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Ökumenisches Heiligenlexikon

Hinweise zu Stadlers »Heiligen-Lexikon« Abkürzungen

Perpetua und Gefährten


Perpetua et Soc. M. M. (7. al. 4. März, al. 2. Febr.) Die berühmten Acten der hhl. Perpetua, Felicitas, Satur, Vivia, Saturninus, Revocatus und Secundulus sind aus der Bibliothek des Klosters Catina um die Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts zum ersten Male veröffentlicht worden. Dieselben wurden von den Boll. mit einem sehr sorgfältigen Commentar begleitet. Ruinart entdeckte und benützte in seinen »ächten Martyrer-Acten« noch zwei Handschriften, so daß wir im Stande sind, von den Händen so großer Führer sicher geleitet, ein getreues Bild dieses glorreichen Martyrthums zu entwerfen. Der Ort, wo sie litten und starben, ist nicht Tuburbium in Mauritanien, wie es auch im Mart. Rom. heißt, oder die gleichnamige Stadt im proconsularischen Afrika, weßhalb sie gewöhnlich aber irrig »die Tuburbitanischen Heiligen« genannt wurden. Diese sind vielmehr die hhl. Maxima, Donatilla und Secunda, deren Martyrthum in die Zeit der Kaiser Valerianus und Gallienus fällt, während die hhl. Perpetua und Genossen damals schon als Heilige verehrt wurden. Ihr Martyrtod ereignete sich viel früher, nämlich im J. 202 oder 203, als Severus römischer Kaiser war. Ihr Martyrium und die in demselben vorkommenden Gesichte, großentheils von der hl. Perpetua selbst am Vorabende ihres Todes aufgezeichnet, galten zu allen Zeiten den Gläubigen als ein besonderes und unwidersprechliches Zeugniß, daß der hl. Geist diese hl. Martyrer mit seinem Lichte und seinem Troste vollkommen erfüllt hatte. Ihr Andenken wurde deßhalb in der Kirche, namentlich aber in Afrika und Karthago hoch in Ehren gehalten, und ihre Acten, als Beispiele des wahren Glaubens und der göttlichen Gnade, in den Kirchen beim Gottesdienste zur Erbauung des christlichen Volkes vorgelesen. 1 Die Acten beginnen mit der Einkerkerung der hl. Perpetua. Aus angesehenem Geschlechte und gut erzogen, war Vivia Perpetua damals ungefähr zweiundzwanzig Jahre alt. Noch hatte sie Vater und Mutter. Von ihren zwei Brüdern war der Eine gleichfalls angehender Christ. Sie war verheirathet und hatte eben ein Söhnlein an der Brust, als die Häscher sich ihrer bemächtigten und in leichter Untersuchungshaft gefangen hielten. Ihr Vater suchte sie abwendig zu machen. Da sprach sie zu ihm: »Mein Vater, kannst du das Gefäß, das hier auf dem Boden liegt, dieses Krüglein, anders nennen, als was es ist?« Er antwortete: »Nein!« »Ebenso«, fuhr sie fort, »kann auch ich mir keinen andern Namen geben, als was ich bin, eine Christin.« Der Vater stürzte sich auf sie, als wollte er ihr die Augen herausreißen, doch that er ihr nichts zu leid, sondern ging, nachdem er sie in dieser Weise beunruhigt hatte, mit seinen teuflischen Gedanken besiegt hinweg. Sie tröstete sich leicht über die Abwesenheit des Vaters, denn während der wenigen Tage Zwischenzeit empfing sie mit den Uebrigen die hl. Taufe. Der heil. Geist, dessen Gnade sie empfangen hatte, belehrte sie aber, um Nichts zu bitten, als um die Uebertragung der Leibesnoth, d. h., um die Gnade des gut überstandenen Martyriums. Bald darauf kam sie in das Gefängniß. Die junge Frau, die niemals in so finsterm Raum gewesen war, schauderte zusammen. Die unerträgliche Hitze, herrührend von der großen Zahl der Gefangenen, die