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Ökumenisches Heiligenlexikon

Raimundus Lullus von Palma

spanischer Name: Ramón Llull

Gedenktag katholisch: 29. Juni
Fest im Bistum Mallorca: 27. November
gebotener Gedenktag im Bistum Menorca und bei den Franziskaner-Tertiaren: 27. November
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Ibiza: 27. November
gebotener Gedenktag bei den Franziskaner-Tertiaren: 30. Juni
nicht gebotener Gedenktag im Orden der Franziskaner-Observanten: 30. Juni

Name bedeutet: Rat und Schutz (althochdt.)

Ordensmann, Missionar, Mystiker, Märtyrer
* um 1232 in Palma di Mallorca in Spanien
† 1315/1316 in Tunis in Tunesien (?)


Raimundus Lullus, kurz nach der Rückerorberung der Insel Mallorca von den Muslimen geboren, war der Sohn eines katalonischen Ritters. Er wurde um 1246 Oberhofmeister am Königshof von König Jakob I. in Palma de Mallorca und später Erzieher von dessen Sohn, dem Prinzen Jakob II. Er genoss das Leben am Hof; 1256 heiratete er, seine Frau Blanca Picany schenkte ihm zwei Kinder. Dann aber gab er seinem Leben eine radikale Wende, beeindruckt vom franziskanischen Ideal der Armut: nachdem ihm um 1263 fünf Visionen des gekreuzigten Christus zuteil wurden, studierte er ab 1265 - wohl angeregt durch Raimund von Peñafort - privat in einer Höhle am Berg bei Randa in der Mitte von Mallorca, auf dem dann im 16. Jahrhundert das Kloster Cura entstand, Arabisch, Philosophie, Medizin und Theologie; bis ins Jahr 1274 zog er sich immer wieder dorthin zurück. 1264 unternahm er eine Wallfahrt nach Santiago de Compostela. Im 1239 eröffneten Kloster de la Real der Zisterzienserorden bei Palma hielt er sich zwischen 1265 und 1274 immer wieder auf.

Kloster Cura bei Randa
Kloster Cura bei Randa

Die Kombination verschiedener Wissensgebiete und Weisheiten kulminierte bei Raimundus Lullus zu einer neuen universalen, ja mystischen Sicht Gottes und der Welt, die sich ihm in den Symbolen des Kreises und des Dreieckes erschloss. Hierin sah er seine große Berufung: sein ihm in den mystischen Visionen geschenktes Wissen gehöre der Welt; er verfasste fast dreihundert Werke über Theologie und Philosophie, Grammatik und Mystik, Astronomie und Logik - nicht im gebräuchlichen Latein der Gelehrten, sondern meist seiner Muttersprache; seine Poesie ist die wohl schönste der katalanischen Sprache, er gilt als Begründer der katalanischen Literatur. Um 1272 schrieb er auf Arabisch sein Liber contemplationis, Buch der Versenkung.

Bild im Museum des Klosters Cura
Bild im Museum des Klosters Cura

An seinem 1274 begonnenen Werk Ars Magna, großes Lehrbuch, hat Raimundus mehr als dreißig Jahre lang gearbeitet - er wollte mit Hilfe des Verstandes Gott beweisen und das weltbeste Buch zur Bekehrung der Ungläubigen, besonders der Muslime, schreiben. Dazu helfen sollte auch eine von ihm konstruierte Maschine aus sieben Scheiben, die jeweils Begriffe wie Gott, Mensch oder Wahrheit u. a. trugen; das Drehen der Scheiben ergab immer wieder andere Verknüpfungen, die den Gottesbeweis untermauern sollten; durch Auswechslung der Scheiben ergaben sich immer neue Kombinationen; waren die Scheiben mit Zahlen versehen, konnten Berechnungen durchgeführt werden; Ziel war in alledem der Zugang zu den himmlischen Datenbanken, in denen alle Wahrheit ist, wie es ein Historiker formulierte. Seine Maschine half mit entsprechenden Scheiben angeblich sogar bei der Bibelübersetzung oder der Überführung des Korans in die Bibel.

Buchmalerei: Raimundus (links) hört Franziskus von Assisi zu, der den Tieren predigt. Aus Raimundus' „Summa der Gewissensfragen”, Maasgebiet, Anfang des 14. Jahrhunderts, in der Universitätsbibliothek in Lüttich
Buchmalerei: Ramon Llull (links) hört Franziskus von Assisi zu, der den Tieren predigt. Aus Raimundus' Summa der Gewissensfragen, Maasgebiet, Anfang des 14. Jahrhunderts, in der Universitätsbibliothek in Lüttich (Liège)

Llulls großes Ziel war die Vereinigung des christlichen, jüdischen und islamischen Glaubens. Dabei stellte er immer wieder die Vernunft in den Mittelpunkt seiner Arbeit und Argumentation: seine These war, dass Anders- und Ungläubige mit Vernunftgründen zu bekehren seien; auch häretische Christen akzeptierten vernünftige Argumentationen und die besseren Argumente, die für die Wahrheit des christlichen Glaubens sprechen. Logik und Dialog reichten, Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit zu führen. Seine wissenschaftliche Arbeit führte dazu, dass man ihn mit den Ehrentiteln Doctor phantasticus und Doctor illuminatus bezeichnet.

