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Ökumenisches Heiligenlexikon

Nikolaus von Flüe

auch: Niklaus, Bruder Klaus
auch: von der Flüe, de Rupe

Gedenktag katholisch: 21. März
nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet: 25. September
Hochfest im Bistum Basel, Chur, St. Gallen, Sitten und Lausanne-Genf-Fribourg: 25. September
Fest im Bistum Lugano: 25. September
gebotener Gedenktag im Bistum Feldkirch: 25. September
in der Schweiz: Fest I. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die I. Klasse einem Hochfest.
Diözesankalender Freiburg i. Br.
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Salzburg: 23. September

Gedenktag evangelisch: 21. März

Name bedeutet: der Sieger über das / aus dem Volk (griech.)

Einsiedler, Mystiker, Friedensstifter
* 1417 in Flüeli, Ortsteil von Sachseln im Kanton Obwalden in der Schweiz
† 21. März 1487 in der Ranftschlucht bei Flüeli im Kanton Obwalden in der Schweiz


Altarbild, 1492, ehemals in der Pfarrkirche, heute gegenüber im Museum Bruder Klaus in Sachseln
Altarbild, 1492, ehemals in der Pfarrkirche, heute gegenüber im Museum Bruder Klaus in Sachseln

Nikolaus, Sohn des gemeinfreien Bauern Heini und der Hemma, die 12 Hektar Grund besaßen, wurde schon als Kind mit Visionen bedacht. Schon als Jugendlicher hatte der im Kirchenbuch von Sachseln 1488 als anständig, gütig, fromm und aufrichtig Beschriebene einen ausgeprägten Hang zur Einsamkeit und zum stillen Gebet. Im Alter von 16 Jahren sah er in einer Vision einen hohen Turm an der Stelle im Ranft, an der er später seine Einsiedelei errichtete. Berichtet wird auch vom Besuch dreier Männer - ähnlich dem Besuch der drei göttlichen Männer bei Abraham -, die ihm seligen Tod verhießen und ihm ein Kreuz als Zeichen übergaben.

Nikolaus wurde Bauer und nahm von 1440 bis 1441 als Offizier am Krieg gegen Zürich teil, aber statt zu kämpfen schlug er sich lieber zum Gebet in die Büsche. Wohl 1446 heiratete er im Alter von etwa 29 Jahren die vierzehnjährige Dorothea Wyss, baute dann auf dem Flüeli ein neues Haus und wurde Vater von fünf Knaben und fünf Mädchen. 1459 stieg er zum Ratsherrn in Obwalden und Richter seiner Gemeinde auf. Man achtete ihn wegen seiner Gerechtigkeit und Klugheit; gegen höhere politische Aufgaben wehrte er sich. 1460 war er nochmals als Soldat am Feldzug gegen Thurgau beteiligt. Durch all die Jahre verließ ihn aber nie die heimliche Sehnsucht nach dem Einsiedlerleben. Als er seine Frau das erste Mal um Entlassung bat, lehnte sie entsetzt ab.

Balz Haymann: Vor Waldenburg durchsticht ein Engel Nikolaus' Leib mit einem Lichtstrahl, 1821, in der oberen Kapelle im Flüeli-Ranft
Balz Haymann: Vor Waldenburg durchsticht ein Engel Nikolaus' Leib mit einem Lichtstrahl, 1821, in der oberen Kapelle im Flüeli-Ranft

Im Alter von 50 Jahren verschärfte sich seine Suche nach dem Lebenssinn; auf Anraten eines Priester widmete er sich verstärkt der Betrachtung des Leidens Christi; schließlich beschloss er - mit ausdrücklichem Einverständnis seiner Frau und der Kinder, was er als große Gnade Gottes wertete -, ins Ausland zu gehen. Am Gallustag im Oktober 1467 verließ Nikolaus seine Familie - das jüngste Kind war gerade ein Jahr alt - und legte alle politischen Ämter nieder. Er machte sich zunächst den Weg zu einer mystischen Bruderschaft in Basel, fühlte sich aber kurz vor dem Erreichen seines Ziels durch drei Visionen in Waldenburg zurückgerufen: mystische Gestalten verperrten ihm den Weg, dann sah er die ganze Stadt in blutrot eingetaucht, schließlich sah er in der folgenden Nacht einen Lichtstrahl auf sich herabkommen, der ihm Bauchschmerzen bereitete. Nikolaus traute sich aber nicht, nach Hause zu kommen, und ging zunächst - in einiger Entfernung von seinem Heimatort - auf die Alpe Chlisterli im Melchtal.

Als er nach acht Tagen von Jägern gefunden wurde, begab Nikolaus sich schließlich doch an den Ort, den er seit Kindestagen in einer Vision als seine Einsiedelei gesehen hatte: in die Ranftschlucht, nur wenige Minuten vom Wohnhaus seiner Familie auf dem Flüeli entfernt. In einer Hütte aus Ästen und Laub verbrachte er dort den ersten Winter, im folgenden Sommer errichteten Bauern aus Flüeli in Fronarbeit die Zelle und Kapelle für Nikolaus, die der Konstanzer Weihbischof 1469 zu Ehren der Mutter Gottes, der Büßerin Maria Magdalena, des heiligen Kreuzes und der 10.000 Ritter konsekrierte.

