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Sebald Bopp: Hemma in der kroatischen Nationaltracht, die um 1500 in der Steiermark
verbreitet war, um 1500, Sammlung Thyssen Bornemisza im Stadtteil Castagnola
in Lugano

Hemma stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Friesach-Zeltschach,
und war verwandt verwandt mit Kaiser Heinrich II.,
an dessen Hof sie erzogen wurde. Um 1010 heiratete sie den Grafen Wilhelm
von der Sann. Auf ihren Besitztümern in der Umgebung von Gurk
ließ Hemma sechs Kirchen bauen in Globasnitz,
St. Radegund
bei Graz, Lorenzenberg,
St. Lambert in Baldramsdorf,
St. Georgen am Weinberg
und St. Margarethen
ob Töllerberg; die Kirche in Lieding
- heute Ortsteil von Straßburg in Kärnten - hatte wohl schon ihre Großmutter
Imma erichten lassen, sie wurde von Hemma erneuert. Weitere solcher Kirchen
stiftete sie in der Krain,
zumindest in St. Rupert - dem heutigen Šentrupert
bei Trebnje in Slowenien. Diese Kirchen
waren zunächst wohl Stützpunkte
für Handel, niedere Gerichtsbarkeit und Armenfürsorge; erst nach dem Tod
ihres Mannes wurden sie durch eine Vereinbarung mit dem Erzbischof von
Salzburg
zu Pfarrkirchen mit Priestern und eigenem Zehntrecht.
Ihre beiden Söhne Wilhelm und Hartwig waren eingesetzt als Leiter der Silber- und Eisenbergwerke in der Gegend um das heutige Hüttenberg und Knappenberg, die Hemma geeerbt hatte. Bei einem Aufstand der Arbeiter, die sich ausgebeutet und ungerecht behandelt sahen, wurden die beiden ermordet, worauf Hemmas Mann den Ort des Doppelmordes hat liquidieren lassen. Hemma hat ihn der Überlieferung nach zur Buße auf eine Wallfahrt nach Rom geschickt.
Glasfenster im Dom
in Maria Saal 
Hemmas Mann Wilhelm
wurde 1036 aus politischen Gründen vom Grafen Adalbero von Eppenstein
ermordet. Die Legende hingegen lässt ihn auf dem Rückweg von Rom
sterben: demnach kam er in den Auengraben im Tal der Lavant
und fragte bei einem Bauern um ein Nachtlager. Auf Grund seiner schlechten
Kleider und seines Zustandes wurde er in die Scheune geführt, wo er in der
Nacht entkräftet starb. Bei der anschließenden Beratung, was mit dem
Leichnam des unbekannten Mannes geschehen solle, erkannte der Oberförster
des Grafen seinen Herrn anhand seines Siegelringes. Der Leichnam
wurde auf einen Wagen gelegt und zwei Ochsen wurden davorgespannt, wo sie das
dritte Mal anhielten, dort wurde er begraben. Hemma ließ 1038 bis 1043 eine
Kapelle über das Grabmahl im heute Gräbern
genannten Ort errichten und als Symbol für den verstorbenen Mann sowie die
beiden ermordeten Söhne im Jahre 1043 drei Lindenbäume pflanzen, wovon heute
zwei als die berühmten 1000-jährigen Hemmalinden von Gräbern
bekannt sind; die
größere der beiden hat einen Umfang von über 7½ m.
Als nun kinderlose Witwe gründete Hemma 1036 das Benedikterinnenkloster
Gurk
in Kärnten und widmete es Maria. 1043 wurde
die Kirche in Gurk geweiht, unter Äbtissin Ida trat Hemma wohl in jenem Jahr
selbst als Ordensfrau in dieses Kloster ein, das mit Nonnen aus Salzburg
besiedelt wurde. Den Bau habe sie auf einem Stein sitzend überwacht; dieser
Hemma-Stein
wird bis heute als wunderkräftig verehrt: wenn man auf ihm sitze,
gingen Wünsche - besonders jene um Kindersegen und gute Geburt - in Erfüllung.
Hemma überließ ihren reichen Besitz in Kärnten,
der Untersteiermark
- dem heutigen Gebiet Spodnja Štajerska in Slowenien - und der Krain
dem Kloster und ihre Güter dem Bischof von Salzburg; aus diesem Dotationsgut wuchs
das Benediktinerkloster Admont
im Ennstal, 1074 von Erzbischof Gebhard
von Salzburg errichtet.
Fresko im Dom in Gurk

Die freizügige Form eines Damenstiftes für Angehörige des Adels, die Hemma
ihrer Gründung Gurk
gegeben hatte, war für Erzbischof Gebhard
von Salzburg Grund, das Kloster schon vor 1070 wieder aufzuheben und die
reichen Güter für die Gründung eines von Salzburg abhängigen Eigenbistums
Gurk zu verwenden, über das Hemmas mächtige Verwandte aber noch bis 1130 die
Erbvogtei ausübten. 1123 wurde ein Augustiner-Chorherrenstift
eingerichtet, 1160 mit dem Bau des heutigen Domes begonnen. Durch die - gefälschten
- Aufzeichnungen des Kaplans Conrad wurde die damals fast vergessene Hemma
im Kampf des Bistums Gurk gegen Salzburg nun als Gründerin wieder ins
Bewusstsein gerufen.
Hemma-Grab im Dom in Gurk