1276 gründete Raimund Llull das Kloster Miramar nahe Valldemosa auf Mallorca mit einer Schule für Franziskaner-Minderbrüder, die als Missionare für die arabische Welt ausgebildet wurden. Raimundus verließ dann seine Familie, wohnte zeitweise in Bougie / Bejaia in Algerien und bereiste 1281/1282, 1297 bis 1299, 1305 und 1306 Nordafrika. 1293/1294 bemühte er sich um einen Dialog mit msulimischen Gelehrten in Tunis. Reisen nach Barcelona, Zypern, Cilicien in der heutigen Türkei, Genua, Pisa, Lyon und Jerusalem sollten zwischen 1299 und 1308 ebenfalls der Bekehrung von Häretikern und Muslimen dienen. Seine Lehren und seine Appelle für Toleranz hatten aber nicht immer Erfolg: in Tunis wurde er mehrfach festgenommen und ausgepeitscht. Dennoch lehrte er mit großem Eifer und gilt als der wichtigste Missionar unter Muslimen im Mittelalter.

Wohl 1295 schloss Raimundus sich als Tertiar den Franziskanern an. Das Scheitern seiner Mission machte ihn mit dem Kreuzzugsgedanken vertraut, um so das Heilige Land zurück zu erobern. Hatte er sich zunächst mit ganzer Kraft der Überzeugung durch Argumente verschrieben, kam nun immer mehr der Gedanke militärischer Aktionen gegen die Muslime im Vordergrund.

1311/12 nahm Raimund Llull am Konzil in Vienne teil und erreichte die Einrichtung von Lehrstühlen für Hebräisch, Arabisch und Chaldäisch in Paris, Oxford und Bologna. 1313 bis 1314 wirkte er auf Sizilien, ab 1314 wieder in Tunis. Bei dieser Missionsreise wurde er bei seinem Fußmarsch durch Algerien - wohl Ende des Jahres 1315 - von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Schon dort oder auf der Schiffsreise zurück in seine Heimat oder nach der Ankunft in Palma di Mallorca erlag er den schweren Verletzungen. In der Kirche des Franziskanerklosters in Palma wurde er bestattet; dort ist bis heute sein Sarg oben unter dem Gewölbe des Altarraumes.

Kirche des Franziskanerklosters in Palma
Kirche des Franziskanerklosters in Palma

1376 wurde Raimundus Lullus von Papst Gregor IX. zum Ketzer erklärt, seine Schriften wurden verboten und verbrannt. Dennoch war Nikolaus Cusanus ein großer Bewunderer von ihm, sammelte seine Werke und sorgte für deren Verbreitung. Gottfried Wilhelm Leibnitz baute um 1700 eine Rechenmaschine nach Llulls Vorgaben. Unter Mathematikern gilt sein Ars magna als erster Computer der Welt; Programmierer der Fa. Siemens übersetzten Llulls Regeln in heutige Computersprache - sie funktionieren! Im 19. Jahrhundert wurde Ramon Llull zum Märtyrer der Kirche erklärt und rehabilitiert.

Das Kloster Cura bei Randa wurde ab 1913 von Franziskaner-Tertiaren wieder instand gesetzt.

Das 1957 gegründete Raimundus-Lullus-Institut - offiziell: Arbeitsbereich Quellenkunde der Theologie des Mittelalters - an der Universität Freiburg i. Br. hat sich die Edition der lateinischen Werke von Lullus zur Aufgabe gestellt, bis 2016 erschienen 39 Bände.

Kanonisation: Raimundus wurde seit dem 14. Jahrhundert auf Mallorca verehrt, seine Verehrung wurde 1750 von Papst Benedikt XIV. bestätigt, 1847 erfolgte die Seligsprechung durch Papst Pius IX.; das Vefahren zur Heiligsprechung läuft.
Patron von Mallorca

Worte des Seligen

Das Buch vom Freunde und vom Geliebten gilt als Lulls berühmtestes Werk, als Juwel christlicher Mystik. Es ist eigentlich Teil des umfangreichen Romans Blaquerna. Hier führt der Glaubende (Freund) einen Dialog mit Gott (dem Geliebten). Es folgen einige Kostproben:

In Ewigkeit beginnt mein Geliebter, hat er begonnen und wird er beginnen. Und in Ewigkeit ist er ohne Anfang, war ohne Anfang und wird ohne Anfang sein. Beginn und Anfangslosigkeit sind kein Widerspruch in meinem Geliebten, denn ewig ist er und birgt Einheit und Dreiheit in sich.

Sprich, Narr: Was ist Liebe? Er antwortete, Liebe sei das, was die Freien versklavt und die Sklaven befreit. Und es erhebt sich die Frage, was mehr zur Liebe gehört: Sklaverei oder Freiheit.

