Ökumenisches Heiligenlexikon

Hieronymus Jaegen

Gedenktag katholisch: 26. Januar

Name bedeutet: heiliger Name (griech.)

Bankdirektor, Mystiker
* 23. August 1841 in Trier in Rheinland-Pfalz
26. Januar 1919 daselbst


Hieronymus Jaegen
Hieronymus Jaegen

Hieronymus Jaegen war zunächst als Ingenieur tätig. 1867 gründete er in Trier die Harmonia, einen religiös-wissenschaftlich-geselligen Verein für junge Kaufleute. In der Zeit des Kulturkampfes - dem Konflikt zwischen dem Königreich Preußen bzw. dem Deutschen Kaiserreich und der katholischen Kirche unter Papst Pius IX. - wurde Jaegen unehrenhaft aus der preußischen Armee entlassen, weil er sich als Redner in der Öffentlichkeit für die Kirche eingesetzt hatte. Ab 1879 war er Vorstandsmitglied der neu gegründeten Trierer Volksbank, 1899 bis 1908 war er auch Abgeordneter für die Zentrumspartei im preußischen Landtag. Dann verzichtete der ledige Jaegen auf sein politisches Amt und war verstärkt ehrenamtlich für die katholische Kirche tätig: über 30 Jahre lang organisierte er die Trierer Fronleichnams-Prozession. Er war mystisch begabt und hielt seine Erfahrungen in mehreren Büchern fest.

Hieronymus Jaegens Gebeine lagen in der Pauluskirche in Trier; nach deren Profanisierug wurden sie 2018 in die Marktkirche St. Gangolf übertragen.

Kanonisation: Der Seligsprechungsprozess läuft seit 1939. Am 26. Juni 2006 erkannte Papst Benedikt XVI. Hieronymus Jaegen den heroischen Tugendgrad zu.

Worte von Hieronymus Jaegen

Jaegen gibt Ratschläge, wie es einem Laien gelingen kann, mitten in der Welt christliche Vollkommenheit zu erlangen ist. Die Regeln sind zwar mit militärischer Pünktlichkeit zu erfüllen, jedoch in Freiheit und nicht pedantisch, ängstlich, skrupulös, da sie ja nur Mittel zu einem höheren Zweck, aber kein Selbstzweck sind. In der Dienstordnung für unsern geistigen Kampf heißt es:

1. Mache dir nach Art der Studenten einen Stundenplan und Lebensplan, in welchem du feststellst, zu welcher Stunde du täglich aufstehst und dich niederlegst und wann du im Tage und im Jahre die nachstehenden Handlungen vornimmst. Bringe so eine feste Ordnung, Regelmäßigkeit, Pünktlichkeit und Beharrlichkeit in dein äußeres und inneres Leben. …
2. Bete täglich dein Morgen- und Abendgebet und erforsche abends dein Gewissen kurz, ernst, kniend. …
3. Unterlasse nie dein Tischgebet, weder zu Hause noch an fremder Tafel. In letzterem Falle verrichte dein Gebet still, bescheiden, kurz und kühn. …
4. Bemühe dich täglich, aber doch so oft als möglich, der heiligen Messe beizuwohnen. Dein ganzes Tagewerk wird dadurch gesegnet. …
5. Empfange häufig und würdig die heiligsten Sakramente der Buße und des Altares … unter Mitwirkung eines tüchtigen Seelenführers.
6. Halte täglich, oder sooft es deine Berufspflichten gestatten, eine geistliche Lesung oder Betrachtung. …
7. Erfülle deine Berufspflichten mit großem Fleiße und gib andern hierin ein gutes Beispiel. Erringe dir und den Deinen dadurch einerseits eine ehrenvolle und einflussreiche Stellung in der Welt und beweise andererseits durch dein Verhalten, dass eine echte, kernige Frömmigkeit mit jedem Stande und Berufe vereinbar ist.
8. Bemühe dich, ohne Anstrengung, den Tag über oft an Gott zu denken, und wandle so geistig in seiner Gegenwart. … Gott ist ja überall zugegen und sieht und hört daher alles, was du denkst, tust und sagst. …
9. Ziehe die Einsamkeit, den Aufenthalt zu Hause auf deinem Zimmer, auf einsamen Spaziergängen dem Trubel der Welt vor. Du kommst dann mehr zu dir selber, denkst über deinen Seelenzustand nach, überlegst und studierst in guten Büchern, wie du im geistigen Leben vorankommen kannst. …
10. Dulde keine Todsünden bei dir, bekämpfe mit Energie deine lässlichen Sünden und verfolge deine Unvollkommenheiten wie der Jagdhund das Wild. Dagegen gewinne die Übung aller Tugenden lieb, besonders derjenigen, die deinen früheren und jetzigen Sünden entgegengesetzt sind.
11. Das Ideal deines Lebens sei dir das Bestreben, im geistigen Leben aufwärtszustreben, und ruhe nicht, bis du schon auf Erden zur innigsten Vereinigung mit dem Dreieinen Gott gelangt bist.

Hieronymus Jaegen: Der Kampf um das höchste Gut. Anleitung zur christlichen Vollkommenheit inmitten der Welt, hg. von Karl Rudolf. 4. Aufl. 1938, S. 72 - 75

Zitate von Hieronymus Jaegen:

Befindest du dich, lieber Leser, in einer weltlichen Stellung, in welcher du beim besten Willen und Bemühen dauernd deine wichtigsten religiösen Pflichten nicht erfüllen kannst, so verlasse diese Stellung, denn sie ist nicht die von Gott dir bestimmte. Bei dieser Änderung musst du aber mit Ruhe und Vorsicht zu Werke gehen.

Das Auge der göttlichen Vorsehung überschaut dein ganzes Leben und jeden Augenblick desselben. Je mehr du dich dieser göttlichen Vorsehung überlässt und dich mit deinem Denken, Streben und Handeln in sie hineinlebst, je mehr du mit Gott für Gott lebst, desto glücklicher wirst du sein.

Die christliche Vollkommenheit besteht in der möglichst innigen, liebevollen Vereinigung unserer Seele mit Gott und in der möglichst vollkommenen Umgestaltung derselben in Gott. … Dein Ideal sei dir, lieber Leser oder Leserin, das Streben nach Vollkommenheit inmitten der Welt.

Gib dir ernstlich Mühe, Gott immer vollkommener zu erkennen, zu lieben und ihm zu dienen.

Das vernünftige und zeitgemäße Streben nach der mystischen christlichen Vollkommenheit ist allen Seelen, auch vielen, die mitten in der Welt leben, recht gut möglich. … Dieses Streben ist hauptsächlich ein innerliches, geistliches, das sich an jeden Stand und Beruf anschmiegt, der christlich-klug geordnet ist.

Hieronymus Jaegen: Der Kampf um das höchste Gut. Anleitung zur christlichen Vollkommenheit inmitten der Welt, hg. von Karl Rudolf. 4. Aufl. 1938, S. 23f.; 192 - 194

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 18.09.2019

Quellen:

• http://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2018-02/menschen-in-der-zeit-hieronymus-jaegen.html
• https://www.volksfreund.de/region/trier/hieronymus-jaegen-trier-umbettung-der-gebeine-nach-st-gangolf_aid-29482615

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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