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Das Fest der Kirchweih
wird vieler Orts in katholischen wie in
protestantischen Gemeinden am 3. Sonntag im Oktober gefeiert. Katholische Kirchen,
die einem Heiligen geweiht sind, nehmen in der Regel aber seinen
Gedenktag als Anlass, ein Patronatsfest
abzuhalten; dieses Patrozinium
ist dann ein Eigen-Hochfest
der jeweiligen Kirche.
Ab dem 4. Jahrhundert entstand die Sitte, eine Kirche unter den Schutz Jesu
Christi, der Maria oder eines
bestimmten Heiligen zu stellen. Im 5. Jahrhundert fand in Rom eine Kirchweihe
statt. Aus dem 6. Jahrhundert ist eine Altarweihe in Gallien beschrieben. 787
schrieb das 2. Konzil von
Nicäa die Beisetzungen von Reliquien
in jedem Altar vor, damit verbanden sich Altarweihe und Reliquienübertragung.
Später wurde auch das Kirchengebäude einbezogen und erhielt nun - wie der Altar
bzw. das Reliquiengrab im Altar - eine reinigende Waschung mit geweihtem Wasser
(Gregoriuswasser) und
eine Salbung mit == Chrisam, nachdem zuvor mit dem Alphabetritus
das in Form
des griechischen Buchstabens Chi (X)
auf den Boden der Kirche geschriebene
Alphabet die Besitznahme der Kirche durch Christus
symbolisieret.
Mit dem Pontifikale des Durandus von Mende erhielt die durch den Bischof zu vollziehende Kirchweih im 13. Jahrhundert im wesentlichen ihre endgültige Gestalt: Vigil bei den Reliquien, Lustration der Kirche von außen, Einzugsriten, Alphabetritus, Lustration und Salbung von Altar und Kirche an 12 Stellen mit Apostelkreuzen, Übertragung und Beisetzung der Reliquien, Weihe der Altargeräte und erste EucharistieEucharistie - von griechisch ευχαριστειν, "Dank sagen" - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen die Mahlfeier im Anschluss an 1. Kor 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von "Abendmahl" im Anschluss an Mark 14, 17 und 1. Kor 11, 23.feier. Dieser reiche Ritus, einer der feierlichsten Riten überhaupt, macht die Kirche als Haus Gottes zum Bild des Tempels im alttestamentlichen Jerusalem und des himmlischen Jerusalems der Offenbarung des Johannes.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das jährliche Fest der Kirchweih noch gefeiert, wie es gefallen ist: jedes Jahr am Datum der Weihe oder am Gedenktag des Schutzheiligen der Kirche, in der Regel am Sonntag vor- oder nachher. Die Bevölkerung hat dann oft auch die Kirchweihfeste der Nachbarorte mitgefeiert; das ist der Obrigkeit zuviel geworden: die Dorfkirchweih wurde abgeschafft, bisweilen gar verboten, stattdessen wurde die zentral angeordnete, einheitliche Feier am dritten Sonntag im Oktober eingeführt.
Kirchweihfest in Hellring in Bayern, 1979
Oft steht mit dem Kirchweih-Fest das Volksfest Kirtag
, Kirbe
, Kirmes
in
Verbindung. Früher zählte dieses Fest nach der Einbringung der Ernte zu den
beliebtesten in der Landbevölkerung, es wurde gewöhnlich drei Tage lang mit Tanz
und Festessen gefeiert. Viele der großen Volksfeste unserer Zeit wie das
Oktoberfest in München
oder das Volksfest in Stuttgart-Bad Cannstatt gehören in
diese Tradition.
Die katholische Kirche gewährt einen vollkommenen Ablass demjenigen Gläubigen, der eine Kirche oder einen Altar am Tag ihrer (seiner) Weihe besucht und dort das Vaterunser und das Credo andächtig spricht.
Bauernregel:
Ist's zu Kirchweih warm und mild / wird's ein kalter Winter für Mensch und Wild.
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