Ökumenisches Heiligenlexikon

Widrad

auch: Wideradus
französischer Name: Waré, Gire, Guiré, Gude

1 Gedenktag katholisch: 3. Oktober

Name bedeutet: der kämpferische Ratgeber (althochdt.)

Klostergründer in Saulieu, Faverney und Flavigny, Abt in Flavigny
* in Burgund in Frankreich
† 3. Oktober 747 in Flavigny, heute Flavigny-sur-Ozerain bei Dijon in Frankreich


Krypta und Reste der Kirche des Klosters Saint-Pierre in Flavigny -sur-Ozerain
Krypta und Reste der Kirche des Klosters Saint-Pierre in Flavigny -sur-Ozerain

Widrad war der Sohn des reichen und bekannten Corbon. Er stiftete vor 719 das damalige Kloster Saint-Pierre in Flavigny nach der Regel der Benediktiner und unterstellte es der Leitung des Abtes Magnoaldus. 722 stiftete er aus seinem großen Vermögen eine Prikt von Clermont geweihte Kirche und das Kloster an der über den Gräbern von Andochius und Thyrsus und Felix errichteten Kirche in Saulieu bei Autun.

Widrad gründete weitere Kirchen, schließlich übernahm er 745 nach dem Tod von Abt Magnoaldus selbst als Laie das Amt des Abtes im Kloster Saint-Pierre in Flavigny. Kurz vor seinem Tod gründete er 747 noch das Kloster für Frauen in Faverney bei Vesoul, das dann Goidila - vielleicht Widrads Schwester - leitete, und in das er vermutlich die Figur der dort bis heute verehrten weißen Jungfrau gebracht hat.

Kirche des ehemaligen Klosters in Faverney
Kirche des ehemaligen Klosters in Faverney

Widrad wurde in der Abteikirche seines Klosters in Flavigny begraben.

Das Kloster Saint-Pierre in Flavigny wurde in der Französischen Revolution 1791 aufgelöst und verkauft. Seitdem wird es von der Süßwarenfabrik Anis de Flavigny genutzt; die Idee, Anissamen mit Zucker zu umhüllen - ursprünglich zu medizinischen Zwecken und zur Verdauungsförderung -, geht auf die Mönche der Abtei Flavigny zurück. Die Abteikirche und ein Teil der Apsis wurden Anfang des 19. Jahrhunderts zerstört, nur die karolingische Krypta und die Süßwarenwerkstatt von Anis de Flavigny können noch besichtigt werden. Das Kloster in Faverney wurde 1132 zum Männerkloster der Benediktiner, wurde 1608 Ort eines Hostienwunders: beim Brand der Kirche wurden die Hostien nicht versengt; das Wunder wurde 1864 vom Papst anerkannt. In der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgehöben, die Kirche wurde 1803 Pfarrkirche, die Klostergebäude wurden Rathaus, andere verkauft und teilweise zerstört.

Die Basilika Saint-Andoche in Saulieu ist täglich außer montags von 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr und von 14 Uhr bis 18.30 Uhr geöffnet. (2024)



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.10.2026

Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 5. Band: Q-Z. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler, Fortgesetzt von J. N. Ginal, B. Schmid'sche Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg, 1882
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Widrad - abgerufen am 18.07.2023
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Basilique_Saint-Andoche_de_Saulieu - abgerufen am 18.07.2023
• https://catholicsaints.info/saint-widradus - abgerufen am 18.07.2023
• Faltblatt Der Klostergang der Abtei. Faverney o.J. (2026)
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_Saint-Pierre_de_Flavigny-sur-Ozerain - abgerufen am 10.10.2026

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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