Spässe der Soldaten, die Sorge für das Kind waren ihr eine große Plage. Zwei fromme Diaconen, Tertius (Titius) und Pomponius (Pontius) verschafften aber durch Bestechung der Wache ihr und ihren Mitgefangenen schon nach wenigen Stunden eine erträglichere Zelle. Freilich war ihr Leiden immer noch sehr groß, namentlich wegen des Kindes, dem sie nicht Nahrung genug geben konnte, aber doch wäre sie ohne dasselbe so unglücklich gewesen, daß sie mit demselben hier lieber weilte, als ohne dasselbe am angenehmsten Orte oder selbst in einem Palaste. Da redete der Bruder ihr zu, sie möge in Anbetracht der Gnade, die ihr vom Herrn gegeben war, um eine Vision bitten, in welcher sie über den Ausgang ihrer Sache Aufschluß erhielten: ob sie nämlich auf Leiden oder auf Befreiung hoffen dürften. Solche Gebete waren, nach dem Zeugnisse des hl. Cyprianus, nichts Ungewöhnliches und fanden sehr oft Erhörung. Die hl. Perpetua war aber davon so fest überzeugt, daß sie ihrem Bruder sogleich das Versprechen gab: »Morgen wirst du die Antwort erhalten.« Sogleich fing sie an zu beten. Während sie betete, sah sie alsbald eine goldene Leiter von wunderbarer Höhe, hinausreichend bis zum Himmel, und so schmal, daß nur je Einer hinaufsteigen konnte, an den Seiten aber waren alle Arten schneidiger Folterwerkzeuge befestiget - Schwerter, Lanzen, Hacken, Messer, - und wenn Jemand unachtsam, den Blick nicht aufwärts gerichtet, emporstieg, so wurde er zerschnitten und sein Fleisch blieb an den eisernen Werkzeugen hängen. Unter der Leiter war ein Drache von außerordentlicher Größe, der den Hinaufsteigenden rücklings nachsetzte, und sie vom Hinaufsteigen zurückschreckte. Der Erste, welcher hinaufstieg war Saturus; als er oben angelangt war, wandte er sich um und rief ihr zu: Perpetua, ich erwarte dich; sei aber vorsichtig, daß dich der Drache nicht beißt. Sie antwortete ihm: »Er wird mir nicht schaden (da ich hinaufsteige) im Namen des Herrn Jesus Christus.« Und als ob der Drache sie fürchte, erhob er nur ein wenig seinen Kopf, auf den sie trat, nachdem sie die erste Sprosse erstiegen hatte. Als sie oben war, sah sie einen Garten von unermeßlicher Ausdehnung, in dessen Mitte ein Mann saß, mit grauen Haaren, im Gewande eines Hirten. (So wurde das Bild Christi in jener Zeit in den christlichen Oratorien und auf den heiligen Gefäßen dargestellt.) Er war groß und molk die Schafe. Um ihn her standen viele Tausende mit weißen Kleidern. Und sein Haupt erhebend, sprach Er: du bist angekommen, mein Kind! Und Er rief mich zu sich und gab mir von dem Käse, den er aus der Milch bereitet hatte etwa einen Bissen; ich nahm ihn mit gefalteten Händen und aß; die Umstehenden aber sagten alle mit lauter Stimme: Amen. (Dieß war genau der Ritus, in welchem den Gläubigen die Communion gereicht zu werden pflegte.) Daran erwachte sie. Noch hatte sie etwas Süßes im Munde, sie konnte selbst nicht sagen, was es war, aber sie aß es. Aus diesem Gesichte entnahmen die Gefangenen das bevorstehende Leiden und verzichteten auf alle irdische Hoffnung. Nach wenigen Tagen verbreitete sich das Gerücht, daß sie in peinliches Verhör genommen werden sollten. Da eilte nochmal der Vater der hl. Perpetua herbei und beschwor sie bei seinen grauen Haaren, bei aller Liebe, die er ihr als Vater bewiesen, ihm nicht die Schande einer Verurtheilung anzuthun. Dabei fiel er ihr zu Füßen, küßte ihre Hände, weinte, und nannte sie nicht mehr Tochter, sondern Frau. Die Heilige hatte Mitleid mit ihm, daß nur er aus ihrer ganzen Verwandtschaft sich nicht über ihr Leiden erfreuen sollte, und sprach ihm Muth ein: »Es wird auf der Gerichtsbühne nichts geschehen, als was Gott will. Wir können nicht frei über uns verfügen, sondern befinden uns in der Hand Gottes.