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Holzrelief, um 1420, in der Kirche in Buckau bei Magdeburg
Gertrud war eine Tochter von Pippin dem Älteren und Itta von Nivelles, ihr Bruder war Bavo von Gent, ihre Schwester Begga. Sie wurde, als ihre Mutter 652 starb, Äbtissin des von Itta gegründeten Klosters in Nivelles. Sie bemühte sich vor allem um die Bildung der weiblichen Jugend, ließ sich Bücher aus Rom kommen, war eine hervorragende Kennerin der Bibel.
Gertrud wuchs in ihrer Verehrung weit über ihre Mutter Itta
hinaus und wurde schließlich als Germanische Isis
angesehen. Der Gedenktag
am 17. März war zuvor der altrömischen Göttin der Fruchtbarkeit, Liberia, gewidmet,
die mit Ceres (der römischen Schutzgöttin der Toten und des Ackerbaus) und mit Liber
(dem römischen Fruchtbarkeits- und Vegetationsgott) zusammen verehrt wurde. Im keltisch
und keltoromanisch geprägten Europa übernahm Gertrud die Rolle von Isis und Liberia.
Arno brachte die Verehrung nach
Salzburg
mit, wo Gertrud Patrick von Irland, dessen
Gedenktag ebenfalls der 17. März ist, seinen Kultplatz in den Katakomben von St. Peter
streitig machte.
Gertruds außerordentlicher Eifer für die Betreuung von Kranken, Witwen, Pilgern und Gefangenen ließ sie zur besonderen Patronin von Spitälern werden, die im Mittelalter allenthalben ihren Namen tragen. Ihr Gebet vertrieb nach der Legende eine Mäuse- und Rattenplage und rettete damit die Ernte in der Gegend; auch Mäuse, die sie beim andächtigen Spinnen störten, vertrieb sie.
Gertrudenminne
trank man beim Abschiednehmen oder nach einer Versöhnung.
Gertrudenwasser
helfe gegen Mäuse und andere Schädlinge auf den Äckern,
Gertrudenzettel
werden zu deren Vertreibung in Mäuselöcher gesteckt. Am
Gertraudentag wird traditionell die Saison für die Arbeit im Garten eröffnet.
Standbild von Rudolf Siemering, 1895, auf der alten Gertraudenbrücke beim
Spittelmarkt in Berlin
Albert Schenk
Auf der alten Gertraudenbrücke beim
Spittelmarkt in Berlin
- benannt nach
dem früheren Gertrauden-Spital an
diesem Platz - steht ein Standbild
mit der Inschrift:
Hei, wie das Naß
Durch die Kehle rinnt
Und der Bursche mit eins
Wieder Mut gewinnt
Nun dankt er laut
Dir, heilige Gertraud.
Ratten und Mäusgezücht
Machst du zunicht,
Aber den Armen im Land
Reichst du die Hand.
Attribute:
mit Mäusen, Katze
Patronin
von (Bochum-)Wattenscheid;
der Krankenhäuser, Armen, Witwen, Pilger und Gefangenen, Herbergen und Reisenden, Gärtner, Feld-
und Gartenfrüchte; gegen Ratten- und Mäuseplagen, gegen Fieber
Bauernregeln:
Sonniger Gertudentag / Freud dem Bauern bringen mag.
Ist's an St. Gertrud sonnig, / dann wird's dem Gärtner wonnig.
Gertraude nützt dem Gärtner fein, / wenn sie kommt mit Sonnenschein.
Gertraud / den Garten baut.
Friert es an St. Gertrud, / der Winter noch 14 Tag' nicht ruht.
Sieht St. Gertrud Eis, / wird das ganze Jahr nicht heiß.
An St. Gertrud ist es gut, / wenn in die Erd' man Bohnen tut.
Willst du dicke Bohnen essen, / darfst du Gertrud nicht vergessen.
Gertrud mit der Maus / treibt die Spinnerinnen raus.
- am 17. März
beginnt die Feldarbeit wieder, die Winterarbeit im Haus hat ein Ende.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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