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Ökumenisches Heiligenlexikon

Cyriacus


Matthias Grünewald: Cyriacus heilt Artemia, im Historischen Museum in Frankfurt

Matthias Grünewald: Cyriacus heilt Arthemia. Die dargestellte Symptomatik lässt an ein mehrfach behindertes Mädchen denken; nach den Überlieferungen liegt bei der Diokletiantochter zusätzlich eine Epilepsie vor. Flügel im Heller-Altar, im Historischen Museum in Frankfurt

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Cyriacus, von Papst Marcellinus um 300 in Rom zum Diakon geweiht, wurde der Legende zufolge von Kaiser Maximian verurteilt, als Zwangsarbeiter beim Bau einer Thermenanlage mitzuwirken und dabei Erde zu tragen. Viele Mitchristen und Leidensgenossen wurden nach Martern getötet. Als aus Arthemia, der besessenen Tochter von Kaiser Diokletian, ein Teufel schrie, nur Cyriacus könne ihn vertreiben, wurde dieser gerufen und er heilte Arthemia. Der ausfahrende Teufel prophezeite, er werde Cyriacus zwingen, nach Babylon - dem heutigen Han-al-Mahawil im Irak - zu gehen. Bald darauf wurde Cyriacus tatsächlich vom Perserkönig Sapor gerufen, um dessen besessene Tochter Jobia zu heilen. Cyriacus heilte auch sie und taufte sie mit ihren Eltern und viel Volks.

Cyriacus kehrte nach Rom zurück. Diokletian hatte ihm ein Haus geschenkt, aber nach dessen Abdankung im Jahr 305 ließ ihn Maximian abermals greifen, foltern, mit siedendem Pech übergießen und zusammen mit Smaragdus, Largus, Sisinius und weiteren 18 Christen enthaupten. Ein Statthalter nahm das Haus von Cyriacus in Besitz, badete darin an der Stelle, an der Cyriacus zu taufen pflegte, und hielt ein Festmahl mit 19 Freunden, die alle zusammen eines plötzliches Todes starben. Das Bad wurde geschlossen, die Heiden fingen an, die Christen zu fürchten und in Ehren zu halten.

Cyriacus und seine Gefährten wurden der Überlieferung nach 16. März getötet, andere Überlieferung nennt den 15. April als Tag der Bestattung an der Via Salaria durch einen Priester Johannes. Die Leichname von Cyriacus und fünf Gefährten - oder die von Cyriacus, Largus, Smaragdus und 20 Gefährten - wurden dann am 8. August unter Papst Marcellus I. übertragen auf ein Grundstück der Christin Lucina an der Via Ostiensis, wo der ChronographAls Chronograph (wörtlich „Zeitschreiber”, von altgriechisch χρόνος „Zeit” und γράφειν „schreiben”) wird - erstmals durch den Historiker Theodor Mommsen - der römischer Schreiber Furius Dionysius Filocalus bezeichnet, der 354 im Auftrag des christlichen Aristokraten Valentinus die Stadtgeschichte Roms verfasste. Darin waren erstmals im Westen ganzseitige Buchmalereien und erstmals wurde die Geburt Jesu auf den 25. Dezember datiert. Cyriacus zusammen mit Largus, Crescentianus Memmia, Juliana, und Smaragdus nennt. Die Verehrung setzte bald nach Cyriacus' Tod ein, sie findet sich schon in Festkalendern des 4. Jahrhunderts und im Martyrologium des Hieronymus. Papst Honorius I. ließ an dieser Grabstelle Mitte des 7. Jahrhunderts eine kleine Kirche errichten, die von den Päpsten Leo III. und Benedikt III. im 8. Jahrhundert restauriert wurde. Im 9. und 10. Jahrhundert wurden die Reliquien in die Stadt, u. a. in die Kirche S. Marcello al Corso, gebracht. In der Stadt gab es ebenfalls schon früh eine dem Martyrologium des Hieronymus bekannte Cyriacus-Kirche nahe der Thermen des Diokletian.

Reliquien kamen u. a. nach Ancona, 874 nach Neuhausen - dem heutigen Stadtteil von Worms - und 1049 nach Altorf im Elsass, eine Armreliquie unter Kaiser Otto I. nach Bamberg. Im 10. und 11. Jahrhundert verbreitete sich Cyriacus' Verehrung v. a. in Mitteldeutschland, Westfalen und am Oberrhein. Nachdem an Cyriacus' Gedenktag im Jahr 1266 die Mehrheit des Domkapitels von Würzburg sich in der Schlacht in Sulzfeld am Main, einer der großen Ritterschlachten des Mittelalters, gegen den gewaltsam um das Amt kämpfenden Bischofskandidaten der Minderheit durchgesetzt hatte, nahm die Verehrung in Franken stark zu.

Johann Michael Feichtmayr der Jüngere und Franz Xaver Feuchtmayer der Ältere: Cyriakus, um 1760, am Gnadenaltar der Basilika Vierzehnheiligen

Johann Michael Feichtmayr der Jüngere und Franz Xaver Feuchtmayer der Ältere: Cyriakus, um 1760, am Gnadenaltar der Basilika Vierzehnheiligen

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In der Pfalz als Patron des Weinbaus verehrt, werden Cyriacus noch heute in einer Kapelle bei Lindenberg - wo er als Einsiedler gelebt haben soll - am Sonntag nächst dem 8. August bei der Cyriakus-Wallfahrt die ersten Trauben dargebracht. Einmal sei er auf dem Heimweg von Deidesheim, wo er oft Kranke im Spital besucht habe, müde gewesen und sich deshalb einen Wingertstiefel - einen Pfahl, der zur Stütze der Rebe dient - als Wanderstab für den Heimweg - nach anderer Überlieferung als Stütze bei Glatteis - genommen. Normalerweise begrüßte das Glöckchen der Lindenberger Kapelle den heimkehrenden Heiligen, doch diesmal schwieg es. Cyriacus erkannte sein Unrecht, brachte den Pfahl an seine Stelle zurück - und bei seiner Wiederkehr nach Lindenberg erklang wieder der fröhliche Glockenton.

Cyriacus wird als einer der Vierzehn Nothelfer verehrt.

Attribute: Diakon, mit Buch als Exorzismus-Text, mit Artemia, Schwert
Patron der Zwangsarbeiter; des Weinbaus; bei schwerer körperlicher Arbeit; gegen Versuchung und böse Geister, Besessenheit und Anfechtungen in der Todesstunde

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.11.2014
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. X, Herzberg 1995
• Ekkart Sauser. In: Friedrich-Wilhelm Bautz †, Traugott Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. XVI, Herzberg 1999
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/1914_92.pdf