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Ökumenisches Heiligenlexikon

Franz Jägerstätter

Taufname: Franz Huber

Gedenktag katholisch: 21. Mai
nicht gebotener Gedenktag im Erzbistum Wien und im Bistum Linz

Name bedeutet: der Franke (latein.)

Bauer, Kriegsdienstverweigerer, Märtyrer
* 20. Mai 1907 in St. Radegund in Oberösterreich
† 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel in Brandenburg


Franz Huber, wie er zunächst hieß, war der Sohn der ledigen Bauernmagd Rosalia Huber und von Franz Bachmeier. Erzogen wurde er von seiner Großmutter Elisabeth Huber im - heute abgegangenen - Haus der Großeltern. Die Mutter heiratete dann 1917 den Bauern Heinrich Jägerstätter, der das Kind adoptierte, und Franz wuchs in dessen Anwesen auf; da die Ehe kinderlos blieb, wurde Franz der Erbe. Der Adoptivgroßvater hatte eine Zeitung abonniert und besaß wohl zahlreiche Bücher; lesen wurde Franz wichtig: Wer nicht liest, wird sich nie so richtig auf die eigenen Füße stellen können, wird nur zu leicht zum Spielball der Meinungen anderer. 1927 verdingte er sich für drei Monate auf einem Bauernhof in Bayern, anschließend ging er für weitere drei Jahre als Bergarbeiter in die Steiermark, wo er im sozialdemokratischen Arbeitermilieu vorübergehend seine Glaubenspraxis aufgab.

Anwesen Jägerstätter in St. Radegund
Anwesen Jägerstätter in St. Radegund

Nach der Heimkehr auf den Hof und dem Tod des Adoptivvaters 1933 wurde Franz Vater einer unehelichen Tochter. Als er nun in ein Kloster eintreten wollte, riet sein Ortspfarrer ihm davon ab. So führte er weiterhin ein weltliches Leben und heiratete 1936 Franziska Schwaninger; die Hochzeitsreise führte nach Rom zu den heiligen Stätten und einer Papstaudienz. Das Paar wurde Eltern von drei Töchtern.

Jägerstätters Frömmigkeit wurde immer tiefer mit täglichem Besuch der heiligen Messe, häufigem Empfang der EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. und täglicher religiöser Lektüre. Im Januar 1938 wurde ihm in einem Traum die Unvereinbarkeit der katholischen mit der nationalsozialistischen Weltanschauung deutlich. Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich im März 1938 wurde ihm die Bürgermeisterstelle seines Heimatortes St. Radegund angeboten, was er ablehnte. Bei der Abstimmung über den Anschluss Österreichs an Deutschland im April stimmte er als einziger seines Orts mit Nein. Als 1940 der Ortspfarrer Karobath wegen einer zersetzenden Predigt verhaftetet wurde, stand die Gemeinde hinter ihrem Pfarrer; als aber eine Frau zehn Regimegegner bei der Gestapo denunzierte, gehörte Franz Jägerstätter zu den Verratenen; da der Brief vom Briefträger abgefangen wurde, geschah nichts Weiteres.

Österrreichische Briefmarke zum 50. Todestag des Widerstandskämpfers Franz Jägerstätter
Österrreichische Briefmarke zum 50. Todestag des Widerstandskämpfers Franz Jägerstätter

1940 wurde Franz zum Militär einberufen; im Dezember 1940 wurde er zusammen mit einem Mitsoldaten in den Dritten Orden der Franziskaner eingekleidet. 1941 erfuhr er in Ybbs von der Praxis der Euthanasie an psychisch Kranken; aus der dortigen Anstalt wurden insgesamt 2277 Menschen ins Schloss nach Hartheim gebracht, um dort vergast zu werden. 1941 wurde Franz Jägerstätter auf Betreiben seiner Heimatgemeinde unabkömmlich gestellt und konnte zu seiner Familie zurückkehren. Ihm war inzwischen klar geworden, dass er einer weiteren Einberufung nicht mehr Folge leisten werde und erklärte dies auch öffentlich: mitzukämpfen, dass Hitler die ganze Welt beherrschen könne, sah er als persönliche Schuld und schwere Sünde an. Franz besprach sich mit befreundeten Priestern; auch den Linzer Bischof Fließer fragte er um Rat: Welcher Katholik getraut sich, diese Raubzüge, die Deutschland schon in mehreren Ländern unternommen hat und noch immer weiterführt, für einen gerechten und heiligen Krieg zu erklären? Im Februar 1943 wurde Jägerstätter erneut zur Wehrmacht einberufen; in der Kaserne in Enns sprach er seine Verweigerung aus.

