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Jan Hus studierte an der Prager Universität. Im Jahre 1396 erhielt er den Titel eines Magister Artium, 1400 wurde er zum Priester geweiht. Er hielt Vorlesungen in Theologie an der Prager Universität, wurde 1401 zum Dekan der philosophischen Fakultät und dann zum Rektor der Universität ernannt. Daneben übernahm er Priestertätigkeiten an der Bethlehem-Kapelle, an der er in tschechischer Sprache anstatt dem traditionellen Latein predigte. Wie später Martin Luther wandte er sich der Sprache seines Volkes, dem Tschechischen, zu und wirkte ähnlich sprachbildend wie Luther für das Deutsche; und wie Luther wollte auch Hus, dass das Volk die Bibel in seiner Sprache lesen konnte. Tausende hörten ihm zu; seine Anhänger rekrutierten sich vor allem aus der tschechischen Bevölkerung, während die deutsche Oberschicht sich weiter an die traditionelle katholische Kirche hielt.
Die tschechische nationalistische und reformistische Bewegung, die von Jan Milíc, dem böhmischen Volksprediger des 15. Jahrhunderts, eingeleitet worden war, erweckte bald auch Hus' Interesse. Hus bekannte sich auch zu vielen Ideen des englischen Reformators John Wyclif. Beide übten heftige Kritik am weltlichen Besitz der Kirche, an Korruption und Ablasshandel, traten für die Autorität des Gewissens ein und versuchten, durch ihre Predigten die Kirche dem Volk näherzubringen. Beide vertraten die Lehre von der Prädestination, betrachteten allein die Bibel als letzte religiöse Autorität und sahen allein in Christus das wahre Oberhaupt der Kirche.
1408 gingen beim Bischof Beschwerden über Hus' Predigten ein. Darauf wurde
ihm die Ausübung seiner priesterlichen Funktionen untersagt. Im folgenden Jahr
erließ Alexander V., einer der drei Gegenpäpste, eine Bulle, die Wyclifs
Schriften verurteilte, woraufhin dessen Bücher verbrannt wurden. Hus wurde 1410
verbannt, daraufhin brachen in Prag
Unruhen aus. Volksdemonstrationen ermöglichten es Hus trotz des 1412
ausgesprochenen Verbots, seine Predigten fortzusetzen. Da jedoch bald schon
viele seiner einflussreichen Unterstützer ihre Stellungen verloren, flüchtete
Hus aus Prag und wurde auf einem Schloss von einigen adligen Freunden
aufgenommen. Im Jahre 1413 schrieb er sein Hauptwerk De Ecclesia
, Über die
Kirche
.
Burg des Kostanzer Bischofs
in Gottliebin heute, erbaut 1251 von Bischof Eberhard II. als doppeltürmige Wasserburg, um der
aufständischen Konstanzer
Bevölkerung auszuweichen; während des Konstanzer
Konzils Gefängnis für Jan Hus und Hieronymus
von Prag bis zu ihrer Verbrennung; heute in Privatbesitz ![]()
1414 wurde Hus aufgefordert, sich dem Konstanzer
Konzil zu stellen, welches zur Beendigung des Kirchenschismas
und zur Unterdrückung von als Häresie betrachteten Lehren einberufen worden war.
Mit dem Versprechen des Königs Siegmund auf freies Geleit hoffte Hus, seine
Lehren erfolgreich verteidigen zu können, wurde jedoch gleich bei seiner Ankunft
festgenommen und in der Burg des Kostanzer Bischofs, dem Schloss
in Gottliebin, inhaftiert. Er lehnte es ab, die Lehrautorität des Konzils anzuerkennen, da es
in seinen Aussagen nicht mit der Bibel übereinstimmte, und verweigerte den
Widerruf seiner Schrift De Ecclesia
und seiner Überzeugung, dass die Kirche
die nicht hierachisch zu gliedernde Versammlung der durch Prädestination
Erwählten sei, deren Haupt allein Christus darstellt.
Da er die Aufforderung zum Widerruf seiner Lehren und zur Unterlassung der
Predigertätigkeiten kategorisch ablehnte, wurde er schließlich verurteilt und
auf dem Scheiterhaufen verbrannt; mit ihm wurden seine Bücher verbrannt, die
Asche des Scheiterhaufens wurde in den Rhein geschüttet. Die Hinrichtung leitete
Friedrich VI., der spätere Kurfürst von Brandenburg, der Stammvater der
preußischen Könige und deutschen Kaiser aus dem Hause Hohenzollern.
Anton Sorg: Jan Hus wird verbrannt und seine Asche in den Rhein gestreut, 1483;
Blatt 34, aus der Chronik des Ulrich Richenthal über Das Concilium so zu
Constantz
gehalten ist worden, des jars 1413
, Augsburg,
1536 
Vor seiner Verbrennung soll Hus gesagt haben: Heute bratet Ihr eine Gans
- Hus
heißt auf Deutsch Gans
- aber aus der Asche wird ein Schwan entstehen
- was später oft auf Luther
gedeutet wurde, der deshalb mit einem Schwan dargestellt wurde. Hus' Hinrichtung
verhinderte nicht die Organisation seiner Anhänger, der Hussiten,
und führte schließlich zu den verheerenden Hussitenkriegen, wo die Habsburger
und Rom 20 Jahre lang gemeinsam gegen die tschechischen Protestanten zogen.
Jan Hus wurde gleichsam zum tschechischen Nationalheiligen
, seine
Verbrennung förderte entscheidend das Nationalbewusstsein. Kurz nach Gründung
der modernen tschechisch (-slowakischen) Republik 1918 wurde 1920 die sich
bewusst hussitisch
nennende protestantische Nationalkirche gegründet, die auch
nach dem 2. Weltkrieg im Kommunismus überleben konnte. 1925 wurde der 6. Juli
zum Staatsfeiertag, worauf der Vatikan für drei
Jahre seine diplomatischen Beziehungen mit dem Ketzerstaat
unterbrach. 1990 erteilte Papst
Johannes Paul II. der katholischen Kirche in
Tschechien den Auftrag, sich neu mit Hus zu befassen; Ende 1999 tagte im Vatikan
eine Konferenz aus Bischöfen, Theologen und Historikern verschiedener
Konfessionen, die für den Papst eine Neubewertung
Hus' ermöglichen sollte.
Ziel war nicht die Rehabilitation von Hus, aber es wurde ein Bedauern
des
Papstes für Fehlentwicklungen in der Geschichte ausgesprochen. Zum Auftakt des Heiligen
Jahres 2000 würdigte Johannes Paul II. den sittlichen Mut
von Jan Hus und bat
um Vergebung für die Leiden, die der Reformator und seine Anhänger erlitten.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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