Ökumenisches Heiligenlexikon

Johannes vom Kreuz
spanischer Name: Juan de la Cruz

Gedenktag katholisch: 14. Dezember
     gebotener Gedenktag
     Fest in Malta
     Hochfest im Orden der Unbeschuhten Karmeliten
     Fest im Orden der Karmeliten
     in Aachen, Essen und Köln: 15. Dezember
Gedenktag evangelisch: 14. Dezember (ELCA)
Gedenktag anglikanisch: 14. Dezember
Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)
Prior in Granada und Segovia, Mystiker, Kirchenlehrer
* 24. Juni (?) 1542 in Fontiveros bei Ávila in Spanien
† 14. Dezember 1591 in Úbeda in Spanien
Kartenskizze

Juan de Yepes, dritter Sohn eines wegen seiner bürgerlichen Heirat verstoßenen Adligen, verlor schon in jungen Jahren seinen Vater und wuchs mit der Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf. Er lernte weder Lesen noch Schreiben, mehrere Versuche einer Ausbildung in einem Handwerk scheiterten; schließlich wurde er Pfleger im Armenkrankenhaus von Medina del Campo, arbeitete mit großem Eifer und war bei den Kranken sehr beliebt. Nebenbei besuchte er ab seinem 17. Lebensjahr Kurse im örtlichen Jesuitenkolleg. Zur Ausbildung gehörte dort auch die Praxis der Poesie, die in Juans späteren Werken fruchtbar wurde.

1563 verließ Juan heimlich das Hospital und schloss sich in Medina del Campo dem Karmeliterorden an. Als Novize dichtete er - heute verschollene - Danklieder auf Maria. Er konnte ab 1564 Theologie und Philosophie in Salamanca studieren und wurde 1568 zum Priester geweiht. Die Ordnung im Karmeliterorden genügte aber nicht seinen strengen Vorstellungen, er erwog, sich den Kartäusern anzuschließen, bis er 1567 Teresa von Ávila kennen lernte. Sie hatte aufgrund ähnlicher Vorstellungen ihr Reformwerk im Karmeliterorden begonnen; er unterstützte nun ihr Werk, nahm den Namen Juan de la Cruz an und praktizierte ab 1568 - gegen den entschiedensten Widerstand seiner Ordensoberen - im Kloster in Duruelo bei Ávila zunächst allein, dann mit einem Gefährten, schließlich mit weiteren Genossen ein Leben als strenger Eremit. Es folgten Gründungen von Klöstern nach diesem Vorbild in Mancera, Pastrana, Alcalá de los Gazules und Ávila. Dort wirkte er als Subprior, Novizenmeister, Rektor, Spiritual und Beichtvater, um das Reformwerk zu befördern, dabei erwies er sich als talentierter Organisator des neuen Ordenszweiges.

Die Widerstände gegen die Reformer Johannes und Teresa von Ávila wurden immer stärker, die Inquisition brachte Johannes wegen Überschreitung seiner Zuständigkeiten 1577 in ein Ordensgefängnis nach Toledo. Die Schikanen und Qualen dort führten bei Johannes zur tiefen mystischen Erfahrung und zu deren dichterisch ausgestalteter schriftlicher Fixierung. Nach neun Monaten floh er in das abgelegene Kloster Calvario. Die Erneuerung im Orden ging nun gezielt weiter, der Konflikt wurde durch die Trennung in beschuhte und unbeschuhte Karmeliten gelöst; der letztere, strenge Zweig wurde dann das Arbeitsfeld von Juan. Er wurde 1579 Rektor am Kolleg in Baeza, 1581 Prior im Kloster in Granada - wo er seinen älteren Bruder Francisco aufnahm und als Maurer arbeiten ließ - und 1588 Prior des zentralen Klosters der unbeschuhten Karmeliten in Segovia. Seine Fähigkeit zu charismatischer Seelenführung machte ihn berühmt, er aber wollte das verbergen; als ein Mitbruder das Ausdringen von Licht aus dem Beichtstuhl beobachtete, erhielt er auf seine Frage die Antwort Schweig, du Narr, sprich ncht davon.

Der Generalvikar der Unbeschuhten Karmeliten rühmte Juan: seine Worte seien wie Gewürzkörner, die den Appetit anregen und Wärme geben. Der Generalvikar legte sich in Segovia ein sechsköpfiges Beratergremium zur Leitung des Ordens zu, Juan wurde erster der Berater und Stellvertreter des Ordensoberen. In Konflikten über die Führung der Nonnenklöster und bei Auseinandersetzungen über den Vorgänger des Ordensoberen sah Juan die Gerechtigkeit verletzt, protestierte und sollte deshalb alle Ämter verlieren; er bot an, eine Missionarsgruppe nach Mexiko zu führen, was aber an gesundheitlichen Problemen scheiterte und zog sich schließlich ins Kloster nach La Peñuela zurück, um dort als einfacher Mönch zu leben.