« Betrübt ging er von dannen. Am andern Morgen wurden die gefangenen Christen vorgeführt und legten ihr Bekenntniß ab. Im Augenblicke, als an Perpetua die Reihe kam, trat wieder ihr Vater mit dem Kinde hervor und rief flehentlich: »Schone doch des Kindes!« Der Procurator Hilarianus (Helarianus, Elarianus) sagte gleichfalls: »Schone die grauen Haare deines Vaters; schone den kleinen Sohn! Opfere für das Heil der Kaiser!« Sie weigerte sich standhaft und bekannte sich als Christin. Da wollte der Vater sich an ihr vergreifen und sie von der Bühne hinunterstürzen, aber Hilarianus ließ dafür ihn selbst hinunterstürzen und mit Ruthen streichen - was der Heiligen so wehe that, als wäre es ihr selbst geschehen. Dann sprach er das Urtheil: ad bestias, Tod durch die wilden Thiere. Die Christen wurden ins Gefängniß zurückgebracht. Die hl. Perpetua ließ durch den Diacon Pomponius (Parponianus) den Vater um ihr Kind bitten, aber diese Bitte wurde ihr abgeschlagen. Die Gefangenen wurden auch in ein anderes, dem Amphitheater näher gelegenes, vielleicht mit demselben verbundenes Gefängniß, carcer castrensis genannt, überbracht. Der Kerkermeister, Namens Pudens, war ein humaner Mann; er ließ die Christen, welche die Gefangenen zu küssen kamen, zahlreich zum Besuche. Bevor der Tag ihres Leidens, von ihr selbst »Tag des Geschenkes«, d.i. der göttlichen Gnadengabe genannt, anbrach, kam der Vater ein drittes Mal zu ihr, um mit ihr zu sprechen, aber er konnte mit allen seinen Bitten und Verwünschungen, seinen Thränen, Kniefallen, mit seinem Haar und Bartausraufen wohl ihr kindliches Mitleid neuerdings aufs höchste erregen, den beabsichtigten Abfall vom Glauben aber nicht zuwege bringen. Bald darauf hatte sie ein neues Gesicht. Sie ward in die Arena geführt und erwartete das Hervorbrechen eines der wilden Thiere. Es geschah aber nicht. Dafür hatte sie mit einem großen Aegyptier zu kämpfen, den sie, plötzlich in einen Mann verwandelt, im Zweikampf niederwarf. Aber auch Saturus hatte ein Gesicht, das er erzählte: »Bereits war unser Leiden vorüber«, sagte er, »wir verließen unsern Leib und vier Engel, deren Hände uns nicht berührten, trugen uns gegen Sonnenaufgang. Unser Weg ging nicht nach Oben, sondern nur sanft aufwärts, so wie auf einen leichten Hügel. Bald sahen wir das unendliche Licht und ich sagte zu Perpetua, die mir zur Seite ging: das ist's, was uns der Herr versprochen hat; wir empfangen jetzt seine Verheißung. Noch immer wurden wir weiter getragen und kamen in einen weiten Raum, der um und um grün, war, mit rosigen Bäumen und allen Blumenarten bepflanzt. Die Bäume waren so hoch wie die Cypressen, und unausgesetzt fielen Blüthenblätter von ihnen herab. Hier befanden sich vier andere Engel, schöner als die vorigen; sobald sie uns sahen, erwiesen sie uns Ehre und sprachen zu den übrigen Engeln: siehe, diese sind es! Und sie wunderten sich. Nun gingen wir zu Fuß ein Stadium weit, auf einem breiten Wege. Hier fanden wir den Jocundus, Saturninus und Artaxius, die dieselbe Verfolgung leidend, lebendig verbrannten, ebenso