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Wendelin war der Überlieferung nach ein schottischer Königssohn. Aus Ärger über seine religiöse Neigungen verlangte sein Vater von ihm, Schafe zu hüten. Mit sechs Genossen wollte er im Alter von 20 Jahren nach Rom wallfahren, gelangte aber nur bis Trier - oder auf der Rückreise von Rom nach dort erlangter Segnung durch den Papst in diese Stadt.
Dort stießen sie auf eine Gruppe von Laien, die gemeinsam wie in einem Kloster lebten. Wendelin übernahm Hirtendienste bei einem Edelmann und trieb das Vieh bis zu einem sieben Meilen entfernten Berg, wo er gerne betete. Der als räuberisch geschilderte Herr der Herde kam unerwartet vorbei und war erzürnt, dass Wendelin sich so weit entfernt hatte und ihm das zum Verzehr bestimmte Tier nicht rechtzeitig werde bringen können. Doch als der Erboste in seinen Hof zurückkam, war Wendelin bereits dort. Tief erschrocken bat der Herr Wendelin um Vergebung und baute ihm eine Zelle in der Nähe des benachbarten Klosters Tholey, dessen Mönche Wendelin zum Nachfolger ihres verstorbenen Abtes wählten, ohne dass Wendelin je Priester geworden war.
Als Wendelin starb, bestatteten ihn seine Mönche, von vielen Kerzen umgeben, fanden aber am nächsten Morgen den Leichnam neben dem Grab. Sie nahmen dies als Zeichen, dass er woanders begraben sein wollte und spannten Ochsen vor einen Wagen; diese fuhren ihn, von selbst den Weg findend, auf den Berg, auf dem er betend so oft geweilt hatte.
Tumba für Wendelin mit Apostelfiguren an der Seite, um 1400, in der
Wendelinusbasilika in St.
Wendel; das Grab befindet sich hinter dem Hochaltar 
Wendelin wurde erstmals in der von Eberwin, Abt in Trier
und Tholey,
um 1000 verfassten Lebensgeschichte des Trierer Bischofs Magnerich
erwähnt: während Magnerichs Amtszeit habe ein frommer Einsiedler mit Namen
Wendelin im Waldgebirge des Vosagus
gelebt; zusammen mit Ingobert
und Disibod zähle er ihn zu den Deo
militantes
, Gottesstreitern
, die im 6./7. Jahrhundert im Gebiet des Pfälzer
Waldes und des Hunsrück gewirkt haben. Das Kalendarium von Stablo kannte im 10.
Jahrhundert die Verehrung Wendelins in Basonis Villare
, der aufgrund der
immer stärker einsetzende Verehrung des Ortsheiligen seit um 1050 nach ihm
benannten Stadt St.
Wendel; 1360 wurden die Reliquien in den
Chor der neu erbauten Wallfahrtskirche in
St. Wendel, der nach ihm benannten Basilika,
überführt. Im Spätmittelalter förderten die Bischöfe von Trier die, Wallfahrten, aber
durch die Reformation nahmen die Pilgerströme ab. Im 18. / 19. Jahrhundert kam es zu
einer erneuten Blüte. Es gibt kaum einen Volksheiligen, der so weit verbreitet
verehrt wird
, sagte 2010 der St. Wendeler Pastor Anton Franziskus mit Blick auf
die zahlreichen Wendelinuspfarreien in vielen Ländern der Welt.
Drei lateinische Wendelins-Legenden entstanden im 14. und 15. Jahrhundert. Im Rhein-Moselgebiet, aber auch in Bayern, ist Wendelins Verehrung bis heute weit verbreitet. Durch Auswanderer kam sie auch nach Nord- und Südamerika. Bei der heute bedeutendsten Wendelinus-Wallfahrt führt alljährlich die Prozession von der Pfarrkirche in Nussbach, Ortsteil von Oberkirch, durch die Weinberge hoch zur Wendelinuskapelle Bottenau mit circa 100 Pferden und 500 Gläubigen. In jüngster Zeit wird er zunehmend auch als Patron für Natur- und Umweltschutz verehrt.
Attribute:
als Hirte, mit Schafen und Schweinen, als Pilger, mit Keule
Patron
von Wagenschwend;
der Hirten und Herden, Schäfer und Bauern; des Viehs; gegen Viehseuchen; für
gedeihliche Witterung und gute Ernte; für Natur- und Umweltschutz
Bauernregel:
St. Wendelin, verlass' uns nie, / schirm' unsern Stall, schütz' unser Vieh!
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
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