Ökumenisches Heiligenlexikon

Perpetua

Gedenktag katholisch: 7. März
gebotener Gedenktag
Fest in Nordafrika
nicht gebotener Gedenktag im mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Ritus
gebotener Gedenktag in Mailand und im Ambrosianischen      Die Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v. a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Teil des Bistums Lugano: 7. Februar
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.
6. März, Todestag: 7. März
bedacht im Eucharistischen      Die Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I und im Ambrosianischen      Die Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v. a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Hochgebet I

Gedenktag evangelisch: 7. März

Gedenktag anglikanisch: 7. März

Gedenktage orthodox: 1. Februar, 24. März

Gedenktag armenisch: 25. Februar

Gedenktag syrisch-orthodox: 7. März

Name bedeutet: die Beständige (latein.)

Märtyrerin
7. März 202/203 in Karthago, dem heutigen Vorort von Tunis in Tunesien in Tunesien


Vivia Perpetua aus vornehmen Haus und ihre Sklavin Felicitas wurden in Thuburbo Minus - dem heutigen Tebourba - verhaftet, weil sie sich als Katechumenen auf die Taufe vorbereiteten. Perpetua ging der Überlieferung nach mit ihrem kleinen Sohn ins Gefängnis und empfing dort die Taufe. Ihr Vater versuchte erst mit Gewalt, dann mit Bitten und Flehen und unter Tränen, sie vom Christentum abzubringen, aber sie blieb standhaft und wurde mit ihrer Sklavin und weiteren Christen bei einer Vorführung, die Kaiser Septimius Severus zum Geburtstag seines Sohnes abhalten ließ, im Amphitheater von Karthago wilden Tieren vorgeworfen und dabei schwer verletzt.

Das Martyrium von Perpetua (vorn) und Felicitas, Fresko, um 1600, in der Kirche San Stefano Rotondo in Rom
Das Martyrium von Perpetua (vorn) und Felicitas, Fresko, um 1600, in der Kirche San Stefano Rotondo in Rom

Die Legende erzählt, dass Perpetua daraufhin zuerst ihre Haare wieder geordnet habe, weil es sich nicht gebühre, während der Verherrlichung zum ewigen Leben ein ungepflegtes oder gar trauriges Bild abzugeben. Dann ging sie dem noch unerfahren Henker, der sie zu erdolchen hatte, zur Hand, und half ihm, ihre Kehle zu durchschneiden.

Mit Perpetua und Felicitas starben der Priester Saturus, von dem ebenfalls eine Himmelsvision überliefert ist, Saturninus (Torvilus) und Secundulus (Secundinus, Secundus) sowie der Sklave Revocatus.

Perpetua und ihre Gefährten wurden an der Stelle begraben, an der später in Kathago die große Basilika - heute Basilika Mcidfa genannt - erbaut wurde. Von ihr sind praktisch keine Reste zu sehen mit Ausnahme von Resten einer in der französischen Kolonialzeit gebauten Kapelle.

Reste der Kapelle auf dem Gelände der früheren „großen Basilika” - heute Basilika Mcidfa in Karthago
Reste der Kapelle auf dem Gelände der früheren großen Basilika - heute Basilika Mcidfa in Karthago

Der Priester Saturus und die Erzählung von seinen Visionen ähnlich denen der Perpetua wurde offensichtlich erst später in die Leidensgeschichte eingefügt, um der Frau einen KlerikerEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. mindestens zur Seite wenn nicht voran zu stellen, letzteres belegen Zeugnisse der Verehrung der Gruppe, in Karthago wurde schon im 5./6. Jahrhundert nicht mehr Perpetua angerufen und verehrt, sondern Saturus; Perpetuas Verehrung überlebte nur in der römischen Kirche.