Statue in Nikloaus' Geburtshaus in Flüeli
Statue in Nikloaus' Geburtshaus in Flüeli

1469 schloss sich der aus Memmingen stammende Priester Ulrich als Schüler Nikolaus an und errichtete eine Holzklause auf der gegenüberliegenden Seite des Tales im Gebiet des heute St. Nikolausen genannten Ortes an der Stelle der dann 1448 gebauten Kapelle im Mösli. Als auch er strengstens fastete und deshalb krank wurde, mahnte Nikolaus ihn, davon abzulassen. Ulrich starb 1491.

Nikolaus führte ein strenges Leben des Gebetes und der Buße; seit dem Erlebnis der Visionen in Waldenburg nahm er keine Speisen und Getränke mehr zu sich; während den fast 20 Jahren seines Einsiedlerlebens lebte er ausschließlich von der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23., wie auch eine vom zuständigen Bischof angeordnete Untersuchung bestätigte. Geschlafen hat er auf einem Brett, als Kopfkissen benützte er einen Stein. Zeitgenossen beschrieben ihn als leutselig, mitteilsam, behaglich, fröhlich und vor allem freundlich. Erzählt wird, dass er der Versuchung des Teufels, der ihn in einen Dornbusch warf, widerstand. Gefragt, was er für die größte Gabe Gottes an die Menschen hält, antwortete er: die Vernunft.

Nikolaus' von seiner Frau Dorothea genähtes originales Eremitengewand, in der Kirche in Sachseln
Nikolaus' von seiner Frau Dorothea genähtes originales Eremitengewand, in der Kirche in Sachseln

Von weither kamen Menschen, um sich bei Bruder Klaus, wie er sich nun selbst nannte, Rat zu holen, er galt als einer der ganz großen Berater und Seelsorger, auch für in- und ausländische Politiker, vom Volk als der lebende Heilige verehrt. Für die Tagsatzung in Stans vermittelte er 1481 durch eine vom Pfarrer überbrachte Botschaft den Frieden unter den nach ihrem überraschenden Sieg über Burgund uneins gewordenen Eidgenossen, die sich nun untereinander zu bekriegen drohten; er rettete so die damals aus acht Kantonen bestehende Eidgenossenschaft. Das daraufhin geschlossene Vertragswerk war für mehr als drei Jahrhunderte Grundlage der Eidgenossenschft; deshalb gilt Nikolaus als Friedensstifter und Retter der Schweiz. 1482 stiftete Nikolaus aus Geschenken der Eidgenossen und Gaben der Pilger eine Kaplanei für seine Kapelle, die dann 1619 an die neue Kapelle St. Barromäus auf dem Flüeli überging.

Nach acht Tagen schmerzhaften Leidens starb Nikolaus. Als seine Frau am Tag nach seinem Tod zum Grab kam, begegnete ihr ein Bote und erzählte, wie er Nikolaus in strahlendem Glanz auf dem Felsen stehen sah, der heute die Kapelle St. Borromäus trägt. Die Trauer über den Tod war weit verbreitet. In Wien wurde der Stephansdom schwarz ausgeschlagen, das Requiem wurde in Anwesenheit von hundert Priestern gefeiert.

Statue, Kopie der Statue von 1504, in der unteren Ranftkapelle
Statue, Kopie der Statue von 1504, in der unteren Ranftkapelle

Nikolaus war einer der letzten großen Mystiker des Mittelalters. Zentrum seiner Betrachtungen und Gebete waren das Leiden Jesu, die EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. und die Dreieinigkeit. Sein Meditationsbild zeigte in der Mitte Christus mit der Dornenkrone und davon ausgehend sechs Speichen und sechs Medaillons mit Szenen biblischer Heilsgeschichte. Als Radbild fand es bald weite Verbreitung.

Seine Zeitgenossen beobachteten sein asketisches Leben neugierig und misstrauisch, schließlich überwogen aber Faszination und Vertrauen, sie verehrten Nikolaus als lebendigen Heiligen, Friedensstifter und Pater Patriae, Vater des Heimatlandes.

Das Grab von Bruder Klaus neben der Pfarrkirche in Sachseln und die Kapelle mit seiner Klause in der Ranftschlucht gehörten schon bald zu den wichtigsten Wallfahrtsorten der Schweiz; 1501 wurde wegen der großen Zahl der Pilger unweit der oberen Kapelle im Ranft die untere Kapelle gebaut. Schon zuvor wurde deshalb auch die Theodor von Sitten geweihte Kirche an Nikolaus' Grab neu und größer gebaut und 1459 geweiht, ab 1672 erfolgte ein nochmaliger Neubau anlässlich von Nikolaus' Seligsprechung. 1614 bis 1618 wurde auch in Nikolaus' Heimatort Flüeli eine Kapelle errichtet und Karl Borromäus geweiht, der 1570 eine Wallfahrt hierher unternommen hatte.

