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Juan de Yepes, dritter Sohn eines wegen seiner bürgerlichen Heirat verstoßenen Adligen, verlor schon in jungen Jahren seinen Vater und wuchs mit der Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf. Er lernte weder Lesen noch Schreiben, mehrere Versuche einer Ausbildung in einem Handwerk scheiterten; schließlich wurde er Pfleger im Armenkrankenhaus von Medina del Campo, arbeitete mit großem Eifer und war bei den Kranken sehr beliebt. Nebenbei besuchte er ab seinem 17. Lebensjahr Kurse im örtlichen Jesuitenkolleg. Zur Ausbildung gehörte dort auch die Praxis der Poesie, die in Juans späteren Werken fruchtbar wurde.
Bild aus dem 17. Jahrhundert, im Kloster der unbeschuhten
Karmeliten in Segovia

1563 verließ Juan heimlich das Hospital und schloss sich in Medina del Campo dem Karmeliterorden an. Als Novize dichtete er - heute verschollene - Danklieder auf Maria. Er konnte ab 1564 Theologie und Philosophie in Salamanca studieren und wurde 1568 zum Priester geweiht. Die Ordnung im Karmeliterorden genügte aber nicht seinen strengen Vorstellungen, er erwog, sich den Kartäusern anzuschließen, bis er 1567 Teresa von Ávila kennen lernte. Sie hatte aufgrund ähnlicher Vorstellungen ihr Reformwerk im Karmeliterorden begonnen; er unterstützte nun ihr Werk, nahm den Namen Juan de la Cruz an und praktizierte ab 1568 - gegen den entschiedensten Widerstand seiner Ordensoberen - im Kloster in Duruelo bei Ávila zunächst allein, dann mit einem Gefährten, schließlich mit weiteren Genossen ein Leben als strenger Eremit. Es folgten Gründungen von Klöstern nach diesem Vorbild in Mancera, Pastrana, Alcalá de los Gazules und Ávila. Dort wirkte er als Subprior, Novizenmeister, Rektor, Spiritual und Beichtvater, um das Reformwerk zu befördern, dabei erwies er sich als talentierter Organisator des neuen Ordenszweiges.
Die Widerstände gegen die Reformer Johannes und Teresa
von Ávila wurden immer stärker, die Inquisition
brachte Johannes wegen Überschreitung seiner Zuständigkeiten
1577
in ein Ordensgefängnis nach Toledo.
Die Schikanen und Qualen dort führten bei Johannes zur tiefen mystischen
Erfahrung und zu deren dichterisch ausgestalteter schriftlicher Fixierung.
Nach neun Monaten floh er in das abgelegene Kloster
Calvario.
Die Erneuerung im Orden ging nun gezielt weiter, der Konflikt wurde durch
die Trennung in beschuhte
und unbeschuhte
Karmeliten
gelöst; der letztere, strenge Zweig wurde dann das Arbeitsfeld von Juan.
Er wurde 1579 Rektor am Kolleg in Baeza,
1581 Prior im Kloster in Granada
- wo er seinen älteren Bruder Francisco aufnahm und als Maurer arbeiten ließ -
und 1588 Prior des zentralen Klosters der unbeschuhten Karmeliten in
Segovia.
Seine Fähigkeit zu charismatischer Seelenführung machte ihn berühmt, er aber
wollte das verbergen; als ein Mitbruder das Ausdringen von Licht aus dem
Beichtstuhl beobachtete, erhielt er auf seine Frage die Antwort Schweig,
du Narr, sprich ncht davon
.
Der Generalvikar der Unbeschuhten Karmeliten
rühmte Juan: seine Worte seien wie Gewürzkörner, die den Appetit anregen und Wärme
geben
. Der Generalvikar legte sich in Segovia
ein sechsköpfiges Beratergremium zur Leitung des Ordens zu, Juan wurde erster
der Berater und Stellvertreter des Ordensoberen. In Konflikten über die
Führung der Nonnenklöster und bei Auseinandersetzungen über den Vorgänger des
Ordensoberen sah Juan die Gerechtigkeit verletzt, protestierte und sollte
deshalb alle Ämter verlieren; er bot an, eine Missionarsgruppe nach Mexiko zu
führen, was aber an gesundheitlichen Problemen scheiterte und zog sich
schließlich ins Kloster nach La
Peñuela zurück, um dort als einfacher Mönch zu leben.
