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Ökumenisches Heiligenlexikon

Gertrud von Nivelles

auch: von Karlburg

Gedenktag katholisch: 17. März
nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet

Name bedeutet: die Speerstarke (althochdt.)

Äbtissin in Nivelles
* 625 / 626 in Landen (?) in Belgien
† 17. März 659 (oder 653) in Nivelles in Belgien

Kartenskizze

Gertrud war eine Tochter von Pippin dem Älteren und Itta von Nivelles, ihr Bruder war VatikanBavo von Gent, ihre Schwester Begga. Sie wurde, als ihre Mutter 652 starb, Äbtissin des von dieser gegründeten Klosters in Nivelles. Sie bemühte sich vor allem um die Bildung der weiblichen Jugend, ließ sich Bücher aus Rom kommen, war eine hervorragende Kennerin der Bibel. Unter ihrer Leitung und mit Förderung durch ihren Bruder, Hausmeier Grimoald, wurde Nivelles zum wichtigsten Hauskloster der Pippiniden. Sie unterhielt enge Verbindungen zum Mönchtum der Prägung durch Kolumban den Jüngeren, zu Chlodulf von Metz und Modesta von Trier.

Gertrud wuchs in der ihr zuteil gewordenen Verehrung dank der Förderung durch die Karolinger weit über ihre Mutter Itta hinaus, Nivelles war ein viel besuchter Wallfahrtsort. Bischof Arno brachte Gertruds Verehrung nach Salzburg mit. Im Maingebiet wird sie als Gertrud von Karlburg verehrt, weil sie sich dort des öfteren aufhielt. Auch in Waldzell in Oberösterreich werden seit 2008 Reliquien bewahrt.

Mehrfach wird Gertrud mit einer Spindel dargestellt - Symbol für den Lebensfaden und mythisches Erbe der germanischen Nornen, der griechischen Moiren oder der römischen Parzen - allesamt Schicksalsgöttinnen, die den Lebensfaden der Menschen spinnen, ihn zumessen und am Ende abschneiden. Der Faden am Spinnrocken wird dabei von den Mäusen abgebissen, was sie als Herrin des Todes klassifiziert in der Tradition der alten Göttinnen Freya, Perchta oder Holla und ähnlich der ägyptischen Isis.

Gertruds außerordentlicher Eifer für die Betreuung von Kranken, Witwen, Pilgern und Gefangenen ließ sie zur besonderen Patronin von Spitälern werden, die im Mittelalter allenthalben ihren Namen tragen. Ihr Gebet vertrieb nach der Legende eine Mäuse- und Rattenplage und rettete damit die Ernte in der Gegend; auch Mäuse, die sie beim andächtigen Spinnen störten, vertrieb sie demnach. Im 14. / 15. Jahrhundert wurde sie in Norddeutschland und Skandinavien zu einer der beliebtesten Heiligen.

Gertrudenminne trank man beim Abschiednehmen oder nach einer Versöhnung. Gertrudenwasser helfe gegen Mäuse und andere Schädlinge auf den Äckern, Gertrudenzettel werden zu deren Vertreibung in Mäuselöcher gesteckt. Am Gertraudentag wird traditionell die Saison für die Arbeit im Garten eröffnet.

Attribute: mit Mäusen, Katze
Patronin von (Bochum-)Wattenscheid; der Krankenhäuser; der Armen, Witwen, Pilger und Gefangenen, Herbergen und Reisenden, Gärtner, der Feld- und Gartenfrüchte; gegen Ratten- und Mäuseplagen, gegen Fieber
Bauernregeln: Sonniger Gertudentag / Freud dem Bauern bringen mag.
Ist's an St. Gertrud sonnig, / dann wird's dem Gärtner wonnig.
Gertraude nützt dem Gärtner fein, / wenn sie kommt mit Sonnenschein.
Gertraud / den Garten baut.
Friert es an St. Gertrud, / der Winter noch 14 Tag' nicht ruht.
Sieht St. Gertrud Eis, / wird das ganze Jahr nicht heiß.
An St. Gertrud ist es gut, / wenn in die Erd' man Bohnen tut.
Willst du dicke Bohnen essen, / darfst du Gertrud nicht vergessen.
Gertrud mit der Maus / treibt die Spinnerinnen raus. - am 17. März beginnt die Feldarbeit wieder, die Winterarbeit im Haus hat ein Ende.

Catholic Encyclopedia

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Albert Schenk aus Pforzheim, E-Mail vom 1. November 2002
• http://www.bauernregeln.net/maerz.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 4. Herder, Freiburg im Breisgau 1995
• http://www.dorfkirche-buckau.de/49382.html
• http://www.frauenseelsorge-muenchen.de/index.php?id=77
• Eduard Hoffmann-Krayer, Hanns Bächtold-Stäubli: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Band 3, De Gruyter, Berlin 1974