den Quintus, der als Martyrer noch im Gefängnisse gestorben war. Als wir sie fragten, wo die Uebrigen seien, sprachen die Engel: Kommet zuerst, tretet ein und grüßet den Herrn. Der Ort, an welchem wir jetzt waren, hatte Wände, wie wenn sie von Licht erbaut worden wären; vor der Thüre standen vier Engel, welche den Eintretenden weiße Kleider gaben. Als wir angekleidet waren, gingen wir hinein und sahen das unermeßliche Licht und hörten wie mit einer einzigen Stimme viele ohne Aufhören rufen: Heilig, heilig, heilig. Mitten in dem Orte sahen wir einen Mann sitzen, altersgrau, mit schneeigen Haaren und jugendlichem Angesicht, seine Füße aber sahen wir nicht. Zur rechten und linken Seite von ihm standen die vierundzwanzig Aeltesten und hinter ihnen noch viele Andere. Wir traten mit großer Verwunderung ein und standen vor dem Throne, die vier Engel hoben uns zu Ihm und wir küßten Ihn und Er erwiederte uns den Kuß von seiner Hand ins Angesicht. Die übrigen Aeltesten sprachen zu uns: Wir haben Frieden gemacht; gehet und unterhaltet euch! Und ich sagte: Perpetua, nun hast du, was du dir gewünscht! Sie erwiederte: Gott sei Dank, als ich noch im Fleische lebte, war ich fröhlich, aber um wie viel fröhlicher bin ich jetzt! Beim Hinausgehen sahen wir rechts vor der Thüre den Bischof Optatus und links den Priester und Lehrer Aspasius, von einander geschieden und traurig; sie warfen sich uns zu Füßen und sagten: Machet Frieden unter uns, da ihr von uns weggegangen seid, ohne dieses Werk zu vollenden. Wir antworteten: Bist du nicht unser Vater und du unser Priester, warum fallet ihr uns zu Füßen? Und wir wendeten uns zu ihnen und umhalsten sie. Und Perpetua fing an, mit ihnen zu sprechen und wir thaten es gesondert mit jedem unter einem Rosenbaume im Grünen. Während wir redeten, sagten die Engel zu ihnen: Lasset sie! Ihnen gebührt Erquickung. Habt ihr unter euch Zwiespalt, so vergebe Einer dem Andern! Als sie darüber betrübt waren, sagten sie zu Optatus: Tadle dein Volk, denn sie kommen bei dir zusammen, als wären sie auf dem Heimweg vom Circus und noch im Streit wegen der Parteien. Es schien uns sogar, daß sie die Thore schließen wollten. Hierauf begannen wir hier viele Brüder kennen zu lernen, besonders auch Martyrer. Alle wurden wir von einem unaussprechlichen Geruche durchdrungen, der uns sättigte. Darüber mich freuend, erwachte ich.« Nach diesen Gesichten erzählen uns die Acten zuerst den Tod des hl. Secundulus. Er starb an den erlittenen Qualen im Gefängnisse, nicht durch die wilden Thiere, in der Gnade des Herrn. Die hl. Felicitas befürchtete etwas Aehnliches, weil sie schon im achten Monat schwanger ging. Als daher der Tag des Martyriums bevorstand, war sie sehr in Sorgen, es möchte die Urtheilsvollstreckung an ihr ihrer Schwangerschaft wegen verschoben werden, so daß sie ihr heiliges und unschuldiges Blut später vielleicht mit wirklichen Verbrechern würde vergießen müssen. Ebenso trauerten auch ihre Mitzeugen für Christus. Auch sie wollten eine so vortreffliche Gefährtin zur Begleiterin haben und nicht erst in der Hoffnung auf demselben Wege zurücklassen. Sie vereinten daher ihr Seufzen und beteten in dieser Meinung zum Herrn. Es war der dritte Tag vor ihrem gnadenvollen Leiden. Sogleich nach vollendetem Gebete befielen sie die Wehen. Da sie aber sehr schwer gebar und darüber jammerte, sprach Einer von den Wärtern: »Wenn du jetzt schon so große Schmerzen empfindest, wie wird dir's erst gehen, wenn du den wilden Thieren vorgeworfen wirst, die du nicht zu fürchten schienst, als du dich zu opfern weigertest.