Die Leidensgeschichte von Perpetua und Felicitas besteht aus dem von Perpetua selbst verfassten Bericht über den Prozess und die Gefangenschaft sowie ihre selbst verfassten Visionen über den Kampf gegen das Böse und den Aufsteig zum Himmel. Hinzu kommen die Vision des Saturus und Zusätze eines Redaktors - der nicht, wie früher angenommen, Tertullian war. Augustinus würdigte in drei Predigten die Gruppe und betonte besonders das Martyrium der Frauen. Ein römischer Kalender verzeichnete beide Frauen schon 354. Diese Märtyrerinnen gehören zu den ältesten Blutzeugen des Christentums, deren Schicksal zuverlässig überliefert ist.

Relief: Perpetua und Saturus an der Himmelsleiter, auf einem Sarkophag aus Quintana-Bureba bei Burgos, 4. Jahrhundert, heute im archäologischen Museo de Burgos in Burgos
Relief: Perpetua und Saturus an der Himmelsleiter, auf einem Sarkophag aus Quintanabureba bei Burgos, 4. Jahrhundert, heute im archäologischen Museo de Burgos in Burgos

Reliquien von Perpetua liegen in der Kirche St. Peter und Paul in Bochum.

Attribute: wilde Kuh, mit Kind
Bauernregeln: Perpetua und Felicitas, / die bringen uns das erste Gras.
Perpetua kalt, Winter lang.

Worte der Heiligen

Perpetua hat selbst aufgezeichnet, wie ihr heidnischer Vater und der römische Statthalter vergeblich versuchten, sie vom Martyrium abzuhalten:
Wenige Tage später ging das Gerücht um, dass wir verhört werden sollten. Da kam mein Vater aus der Stadt, von Gram verzehrt. Er war zu mir heraufgekommen, um mich zu Fall zu bringen. Deshalb sagte er: Hab Mitleid, Mädchen, mit meinen grauen Haaren, hab Mitleid mit deinem Vater! Ich verdiene es doch wahrhaftig, dein Vater genannt zu werden. Wenn ich dich mit diesen meinen Händen bis zu deinem blühenden Alter aufgezogen, wenn ich dich allen deinen Brüdern vorgezogen habe, so mache mir doch jetzt keine Schande vor den Menschen! Denke an deine Brüder, denke an deine Mutter und deine Tante, denke an dein Kind, das ohne dich nicht leben kann! Lege deinen Starrsinn ab, richte uns nicht alle zugrunde! Niemand von uns kann sich ja noch sehen lassen, wenn dir etwas zustößt. Das sagte er als Vater in seiner Zuneigung zu mir, dabei küsste er mir die Hände; er warf sich mir zu Füßen und nannte mich unter Tränen nicht mehr Tochter, sondern Herrin. Mein Vater tat mir leid, weil er allein von meiner ganzen Verwandtschaft [die christlich geworden war] sich nicht über meine Passion freuen konnte. Ich sprach ihm Mut zu und sagte: Auf jenem Schaugerüst wird nur das geschehen, was Gott will. Du musst nämlich wissen, dass wir nicht in unserer Gewalt sind, sondern in der Macht Gottes stehen. Da ging er betrübt von mir weg.
Während wir am anderen Tage frühstückten, wurden wir plötzlich weggeschleppt zum Verhör. Wir kamen zum Forum. Die Kunde davon verbreitete sich sofort in der näheren Umgebung des Forums, so dass sich eine ungeheure Volksmenge ansammelte. Wir stiegen auf das Schaugerüst. Dort wurden wir verhört, und die übrigen legten ihr Bekenntnis ab. Die Reihe kam auch an mich. Da erschien plötzlich mein Vater mit meinem Sohn, zog mich vom Gerüst herab und sagte: Sprich das Gebet! Hab Mitleid mit deinem Kinde! Der Statthalter Hilarianus aber, der damals an Stelle des verstorbenen Prokonsuls Minuzius Timianus die Blutgerichtsbarkeit übernommen hatte, sagte: Schone die grauen Haare deines Vaters, schone die Kindheit des Knaben! Bring das Opfer dar für das Heil der Kaiser! Ich antwortete: Nein. Hilarianus: Bist du Christin? Ja, erwiderte ich, ich bin Christin. Als mein Vater noch weiterhin versuchte, mich zu Fall zu bringen, befahl Hilarianus, ihn hinwegzuschaffen; er wurde mit einem Stock geschlagen. Über das, was meinem Vater zustieß, war ich so betrübt, als ob ich selbst geschlagen worden wäre; so leid tat mir der arme alte Mann. Alsbald verkündete der Statthalter allen das Urteil: Er verurteilte uns zu den wilden Tieren. Fröhlich stiegen wir daraufhin wieder in den Kerker hinab.