Durch seine Wunderkraft löschte Juan hier einen Brand und verscheuchte ein Unwetter. Ein ehemaliger Schüler, der einen von Juan erhaltenen Tadel nicht vergessen konnte, versuchte nun, ihn aus dem Orden zu stoßen. In manchen Klöstern wurden Juans Schriften verbrannt. Im Herbst 1591 plagte ihn anhaltendes Fieber; zur Pflege nahm ihn das Kloster in Úbeda auf, aber auch dort erlitt er Schmähungen und feindselige Behandlung durch den Prior. In der Nacht seines Sterbens erschien über seinem Kopf eine leuchtende Kugel, die die Kerzen im Zimmer weit überstrahlte.

Johannes schuf eines der umfassendsten Werke der Mystik. Sein Subida al Monte Carmelo, Aufstieg zum Berg Karmel, beschreibt die menschliche Mitwirkung an der Reinigung durch theologische Tugenden. In seinem bekanntesten mystischen Gedichtswerk, Noche oscura del alma, Die dunkle Nacht der Seele, beschrieb er das Trachten der Seele nach der Vereinigung mit Gott, die sie durch eine zu Kreuzigung und Auferstehung Christi parallele Erfahrung erreicht. Zu den schönsten Gedichten gehört der im Gefängnis entstandene Cántico espiritual, Geistlicher Gesang, auch Das Lied der Liebe genannt, ein Wechselgesang zwischen Braut und Bräutigam, der an das alttestamentliche Hohelied erinnert, und die drei Stufen des Weges zur mystischen Vereinigung mit Gott darstellt, wobei auch gewagte erotische Bilder nicht gemieden werden. Llama de amor viva, Lebendige Liebesflamme, 1585 verfasst, ist eine Schilderung der Johannes zuteil gewordenen Begegnungen mit Gott als Erfüllung von Mystik.

Als seine Quellen nannte Johannes seine Erfahrungen und die Wissenschaft unter Führung des Heiligen Geistes. Aus Angst vor der Inquisition veröffentlichte er seine Werke nicht zu Lebzeiten, vor seinem Tod überarbeitete er sie, teilweise mehrfach. Eine erste Veröffentlichung erschien 1618 in Alcalá. Johannes' Gedichtswerke sind Ausdruck höchster mystischer Erfahrung, zugleich höchster poetischer Vollkommenheit, gepaart mit Treue zur biblischen Überlieferung. Weil das Geschaffene keinen Vergleich mit der Absolutheit Gottes bietet, bieten Sinne und Vernunft keine Möglichkeit der Begegnung mit Gott. Nur das Freiwerden der Seele, die Nacht von Sinn und Geist, das völlige Leerwerden des Menschen, der Verzicht auf alles menschenmögliche Erkennen, die völlige Verneinung aller Begierden - das eröffnet das Licht, das dann zwangsläufig zu scheinen beginnt. So wichtig dabei der Glaube ist: erst die Liebe ist Anfang und Vollendung des mystischen Weges.

Johannes gilt als der wichtigste Kirchenlehrer der mystischen Theologie, Papst Pius nannte seine Schriften ein Gesetzbuch und Schule der gläubigen Seele.

Kanonisation: Johannes wurde erst 1726 heiliggesprochen und 1926 durch Papst Pius XI. zum Kirchenlehrer ernannt.
Attribute: Adler, Kreuz, Ketten, Marienbild
Patron der spanischen Dichter und Schriftsteller

Catholic Encyclopedia

Das Internet-Projekt Scribd bietet Johannes' Werk Dunkle Nacht, übersetzt von Hans Urs von Balthasar, und Gedichte, übersetzt von Cornelia Capol, online zum Lesen an.

Das MusikTheaterKöln spielt die Kammeroper Las Canciones mit Texten von Johannes vom Kreuz; Texte und Informationen dazu gibt es auf der Homepage.

Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Oda Schneider: Johannes vom Kreuz. Empor den Karmelberg. Einleitung zur deutschen Ausgabe seiner Werke. Johannes Verlag Einsiedeln 1964 - Dank an C.S., Brief vom 27. August 2005
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996


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