« Sie antwortete: »Was ich jetzt leide, das leide ich selbst; was ich dann leiden werde, leidet jener in mir, für welchen ich leide, weil ich für ihn leiden will.« Sie gebar ein Töchterlein, die eine Schwester an Kindesstatt annahm und erzog. Unterdessen hatte aber der Tribun die Gefangenen wieder härter behandeln lassen, da er befürchtete, es könnte sonst ihren Zauberkünsten gelingen, aus dem Kerker zu entkommen. Darüber tadelte ihn Perpetua und sprach: »Warum willst du uns hungern lassen, die wir so vornehme Verurtheilte sind, daß sie am Geburtsfeste des Kaisers in den Wettkampf gelassen werden? Ist es nicht Ehrensache für dich, daß wir wohl genährt vorgeführt werden?« Der Tribun erröthete und ließ sie von jetzt an gelinder halten, so daß ihre Brüder und die Uebrigen wieder frei hereinkommen und ihnen Erfrischungen bringen durften. Der Kerkermeister Pudens war unterdessen gläubig geworden. Am Tage vor der Entscheidung hatten die Gefangenen die Wohlthat des Freimahles, aber sie feierten nicht dieses, sondern in Verbindung mit dem hl. Abendmahl - das in jener Zeit noch unter den Christen gewöhnliche gemeinsame Liebesmahl. 2 An die Neugierigen, welche gekommen waren, die Heiligen zu sehen, hielten sie freimüthige Ansprachen, ihnen die Gerichte Gottes androhend und das Glück ihres Leidens verkündend. Unter Anderm sprach Satur zu der neugierigen Menge: »Könnt ihr nicht morgen genug sehen? oder sehet ihr jetzt gerne, was ihr doch hasset, heute Freunde, morgen Feinde? Merket euch doch gut unser Angesicht, damit ihr uns dereinst am Gerichtstage wieder erkennet!« Erschüttert gingen sie weg und Viele wurden gläubig. Endlich, erzählen die Acten weiter, erschien ihr Siegestag. Sie verließen den Kerker und gingen ins Amphitheater wie in den Himmel, fröhlich, schön von Angesicht, zitternd vor Freude, nicht vor Furcht. Zuletzt schritt Perpetua mit freundlichem Gesichte und einem Schritte wie er einer Matrone, einer Geliebten des Gottes Christus geziemt, den Glanz ihrer Augen, damit Niemand in dieselben blicke, zu Boden werfend. Ebenso Felicitas, vor Freude erregt, daß sie glücklich geboren, um zum Thierkampfe gelassen zu werden, und von der Hebamme zum Fechten gehend, mit einer zweiten Taufe, der Bluttaufe, sich abzuwaschen. Am Thore wollte man sie nöthigen, das vorgeschriebene Kleid anzuziehen: die Männer das der Saturnuspriester, die Frauen das der Priesterinnen der Ceres. Aber Perpetua weigerte sich standhaft und sprach im Namen Aller: »Freiwillig«, sprach sie, »sind wir hiehergekommen, damit unser freier Wille keinen Zwang erleide; deßwegen haben wir unser Leben preisgegeben, damit wir nichts dergleichen thun müßten; ich berufe mich auf dieses mein vertragsmäßiges Recht.« Und die Ungerechtigkeit erkannte dieses Mal auf Gerechtigkeit; der Tribun (Richter) gestattete, daß sie in ihren eigenen Kleidern, wie sie waren, in die Arena geführt wurden. Perpetua sang Psalmen, da sie »dem Aegyptier« ja bereits auf den Kopf trat. Revocatus, Saturninus und Saturus bedrohten das ihnen zuschauende Volk mit dem göttlichen Gerichte. Wie sie dem Hilarianus gegenüber kamen, sagten sie auch zu ihm durch Haltung und Gebärden: »Du richtest uns, dich aber wird Gott richten.