Quelle: Ich bin Christ. Frühchristliche Martyrerakten. Übertragen und erläutert von Oda Hagemeyer OSB und Basilissa Hürtgen OSB. In: Alte Quellen neuer Kraft. Hrsg. von E. von Severus und Th. Michels. Düsseldorf 1961, S. 90 - 110; zitiert nach: http://ivv7srv15.uni-muenster.de/mnkg/pfnuer/martyrium-felicitas.html, abgerufen am 25. Oktober 2019

Nachwort des Schreibers:

Ihr tapferen und gottgesegneten Martyrer! Ihr wahrhaft zur Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus Berufenen und Auserwählten! Wer diese Herrlichkeit preist und verehrt und anbetet, muss auf jeden Fall auch diese jüngsten Beispiele, die nicht geringer sind als die alten, zur Auferbauung der Kirche lesen. Die neuen Wundertaten sollen bezeugen, dass das immer gleiche heilige Geist bis heute wirksam ist mit Gott, dem allmächtigen Vater, und seinem Sohne Jesus Christus, unserem Herrn, dem Lichtherrlichkeit und unermessliche Macht ist in Ewigkeit. Amen.

Quelle: Ich bin Christ. Frühchristliche Martyrerakten. Übertragen und erläutert von Oda Hagemeyer OSB und Basilissa Hürtgen OSB. In: Alte Quellen neuer Kraft. Hrsg. von E. von Severus und Th. Michels. Düsseldorf 1961, S. 90 - 110; zitiert nach: http://ivv7srv15.uni-muenster.de/mnkg/pfnuer/martyrium-felicitas.html, abgerufen am 25. Oktober 2019

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Die Legenda Aurea erzählt die Geschichte von Perpetua und Felicitas im Kapitel über Sanct Saturninus.

Die Himmelsvision der Perpetua

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

Catholic Encyclopedia

  Die Märtyrerakten der Perpetua und Felicitas auf Deutsch gibt es in der Bibliothek der Kirchenväter der Université Fribourg.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Die verschiedenen Ausgrabungsstellen in Karthago sind täglich von 8 Uhr bis 19 Uhr, im Winter nur von 9 Uhr bis 17 Uhr, zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt beträgt für alle zusammen 4 €. (2020)
Das Gelände und das frühchristliche Museum in Karthago sind verschlossen ohne weitere Information, auch die Webseite meldet nur fermé. (2020)
Der Platz der Basilika Mcidfa auf einem sanften Hügel ist - entgegen den Einträgen auf manchen Landkarten - nur noch von dieser Stelle aus möglich, aber frei zugänglich. (2020)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 15.03.2020

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• Adolf v. Harnack: Die Mission und Ausbreitung des Christentums. J. C. Hinrich, Leipzig 1924
• Karl Heussi: Kompendium der Kirchengeschichte. J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1976
• http://www.bauernregeln.net/maerz.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999
• Ralf Brockmann: Märtyrer Karthagos. Ursprünge und Wandel ihrer Verehrung in den Kirchenbauten der Stadt. In: Mitteilungen des deutschan archäologischen Instituts, Römische Abteilung, Band 120. Verlag Schnell und Steiner 2014

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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