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Ökumenisches Heiligenlexikon

Artemius

Gedenktag katholisch: 20. Oktober

Gedenktag orthodox: 20. Oktober

Name bedeutet: der Kraftvolle (griech. - latein.)

Märtyrer
362/363 in Antiochia, heute Antakya / Hatay in der Türkei


russische Ikone
russische Ikone

Artemius war unter Kaiser Konstantin „dem Großen und dessen Sohn Konstantius Vizekönig in Ägypten, der damaligen Kornkammer des römischen Reiches; er habe die Ausbreitung des Christentums in Ägypten kräftig unterstützt. Erzählt wird, dass Konstantius ihn 357 beauftragte, die Gebeine von Andreas aus Patras 1 und die von Lukas aus Theben in Böotien - dem heutigen Thiva - in die Apostelkirche nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - zu überführen.

Als Kaiser Julian Apostata seinen Feldzug gegen Persien unternahm, kam Artemius auf Befehl des Kaisers nach Antiochia, wo der das Christentum wieder bekämpfende Kaiser die Gläubigen verfolgen ließ; Artemius widerstand dem, legte ein Bekenntnis seines Christenglaubens vor dem Kaiser ab, wurde deshalb ins Gefängnis geworfen, nach vielen Martern zum Tod verurteilt und enthauptet. Zuvor hatte er noch den bevorstehenden Tod des gotteslästerlichen Kaisers vorhergesagt.

Artemius' Lebensgeschichte verfasste Johannes von Damaskus, seine Gebeine wurden nach Konstantinopel gebracht. Manche Quellen nennen Artemius einen Häretiker, er sei Anhänger des Arianismus gewesen. 2 Einige Überlieferungen sehen den Grund für das Todesurteil gegen Artemius darin, dass er von Gegnern des Christentums aus Ägypten beschuldigt wurde, ihre Tempel niedergerissen und ihre Götzenbilder zertrümmert zu haben. In den Orthodoxen Kirchen wird Artemius als Großmärtyrer verehrt.

Patron gegen Bruchleiden

1 Der Historiker Stefanos Thomopoulos aus Patras († 1939) verbindet die Gründung des Klosters Girokomio mit Artemius; dieses ist aber erst im 10. Jahrhundert belegt, seinen Namen erhielt es, weil es ein Hospiz betrieb; in der Zeit der Osmanischen Herrschaft ab 1460 war es der Sitz des Metropoliten von Patras.

2 Das ist gut möglich, auch Konstantin „der Große wurde ja auf seinem Sterbebett von einem arianischen Priester getauft.



Web 3.0 - Leserkommentare:

Glaubenssache Artemius von Antiochia

Der als Märtyrer verehrte Artemius wird im Ökumenischen Heiligenlexikon als Vizekönig von Ägypten während der Regierungszeiten der römischen Kaiser Konstantin des Großen (Caius Flavius Valerius Constantinus) und Constantius II. (Flavius Iulius Constantius) vorgestellt. Oberflächliche oder leichtgläubige Leser bzw. Leserinnen könnten diese Behauptungen ungeprüft zur Kenntnis nehmen, doch sollten schon der Begriff Vizekönig und dessen Amtszeit während der Regierungszeiten der beiden vorgenannten Kaiser zu denken geben.

Zunächst zu den beiden Herrschern: Constantinus war Kaiser vom 25. Juni 306 bis zum 22. Mai 337; Alleinherrscher ab 324, nach dem Sieg über seinen Mitkaiser und Schwager Licinius (11. November 308 bis 19. Dezember 324). Sein Sohn Constantius II., der seine Brüder Constantinus II. und Constans überlebte und ab 8. November 324 Caesar war, nahm mit diesen am 8. September 337 den Titel Augustus an und war von da an bis zu seinem Tod am 3. November 361 römischer Kaiser. Zieht man den Zeitraum vom Beginn der Alleinherrschaft Constantinus' bis zum Tod seines Sohnes Constantius II. für die Dauer der Amtszeit des Artemius heran, so kommt man auf 37 Jahre, eine für die damaligen Verhältnisse kaum vorstellbare Zeitspanne.

