Gedenktag katholisch: 19. Juni
Name bedeutet: der Schnelle (althochdt.)
Joh. Andreas Wolff: Bild am Rassoaltar in der Wallfahrtskirche in
Andechs, wohl 17. Jahrhundert 
Rasso war der traditionellen Überlieferung nach ein Sohn des Grafen von Dießen-Andechs und demnach 2,50 Meter groß *, Ritter, berühmter Feldherr und von Herzog Heinrich I. zur Abwehr von Angriffen der Ungarn im Innviertel eingesetzt.
Tatsächlich gab es dieses Grafengeschlecht zu seiner Zeit noch nicht, aber die späteren Grafen von Dießen und Andechs beriefen sich auf ihn als Ahnherrn. Nach der ältesten Andechser Überlieferung stammte er aus Frankreich.
Die Tradition berichtet, dass er nach der Abwehr der Ungarn den Kriegsdienst quittierte und in Wörth - dem heutigen
Grafrath - ein
Benediktinerkloster gründete, das aber schon 955 von den Ungarn zerstört wurde.
Rasso begab sich demnach dann auf Pilgerfahrt ins Heilige Land, brachte wertvolle Reliquien
mit und legte damit den Grundstock für den berühmten Heiligen Schatz
, der in der Burg
Andechs noch heute gezeigt wird. Er trat dann -
kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder in sein Kloster ein.
Historisch richtig ist, dass Kaiser Karl „der Große” nach Entmachtung
von Bayernherzog Tassilo III. das Land in Verwaltungsbezirke, Komitate
, einteilte und die Verwaltung Grafen übertrug,
die von ihm bzw. seinen Nachfolgern eingesetzt wurden; Rasso war also ein comes
Graf
, der von einem Karolinger
als Amtsträger eingesetzt war - wohl im Gebiet um Wörth,
wo er das Kloster gründete und eine Kirche stiftete, die er reichlich mit Reliquien
ausattete - also im Kerngebiet der späteren Grafschaft
Andechs.
Aus Versehen sind der 17. Mai und der 19. Mai als Gedenktage ins Lexikon für Theologie und Kirche
gekommen, ebenso
wie das Todesjahr 953. In Grafrath war aber immer
schon nur der 19. Juni der Gedenktag; dies ist auch der urkundlich am frühesten in einem Nekrologium aus
Dießen genannte Todestag. Die Jahreszahl 954 hat
eine längere Tradition: sie ist erstmals bei Albert von Dießen um 1370/80 genannt als Gründungsjahr für das Kloster in Wörth
/ Grafrath. Albert nennt dieses Jahr erst Jahrhunderte später und ohne jeden Beleg; eine Klostergründung zu dieser Zeit der
Ungarneinfälle und der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955 ist aber völlig unwahrscheinlich; Historiker halten dieses
Datum schon längere Zeit für nicht mehr vertretbar. Die Entdeckung des frühmittelalterlichen Steinplattengrabs bestätigt
jedoch zusammen mit den ältesten Andechser Quellen
die Kirchenstiftung und Klostergründung durch den Grafen Ratho; sie gehört aber eher in die Karolingerzeit im 9. Jahrhundert.
Über die tatsächlichen Gründe für das Ende dieses Klosters in
Wörth und seine Verlegung nach
Dießen Anfang des 12. Jahrhunderts sind keine
Gründe bekannt. Die Zerstörung des Klosters durch die Ungarn ist jedenfalls eine Erfindung des bayerischen Chronisten Aventin
aus der Zeit um 1520, der sich das Ende des Klosters nicht anders erklären konnte; weder archäologisch, noch urkundlich
findet sich ein Beleg für diese Schuldzuweisung. Die frühesten Andechser und Dießener Quellen sprechen von einer Zerstörung
durch Bayernherzog Arnulf I., den Bösen
um 910 , was wohl ebensowenig haltbar ist.
Rassos Grabplatte in der Kirche in Grafrath
Bei der Verlegung des Klosters wurden auch die Graf Rasso gesammelten Reliquien aus Wörth mitgenommen und nach Andechs überführt, wo sie den Grundstock des später berühmten Andechser Heiltums bildeten.
