekretär von Papst Julius II. in Rom. Hier lernte er die berühmtesten Künstler seiner Zeit kennen, u. a. Raffael, aber auch Sittenlosigkeit und Ausschweifungen des KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien., für dessen Reform und Ausbildung er sich besonders einsetzte.

Nach seiner Priesterweihe 1516 erlebte Kajetan 1517 in der Weihnachtszeit in der römischen Basilika Santa Maria Maggiore, in der am Hauptaltar Bretter der Krippe Jesu aus Betlehem als Reliquien verehrt werden, wie in Trance das Wunder der jungfräulichen Geburt, deshalb wird er oft mit dem Jesuskind dargestellt. Nach seiner Rückkehr nach Vicenza 1519 schloss Kajetan sich der Bruderschaft des Heiligen Hieronymus an, die sich um Arme und Kranke kümmerte. Von diesen geprägt, wurde er zu einem der großen Reformer der Kirche. 1522 gründete er in Venedig das Hospital degli Incurabili. Ab 1523 wirkte er wieder in Rom; im Oratorium del Divono Amore an der Kirche Santi Silvestro e Dorotea - auch nur Santa Dorotea - im Stadtteil Trastevere lernte er Giampetro Caraffa, den Bischof von Chieti, den späteren Papst Paul IV. kennen, und gründete dort zusammen mit diesem 1524 die Kongregation der Regulierten KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien., nach dem lateinischen Namen des Bischofssitzes von Giampetro Caraffa Theatiner genannt. Ihre Losung ist ein Jesuswort aus der Bergpredigt: Suchet zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit, dann werden euch alle Dinge hinzugefügt werden. (Matthäusevangelium 6, 33). Schon nach wenigen Wochen wurde der Orden päpstlich anerkannt, Leiter wurde Bischof Caraffa.

Das Jesuskind, das Kajetan 1517 in der Kirche Santa Maria Maggiore erschien, heute in der Kirche Sant'Andrea della Valle in Rom
Das Jesuskind, das Kajetan 1517 in der Kirche Santa Maria Maggiore erschien, heute in der Kirche Sant'Andrea della Valle in Rom

Beim Einfall italienischer Truppen in Rom 1527 wurde die Stadt geplündert und verwüstet, es traf auch das Ordenshaus. Die Theatiner mit Kajetan an der Spitze flüchteten nach Venedig, bekamen das Nikolauskloster zugewiesen, organisierten soziale Hilfen und bauten caritative Strukturen auf; besonders als 1528 eine Pestepidemie und Hungersnot die Stadt heimsuchte, halfen die Theatiner unermüdlich. Die Kongregation breitete sich schnell in ganz Italien aus und wurde neben den Jesuiten zur wichtigsten Kraft der Reform in der katholischen Kirche.

In Neapel gründete Kajetan 1533 ein Institut zur Eindämmung der Anhänger der Reformation von Martin Luther. In Vicenza, Verona und Venedig wirkte er ab 1540, ab 1543 lebte er mehr zurückgezogen als Abt des Klosters an der Kirche San Paolo Maggiore, das ihm Vizekönig Pedro Álvarez überlassen hatte, wieder in Neapel, voll Kummer über die Missstände in der Stadt. Im Bußgewand auf Brettern schlafend starb er; beigesetzt wurde er in Neapel.

Giovanni Battista Piazzetta: Kajetan von Thiene mit Antonius von Padua und dem Schutzengel, um 1729, in der Kirche San Vitale in Venedig
Giovanni Battista Piazzetta: Kajetan von Thiene mit Antonius von Padua und dem Schutzengel, um 1729, in der Kirche San Vitale in Venedig

Kajetans Grab ist in der Kirche San Paolo Maggiore in Neapel. 1662 erbaute Herzog Ferdinand von Bayern aus Dankbarkeit über die Geburt des Erbprinzen die berühmte Theatinerkirche St. Kajetan in München, 1672 wurde Kajetan zum Patron des Kurstaates Bayern erwählt. Besondere Verehrung genießt er in Argentinien als Patron von Brot und Arbeit.