Sofort begannen Verhöre, noch am selben Tag wurde Franz Jägerstätter von Enns nach Linz gebracht ins Wehrmachts-Untersuchungsgefängnis - angesiedelt im von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Ursulinenkloster. Dort traf er zum ersten Mal Gesinnungsgenossen und er hörte von den Widerstandshandlungen. In einem Brief an seine Ehefrau schrieb er, dass er zwar am Weltgeschehen nichts ändern könne, aber er wolle wenigstens ein Zeichen sein, dass sich nicht alle von dem Strom, mitreißen lassen.

Brief von Franz Jägerstätter, geschrieben kurz vor seiner Enthauptung im Konzentrationslager in Brandenburg an der Havel, in der Kirche San Bartolomeo all'isola in Rom
Brief von Franz Jägerstätter, geschrieben kurz vor seiner Enthauptung im Konzentrationslager in Brandenburg an der Havel, in der Kirche San Bartolomeo all'isola in Rom

Anfang Mai wurde Jägerstätter ins Wehrmachts-Untersuchungsgefängnis nach Berlin-Tegel gebracht, Anfang Juli vom Reichskriegsgericht in Berlin-Charlottenburg wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode und zum Verlust der Wehrwürdigkeit und der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt, schließlich in Brandenburg an der Havel als erstes von 16 Opfern dieses Tages enthauptet. Die ihm bis zuletzt eingeräumte Möglichkeit zur bedingungslosen Rücknahme der Verweigerung lehnte er standhaft ab.

Nach Kriegsende wurde im August 1946 Franz' Urne an der Mauer der Kirche in St. Radegund beigesetzt. Pfarrer Karobath setzte nach heftigen Kontroversen im Dorf sogar durch, dass der Name Franz Jägerstätter unter den Toten des 2. Weltkrieges auf dem Kriegerdenkmal aufgeführt wurde. Große Beachtung fand Franz Jägerstätter in der US-amerikanischen Friedensbewegung, v. a. auch durch die 1964 erschinene Biografie des Chicagoer Professors für Soziologie, Gordon C. Zahn. 1972 drehte der österreichische Regisseur Axel Corti den dokumentarischen Spielfilm Der Fall Jägerstätter.

1997 hob das Berliner Landgericht das Todesurteil auf. Die Diözese Linz gab ein Heft mit Gebeten von Franz heraus. Der tschechische Komponist Pavel Smutný komponierte 1998/99 die Missa Heroica zur Förderung der Seligsprechung von Franz Jägerstätter. Das österreichische Parlament rehabilitierte die NS-Gegner aus Gewissensgründen erst 2005. Das ehemalige Wohnhaus der Familie Jägerstätter in St. Radegund ist als Begegnungs- und Gedenkstätte erhalten und kann nach Terminvereinbarung besucht werden; der Platz vor der Pfarrkirche in St. Radegund wurde nach ihm benannt. Bei der Seligsprechung 2007 übergab die 94-jährige Witwe von Jägerstätter dem Bistum Linz eine Reliquie aus der Urne ihres Mannes. Der Gedenktag ist der Tauftag von Franz Jägerstätter.

Gedenkstätte für Franz Jägerstätter und seine Witwe im Dom in Linz
Gedenkstätte für Franz Jägerstätter und seine Witwe im Dom in Linz

Nach der Ermordung von Jägerstätter warfen viele seiner Witwe Franziska vor, durch ihre Religiosität mit Schuld an der Verweigerung des Wehrdienstes ihres Mannes gewesen zu sein. Sie war dann über 30 Jahre lang Mesnerin an der Pfarrkirche in St. Radegund, Lektorin, Kommunionspenderin sowie Leiterin der Katholischen Frauenbewegung. Seit den 1980er Jahren wird sie in der Diözese Linz sehr gewürdigt. Am 4. März 2013 feierte sie ihren 100. Geburtstag. Viele Gratulanten aus Kirche und Politik erfreuten sie an diesem Tag, im Dom in Linz und in der Pfarrkirche in St. Radegund wurden Festgottesdienste gefeiert. Am 16. März 2013 starb sie im Kreise ihrer Familie in ihrem Wohnhaus in St. Radegund. Im August 2006 wurde in Braunau ein Park nach ihm benannt. Im Dom in Linz gibt es auch eine Gedenkstätte für seine Witwe. Der Kirchenhistoriker und Publizist Victor Conzemius bezeichnete Franz Jägerstätter als einen Thomas Morus im Bauernkittel.

Kanonisation: Die Seligsprechung wurde seit 1997 betrieben und erfolgte am 26. Oktober 2007, dem österreichischen Nationalfeiertag, im Dom in Linz; unter den rund 5000 Teilnehmern an der feier waren auch die Witwe Franziska Jägerstätter und die drei Töchter.

