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Ökumenisches Heiligenlexikon

Elisabeth von Reute

Beiname: Bona, die Gute
volkstümlich: Gute Beth
Taufname: Elsbeth Achler

Gedenktag katholisch: 25. November
nicht gebotener Gedenktag im Bistum Rottenburg

Name bedeutet: Gott ist Fülle (hebr.)

Tertiarin, Mystikerin
* 25. November 1386 in Waldsee, heute Bad Waldsee in Baden-Württemberg
† 25. November 1420 in Reute bei Bad Waldsee in Baden-Württemberg


Bild im Kloster Reute
Bild im Kloster Reute

Elsbeth Achler war das ungewöhnlich fromme Kind eines Flachswebers. 14-jährig trat sie, durch den in ihrer Heimatstadt Augustinerchorherrn Konrad Kügelin geistlich geleitet, gegen den Willen ihrer Eltern als Tertiarin dem Franziskanerorden bei. Ab 1402 lebte sie bei einer alleinstehenden anderen, älteren Tertiarin, bei der sie die Weberei erlernte. Sie wurde angeleitet zur Betrachtung des Leidens Christi und erduldete zugleich Armut und Hunger am eigenen Leib. Ihre Gesundheit wurde angeschlagen, ihre Nerven belastet, due Ausführung der Arbeit litt unter Unkonzentriertheiten; ich bin sicher, das hat der Teufel verursacht, damit sie den Dienst Gottes aufgebe und wieder in die Welt zurückkehre, schrieb Kügelin darüber.

Nach gut einem Jahr bei der alten Frau führte Konrad Kügelin seinen Schützling Elsbeth mit vier anderen Tertiarinnen zusammen und eröffnete für sie 1403 eine Klause im nahen Reute in den Resten eines verlassenen Beginenhauses; der Stiftspropst von Waldsee stellte Güter zur Verfügung, der Stadtamtmann veranstaltete eine Sammlung, Fürst Truchsess von Waldburg untertstützte das Vorhaben. Elisbeth übernahm den Dienst in der Küche, zwei der fünf jungen Frauen sammelten Almosen, Margareta Batzer war die Oberin, der Elisabeth in Gehorsam ergeben war. Bald schon wurden ihr Visionen zuteil, auf leibliche Nahrung verzichtete sie zunehmend und ernährte sich zuerst drei Jahre lang und dann die letzten zwälf Jahre ihres Lebens einzig von der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23.. Tiefe Betrachtung des Leidens Christi, harte Kasteiungen und das übernatürliche Fasten prägten immer mehr ihr Leben. Oft musste sie im Bett liegen, war wie gelähmt und von Schmerzen gepeinigt. Schließlich erlebte sie die Stigmatisation, zunächst Blutaustritt an der linken Köperseite, dann gleich den Wundmalen Christi an Händen, Füßen und am Kopf; vor allem Freitage waren die Tage der Teilhabe am Leiden Chrsti. Zu den Schülerinnen von Elisabeth gehörte Ursula Haider.

Eustachius Gabriel: im Bett, umgeben von Engeln, Fresko, 1764, 1875 restauriert, in der Kirche in Reute
Eustachius Gabriel: Elisabeth im Bett, umgeben von Engeln, Fresko, 1764, 1875 restauriert, in der Kirche in Reute

Ihre Mitschwestern hatten Zweifel, unterstellten ihr, sie ernähre sich heimlich, ärgerten sich über den Aufwand zum Waschen der blutigen Wäsche; nur die Oberin unterstützt Elisabeth vorbehaltlos. Deren Leiden war auch ein Mitleiden an der Spaltung der Kirche, über die sie durch Kügelin, der des öfteren in Konstanz beim Konzil weilte, unterrichtet war; ihrem Beichtvater sagte sie: Ich getraue, wir werden auf Sankt Martinstag ein einheitliches Oberhaupt haben, was sich am 11. November 1417 mit der Wahl des Papstes Martin V. tatsächlich erfüllte.

Die Ekstasen überkamen Elisabeth oft über mehrere Tage, an denen sie reglos, ohne Atem und Wahrnehmungen, im Bett lag, während ein Schimmer göttlicher Herrlichkeit ihr Gesicht überzog. Visionen der himmlischen Herrlichkeit und solche des Leidens von Menschen im Fegefeuer ergänzten sich; an deren Ende stand meist heftiger Schweiß- und Blutaustritt. Eines Tages erschien Jesus ihr als Kind und ließ sich herzen und küssen.

Am Vorabend ihre Todes versammelten sich Kügelin und ihre Mitschwestern vor Elisabeths Bett; sie wünschte sich nach den Sterbesakramenten noch Johanneswein und starb dann an ihrem 34. Geburtstag.

Ihr Beichtvater Konrad Kügelin bestattete Elisabeth in einem Hochgrab in der Pfarrkirche in Reute und verfasste unmittelbar nach ihrem Tod ihre Lebensgeschichte. Bald wurde das Grab Ziel vieler Pilger; die gute Beth wurde in vielen Nöten angerufen. Am Tag der Kreuzerhöhung 1421 besuchte der päpstliche Kardinallegat Branda da Castiglione das Grab. 1623 wurde es geöffnet, man fand die Gebeine fast unversehrt, die Zahl der Wallfahrten wuchs weiter; allein 1625 kamen 108 Gemeinden sowie unzählige Einzelpersonen und wurden 1800 Messen gefeiert, an einem Tag verzeichnete man 24 Messen mit 6000 Teilnehmern, viele Heilungen sind berichtet. Zur Bewältigung des Ansturms wurde die neue Kirche gebaut und 1634 fertiggestellt.

