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Ökumenisches Heiligenlexikon

Demetrios von Saloniki

Beiname: Μυροβλύτης, der Myrrhe Verströmende auch: Dimitri, Dimitrios

Gedenktag katholisch: 9. April
8. Oktober

Gedenktag orthodox: 26. Oktober
Übertragung der Ikone von Demetrios ins Pantokratorkloster in Konstantinopel 1149
bedacht in der ProskomedieDie Proskomedie ist die Vorbereitung der Gaben Brot und Wein vor der Eucharistie in den Orthodoxen Kirchen

Gedenktag armenisch: 26. Oktober
liturgische Feier am 9. Dienstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag

Gedenktag koptisch: 26. Oktober

Gedenktag syrisch-orthodox: 18. Oktober, 26. Oktober

Name bedeutet: Sohn der (griechischen Erdgöttin) Demeter (griech.)

Märtyrer
† um 304 in Sirmium, heute Sremska Mitrovica in Jugoslawien (?)
oder in der Achaia in Griechenland


In der Überlieferung über Demetrios vereint sich wohl die von drei verschiedenen Personen: Erstens die eines Märtyrers aus Thessaloniki unter Kaiser Maximianus, der in der Christenverfolgung Anfang des 4. Jahrhunderts im Kerker erstochen wurde, weil er die Christen während der Verfolgung im Glauben bestärkt hatte; zweitens die eines Diakons aus Sirmium - dem heutigen Sremska Mitrovica in Serbien; drittens die eines weiteren Diakons slawischer Abstammung in Pannonien - der damaligen römischen Provinz im heutigen Ungarn.

Demetrios ist einer der am meisten verehrten Heiligen der Ostkirche, vor allem in Griechenland und besonders in Thessaloniki, durch Wallfahrer aber auch in der westlichen Kirche verbreitet. Der Legende nach war er ein Bruder von Georg. Wohl wegen der Plünderung von Sirmium durch die Hunnen um 441/442 wurden Gebeine von dort nach Thessaloniki überführt, nach der Verlegung der Präfektur von Sirmium nach Thessaloniki 535 wurde Thessaloniki zum Zentrum der Verehrung des Heiligen. Der altserbische Name von Sirmium erinnerte an den Heiligen: er lautete Dimitrovce, ungarisch Szava Szent-Demeter, civitas S. Demetrii in lateinischen Quellen des 13. bis 15. Jahrhunderts. Im 9. Jh. führten die Slawenlehrer Cyrillus und Methodius die Verehrung von Demetrios in Mähren und Pannonien ein, Methodius verfasste einen Hymnus auf ihn.

Nach Russland kam die Verehrung von Dimitri wohl aus Mähren, 1052 wurde das erste russische Kloster dieses Namens eröffnet. 1197 wurde eine Ikone von Thessaloniki nach Kiew gebracht. Klemens von Ochrid verfasste um 916 einen Lobpreis in altbulgarischer Sprache. Auch in Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - wurde Demetrios verehrt; infolge der Kreuzzüge verbreitete sich der Kult auch im Westen; Zeuge ist z. B. der Schrein für Anno von Köln in Siegburg.

Reliquienschrein in der Krypta der Demitrios geweihten Basilika in Thessaloniki
Reliquienschrein in der Krypta der Demetrios geweihten Basilika in Thessaloniki

Im 5. Jahrhundert wurde Demetrios zu Ehren in Thessaloniki eine Kirche erbaut. Sein Grab war im Mittelalter ein bedeutender Wallfahrtsort, aus ihm fließt bis heute in den Tagen vor seinem Fest ein für heilkräftig erachtetes Öl, das täglich mehr duftet; am Festtag wird der Schrein geöffnet und innerhalb weniger Sekunden duftet die ganze Kirche vom Wohlgeruch - daher sein Beiname. Anschließend wird eine Prozession durch die Stadt abgehalten, dabei erfüllen sich die Gassen von diesem Duft. Noch heute sind ihm allein in Griechenland über 200 Kirchen geweiht. Demetrios gehört zu den Heiligen Rittern, die in verschiedener Zusammenstellung vorkommen und ist der volkstümlichste Kriegsheilige der Orthodoxen Kirchen.

Eine Fülle von Leidensgeschichten, Wunderberichten und Hymnen gibt es auf Griechisch, Kirchenslawisch, Armenisch und Georgisch.

Attribute: als Soldat, Schwert, Lanze, Pfeile
Patron von Venedig, Thessaloniki und Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul; der Soldaten

Die Geschichte seiner Verehrung in Thessaloniki von der Spätantike bis zum Ende der byzantinischen Zeit, die Geschichte der Kirche Hagios Demetrios wird mit hervorragenden Illustrationen und der Auswertung von archäologischen, kunsthistorischen und quellenschriftlichen Zeugnissen dargestellt im neuen Buch von Franz Alto Bauer:   Eine Stadt und ihr Patron: Thessaloniki und der Heilige Demetrios.

Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon

  Die englische Übersetzung aus den Acta Sanctorum und viele Bilder von Demetrios gibt es auf der Seite der University College Cork.




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 16.04.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.travel-guide-greece.com/greece-guide/Thessaloniki/Thessaloniki.asp
• Sara Franz, E-Mail vom 16. Oktober 2006
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1995