Ökumenisches Heiligenlexikon

Philibert von Jumièges

auch: Filibert
auch: von Tournus, von Noirmoutier

1 Gedenktag katholisch: 20. August

Name bedeutet: der glänzende Freund (althochdt.)

Klostergründer, Abt in Rebais
* um 616 in Aire-sur-Adour bei Eauze in der Gascogne in Frankreich
20. August 684 in Noirmoutier auf der Insel Noirmoutier in Frankreich


Henri Renaud: Statue, 1870, in der Kathedrale in Luçon
Henri Renaud: Statue, 1870, in der Kathedrale in Luçon

Philibert war der Sohn des Adeligen und Präfekten Philibald sowie einer Mutter, die vier Jahre nach seiner Geburt starb. Sein Vater wurde dann Bischof von Aire-sur-Adour. Philibert kam im Alter von etwa 15 Jahren an den Hof von König Dagobert I. in der damaligen königlichen Burg Clippiacum - an der Stelle des heutigen Parks im heutigen Saint-Ouen-sur-Seine - bei Paris und wurde dort erzogen von Aldowin von Rouen. 638 wurde er Mönch, dann 650 Abt im Kloster in Rebais bei Maeaux. Wegen Unstimmigkeiten mit den Mönchen in seinem Kloster legte er dieses Amt nieder und bereiste Klöster, die nach der Regel des Kolumban geordnet waren, so das Kloster Luxeuil - im heutigen Luxeuil-les-Bains - und das Kloster in Bobbio, zudem andere Klöster in Gallien, Burgund und Italien.

Ruinen des ehemaligen Klosters in Jumièges
Ruinen des ehemaligen Klosters in Jumièges

655 gründete Philibert nach einer aufgrund seiner Erfahrungen selbst erstellten Regel das Kloster in Gemeticum - dem heutigen Jumièges - bei Rouen auf ihm von Chlodwig II. geschenktem Land, dann 662 das damalige Kloster für Frauen in Pavilly - von dem die Austreberta von Pavilly geweihte Kapelle übrig ist. Dabei wurde Philibert von Bischof Aldowin von Rouen und von Königin Bathilde unterstützt.

Nach einem Zerwürfnis mit Ebroin, dem Hausmeier von Neustrien, wurde Philibert 676 verbannt und verbrachte sein Exil bei Bischof Ansoald in Poitiers; die frühere Kathedrale stand westlich der heutigen, nahe des ehemaligen Klosters Sainte-Croix.

Kirche Saint-Philibert in Noirmoutier
Kirche Saint-Philibert in Noirmoutier

In der Verbannung gründete Philibert 677 das damalige, später nach ihm benannte Kloster Noirmoutier auf der Insel Heriou - der heutigen Insel Noirmoutier - vor der Atlantikküste bei Nantes.

Nach Ebroins Tod kehrte Philibert in sein Kloster nach Gemeticum / Jumièges zurück und söhnte sich mit Audoenus aus. Um 683 gründete er das damalige Frauenkloster in Montivilliers bei Le Havre und 684/685 das Kloster Saint-Benoît de Quinçay in Saint-Benoît bei Poitiers; auch an der Gründung des damaligen Klosters in Luçon bei Nantes war er beteiligt.

Reliquiar in der Kirche Saint-Philibert in Tournus
Reliquiar in der Kirche Saint-Philibert in Tournus

Philibert wurde in seinem Kloster Noirmoutier auf der Insel Heriou bestattet. Die Verehrung von Saint Philibert verbreitete sich nach seinem Tod im Jahre 685 ziemlich schnell. Dies um so mehr, als die Mönche die Reliquien zum Schutz vor den einfallenden Normannen zunächst um 819 ins damalige Kloster nach Déas - dem heutigen Saint-Philbert-de-Grand-Lieu - bei Nantes übertrugen, dann nach Cunault - das heutige Chênehutte-Trèves-Cunault -, dann in die Auvergne.

Zuletzt kamen Philiberts Reliquien im Jahre 875 ins damalige Kloster Saint-Valérien nach Tournus, wo sich dann viele Wunder ereigneten und das dann nach ihm Kloster Saint-Philibert benannt wurde. Eine Reliquie kam 1863 zurück in die Krypta der Kirche Saint-Philibert nach Noirmoutier.