« Darüber erbittert, verlangte das Volk, daß sie von den »Jägern« - so hieß man die Thierhetzer - mit Geißeln tractirt würden (eine Art Spitzruthenlaufen). Sie wünschten sich Glück, daß sie auf diese Weise auch etwas vom Leiden des Herrn verkosten dürften. Dieser aber gab jedem von ihnen den Ausgang, den er gewünscht, gemäß seinem Versprechen: »Bittet, und ihr werdet empfangen.« Als sie nämlich über ihr Martyrium mit einander redeten, wünschte Saturninus allen Thieren vorgeworfen zu werden, um nämlich eine herrlichere Krone zu erlangen. Wirklich wurden er und Revocatus, nachdem sie von einem Leoparden angefallen waren, auch noch auf dem Sprechplatze (pulpitum, eine weite hölzerne Bühne), den Tatzen eines Bären preisgegeben. Saturus bat, weil er vor den Bären große Scheu trug, von einem einzigen Leopardenbisse getödtet zu werden. Und siehe, man ließ ein Wildschwein auf ihn los; dieses aber sprang zurück und verwundete den »Jäger« (Hetzer), so daß er einige Tage später starb. Da wurde Saturus ohne Begleitung hineingezogen. Man setzte ihn an der Brücke den Anfällen eines Bären aus, aber der Bär verließ, obwohl heftig gereizt, seine Höhle nicht. So wurde Saturus, der ein zweites Mal unverletzt geblieben, wieder abgeführt. Für die Frauenspersonen hatte der Teufel, ihrem Geschlechte entsprechend, eine wilde Kuh, was gegen alle Uebung war, in Bereitschaft gehalten. Sie wurden also ausgezogen und in die Netze eingehüllt vorgeführt. Das Volk erschauderte und murrte laut, als es in der Einen die zarte Jugend, an der Andern die von der Geburt her noch tropfenden Brüste sah. Sie wurden also zurückgebracht und aus den Netzen herausgebunden. Dann wurde zuerst Perpetua vorgeführt; in die Höhe geschleudert, fiel sie auf den Rücken. Als sie bemerkte, daß ihr Kleid an der Seite einen Riß bekommen hatte, zog sie es an sich, um die Schenkel einzuhüllen, indem sie mehr der Schamhaftigkeit als der Schmerzen eingedenk war. Als sie weggetragen war, brachte sie auch noch die zerstreuten Haare in Ordnung. Es schien ihr ungeziemend, daß eine Martyrin mit aufgelösten Haaren leide, als empfinde sie Trauer über ihre Verherrlichung. So stand sie auf und trat, als sie neben sich die gleichfalls schon geworfene Felicitas erblickte, zu derselben hin, reichte ihr die Hand und hob sie auf. Beide standen da und wurden, da die Härte des Volkes besiegt war, wieder durch das Thor zurückgeführt. Dort wurde Uerpetna von einem Katechumenen, Namens Rusticus, der ihr wie ein Bruder zugethan war, aufgenommen, und sagte wie von tiefem Schlafe erwachend - so sehr war sie im Geiste und in der Entzückung gewesen: »ich weiß nicht, wann wir einmal jener wilden Kuh sollen vorgeführt werden.« Als man ihr antwortete, daß es schon geschehen sey, wollte sie es nicht glauben, bis sie am Leibe die Male und am Kleide die Risse bemerkte, welche das Thier mit seinen Hörnern gemacht hatte. Darauf antwortete sie: »Stehet im Glauben, liebet euch Alle einander, und ärgert euch nicht an unsern Leiden.« An einem andern Thore ermahnte Saturus den Soldaten Pudens, indem er sprach: »Ich bin noch allein übrig, und wie ich vorausgesagt habe, so wird es geschehen. Bis jetzt habe ich noch kein Thier empfunden. Aber jetzt glaube von ganzem Herzen. Siehe, ich trete vor und ein einziger Leopardenbiß wird mich tödten.