|
|
Die Legende erzählt, wie der zweieinhalbjährige Andreas aus Rinn von fremden jüdischen Händlern aus dem Ort verschleppt und auf einem großen Stein - der seitdem Judenstein genannt wird - ermordet wurde, als seine Mutter bei der Feldarbeit weilte. Die Legende gehört in den Reigen der judenfeindlichen Legenden jener Zeit.
Der antijüdische Anderl-Kult bekam großen Aufschwung durch ein Buch des Haller
Damenstiftsarztes Ippolito Guarinoni, der - angeregt vom Erfolg der Legende des
Simon von Trient - 1642 den
mehr als 150 Jahre zurückliegenden Märtyrertod
des Tiroler
Jungen behauptete;
diese Biografie
wurde Grundlage zahlreicher volkstümlicher Schauspiele. 1893
veröffentlichte der Wiener
Geistliche Joseph Deckert das Traktat Vier Tiroler Kinder, Opfer des
chassidischen Fanatismus
, mit welchem er die Legende weiter am Leben halten und
auch für die modernen Formen des Antisemitismus dienstbar machen wollte.
Andreas' Gebeine wurden 1475 erhoben
und in der Pfarrkirche
von Rinn bestattet. 1671 wurde an der Stelle seines angeblichen Martyriums über
dem Judenstein
bei Rinn eine neue Kirche erbaut und seine Reliquien wurden dorthin übertragen.
Oft wurde der Kult zu antisemitischen Kundgebungen missbraucht.
Das inzwischen entfernte Wandgemälde in der in der Pfarrkirche
in Rinn über den Mord an Andreas: Sie schneiden dem Marterer die Gurgl ab
und nehmen alles Blut von ihm

Kanonisation:
Papst Benedikt XIV. genehmigte 1753 den Kult.
Der Festtag wurde 1953 vom damaligen Innsbrucker
Bischof Paulus Rusch aus dem kirchlichen Kalender gestrichen. Die alljährlichen
offiziellen Wallfahrten fanden aber
erst 1994 nach dem definitiven Verbot des Kultes rund um den Judenstein
durch Bischof Stecher aus dem Jahr 1988 ein Ende. Schon 1985 hatte Bischof
Stecher die Entfernung der angeblichen Gebeine
von Anderl
aus dem Altar veranlasst, danach wurde auch das Wandbild
in der Pfarrkirche
in Rinn übermalt. Dennoch pilgern bis heute im Juli rund 300 Unentwegte
zum Judenstein
. Ort und Straße heißen noch immer so.
Attribute:
Messer
Die Judenstein-Sage der Brüder Grimm
Bilder aus Rinn und „Judenstein”
|
Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren
Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen
Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
|
||||||||||||||||||||