Ökumenisches Heiligenlexikon

Eutropius von Valencia

spanischer Name: Eutropio

1 Gedenktag katholisch: 8. Juni

Name bedeutet: von gutem Charakter (griech.)

Abt in Cartagena, Bischof von Valencia
† um 610 in Valencia in Spanien


Kathedrae</a> in Valencia heute
Kathedrae in Valencia heute

Eutropius war 584 bis 589 Abt im Kloster Servitanum, das wohl bei Cartagena lag. Im Mai 589 nahm er am 3. Konzil von Toledo teil, um 596 wurde er Bischof von Valencia. Erhalten sind von ihm zwei Briefe an den Papst, die Epistula de districtione monachorum et ruina monasteriorum, Brief über die Aufgaben der Mönche und die Zerstörung der Klöster und die Epistula de octo vitiis, der Brief über die acht Hauptlaster.


Worte des Heiligen

In seinem Brief an Bischof Petrus von Arcavia [heute die Ruinen Ercávica nahe Cañaveruelas bei Cuenca] schreibt Abt und Bischof Eutropius über die acht Hauptlaster des Menschen:
Acht Hauptfehler sind es, die das Menschengeschlecht bedrohen. Erstens die Völlerei: sie bedeutet Gefräßigkeit des Magens; zweitens die Unzucht; drittens die Geldgier, d. h. die Habsucht oder die Liebe zum Geld; viertens der Zorn; fünftens die Traurigkeit; sechstens die Lauheit, d. h. die Ängstlichkeit oder der Überdruss des Herzens; siebtens die Cenodoxie, d. h. die Prahlerei oder die eitle Ruhmsucht; achtens der Hochmut. Diese acht Laster mögen verschiedene Ursprünge und missliche Wirkungen haben, doch die sechs ersteren, d. h. die Völlerei, die Unzucht, die Geldgier, die Traurigkeit, der Zorn, die Lauheit sind unter einander durch eine gewisse Verwndtschaft und sozusagen Verkettung miteinander verbunden, so dass durch den Überschwang eines vorausgehenden Lasters der Anfang der folgenden Laster bewirkt wird.
Denn notwendigerweise sprosst aus der Völlerei die Unzucht, aus der Unzucht die Geldgier, aus der Geldgier der Zorn, aus dem Zorn die Traurigkeit, aus der Traurigkeit die Lauheit hervor. Darum soll man auf ähnliche und gleiche Weise gegen diese Laster kämpfen, und man muss den Kampf der jeweils vorausgehenden Weisen gegen die folgenden aufnehmen. Daher muss, damit die Lauheit besiegt wird, zuerst die Traurigkeit überwunden werden; damit die Traurigkeit vertrieben wird, ist der Zorn zu löschen; damit der Zorn gelöscht wird, ist die Geldgier zu unterdrücken; damit die Geldgier beseitigt wird, ist die Unzucht zu bezwingen; damit die Unzucht getilgt wird, ist das Laster der Völlerei in Zucht zu nehmen.
Die restlichen zwei aber, d. h. die eitle Ruhmsucht und der Hochmut sind jedenfalls auf ähnliche Weise, wie wir es über die vorgehenden gesagt haben, verbunden, so dass die Zunahme der ersteren die Entstehung der anderen bewirkt. Das Übermaß an eitler Ruhmsucht bietet den Nährboden für den Hochmut. Denn wenn sechs Laster beseitigt sind, bringen diese zwei umso mehr Frucht, und wenn jene tot sind, sprossen und wachsen diese umso ergiebiger. Daher werden wir von diesen beiden auf unterschiedliche Weise angefochten. In jedes einzelne jener sechs Laster verfallen wir, wenn wir von den ihnen vorausgehenden bezwungen werden. Bei diesen beiden aber geraten wir auch als Sieger nach dem Triumpf in Gefahr. …
Darum dürfen wir, durch unzählige Zeugnisse der [heiligen] Schriften belehrt, sicher sein, dass wir mit unseren eigenen Kräften, wenn wir nicht durch die Hilfe Gottes allein gestützt werden, so große Feinde nicht überwinden können und dass wir täglich alle Siege, die wir erringen, ihm verdanken. … Deshalb muss der Herr in allem gebeten werden, dass uns in dem, was unsere Kräfte übersteigt, seine Barmherzigkeit zu Hilfe kommt.

Quelle: Epistula de octo vitiis. In: Patrologia Latina 80, Sp. 9 - 14; eigene Übersetzung

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn

Catholic Encyclopedia

Die Schriften von Eutropius gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.



Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 31.08.2026

Quellen:
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1995
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe J.B. Metzler, Stuttgart / Weimar 2000

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