Kanonisation: Kajetan wurde am 8. Oktober 1629 von Papst Urban VIII. selig- und am 12. April 1671 von Papst Clemens X. heiliggesprochen.
Attribute: Kreuz, Lilie, Vögel, Ähren, Füllhorn
Patron von Bayern, von Neapel; gegen Pest, für Brot und Arbeit

Worte des Heiligen

Das beliebteste Bild der Kirche beim 2. Vatikanischen Konzil war das vom pilgernden Gottesvolk. In einem Brief an eine gewisse Elisabetta Porto umschreibt Kajetan ganz ähnlich das Christsein als Pilgersein:
Sei gewiss, meine Tochter: Wir sind hier [auf Erden nur] als Pilger unterwegs, unsere Heimat ist der Himmel. Wer sich hier [auf der Erde] berauscht, verfehlt den Weg und kommt zu Tode. Wir müssen, solange wir uns hier [auf Erden] befinden, das ewige Leben gewinnen; dieses können wir hier nicht mehr allein [aus eigener Kraft] gewinnen, denn wir haben es durch unsere Sünden bereits verloren, aber Jesus Christus hat es uns wieder gewonnen. [Daher] müssen wir ihm immer dankbar sein, ihn lieben und ihm gehorchen und so oft wie möglich bei ihm sein. Er hat sich [uns] hinterlassen in der Speise [die er uns schenkt]. Unglückselig ist der Christ, der dieses Geschenk nicht kennt! Wir können Christus, den Sohn der Jungfrau Maria, zu eigen haben und doch wollen wir es nicht. Wehe dem, der sich nicht müht, ihn zu empfangen!
Meine liebe Tochter, das Gute, das ich für mich begehre, das wünsche ich auch für dich; aber damit auch du es besitzen kannst, gibt es kein anderes Mittel, als oft die Jungfrau Maria zu bitten, sie möge zu dir kommen zusammen mit ihrem ruhmreichen Sohn, und geh so manches Mal ins Gebet, sie möge dir ihren Sohn geben, die wahre Speise deiner Seele im Heiligen Sakrament des AltaresDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.. Sie wird ihn dir gerne geben und er wird [selbst] noch lieber kommen, dich und deine Früchte [die dir schon zugewachsen sind] zu stärken auf diesem Weg, der [oft genug] durch dunklen Wald [führt], wo, wie man weiß, immer viele Feinde lauern; aber wenn wir eine solche Hilfe haben, bleiben sie [uns] ferne wie die Fliege vom Feuer.

Quelle: Le lettere di San Gaetano da Thiene, a cura di F. Andreu. Città del Vaticano 1954, S. 50; eigene Übersetzung

Zitat von Kajetan von Thiene:

Kajetan skizziert ein kurzes Kompendium des geistlichen Lebens:
Die wahre und unschätzbare Freude eines Geistlichen ist das Verlangen nach Ähnlichkeit mit dem Herzen und dem Leib Jesu. …
Die Tür zu jeder Vollkommenheit und deren Vollendung besteht darin, sich der göttlichen Wohltaten für unwürdig zu halten und [überzeugt zu sein], dass das Gute, das Gott für uns wirkt, keinen Grund in uns [selbst] hat: vielmehr entspringt es der unendlichen Güte des göttlichen Namens.
Es gibt eine zweifache Demut: Die eine wird durch die Wahrheit hervorgebracht, die andere wird durch die Nächstenliebe gestärkt; echt ist jene Demut, die der Liebe zu einem sittlich guten Leben und zur Nächstenliebe entspringt.
Das aktive Leben besteht in der Annahme von Leiden und Armut [sowie] in der Verachtung von Ruhm und weltlicher Ehre und im Verbergen der eigenen Weisheit.
Das kontemplative Leben begründen drei Faktoren: die innere Reinheit der Seele, das In-Zucht-Nehmen der Sinne (clausura sensuum), der Gehorsam gegenüber den inneren Antrieben.

Quelle: Le lettere di San Gaetano da Thiene, a cura di F. Andreu. Città del Vaticano 1954, S. 110; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Die Basilika Santa Maria Maggiore in Rom ist täglich von 7 Uhr bis 18.45 Uhr geöffnet, das Museum und die archäologischen Ausgrabungen täglich von 9 Uhr bis 18.15 Uhr; der Eintritt ins Museum beträgt 3 €, der Eintritt zu den Ausgrabungen (nur mit Führung zu besichtigen) 5 €. (2017)
Die Kirche Santa Dorotea in Rom ist täglich von 7.30 Uhr bis 12 Uhr und von 16 Uhr bis 19.30 Uhr geöffnet. (2017)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 26.09.2020

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.newadvent.org/cathen/03145a.htm
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996
• https://it.wikipedia.org/wiki/Gaetano_Thiene

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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