Banner in der Kirche in Reute
Banner in der Kirche in Reute

Elisabeth ist eine der wenigen anerkannten deutschen Mystikerinnen, ihre Lebensgeschichte eine der letzten Blüten mittelalterlicher Mystik. Sie wird noch heute in Oberschwaben hoch verehrt. 1620 wurde das Kloster in Reute zur Abtei erhoben, der neue Abt betrieb sogleich Elisabeths Seligsprechung, über ihrem Grab wurde ein neuer Altar errichtet. 1662 wurde der Prozess zur Seligsprechung in Rom eingestellt, es gebe wichtigere Persönlichkeiten und es fehle das Geld. Auf Initiative des Abtes von Bad Waldsee wurde der Prozess 1755 wieder eingeleitet. Die Feier zur Seligsprechung 1766 wurde in Reute von 150.000 Gläubigen besucht, über 10.000 Votivtafeln aus Wachs wurden dabei zu Kerzen eingeschmolzen, 1767 wurden die Gebeine in den Altar der Klosterkirche übertragen.

Elisabeth weissagt die Papstwahl (oben links), widersteht den Versuchungen (oben rechts), ist entrückt umgeben von Mitschwestern und Konrad Kügelin (unten links), empfängt Christi Wundmale (unten rechts), Bild in der Gnadenkapelle in der Kirche in Reute
Elisabeth weissagt die Papstwahl (oben links), widersteht den Versuchungen (oben rechts), ist entrückt umgeben von Mitschwestern und Konrad Kügelin (unten links), empfängt Christi Wundmale (unten rechts), Bild in der Gnadenkapelle in der Kirche in Reute

Das Kloster in Reute schloss sich nach dem durch einen Brand von 1580 erfolgten Wiederaufbau 1585 dem Dritten Orden der Franziskanerinnen an. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es 1634 gebrandschatzt, 1653 brannte es erneut, 1781 wurde von der Regierung die Auflösung angeordnet, die 1786 vollzogen war, die Gebäude wurden Jagdschloss des Grafen von Wolfegg, die Kirche wurde Pfarrkirche. 1864 erwarben fünf Frauen, die schon länger ein gemeinsames Leben mit Fürsorge für Kranke und Arme geführt und sich 1854 dem Franziskanerorden im Kloster in Ehingen angeschlossen hatten, das Anwesen und zogen dorthin um. Die Franziskanerinnen von Reute erlebten 1940 ihre Blüte mit 1786 Schwestern und 279 Außenstationen in der Diözese Rottenburg. Seit 1964 arbeiten sie auch im Gebiet von Sibolga in Indonesien, set 1992 in Brasilien. Das Kloster in Reute dient das Kloster als Mutterhaus, Paramentenwerkstatt und Bildungsstätte.

An der Stelle von Elisabeths Geburtshaus in Bad Waldsee wurde schon 1625 im Zuge einer damals angestrebten Seligsprechung eine Kapelle errichtet; diese wurde 1788 abgerissen, ihre Grundmauern liegen unter dem heutigen Parkplatz auf dem nach ihr benannten Platz.

Kanonisation: Elisabeths Seligsprechung erfolgte am 19. Juni 1766 durch Papst Clemens XIII.

Martyrologium Romanum Flori-Legium

Catholic Encyclopedia

Elisabeth vor Christus, Figuren vom Fünfwunden-Atar, 1870, in der Kirche in Reute
Elisabeth vor Christus, Figuren vom Fünfwunden-Atar, 1870, in der Gnadenkapelle in der Kirche in Reute

  Im Kunstverlag Josef Fink erschien von Maria Ruth Banzhaf und Michael Barczyk das Taschenbuch Selige Gute Beth von Reute.

Deckel des ursprünglichen Grabes und Grabinschrift (rechts): <br>„Im Jahre des Herrn 1420, gerade am Tag der heiligen Katharina, starb Elisabeth Achlerin von Waldsee, eingeschlossene Jungfrau in Reute, welche mit mehreren Wunderzeichen leuchtete, vorzüglich mit den Wundmalen Christi, die von ihr gesehen wurden, und zwölf Jahre bedurfte sie nicht der notwendigen Stärkung mit Speise und des Schlafes”, 1420, in der Kirche in Reute
Deckel des ursprünglichen Grabes und Grabinschrift (rechts):
Im Jahre des Herrn 1420, gerade am Tag der heiligen Katharina, starb Elisabeth Achlerin von Waldsee, eingeschlossene Jungfrau in Reute, welche mit mehreren Wunderzeichen leuchtete, vorzüglich mit den Wundmalen Christi, die von ihr gesehen wurden, und zwölf Jahre bedurfte sie nicht der notwendigen Stärkung mit Speise und des Schlafes, 1420, in der Kirche in Reute

Die Kirche am Kloster in Reute ist tagsüber geöffnet, das kleine Museum und die Wallfahrtsstätte daneben mit dem neuen Schrein für Elisabeths Gebeine samstags und sonntags von 14 Uhr bis 16.30 Uhr. (2014)





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 25.10.2016

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I, Hamm 1990
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1995
• http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Bethas-Geburtshaus-stand-da-wo-jetzt-der-Bagger-steht-_arid,5201745_toid,86.html
• Paulin Link: Die gute Beth - Passionsblume Oberschwabens. Schwabenverlag Ostfildern 1992
• http://www.kirche-reute-gaisbeuren.de/Vortrag/baugeschichteneu.htm
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.