Durch seine Wunderkraft löschte Juan hier einen Brand und verscheuchte ein Unwetter. Ein ehemaliger Schüler, der einen von Juan erhaltenen Tadel nicht vergessen konnte, versuchte nun, ihn aus dem Orden zu stoßen. In manchen Klöstern wurden Juans Schriften verbrannt. Im Herbst 1591 plagte ihn anhaltendes Fieber; zur Pflege nahm ihn das Kloster in Úbeda auf, aber auch dort erlitt er Schmähungen und feindselige Behandlung durch den Prior. In der Nacht seines Sterbens erschien über seinem Kopf eine leuchtende Kugel, die die Kerzen im Zimmer weit überstrahlte.
Johannes schuf eines der umfassendsten Werke der Mystik. Sein Subida al
Monte Carmelo
,
Aufstieg zum Berg Karmel
,
beschreibt die menschliche Mitwirkung an der Reinigung durch theologische
Tugenden. In seinem bekanntesten mystischen Gedichtswerk, Noche oscura del
alma
, Die dunkle Nacht der Seele
, beschrieb er das Trachten der
Seele nach der Vereinigung mit Gott, die sie durch eine zu Kreuzigung und
Auferstehung Christi parallele Erfahrung
erreicht. Zu den schönsten Gedichten gehört der im Gefängnis entstandene
Cántico espiritual
, Geistlicher Gesang
, auch Das Lied der
Liebe
genannt, ein Wechselgesang zwischen Braut und Bräutigam, der an
das alttestamentliche Hohelied erinnert, und die drei Stufen des Weges zur
mystischen Vereinigung mit Gott darstellt, wobei auch gewagte erotische
Bilder nicht gemieden werden. Llama de amor viva
, Lebendige
Liebesflamme
, 1585 verfasst, ist eine Schilderung der Johannes zuteil
gewordenen Begegnungen mit Gott als Erfüllung von Mystik.
Als seine Quellen nannte Johannes seine Erfahrungen und die Wissenschaft
unter Führung des Heiligen Geistes. Aus Angst vor der Inquisition
veröffentlichte er seine Werke nicht zu Lebzeiten, vor seinem Tod überarbeitete
er sie, teilweise mehrfach. Eine erste Veröffentlichung erschien 1618 in
Alcalá.
Johannes' Gedichtswerke sind Ausdruck höchster mystischer
Erfahrung, zugleich höchster poetischer Vollkommenheit, gepaart mit Treue
zur biblischen Überlieferung. Weil das Geschaffene keinen Vergleich mit der
Absolutheit Gottes bietet, bieten Sinne und Vernunft keine Möglichkeit der
Begegnung mit Gott. Nur das Freiwerden der Seele, die Nacht
von Sinn
und Geist, das völlige Leerwerden des Menschen, der Verzicht auf alles
menschenmögliche Erkennen, die völlige Verneinung aller Begierden - das
eröffnet das Licht, das dann zwangsläufig zu scheinen beginnt. So wichtig
dabei der Glaube ist: erst die Liebe ist Anfang und Vollendung des mystischen
Weges.
Johannes gilt als der wichtigste Kirchenlehrer der mystischen Theologie,
Papst Pius nannte seine Schriften ein Gesetzbuch und Schule der gläubigen Seele
.
Kanonisation:
Johannes wurde erst 1726 heiliggesprochen und 1926 durch Papst Pius XI. zum
Kirchenlehrer ernannt.
Attribute:
Adler, Kreuz, Ketten, Marienbild
Patron
der spanischen Dichter und Schriftsteller
Das
Internet-Projekt Scribd bietet Johannes'
Werk Dunkle Nacht
, übersetzt von Hans Urs von Balthasar, und Gedichte,
übersetzt von Cornelia Capol, online zum Lesen an.
Das
MusikTheaterKöln
spielt die Kammeroper Las Canciones
mit Texten von Johannes
vom Kreuz; Texte und Informationen dazu gibt es auf
der Homepage.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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