Ökumenisches Heiligenlexikon

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Tauler, Johannes


(* ca. 1300 in Straßburg, † 1361 ebd), OP, schulte sich wie Eckehart (bei dem er wahrscheinlich in Köln studierte) an der Lehre des Thomas von Aquino sowie an neuplatonischen Traditionen (Mystik: VI), war aber vorsichtig gegenüber pantheistisch mißdeutbaren Spekulationen (Gott: V, 6. 11d) und betonte mehr als Eckehart die rechte Bereitung des Willens (bes. in der Gelassenheit). Wohl sah er im "Seelengrund" die Leere, die nur für das Einwohnen des unerschaffenen Lichtes Raum hat, doch so, daß auch hier das Bewußtsein der Geschöpflichkeit (im Lieben und Leiden mit Christus) erhalten bleibt. Mit dem Straßburger Konvent, dem er als Lektor angehörte, ging T., um das 1339 gegen die zu Ludwig IV. haltenden Reichsstände verhängte Interdikt befolgen zu können, nach Basel. Dort und in Straßburg, wohin er frühestens 1346 zurückkehrte, hatte er mit Kreisen von Gottesfreunden rege Kontakte. Von seiner Korrespondenz hat sich nur ein fraglos echter Brief (an Margareta Ebner) erhalten. Gelegentliche Reisen führten ihn bes. nach Köln. Als Seelenführer den Alltagsproblemen nahe, als Prediger originell, bildhaft und kraftvoll, betonte T. die praktischen Seiten des mystischen Lebens: Die rechte Verinnerlichung muß ebensosehr den Weg äußerlicher Werkgerechtigkeit wie die Richtungslosigkeit bloßen Gefühlsüberschwanges vermeiden. Kirchliche Ordnungen und Einrichtungen können hier fördernd wirken, doch ablenkend, wenn man sich auf die äußerliche Übung verläßt. In der Erbauungsliteratur blieb T.s Einfluß stark. Gelegentliche Kritiker (z. B. Eck wegen Luthers [: I, 2] Vorliebe für T.) schadeten seiner Volkstümlichkeit bei Katholiken und Protestanten kaum. Die Druckausgaben brachten immer mehr Predigten und Traktate unter seinem Namen (echt sind ca. 80). Bes. gab die Deutung der im "Meisterbuch" Merswins erzählten Bekehrungsgeschichte auf T. seinem Andenken legendären Glanz.

Textausg.n (über deren Charakter s. J. QUINT [s. u.] 69 f.): F. VETTER, 1910 - A. L. CORIN, Lüttich 1924/29 (u. a. 35 von VETTERS 81 Stücken). - Texte in Ausw.: L. NAUMANN (KlT 127), 1914 - J. QUINT, Textbuch (Mystik: VI) 68 ff. - Mystiques allemands du XIVe siècle, hg. v. J.-A. BIZET, Paris 1957, 84 ff. 108 f. 241 ff. - Übers.en (u. a.). W. LEHMANN, 2 Bde, (1913) 19232 - L. NAUMANN, 1923 (Ausw.) - G. HOFMANN, 1961 - franz.: G. HUGUENY, G. THÉRY u. A. L. CORIN, 3 Bde, Paris 1927-35 (wichtige Einl.). - Über T.: H. S. DENIFLE, T.s Bekehrung, 1879 - G. SIEDEL, Die Mystik T.s, 1911 - O. SCHEEL, T.s Mystik u. Luthers reformat. Entdeckung (Festg. J. Kaftan, 1918, 298 bis 318) - PH. STRAUCH, Zu T.s Predigten (BGDSL 44, 1919, 1-26) - D. HELANDER, J. T. als Prediger (Diss. Lund), 1923 - Ü II, 628 ff. 789 f. - K. GRUNEWALD, Studien zu J. T.s Frömmigkeit, 1930 - W. MUSCHG (Mystik: VI) 280 ff. - DSp I, 323 ff. - LThK IX, 1022 ff. - DThC XV, 66 ff. - F.-W. WENTZLAFF-EGGEBERT (Mystik: VI) 102 ff. 307 ff. (Lit.) - J. M. CLARK, The Great German Mystics, Oxford 1949, 36 ff. 114 ff. - EC XI, 1797 ff. - VerfLex IV, 375 ff.; V, 1078 (Bibliogr., Lit.) - B. MOELLER, Die Anfechtung bei J. T. (Theol. Diss. Mainz), 1955 (Masch.; vgl. ThLZ 82, 1957, 307 f.) - M. DE GANDILLAC, Valeur de temps dans la pédagogie spirituelle de Jean T., Montreal-Paris 1956 - P. WYSER, Der Seelengrund in T.s Predigten (Festg. W. Stammler, 1958, 204-311) - EKL III, 1315 - I. WEILNER, J. T.s Bekehrungsweg, 1961. - Vgl. auch Mystik: VI.

M. A. Schmidt






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zuletzt aktualisiert am 13.09.2016
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Die Religion in Geschichte und Gegenwart: Artikel
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