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John Wyclif studierte in Oxford
und war dort ab 1372 als Dozent tätig. 1368 wurde er Pfarrer in Ludgershall,
ab 1374 in Lutterworth.
1374 nahm er an einem Friedenskongress in Brügge
teil und wurde dort von der Geldgier des päpstlichen Hofes abgestoßen. Ausgehend
vom apostolischen Armutsideal verneinte er die Rechtmäßigkeit kirchlichen
Besitzes. 1376 proklamierte Wyclif die Lehre von der Macht allein durch Gnade
,
derzufolge Gott selbst alle Autorität direkt verleihe, und bestritt damit
jeglichen politischen Machtanspruch des Papstes. Er unterstützte die
Säkularisierungsbestrebungen der weltlichen Herrscher, für Kirchenmänner müsse
ein Leben in urchristlicher Armut genügen. 1377 wurde er deshalb vom Papst
gebannt, fand aber bei der englischen Politik Rückendeckung. 1379 verwarf Wyclif
die Lehre von der Transsubstantiation.
Ab 1380 entsandte Wyclif Wanderprediger, um seine religiösen Auffassungen in England zu verbreiten. Seine Lehren fanden in weiten Teilen der Bevölkerung Anklang und beeinflussten den Aufstand der englischen Bauern von 1381 maßgeblich. Seine immer schärfer werdende Kritik an der katholischen Kirche wurde von der Politik nicht mehr mitgetragen. 1382 wurden seine Schriften von einer SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Oxford als ketzerisch verurteilt, er selbst verlor seine Kirchenämter, wurde aber aus Furcht vor einer Volkserhebung nicht angeklagt. Wyclif zog sich deshalb zurück, übersetzte 1383 als Erster das Neue Testament ins Englische, und starb 1384 in seiner Pfarrei Lutterworth; mehrere verbliebene Anhänger wurden verfolgt und hingerichtet.
1415 wurde Wyclif posthum vom Konstanzer Konzil als Ketzer verurteilt, 1418 wurden seine Gebeine exhumiert und verbrannt, die Asche in den Fluss Swist gestreut. Die Lollarden, die Anhänger Wyclifs, verbreiteten nach seinem Tod seine Glaubensansichten weiter und sahen sich bis zu ihrer endgültigen Vernichtung zu Beginn des 15. Jahrhunderts ständiger Verfolgung durch die kirchlichen und weltlichen Autoritäten ausgesetzt. Der tschechische Reformator Jan Hus bezog sich in seinem Kampf gegen die etablierte Kirche auf Wyclif, auch Martin Luther berief sich auf seine Lehren.
Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon
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