Dennoch ist 1132 in Wörth - dem nach Graf
Ratho
umbenannten früheren Wörth - eine Kapelle bezeugt, in der Rasso verehrt wurde. Als Grund für die Verehrung nennt
die älteste Chronik von Andechs, dass er ein gerechter Fürst war, der auf Macht und Besitz verzichtete und als Mönch in
sein Kloster eintrat. Die Chronik bezeugt auch, dass das Grab des Grafen schon im Mittelalter das Ziel vieler
Wallfahrten war, da seine heiligen Gebeine große Wunderzeichen vollbringen Tag und
Nacht ohne Unterlass an kranken Menschen, die das Grab aufsuchen
. Wegen der Bekanntheit des Grabes erhielt der Ort
Wörth bereits im Mittelalter den Namen bei St. Graf Rath
. Dass die Kapelle die
Gebeine von Rasso enthielt, wurde urkundlich erst anlässlich ihrer Erhebung durch die
Chorherren des Nachfolgeklosters in Dießen im
Jahr 1468 festgestellt; heute kann man dies auch aus dem inzwischen gesicherten Vorhandensein des frühmittelalterlichen
Grabes im Boden der Kirche erschließen.
Die Wallfahrt nach
Grafrath hatte im Mittelalter und bis in die
Neuzeit großen Zulauf. Aufzeichnungen der Wunder aus den Jahren 1444 bis 1728 sind erhalten mit 12.131 Einträgen. Nach der
Erhebung der Gebeine 1468 wurden sie in einem Hochgrab über dem Bodengrab wieder
beigesetzt. Beim Bau der heutigen Barockkirche in
Grafrath 1688 bis 1695 wurde das Hochgrab wieder
abgetragen, die Grabplatte auf den Boden gelegt und die Gebeine selbst auf den Hochaltar erhoben, wo sie in einem Glasschrein
ruhen. 1867 wurden diese Reliquien von den Räubern der daraufhin berühmt gewordenen Rasso-Bande
entwendet, nur den
Kopf ließen sie in der Kirche zurück. Die andern Gebeine nahmen sie mit und vergruben sie, nachdem sie den Schmuck abgenommen
hatten, in einem Wald in der Nähe, wo sie später durch Zufall entdeckt und dann in
Augsburg wieder zusammengefügt wurden.
1640 verfasste der Dekan des Klosters in Dießen
Rassos legendarische Lebensgeschichte. 1678 wurde in
Grafrath ein Haus erbaut für die vom Bischof
von Augsburg eingesetzten
WeltpriesterWeltpriester - oder auch Diözesanpriester - sind in der römisch-katholischen Kirche alle Priester, die keinem Orden angehören.,
die die Grab- und Wallfahrtskirche von Rasso betreuten. Ab 1719 schickten Chorherren aus Dießen dafür Ordensangehörige
nach Grafrath; diese wurden nach der Säkularisation durch Franziskaner ersetzt,
denen das Land Bayern bis heute das Haus überlässt, das den offiziellen Titel Hospiz
trägt und von den Leuten
Kloster
genannt wird.
Seit 1714 besteht in Untergammenried bei Bad Wörishofen eine Wallfahrt, in der Klosterkirche in Andechs ist Rasso ein Altar geweiht.
Kanonisation:
Obwohl Rasso offiziell nicht selig- oder heiliggesprochen wurde, kann die Erhebung seiner Gebeine auf den Hochaltar als
kirchliche Bestätigung für die Rechtmäßigkeit seiner Verehrung als Heiliger gelten.
Patron
gegen Stein- und Bruchleiden (also Unterleibsleiden), vor allem bei Kindern
• Ernst Meßmer: Graf Rasso -
Heerführer Bayerns, Kirchenstifter und Klostergründer von Grafrath, Volksheiliger. Eos Verlag, St. Ottilien 2003
• Ernst Meßmer: Das
wundersame Grab von Graf Rasso - Geschichte der ungewöhnlichen Wallfahrt und Wallfahrtskirche zu St. Grafrath. Eos
Verlag, St.Ottilien 2004
• Toni Drexler: Die
Rasso-Räuber: Vom Finsterbach zum Mississippi. Verlag Via Verbis Bavarica, Taufkirchen 2007
• Ernst Meßmer: Graf Rath
und sein Hof in Wörth. Bauer-Verlag, Thalhofen 2011
• Ernst Meßmer: Grafrath und die Anfänge von Dießen und Andechs. Neue Bewertung und Auswertung der Quellen über frühe
Zusammenhänge. In: Oberbayerisches
Archiv, Band 133, S. 161-246. Verlag des Historischen Vereins von Oberbayern, München 2009
* Diese Größenangabe entstand durch die Gleichsetzung der Grabeslänge (2,50 m) mit der Körperlänge.
Aus der Grabeslänge kann man auf eine Körperlänge von ca. 2 m schließen. Die früheste Quelle nach der Ausgrabung der
Gebeine schildert 1468 Gebeine eines Mannes von erstaunlich großer Gestalt
,
was eine Untersuchung des Schädels inzwischen bestätigt hat. Die damals hergestellte neue Grabplatte stellt den
Ausgegrabenen mit einer Größe von 1.90 m dar.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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