Altarbild (Kopie des Bildes von Johann Melchior Wyrsch) und Reliquien in der Kapelle St. Barromäus in Flüeli
Altarbild (Kopie des Bildes von Johann Melchior Wyrsch) und Reliquien in der Kapelle St. Barromäus in Flüeli
August Weckbecker: Altar, 1939 in der Kirche St. Oswald in Zug
August Weckbecker: Altar, 1939 in der Kirche St. Oswald in Zug

Nikloaus' Geburtshaus in Flüeli gilt als das älteste Haus der Schweiz mit Teilen aus dem 14. Jahrhundert und der Substanz von 1460; es wurde mehrfach vergrößert und umgebaut, schließlich 1925 mit alten Materialien restauriert; 1944/45 wurde auch das von ihm gebaute Wohnhaus der Familie erneuert; 1947 wurde anlässlich der Heiligsprechung unterhalb der Borromäus-Kapelle ein Feierplatz eingerichtet. 1868 wurde im Hauptort des Melchtals ein Kloster für arme Mägde nach der Benediktinerregel gegründet, dessen Patron Bruder Klaus ist. Nikolaus ist der einzige in der Schweiz geborene traditionelle Heilige.

Als die Schweiz den Angriff durch Nazi-Deutschland befürchtete, ereignete sich am 13. Mai 1940 erneut ein Wunder von Waldenburg: über dem Ort erschien eine grosse, hell leuchtende Hand am Himmel - die schützende Hand des Landespatrons Bruder Klaus; die Schweiz blieb vom Krieg verschont.

Kanonisation: Nikolaus wurde am 8. März 1669 durch Papst Innozenz X. seliggesprochen. Nachdem Anläufe der Schweizerischen Bischöfe 1869, 1929 und 1935 scheiterten, wurde Nikolaus schließlich am 15. Mai 1947, dem Fest Christi Himmelfahrt, durch Papst Pius XII. heiliggesprochen.

Diebold Schilling: der Pfarrer holt bei Nikolaus in dessen Einsiedelei Rat (oben), woraufhin die Tagsatzung in Stans sich schnell einigt (unten), in der „Luzerner Chronik” von 1507/13
Diebold Schilling: der Pfarrer holt bei Nikolaus in dessen Einsiedelei Rat (oben), woraufhin die Tagsatzung in Stans sich schnell einigt (unten), in der Luzerner Chronik von 1507/13

Attribute: als Einsiedler, Stock, Rosenkranz
Patron der Schweiz und des Kantons Obwalden; der Katholischen Landvolkbewegung und der Katholische Landjugendbewegung
Bauernregel (für 25. September): Steigen Nikolaus die Nebel nieder, / kommt der Winter mit Nässe wieder!

  Die Web-Site des Wallfahrtssekretariats in Sachseln bietet umfassende Informationen über Bruder Klaus, die Orte Sachseln und Flüeli sowie Hinweise zu Wallfahrten.

Catholic Encyclopedia

  Die Visionen des Nikolaus mit Erläuterungen gibt es hier zu lesen: Drei Visionen nach Caspar am Büel.
Das Meditationstuch des Nikolaus wird gezeigt und erläutert auf der pdf-Seite Das Sachsler Meditationstuch.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Nikolaus' Geburtshaus in Flüeli ist im April und Oktober täglich von 10 Uhr bis 11.30 Uhr und von 14 Uhr bis 16 Uhr und von Mai bis September täglich von 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr und von 13.30 Uhr bis 17.30 Uhr - sonntags jeweils nur vormittags - zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt ist frei. (2015)
Dieselben Konditionen gelten für sein Wohnhaus in Flüeli. (2015)
Das Bruder Klaus-Museum - www.museumbruderklaus.ch - gegenüber der Kirche in Sachseln mit 150 Portraits, Darstellung seiner Visionen, historischen Zeugnissen, Vergegenwärtigung seiner Botschaften und wechselnden Zusatzausstellungen ist von Palmsonntag bis Allerheiligen dienstags bis samstags von 10 Uhr bis 12 Uhr und von 13.30 Uhr bis 17 Uhr - sonn- und feiertags von 11 Uhr bis 17 Uhr - geöffnet, der Eintritt beträgt 10 CHF. (2015)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 11.08.2016
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Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• http://www.juraforum.de/jura/news/news/p/1/id/136473/f/109/
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 7., Herder, Freiburg im Breisgau 1998
• http://www.onz.ch/artikel/100708/
• Lothar Emanuel Kaiser: Bruder Klaus und seine Heiligtümer, hg. von der Bruder-Klausen-Stiftung in Sachseln. 2. Aufl. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2007
• Karl Imfeld: Melchtaler Klostergeschichte, Faltblatt o. O. 2010
• Brigitte Moser: Kirche St. Oswald. Hg.: Zuger Stadtführungen, Zug 2015