Ökumenisches Heiligenlexikon

Gedenktag der Zerstörung Jerusalems

Gedenktag evangelisch: 10. August


Der Gedenktag ist der Tag, an dem Christen ihrer besonderen Beziehung zu Israel gedenken durch Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier im Jahr 586 v. Chr. und durch die Römer im Jahr 70.

Klagemauer, um 1880, aus dem Nachlass von Conrad Schick
Klagemauer, um 1880, aus dem Nachlass von Conrad Schick

Den Namen hat der Sonntag erst seit einigen Jahren. Zuvor nannte man ihn Gedenktag der Zerstörung des Tempels in Jerusalem. Der Tag liegt in zeitlicher Nähe zu dem jüdischen Trauer- und Fastentag, dessen Anlass die Zerstörung der beiden Tempel und das Gedenken an weitere Verfolgungen und Demütigungen ist: dem jüdischen Trauertag Tisha be Aw am 9. Aw 1. An diesem Tag sind der Überlieferung nach beide Tempel zerstört worden; Israel gedenkt und fastet an diesem Tag. Natürlich ist die Zerstörung des Tempels für das Gottesvolk ein Zeichen des Gerichts, aber eben nicht in besonderer Weise am Volk Israel; dass das jüdische Volk weiterhin Bestand hat, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Gott zu seinem Volk steht.

Der christliche Gedenktag deutete die Zerstörung Jerusalems bzw. der Tempel oft als Strafe Gottes über sein Volk für die Kreuzigung Jesu. Aber nach Paulus ist und bleibt Israel Gottes geliebtes Volk (Römerbrief 9 - 11). Gott und sein Volk Israel können von Christen nicht auseinander gerissen werden. Im Gegenteil: wenn Menschen in eine Beziehung zu Gott treten, dann treten sie immer auch in eine Beziehung mit seinem Volk Israel ein. Gerade deshalb aber haben auch Christen an diesem Tag Grund zur Trauer und Anlass zur Besinnung auf ihre Verantwortung.

Der historische Hintergrund des Gedenktages ist die Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahr 70. Der Hass gegen die römischen Besatzer war in Israel immer stärker geworden; als dann Statthalter Florus im Mai des Jahres 66 aus dem Tempelschatz 17 Talente (entsprechend etwa 8,5 Tonnen) Gold nehmen ließ, wurde die Empörung noch größer. Den folgenden Aufstand sollte im Auftrag von Kaiser => Nero sein tüchtigster Feldherr, Vespasian, niederwerfen, was ihm 67 in ganz Galiläa, aber noch nicht in Jerusalem, gelang. Wirren in Rom vereitelten zunächst die Fortführung der Unterdrückungsmaßnahmen. Dann übergab Vespasian seinem Sohn Titus den Auftrag; der belagerte die Stadt Jerusalem zu Beginn des Jahres 70 und versuchte, sie zu stürmen; im Juli wurde nach langer Belagerung die Burg Antonia eingenommen. Nun ließ Titus den Tempel in Brand stecken und im September 70 war Jerusalem ganz besetzt und durch die Soldaten geplündert.

1 Der 9. Aw des jüdischen Kalenders fällt 2017 auf den 1. August, 2018 auf den 22. Juli, 2019 auf den 11. August, 2020 auf den 30. Juli, 2021 auf den 18. Juli, 2022 auf den 7. August, 2023 auf den 27. Juli, 2024 auf den 13. August, 2025 auf den 3. August.





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 17.05.2017

Quellen:

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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