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Ökumenisches Heiligenlexikon

Alkuin

auch: Alchvine, latinisiert Albinus
Beiname Flaccus

Gedenktag katholisch: 19. Mai

Gedenktag evangelisch: 19. Mai

Gedenktag anglikanisch: 20. Mai

Name bedeutet: Alk: der Freund des Elches oder des Heiligtums (?) (althochdt.)
Alb: der Weiße (latein.) oder: edler Freund (althochdt.)
F: mit herabhängenden Ohren (latein.)

Gelehrter, Diakon, Abt in Tours
* um 735 in York (?) in Northumbrien in England
† 19. Mai 804 in Tours in Frankreich


Medaillon aus der Bamberger Bibel, 9. Jahrhundert, in der Bibliothèque Nationale de France in >Paris
Medaillon aus der Bamberger Bibel, 9. Jahrhundert, in der Bibliothèque Nationale de France in Paris

Alkuin, Sohn einer Adelsfamilie, wurde an der Domschule in York unter den Erzbischöfen Egbert und Ælbert erzogen. Er war dann selbst dort Lehrer und wurde 767 Ælberts Nachfolger als Schulleiter der damals berühmtesten Bildungsstätte Englands; die Bibliothek in York war wohl die umfangreichste des Abendlandes. Während einer Romreise traf er 781 in Parma mit Karl dem Großen zusammen, der ihn nach Aachen holte als Leiter der Hofschule, für die er die reiche angelsächsische christlich-lateinische Bildung fruchtbar machen sollte. Alkuin wurde der Mittelpunkt einer Schar bedeutender Gelehrter und Dichter am Hof und Berater des Königs insbesondere in Fragen der Eingliederung unterworfener Völker in sein Reich und deren Christianisierung. Von Aachen aus wirkte er als Lehrer und Gelehrter im ganzen Reich, an der Hofschule gehörten zu seinen Schülern Angilibert, Adalhard, Hrabanus Maurus und Einhard.

Alkuin erzog als Lehrer die geistliche Führungsschicht des Frankenreiches, darunter seinen Lieblingsschüler Hrabanus Maurus. Er reformierte durch die Einführung von Schriftschulen sowie mit zahlreichen grammatischen, dialektischen und theologischen Texten das klösterliche Bildungswesen im Frankenreich und wurde so Vater der Karolingischen Renaissance. Unter seiner Anleitung verbesserten die Schreiber der Hofschule alte christliche Schriften und Texte antiker Autoren, die durch das Abschreiben in den Klöstern fehlerhaft geworden waren. Eine Reihe moderner Editionen klassischer Texte beruhen noch heute auf diesen Abschriften. Wichtig wurde darunter die Alkuin-Bibel, eine Bereinigung der Vulgata des Hieronymus; diese korrigierte Fassung blieb das ganze Mittelalter hindurch der verbindliche Bibeltext.

Nach Aufenthalten in England im Jahr 786 sowie von 789 bis 793 wurde Alkuin 796 - obwohl selbst kein Mönch, sondern nur mit der Weihe eines Diakons versehen - Abt der Benediktinerabtei von St. Martin in Tours. Alkuin belebte das mönchische Leben und führte insbesondere die Klosterschule zu weltweitem Ruf.

Alkuin verfasste liturgische Schriften, Heiligenviten, ein Epos über die Heiligen der Kirche von York und überarbeitete die Lebensgeschichten von Vedastus und Richarius von Centula. Aus seiner Feder stammen außerdem didaktische Schriften wie eine Grammatik in Form eines Lehrdialogs, Lehrbücher der Dialektik und Rhetorik, dazu Bibelkommentare und zahlreiche Briefe. Unter seinem Namen sind 383 Gedichte erhalten, darunter viele Briefgedichte, die die starke menschliche Bindungsfähigkeit Alkuins offenbaren, und eine Versfassung der Lebensgeschichte von Willibrord. Aus seinem Briefwechsel mit Karl dem Großen sind 232 Briefe erhalten, die eine der wichtigsten Quellen für die Geschichte jener Zeit darstellen. Möglich ist, dass Alkuin auch der Verfasser einer anonymen Sammlung mathematischer Aufgaben aus Arithmetik und Geometrie ist; die Propositiones ad acuendos iuvenes sind die älteste mathematische Aufgabensammlung in lateinischer Sprache.

Unter Alkuins Leitung entstand die neue Schrift, genannt karolingische Minuskel, mit vielen Elementen lateinischer Handschrift, vom 9. bis zum 12. Jahrhundert die meistverwendete Buch- und Urkundenschrift im westlichen Europa und Vorläuferin unserer heutigen Kleinbuchstaben. Wichtiges Zeugnis hierfür ist die Alkuinbibel, die er Karl dem Großen anlässlich von dessen Kaiserkrönung 800 in Rom übergab.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Schriften von Alkuin gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert 20.12.2014-->
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• http://www.glaubenszeugen.de/kalender/a/kala055.htm
• http://www.printprocess.net/fr01/pdf/lexikon/lexikon_de.pdf
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990