« Wirklich wurde er, da das Schauspiel zu Ende ging, einem Leoparden vorgeworfen; ein einziger Biß desselben übergoß ihn so sehr mit Blut, daß er beim Zurückgehen wie zum zweiten Mal getauft war; das aber Volk rief mit spotthafter Anspielung auf die heil. Taufe: salvum lotum, salvum lotum! Glücklich gewaschen, glücklich gewaschen! In der That war ihm das Glück des Martyriums zu Theil geworden. Er sprach jetzt zu dem Soldaten (Gefangenenwächter) Pubens: Lebe wohl und sei eingedenk meiner Treue. Mögen diese Ereignisse dich nicht verwirren, sondern befestigen. Dann bat er ihn um seinen Fingerring, tauchte denselben in sein Blut und gab ihm ihn als Erbschaft und als Unterpfand der Erinnerung an sein vergossenes Blut wieder zurück. Hierauf fiel er in Ohnmacht und wurde mit den Uebrigen an den Ort des Gnadenstoßes (in das sog. Spoliarium) gebracht. Als das Volk verlangte, daß er öffentlich vor aller Augen geschehe, standen sie freiwillig auf und ließen sich hinführen wohin man wollte. Ehe sie starben, gaben sie sich gegenseitig noch den feierlichen Kuß des heiligen Friedens, dem sie entgegengingen. Während nun die Uebrigen unbeweglich und stillschweigend das tödtliche Eisen empfingen, um so mehr aber Saturus, der auch zuerst die Leiter erstiegen und die Perpetua gestützt hatte, jammerte diese laut auf wegen der Stichwunden zwischen den Rippen und setzte, wie auch die Gladiatoren zu thun pflegten, selbst die fehlende Rechte des jungen Gladiators in ihre Kehle. Vielleicht hätte diese so große Frau, die vom unreinen Geiste gefürchtet wurde, nicht getödtet werden können, wenn sie nicht selbst hätte getödtet werden wollen. Als es Nacht geworden, kamen die Christen, nahmen die hl. Leiber auf die Schultern, und bestatteten sie. Die Verehrung dieser hhl. Martyrer zog bereits zur Zeit des hl. Augustinus alljährlich eine große Menschenmenge nach Carthago. Die hl. Perpetua wird (I. 300 u. 748) auch zum 4. u. 8. März genannt. Sie ist mit der hl. Felicitas in den Meßcanon aufgenommen. Auf Abbildungen haben sie neben sich öfter die wilde Kuh (nicht Stier), der sie zur Belustigung des Volkes waren vorgeworfen worden. Das Martyrium der hl. Perpetua wurde bereits im 3. Jahrh. bildlich dargestellt. Sie findet sich abgebildet in den verschiedenen Stationen ihres Leidens, so z. B. mit ihrem Kinde im Gefängnisse u.s.f. Unkundige Maler ließen sie wohl auch von Löwen zerrissen werden, weil sie mehr nicht gelesen hatten, als daß sie den wilden Thieren vorgeworfen wurde. (I. 630.)

1 Daß sie diesen Zweck auch in unsern Tagen noch erfüllen, beweist das schöne Büchlein: Perpetna oder die afrikanischen Märtyrer des dritten Jahrhunderts. Von J. Praxmarer. Innsbruck, 1866. Es sei hiemit den Lesern des H.-L. angelegentlich empfohlen.

2 Daß die Liebesmahle nach apostolischer Anordnung mit dem hl. Abendmahl verbunden und gemeinsam gefeiert wurden, sehen wir aus 1 Kor. 11,20 vgl. mit Apg. 2,46. Eine Beschreibung derselben gibt Tertullian: »Keiner setzt sich zu Tische, er habe denn zuvor das Gebet gesprochen. Die Hungrigen essen so viel sie wollen, die Durstigen trinken so viel als ehrbaren und züchtigen Leuten ziemt. Bei der Sättigung bleibt ihnen stets der Gedanke, daß sie in der Nacht noch dem Herrn dienen müssen und bei der Unterredung der Gedanke, daß Gott sie höre. Nach der Mahlzeit wäscht jeder die Hände, man betet und geht weg.«




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zuletzt aktualisiert am 20.10.2018
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