Statue in der Kirche Saint-Philibert in Tournus
Statue in der Kirche Saint-Philibert in Tournus

Viele andere Kirchen und Kapellen nahmen Philibert als Schutzpatron an. Seine Lebensgeschichte ist in einer Fassung aus dem 9. Jahrhundert überliefert.

Das 654 durch Philibert gegründete Kloster Notre-Dame in Jumièges wurde 841 von den Wikingern geplündert und niedergebrannt. Ab 930 wurde es von Benediktinern wieder aufgebaut und zu einem der reichsten und mächtigsten Klöster in der Normandie. 1562 überfielen Hugenotten das Kloster, aus dem die Mönche aber schon geflohen waren, die im Jahr darauf zurückkehrten und den Wiederaufbau unternahmen. 1789 zählte das Kloster nur noch 18 Mönche, in der Französischen Revolution musste es sich Ende 1790 auflösen, die Gebäude wurden verkauft. 1852 begann die damalige Besitzerfamile - nicht zuletzt unter dem Einfluss des Schriftstellers und Politikers Victor Hugo, der das Anwesen als schönste Ruine Frankreichs bezeichnet hstte - mit deren Restaurierung. Seit 1947 ist das Gelände in Staatsbesitz und heute Museum.

Das Kloster in Pavilly wurde im 9. Jahrhundert von den Normannen zerstört und 1090 als Priorat neu errichtet. Dessen Kirche wurde 1717 aufgegeben, ihre Kapelle 1860 zurückgekauft.

1803 wurde das Kloster in Bobbio unter französischer Besatzung geschlossen, die Kirche ist heute Pfarrkirche. Das Kloster in Rebais wurde in der Französischen Revolution aufgelöst, die Gebäude wurden verkauft, die Kirche Saint-Jean-Baptiste wurde Pfarrkirche. Die Kirche des Klosters Noirmoutier wurde um 728 von den Sarazenen zerstört. Ludwig der Fromme, der Sohn von Karl „dem Großen”, der König von Aquitanien war, begann 801 mit dem Wiederaufbau der Abtei. 846 wurde sie von den Normannen erneut zerstört, Ende des 11. Jahrhunderts auf der ursprünglichen Kapelle, der heutigen Krypta, wieder aufgebaut.

Das Frauenkloster in Montivilliers wurde 833 von den Wikingern vollständig zerstört, dann 1025 als Männerkloster der Benediktiner neu gegründet, zehn Jahre danach aber wieder in ein Nonnenkloster umgewandelt. In der Französischen Revolution mussten die Nonnen das Kloster 1792 verlassen, die Gebäude wurden verkauft, die Kirche später Pfarrkirche.

Patron von Tournus

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Die Kirche des ehemaligen Klosters in Bobbio ist täglich von 8 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. (2023)
Die Ruinen des Klosters in Jumièges sind täglich von 9.30 Uhr bis 18.30 Uhr - von Mitte Septmber bis Mitte April mit Mittagspause von 13 Uhr bis 14.30 Uhr - geöffnet, der Eintritt beträgt 7,50 €. (2026)
Die Kathedrale in Luçon ist täglich von 8.30 Uhr bis 19.30 Uhr geöffnet. (2025)
Das ehemalige Kloster in Saint-Philbert-de-Grand-Lieu ist täglich außer montags von von 10 Uhr bis 12.30 Uhr von 14 Uhr bis 18.30 Uhr - von November bis April nur nachmittags und nur bis 17.30 Uhr - geöffnet, der Eintritt beträgt 5 €. (2025)
Die Kirche Saint-Philibert des ehemaligen Klosters in Tournus ist täglich von 8 Uhr bis 19 Uhr - im Winter nur bis 18 Uhr - geöffnet. (2024)



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 09.07.2026

Quellen:

• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 8. Herder, Freiburg im Breisgau 1999
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_Saint-Beno%C3%AEt_de_Quin%C3%A7ay - abgerufen am 16.01.2022
• Infotafel in der Kirche Saint-Philibert in Tournus
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Comt%C3%A9_d%27Herbauges#Toponymie - abgerufen am 16.06.2025
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_Saint-Pierre_de_Rebais< - abgerufen am 17.04.2026
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_de_Jumi%C3%A8ges - abgerufen am 28.06.2026
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Abbaye_de_Pavilly - abgerufen am 06.07.2026

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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