Ökumenisches Heiligenlexikon

Cyriacus

Gedenktag katholisch: 8. August
Gedenktag orthodox: 7. Juli
Name bedeutet: dem Herrn gehörig (griech. - latein.)
Diakon, Märtyrer, Nothelfer
† 305 (?) in Rom
Kartenskizze

Matthias Grünewald: Cyriacus heilt Artemia, im Historischen Museum in Frankfurt

Matthias Grünewald: Cyriacus heilt Artemia. Die dargestellte Symptomatik lässt an ein mehrfach behindertes Mädchen denken; nach den Überlieferungen liegt bei der Diokletiantochter zusätzlich eine Epilepsie vor. Flügel im Heller-Altar, im Historischen Museum in Frankfurt   

Cyriacus, von Papst Marcellinus oder um 300 in Rom zum Diakon geweiht, wurde nach der Legende von Kaiser Maximian verurteilt, als Zwangsarbeiter beim Bau einer Thermenanlage mitzuwirken und Erde zu tragen. Viele Mitchristen und Leidensgenossen wurden nach Martern getötet. Als aus Arthemia, der besessenen Tochter von Kaiser Diokletian, ein Teufel schrie, nur Cyriacus könne ihn vertreiben, wurde dieser gerufen und er heilte und Arthemia. Der ausfahrende Teufel prophezeite, er werde Cyriacus zwingen, nach Babylon - dem heutigen Han-al-Mahawil im Irak - zu gehen. Bald darauf wurde Cyriacus tatsächlich vom Perserkönig Sapor gerufen, um dessen besessene Tochter Jobias zu heilen. Cyriacus heilte auch sie und taufte sie mit ihren Eltern und viel Volks.

Cyriacus kehrte nach Rom zurück. Diokletian hatte ihm ein Haus geschenkt, aber nach dessen Abdankung im Jahr 305 ließ ihn Maximian abermals greifen, foltern, mit siedendem Pech übergießen und zusammen mit Smaragdus, Largus, Sisinius und weiteren 18 Christen enthaupten. Ein Statthalter nahm das Haus von Cyriacus in Besitz, badete darin an der Stelle, an der Cyriacus zu taufen pflegte, und hielt ein Festmahl mit 19 Freunden, die alle zusammen eines plötzliches Todes starben. Das Bad wurde geschlossen, die Heiden fingen an, die Christen zu fürchten und in Ehren zu halten.

Cyriacus und seine Gefährten wurden der Überlieferung nach am 15. April von einem Priester Johannes an der Via Salaria begraben. Die Leichname von Cyriacus und fünf Gefährten wurden dann am 8. August unter Papst Marcellus I. übertragen auf ein Grundstück der Christin Lucina an der Via Ostiensis, wo der Chronograph ihn 354 zusammen mit Largus, Crescentius Memmia, Juliana, und Smaragdus nennt. Die Verehrung setzte bald nach Cyriacus' Tod ein, sie findet sich schon in Festkalendern des 4. Jahrhunderts und im Martyrologium des Hieronymus. Papst Honorius I. ließ an dieser Grabstelle Mitte des 7. Jahrhunderts eine kleine Kirche errichten, die von den Päpsten Leo III. und Benedikt III. im 8. Jahrhundert restauriert wurde. Im 9. und 10. Jahrhundert wurden die Reliquien in die Stadt, u.a. in die Kirche S. Marcello al Corso, gebracht. In der Stadt gab es ebenfalls schon früh eine dem Martyrologium des Hieronymus bekannte Cyriacus-Kirche nahe der Thermen des Diokletian.

Reliquien kamen u.a. nach Ancona, 874 nach Neuhausen - den heutigen Stadtteil von Worms - und 1049 nach Altorf im Elsass, eine Armreliquie unter Kaiser Otto I. nach Bamberg. Im 10. und 11. Jahrhundert verbreitete sich Cyriacus' Verehrung v.a. in Mitteldeutschland, Westfalen und am Oberrhein. Nachdem an Cyricus' Gedenktag im Jahr 1266 die Mehrheit des Domkapitels von Würzburg sich in der Schlacht in Sulzfeld am Main, einer der großen Ritterschlachten des Mittelalters, gegen den gewaltsam um das Amt kämpfenden Bischofskandidaten der Minderheit durchgesetzt hatte, nahm die Verehrung in Franken stark zu.

In der Pfalz als Patron des Weinbaus verehrt, werden Cyriacus noch heute in einer Kapelle bei Lindenberg - wo er als Einsiedler gelebt haben soll - am Sonntag nächst dem 8. August bei der Cyriakus-Wallfahrt die ersten Trauben dargebracht. Einmal sei er auf dem Heimweg von Deidesheim, wo er oft Kranke in Spital besucht habe, müde gewesen und sich deshalb einen Wingertstiefel - einen Pfahl, der zur Stütze der Rebe dient - als Wanderstab für den Heimweg - nach anderer Überlieferung als Stütze bei Glatteis - genommen. Normalerweise begrüßte das Glöckchen der Lindenberger Kapelle den heimkehrenden Heiligen, doch diesmal schwieg es. Cyriacus erkannte sein Unrecht, brachte den Pfahl an seine Stelle zurück - und bei seiner Wiederkehr nach Lindenberg erklang wieder der fröhliche Glockenton.

Cyriacus wird als einer der Vierzehn Nothelfer verehrt.

Attribute: Diakon, mit Buch als Exorzismus-Text, mit Artemia, Schwert
Patron der Zwangsarbeiter; des Weinbaus; bei schwerer körperlicher Arbeit; gegen Versuchung und böse Geister, Besessenheit und Anfechtungen in der Todesstunde

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. X, Herzberg 1995
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon, Bd. XVI, Herzberg 1999
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/1914_92.pdf


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