Gemäß der Artemii Passio, dem mittelbyzantinischen, hagiographischen Werk eines unbekannten Autors, war Artemius ein arianischer Christ, der unter Constantius II. gedient hatte. Nach einer Publikation des Ökumenischen Patriarchats des orthodoxen Metropoliten von Hongkong und Südostasien war Artemius ein gebürtiger Ägypter, der unter Constantinus General und Oberkommandierender war. Als Constantinus im Oktober 312, vor der Entscheidungsschlacht an der Milvischen Brücke gegen Kaiser Maxentius, das Kreuz als himmlisches Zeichen erschienen sein soll, wollte auch Artemius dieses gesehen haben und ließ sich nach der Schlacht taufen. Kaiser Constantius II. – heißt es weiter – sandte ihn nach Griechenland, um die Reliquien des Apostels Andreas und des Evangelisten Lukas nach Konstantinopel zu bringen. Im Anschluss an diese Tat ernannte ihn der Kaiser zum Präfekten von Ägypten (praefectus Aegypti; vollständig praefectus Alexandreae et Aegypti).

Der praefectus Aegypti war der Statthalter der 30 v. Chr. eingerichteten römischen Provinz Ägypten (Aegyptus). Der Präfekt entstammte anders als die Statthalter senatorischen Ranges der übrigen Provinzen dem Ritterstand und hatte als Verwalter dieser sehr wichtigen Provinz, die auch eine potentielle Machtbasis für Ursurpatoren darstellen konnte und später für die Getreideversorgung der Stadt Rom immer wichtiger wurde, eine herausgehobene Bedeutung. Mehr noch als bei anderen Provinzen musste daher die uneingeschränkte Loyalität des Statthalters zum Kaiser sichergestellt sein, was durch die Besetzung mit einem Ritter statt einem Senator eher garantiert schien, da eigene Machtambitionen bei einem Ritter von vorneherein nicht angenommen worden war. (Doch ließ sich im Jahr 257 der Präfekt Lucius Mussius Aemilianus zum Kaiser ausrufen).

Die Rechtsstellung des praefectus Aegypti entsprach aber vollkommen der der senatorischen Statthalter, d. h., auch er verfügte aufgrund eines von dem spätklassischen römischen Juristen Domitius Ulpianus erwähnten, von Augustus veranlassten Gesetzes über ein imperium ad similitudinem proconsulis (Befehlsgewalt nach Art eines Prokonsuls). Wie alle Statthalter war er jedoch dem Princeps gegenüber aufgrund dessen imperium proconsulare maius (übergeordnete prokonsularische Befehlsgewalt) weisungsgebunden. Die Amtszeit des praefectus Aegypti war nicht festgelegt und wurde vom jeweiligen Kaiser entschieden. Sie betrug üblicherweise zwei oder drei Jahre, manchmal, wie unter Kaiser Tiberius Claudius Nero, auch deutlich länger. Die Ablösung erfolgte in der Regel im Sommer, zum Ende eines ägyptischen Jahres.

Ältere, vor allem auf den bekannten Altertumswissenschaftler Theodor Mommsen zurückgehende Forschungsmeinungen, nach denen Ägypten Privateigentum des Kaisers gewesen sei und den Status einer Kronkolonie, der praefectus Aegypti den einer Art Vizekönigs besessen hätte, sind überholt, wenn sie auch gelegentlich noch in neuerer Literatur anzutreffen sind.

In der Liste der Präfekten von Ägypten, die mit Caius Cornelius Gallus (30 – 26 v. Chr.) beginnt und mit Theodoros (641 – 642) endet, scheint kein Artemius auf.