Hemmas Reliquien kamen 1174 in die große, von 100 Säulen geprägte Krypta der Kathedrale in Gurk, in der ihre Geschichte auf sechs großen Tafeln dargestellt wird. Ab 1228 wurde ein umfangreicher Katalog an Wundertaten zusammengestellt, die Gläubige durch die Fürsprache der Hemma erfahren hatten; mehr als 160 sind bis heute dokumentiert, auch zwei wundersame Erweckungen von Kindern werden berichtet. 1287 erfolgte die Sargöffnung und die Bestätigung ihrer Verehrung, als Seligsprechung gewertet. 1466 - 1469 verlief ein Heiligsprechungsprozess in Rom erfolglos; damals wurde die erste Kirche Hemma geweiht: in Sv. Ema - heute ein Ortsteil von Podčetrtek in Slowenien.
Die Legende vom gerechten Lohn erzählt, dass die Bauarbeiter beim Bau der
Kirche in Gurk
mit ihrem Lohn unzufrieden waren. Hemma ließ nun jeden Arbeiter in einen gut
gefüllten Geldsack greifen, er solle sich nehmen, was ihm seiner Meinung nach
zustehe. Jeder konnte aber nur soviel entnehmen, wie es gerecht war und er immer
schon erhalten hatte, der Rest entschwand seinen Fingern. Eine andere Legende
erzählt, wie ein Dominikaner in Bologna
sterbenskrank darniederlag; um Mitternacht erschienen ihm drei Frauen, von denen
eine eine Salbenbüchse bei sich hatte, ihn damit in der Herzgegend einrieb und
sich beim Abschied als Hemma von Gurk
vorstellte. Als seine Brüder schon die
Messe sangen, kam der Geheilte, verströmte Wohlgeruch und erzählte von Hemmas
Wohltat; die Brüder betatsteten mit Tüchern seine Brust und alle Kranken, die
hinfort mit diesen Tüchern in Berührung kamen, wurden ebenfalls gesund.
Hemma-Statue in der Klosterkirche
in Admont 
Ab 1607 sind regelmäßige Wallfahrten
aus der Krain
überliefert, eine größere Zahl von Wunderberichten aus jener Gegend stammt aus dem
17. Jahrhundert. Bis in die 1930-er Jahre führte die Krainer Wallfahrt
alljährlich
Hunderte von Slowenen über den Loiblpass nach Gurk;
2004 wurde auf dieser Strecke der Hemma-Pilgerweg eröffnet
. Das Durchkriechen
unter ihrem Sarg in der Krypta von Gurk helfe bei Kinderwunsch. Verehrt werden
auch ein Fingerring und ein Anhänger mit einem in Silber gefassten KorundKorund (vom Tamilischen kurundam, குருந்தம்) ist der Oberbegriff für das Mineral, zu dem die roten Rubine und die blauen und alle andersfarbigen Saphire gehören..
In Gurk
und Admont
wird am 27. Juni der traditionelle Augensegen mit dem Ring bzw. einem Anhänger
von Hemma gespendet. 1988 besuchte Papst Johannes
Paul II. Gurk und zelebrierte eine Messe vor 80.000 Pilgern.
Der Weg von der Seligsprechung 1287 bis zur Heiligsprechung 1938 war lang. Der Versuch, Hemma in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kanonisieren zu lassen, verlief im Sande; das Verfahren wurde anfangs verschleppt, scheiterte wohl am Widerstand der Salzburger Bischöfe; oft wird als Grund der nicht erfolgten Kanonisierung der Ausbruch der Pest in Rom angegeben. Ein weiterer Versuch scheiterte 1724. Auch im 19. Jahrhundert gab es Bestrebungen, die Heiligsprechung zu erreichen. Einen entscheidender Impuls zur Heiligsprechung Hemmas gab 1923 Bischof Jeglitsch aus Ljubljana, denn Hemmas Verehrung war gerade bei den Slowenen schon immer besonders groß. .
Reliquiar im Dom in Gurk

Erst mit der Berufung von Redemptoristen nach Gurk kam das Verfahren wieder richtig in Gang. Der Redemptoristenpater Josef Löw erreichte, dass nach einer positiven Entscheidung der Ritenkongregation am 4. Januar 1938 Papst Pius XI. am darauffolgenden Tag den Auftrag gab, das Dekret zur Heiligsprechung auszufertigen. Doch der Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich im März 1938 und die Vereinnahmung der Hemma als neuer deutscher Heiliger - nicht zuletzt durch Kurienweihbischof Hudal, der Rektor der Österreichischen Nationalstiftung in Rom war und sich sehr stark für eine Übereinstimmung von katholischer Kirche und Nationalsozialismus eingesetzt hatte - führte dazu, dass Papst Pius XI. sich weigerte, das Dekret zu unterzeichnen. Es wurde dann erst im Juni 1940 nach Kärnten geschickt.
Kanonisation:
1287 wurde Hemmas Verehrung kirchlich anerkannt; 1466 wurde der
Heiligsprechungsprozess eingeleitet, aber erst am 4. Januar 1938 abgeschlossen.
Attribute:
zweitürmiges Kirchenmodell, Rose
Patronin
von Kärnten;
bei Kinderwunsch; für eine glückliche Entbindung; gegen Augenleiden, Kopfschmerzen,
Irrsinn, Epilepsie und Krankheiten allgemein
* In Legenden wurde als Geburtsort auch Peilenstein - das heutige Pilstanj bei Celje - in Slowenien genannt, aber dort gab es im 11. Jahrhundert keine Grafenfamilie.
Die sechs Reliefs mit der Lebensgeschichte der Hemma im Dom in Gurk
Bilder von Wirkungsstätten der Hemma
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Dolores Vieser hat einen umfangreichen Roman
über Hemma, ihr Wirken und jene Zeit geschrieben.
Das Projekt
Hemmapilgerweg
informiert über Pilgerwege auf den Spuren Hemmas und ihres Mannes, ihre Geschichte und
Legenden.
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