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Ökumenisches Heiligenlexikon

John Henry Newman

Gedenktag katholisch: 11. August
nicht gebotener Gedenktag in England und im Erzbistum Freiburg: 9. Oktober (Tag der Bekehrung)

Gedenktag anglikanisch: 11. August

Name bedeutet: J: Gott ist gnädig (hebr.)
H: der reiche Schützer (althochdt.)

Priester, Konvertit, Kardinal
* 21. Februar 1801 in London in England
† 11. August 1890 in Birmingham in England


John Henry Newman war Schüler am Elite-Internat im Londoner Stadtteil Ealing und Student in Oxford. Schon mit 21 Jahren wurde er dort Assistent am Oriel College und zum Priester der anglikanischen Kirche ordiniert; er wirkte dann später als Pfarrer der Universitätskirche. Seine Aufgabe sah er darin, die in seinen Augen darniederliegende Staatskirche aus dem Geist des Urchristentums zu erneuern, deshalb studierte er nun die Kirchenväter. Liberalismus und Individualismus, der Glaube als Privatsache begreift, waren seine Hauptfeinde.

Initialzündung für Newmans Reformwerk wurde 1833 eine Predigt seines Freundes John Keble, der Einmischungen des Parlaments in die Kirche kritisierte. Daraus entstand die von Newman maßgeblich geprägte Oxford-Bewegung mit dem Ziel hochkirchlicher Reformen in der anglikanischen Kirche. Newman bemühte sich, das Selbstverständnis der anglikanischen Kirche als mittlerer Weg zwischen Katholizismus und Protestantismus aus dem Geist der alten Kirche neu zu begründen. 1841 legte er eine neue Interpretation der für die anglikanischen Kirche grundlegenden 39 Artikel vor, die von der Mehrheit der Bischöfe und großen Teilen der Bevölkerung als katholisch abgelehnt wurde. Verleumdungen und Verunglimpfungen folgten; Newman zog sich zu einem quasi klösterlichen Leben in das nahe Dorf Littlemore zurück. Seine Zweifel, ob seine Kirche noch in Kontinuität mit der altkirchlichen Tradition stehe, wurden durch erneutes Studium der Kirchenväter bekräftigt.

Als 1841 das Britische Parlament mit Zustimmung des Erzbischofs von Canterbury die Errichtung eines mit der preußischen evangelischen Kirche gemeinsam versehenen Bistums in Jerusalem beschloss, waren für Newman die Grundlagen seiner Kirche zerstört. Er gab seine Stelle am College und sein Pfarramt auf, widerrief seine seitherigen anti-katholischen Aussagen und konvertierte schließlich nach langem innerem Kampf 1845 zum Katholizismus; am 9. Oktober wurde er von Dominic Barberi in die katholische Kirche aufgenommen - daher der katholische Gedenktag.

Freunde und Familie zogen sich zurück, die Öffentlichkeit war empört, die Oxford-Bewegung verlor ihren Kopf und löste sich auf. 1846 bis 1847 war Newman zu einem Studienaufenthalt bei der Kongregation für die Verbreitung des Glaubens im Palazzo di Propaganda Fide in Rom, dort wurde er zum Priester geweiht und trat dem 1522 von Filippo Neri gegründeten Oratorium bei an der Kirche S. Maria in Vallicella, der Chiesa Nuova. In Birmingham gründete er dann das erste englische Oratorium.

Vom Traditionalisten in der anglikanischen Kirche wandelte sich Newman nun zum Reformer in der katholischen, der die Kirche aus ihrer Ghetto-Mentalität befreien und in die Auseinandersetzung mit der Moderne lenken wollte. 1851 wurde er von den katholischen Bischöfen zum Gründungsrektor der katholischen Universität in Dublin berufen. Er setzte sich ein für kritische Bibelexegese und insbesondere für den Dialog mit Naturwissenschaften - auch der Evolutionstheorie von Charles Darwin. Zwischen Glaube und Wissenschaft könne es keinen wirklichen Widerspruch geben; wenn wissenschaftliche Beweise sich gegen Glaubensinhalte stellten, werde sich herausstellen, dass dieser Punkt entweder nicht bewiesen ist oder gar keinen Widerspruch enthält oder aber nicht dem wirklichen Offenbarungsinhalt, sondern etwas anderem widerspricht, was man mit Offenbarung verwechselt hatte. Newman wurde unter Modernismusverdacht nun auch von seiner katholischen Kirche kritisch betrachtet, 1858 gab er sein Rektorenamt wegen fehlender Unterstützung durch die Bischöfe auf.

Newman als Kardinal
Newman als Kardinal

Newman konzentrierte sich nun auf seine Veröffentlichungen und sein Oratorium in Birmingham. 1870 erschien sein religionsphilosophisches Hauptwerk Grammatik der Zustimmung, 1875 seine in Briefform verfasste Auseinandersetzung mit dem neuen Dogma des 1. Vatikanischen Konzils über die Unfehlbarkeit des Papstes; Newman verteidigte den Beschluss des Konzils, aber auch der Papst sei an das Gewissen, dem Statthalter Christi in jedem Menschen, gebunden. Auf Drängen katholischer Laien ernannte Papst Leo XIII. ihn 1879 zum Kardinal.

Die vollständige Ausgabe seiner Briefe und Tagebuchaufzeichnungen in 32 Bänden zeigt, wie stark seine Gedanken und Tätigkeiten sich auf sein geliebtes Oratorium bezogen. In seinem Arbeitszimmer hatte Newman hinter einer kleinen Trennwand einen Altar errichten lassen, das Altarbild zeigt Franz von Sales.

In den 20er-Jahren gab es in Deutschland eine Newman-Bewegung katholischer Gelehrter. Edith Stein übersetzte seine Werke ins Deutsche. Die Aggiornamento-Idee von Papst Johannes XXIII., die im 2. Vatikanischen Konzil Gestalt gewinnen sollte, war maßgeblich von Newman inspiriert. Eine sehr konservative Gruppe pflegt unter dem Namen Das Werk heute sein Andenken mit dem Internationalen Zentrum der Newman-Freunde in Bregenz, dem Centro Internazionale degli Amici di Newman in Rom und einem Zentrum in Littlemore.

Kanonisation: Newman wurde am 19. September 2010 von Papst Benedikt XVI. in Birmingham seliggesprochen.

Catholic Encyclopedia

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon


Web 3.0 - Leserkommentare:

Den Begriff Traditionalist würde ich für Newmans anglikanische Reformbemühungen nicht verwenden, weil es darum ging, die Grundlagen der Kirche neu zu suchen, wenn sie nicht mehr auf Tradition (Establishment) und Staat rekurrieren kann. In dieser Hinsicht setzt sich diese Frage auch in der katholischen Tradition fort. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, auf die   Internationale Deutsche Newman-Gesellschaft aufmerksam zu machen, die in der Tradition von Heinrich Fries und seinem Schüler (dem Ehrenvorsitzenden) Günter Biemer steht.

Prof. Dr. Roman Siebenrock, Institut für sytematische Theologie, Theologische Fakultät der Universität Innsbruck über E-Mail, 10. Juni 2010





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 03.07.2017

Quellen:
• Roland Löffler: Leben heißt sich verändern. zeitzeichen 2/2001

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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