Es gibt Berichte, aus denen hervorgeht, dass die Reliquien des Apostels Andreas im Jahr 357 aufgrund eines kaiserlichen Dekretes im Triumphzug von Patras nach Konstantinopel gebracht und am 3. März dieses Jahres – gemeinsam mit den Resten des Evangelisten Lukas – in der Basilika der Zwölf Apostel beigesetzt wurden. Von einem Artemius ist nichts zu lesen.

In einem der kursierenden Berichte, der nicht so genaue Zeitangaben enthält, heißt es, dass schon Kaiser Constantinus Apostelgräber in seiner neuen Hauptstadt haben wollte. Da er den Römern die Reliquien von Petrus und Paulus nicht wegnehmen konnte, wandte er sich an Patras, dessen Kirche schwach genug war, um vom Kaiser gebeten werden zu können, der neuen Hauptstadt ihre Apostelreliquien zu überlassen. Weiter heißt es, dass erst Constantius II. im Jahr 356 oder 357 die Andreasreliquien nach Konstantinopel überführen lassen konnte, die zusammen mit den Reliquien des Evangelisten Lukas uns des Paulusschülers Timotheus in der Zwölf-Apostel-Basilika beigesetzt wurden. Auch in diesem Bericht wird kein Artemius erwähnt.

Glaubt man den diversen legendären Berichten, so steht es für den bzw. die Gläubigen fest, dass der historisch nicht fassbare Artemius auf Befehl des neuen Kaisers Flavius Claudius Iulianus (Kaiser / Augustus von Anfang Dezember 361 bis zum 26. Juni 363) nach Antiochia - dem heuigtn Antakya / Hatay - kommen musste. Iulianus war der Cousin von Kaiser Constantius II., der die nach dem Tod des Kaisers Constantinus dem Großen von seinen kaiserlichen Cousins veranlasste Säuberungswelle und das Massaker unter den Familienangehörigen überlebt hatte. Der von den Christen als Apostata beschimpfte Herrscher überragte seine christlichen Vorgänger charakterlich, ethisch und geistig. Der philosophisch gebildete, literarisch vielseitig tätige, persönlich sensible und ernste Kaiser wird im Ökumenischen Heiligenlexikon beschuldigt, Christen verfolgt zu haben. Dieses Faktum ist unglaublich und natürlich falsch.

Der Ende 331 in Konstantinopel geborene Iulianus verwaltete ab 355 als Caesar die Provinz Gallien vorbildlich, überschritt mehrfach den Rhein, besiegte 357 bei Argentorate (Straßburg) die Alamannen und siedelte Salfranken in Toxandrien (historischen Bezeichnung für eine Region in Nord-Brabant) an. Zur gleichen Zeit belegte Constantius II. die Ausübung des heidnischen Kultes mit der Todesstrafe; der Besitz der Hingerichteten fiel dem Fiskus zu. Kurz darauf belegte der Herrscher auch die Wahrsagerei und die Astrologie mit der Todesstrafe. 360 wurde Iulianus durch eine Schilderhebung zum Augustus, worauf er gegen Constantius II. marschierte, der jedoch noch vor einer möglichen Kampfhandlung am 3. November in Mopsuestia in Cilikien - den heutigen Ruinen bei Yakapınar - starb. Iulianus verkörperte das senatorische Kaiserideal nach dem Vorbild von Marc Aurel. Er löste den teuren Hofstaat und die Staatspolizei (agentes in rebus) auf und gab den Städten die konfiszierten Einkünfte zurück. Er vertrat den Neuplatonismus, wie er in Athen, Pergamon - dem heutigen Bergama (Maximos), Antiochia (Libanios) und Alexandreia gelehrt wurde.