Noch nie konnte etwas wahr sein, das meinen Geliebten nicht enthielt. Falsch ist, worin er nicht ist, falsch wird sein, worin er nicht sein wird. Darum ist alles notwendig wahr, was ist, was war und was sein wird, wenn es meinen Geliebten enthält. Und falsch ist alles, was wahrhaft ohne die Anwesenheit des Geliebten ist, woraus sich kein Widerspruch ergibt.

Der Freund strebt zum Sein durch die Vollkommenheit seines Geliebten. Und er strebt zum Nichtsein durch seine Sünde. Darum erhebt sich die Frage, welche der beiden Strebungen natürlicherweise im Freunde mächtiger ist.

Theologie und Philosophie, Medizin und Rechtswissenschaft trafen den Freund, der sie fragte, ob sie nicht seinen Geliebten gesehen hätten. Theologie weinte, Philosophie zweifelte, Medizin und Rechtswissenschaft freuten sich. Und es erhebt sich die Frage, was eine jede dieser vier Bezeugungen dem Freunde bedeutete, der auf der Suche nach seinem Geliebten war.

Eines Tages nahm der Freund wahr, dass im Gebet seine Augen nicht weinten. Um weinen zu können, dachte er an Geld, an Frauen, Kinder, Speisen und Ruhmsucht. Und er erkannte in seinem Verstande, dass jedem dieser genannten Dinge mehr Menschen dienen als seinem Geliebten. Da wurden seine Augen von Tränen erfüllt und seine Seele mit Schmerz und Traurigkeit.

Geliebter! Wenn du den Gerechten gegen ihre Todfeinde beistehst, so hilf auch mir, meine Gedanken zu mehren, die nach deiner Ehre verlangen. Und wenn du den Ungerechten hilfst, wieder gerecht zu werden, so hilf auch deinem Freunde, dass er sein Wollen deinem Ruhme darbringt und seinen Leib dem Martyrium als Zeugnis der Liebe.

Der Freund gedachte des Todes, und Schrecken erfüllte ihn, bis er sich der Stadt seines Geliebten erinnerte: Ihr Eingang und Tor sind Liebe und Tod.

Quelle: Ramon Lull: Das Buch vom Freunde und vom Geliebten, hrsg. und aus dem Altkatalanischen übertragen von Erika Lorenz. Artemis Verlag Zürich 1988

Zitate von Raimundus Lullus:

Mein Herr und Gott voll aller Weisheit und Güte! Wenn Du mich frohmachst, weil Du bist und weil ich bin, wie sollte ich mich da nicht rühmen, stärker zu sein als Fels und Stahl? Denn eher werden Fels und Stahl zu Staub, als dass der Mensch, der sich freut in Dir, dem Nichts anheimgegeben wird.
Je dunkler ein Geheimnis ist, um so tiefer versteht es, wer es versteht.
Wer Gott mehr fürchtet als liebt, liebt sich selbst mehr als Gott.
Der Mensch ist edler durch Wissen als durch Gold oder Besitz, selbst wenn er sie mit guten Absichten erlangt hat.
Geduld bringt Frieden. Wer Geduld hat, besitzt sich selbst. Wer sich selbst nicht besitzt, ist arm.
Die Wege der Liebe reichen in die Ferne und in die Nähe. Denn so ist die Liebe: voller Klarheit, Reinheit, Helligkeit, Wahrheit, Feinheit, Einfachheit, Stärke, Eifer, Glanz, Überfluss, in jungen Gedanken und altem Erinnern.
Nichtlieben ist Tod und Lieben ist Leben.

Quelle: Ramon Lull: Das Buch vom Freunde und vom Geliebten, hrsg. und aus dem Altkatalanischen übertragen von Erika Lorenz. Artemis Verlag Zürich 1988

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Die Franziskanerkirche mit Raimundus' Grab und das Kloster in Palma können täglich außer sonntags von 10 Uhr bis 14.30 Uhr und von 15 Uhr bis 18 Uhr besichtigt werden, der Eintritt beträgt 5 €; er schließt auch die Besichtigung des Klosters Lluc einschließlich Parkgebühr, der Kirche La Porciúncula in Palma, des Museums Juniperus Serra neben seinem Wohnhaus in Petra, des Klosters Cura bei Randa und des Klosters de la Real in Palma ein. (2016)
Das Kloster Cura bei Randa ist täglich von 10 Uhr bis 18 Uhr zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt ist im genannten Kombiticket enthalten.
Das Kloster Miramar bei Valldemossa ist täglich außer sonntags von 10 Uhr bis 17.45 Uhr zur Besichtigung geöffnet, der Eintritt beträgt 4 €. (2016)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 22.11.2019

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• http://www.catholic-forum.com/saints/saintr73.htm
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999
• C. S., Brief vom 22. Juni 2008
• Martin Glaunert: Himmlische Datenbanken. In: zeitzeichen 2/2009
• http://www.corpuschristianorum.org/series/cccm_raimundi_lulli.html

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.