Iulianus wurde in jungen Jahren im Auftrag seines Cousins, des Kaisers Constantius II., zuerst in Nikomedien - dem heutigen Ízmit - und danach für sechs Jahre in der einsamen Bergfeste Macellum - am Fuß des Erciyes Dağı südlich des heutigen Kayseri - im Herzen Anatoliens gefangen gehalten. In Nikomedien war Bischof Eusebius von Nikomedia einer seiner Erzieher, der den Auftrag hatte, den Jungen streng in der christlichen Religion zu erziehen, jeden Kontakt mit der Bevölkerung zu unterbinden und niemals vom tragischen Ende seiner Familie zu sprechen.

Als Kaiser versuchte Iulianus, an Stelle des Kreuzes und eines heillosen Dualismus' wieder gewissen Strömungen hellenistischer Philosophie und den Sonnenpantheismus zu setzen. Er verfügte die Rückgabe und den Wiederaufbau geschleifter heidnischer Heiligtümer und auch die Rückgabe zahlreicher Götterbilder, die als Schmuck in den Gärten von Privatleuten prankten. Er hielt nicht viel vom Christentum, verbot es aber nicht, vielmehr erlaubte er den von seinem Vorgänger verbannten KlerikernEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. die Heimkehr, was aber nur zu neuen Unruhen führte. Auch den Juden stand er freundlich gegenüber, was aber den Hass der christlichen Prediger auf sie noch verstärkte.vIulianus bekannte sich stets von neuem zur Toleranz, auch gegenüber den Christen. Seine Anordnungen bezüglich der Galiläer, so sagte er einmal, seinen ausnahmslos so mild und menschenfreundlich, dass niemand irgendwie drangsaliert oder zum Tempel geschleppt werde oder irgendeine Kränkung erfahre wider seinen Willen.

Da es keine von Iulianus angeordnete Verfolgung der Christen gab, hätte sich der legendäre Artemius in Antiochia als Christ bekennen können, ohne Schaden zu erleiden.

Aufmerksame Leser des Ökumenischen Heiligenlexikons werden aber trotz allem von Märtyrern aus der Zeit des Kaisers Iulianus berichten können. In vielen Orten kam es – als Reaktion der Bevölkerung auf die zuvor erfolgten Tempelstürme der Christen - zu tätlichen Auseinandersetzungen und es wurden, zum Teil mit jüdischem Beistand, Basiliken niedergebrannt. Es ist unbestreitbar, dass dabei Christen gefoltert und getötet wurden, darunter Bischof == Markus von Arethusa. Es gab aber nur wenige christliche Märtyrer, sicher waren aber die als solche im Ökumenischen Heiligenlexikon genannten Gardeoffiziere Juventinus und Maximus nicht darunter; sie hatten zur Rebellion aufgerufen und wurden aus diesem Grunde hingerichtet. Als Märtyrer könnte man die Presbyter Eugenios und Makarios Eugenios und Makarios bezeichnen, die nach Ägypten verbannt worden waren und dort nach 40 Tagen starben.

Den Märtyrer Artemius hat es offensichtlich nie gegeben, was dem Glauben an ihn aber wahrscheinlich keinen Abbruch tun wird.

Literatur:
Deschner, Karlheinz: Kriminalgeschichte des Christentums, Band 1: Frühzeit
Grant, Michael: Die römischen Kaiser
Mommsen, Theodor: Das Weltreich der Römer
Schausberger, Norbert: Geschichte I. Teil (bis 1500)
Yonah Michael Avi und Shatzman Israel: Enzyklopädie des Altertums
Zierer Otto: Neue Weltgeschichte, 1. Alte Zeit
Propyläen Weltgeschichte: Band 4 - Die römische Welt
Wikipedia

Prof. Helmut Bouzek aus Wien über E-Mail, 17. Februar 2018





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 14.06.2019

Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 1. Band: A-D. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler und Franz Joseph Heim, B. Schmid'sche Verlagsbuchhandlung, Augsburg, 1858
• https://oca.org/saints/lives/2018/10/20/103005-greatmartyr-artemius-at-antioch
• http://i-m-patron.gr/i-m-patron-old.gr/mones/girokomeiou/girokomeiou.html

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.