Worte des Seligen

Folgende Gedanken hat Jägerstätter nach seiner Verurteilung im Juli / August 1943 zum Tod in der Zelle im Berliner Gefängnis niedergeschrieben:
Werde hier nun einige Worte niederschreiben, wie sie mir gerade aus dem Herzen kommen. Wenn ich sie auch mit gefesselten Händen schreibe, aber immer noch besser, als wenn der Wille gefesselt wäre. Offensichtlich zeigt Gott manchmal seine Kraft, die er dem Menschen zu geben vermag, die ihn lieben und nicht das Irdische dem Ewigen vorziehen. Nicht Kerker, nicht Fesseln auch nicht der Tod sind es imstande, einen von der Liebe Gottes zu trennen, ihm seinen Glauben und den freien Willen zu rauben. Gottes Macht ist unbesiegbar.
Seid gehorsam und untertänigst der Obrigkeit, diese Worte fliegen einem heute schon bald von allen Seiten zu, ja sogar von Menschen, die ohnehin fast nichts mehr glauben, was in der Schrift steht und was Gott uns zu glauben befohlen hat. Wenn man für jeden Menschen sich solche Mühe geben möchte, von der schweren Sünde und daher vor dem ewigen Tode zu erretten, als man mit mir sich Mühe gibt, vorn irdischen Tode mich zu erretten, so müsste wahrlich schon der Himmel auf dieser Welt sein. Immer wieder möchte man einem das Gewissen erschweren betreffs Gattin und Kinder. Sollte die Tat, die man begeht, dadurch vielleicht besser sein, weil man verheiratet ist und Kinder hat? Oder ist deswegen die Tat besser oder schlechter, weil es Tausende anderer Katholiken auch tun? … Hat nicht Christus selbst gesagt, wer Gattin, Mutter und Kinder mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Aus welchem Grund bitten wir denn dann Gott um die sieben Gaben des Hl. Geistes, wenn wir ohnedies blinden Gehorsam zu leisten haben?
Zu was hat denn Gott alle Menschen mit einem Verstande und freien Willen ausgestattet, wenn es uns, wie so manche sagen, gar nicht einmal zusteht, zu entscheiden, ob dieser Krieg, den Deutschland führt, gerecht oder ungerecht ist? Zu was braucht man dann noch eine Erkenntnis zwischen dem, was gut oder böse ist? …
Hätte mir Gott nicht die Gnade und Kraft verliehen, für meinen Glauben auch zu sterben, wenn es verlangt wird, so würde ich halt vielleicht dasselbe tun, wie die Mehrzahl es tut. Gott kann eben jedem soviel Gnaden geben, wie er will. Hätten andre diese vielen Gnaden empfangen, wie ich sie schon erhalten habe, sie hätten vielleicht schon weit mehr Gutes geleistet wie ich.


Viele glauben halt ganz einfach, es muss so sein und sollen sie dabei auch Unrecht tun, so haben ja andere die Verantwortung. Und wer die Ansicht und den Willen hat, alles befolgen zu können und zu wollen, für den ist auch der Eid keine Lüge. Aber wenn man schon im Vorhinein weiß, ich kann das nicht alles halten und befolgen, was ich unter diesem Eid versprochen, so begehe ich eine Lüge. Somit bin ich der Ansicht, ist es doch am besten, ich sage lieber gleich die Wahrheit, dass ich nicht in allem gehorchen kann und wenn es gleich das Leben kostet.

Quelle: Erna Putz: Gefängnisbriefe und Aufzeichnungen - Franz Jägerstätter verweigert 1943 den Wehrdienst. Veritas-Verlag, Linz / Passau 1987, S. 74f, 64

Zitate von Franz Jägerstätter:

Keiner irdischen Macht steht es zu, die Gewissen zu knechten. Gottes Recht bricht Menschenrecht.
Solange man ein ruhiges Gewissen haben kann, dass man kein schwerer Verbrecher ist, kann man auch im Gefängnis im Frieden leben.
Die Sünde wider den Hl. Geist: der erkannten Wahrheit widerstreben.
An der Diebsbeute [durch die Eroberungen im Krieg] wollen wir uns zwar fast alle ergötzen, die Verantwortung über das ganze Geschehen wollen wir nur einem in die Schuhe schieben!
Zwischen Christentum und Weltgeist besteht allzeit ein unversöhnlicher Gegensatz. Wer es mit der Welt nicht verderben will, wird sicher Christus untreu werden.
Bloße Namenschristen schaden der Kirche am meisten.
Wer den rechten Weg zum ewigen Glück finden will, darf nicht mit der Masse laufen, die meist opferscheu ist und darf sich keinen Führern anvertrauen, die anders handeln als reden.
Die Nachfolge Christi fordert Heldensinn. Weichliche und unentschlossene Charaktere taugen nicht dazu.

Quelle: Erna Putz: Gefängnisbriefe und Aufzeichnungen - Franz Jägerstätter verweigert 1943 den Wehrdienst. Veritas-Verlag, Linz / Passau 1987, S. 2, 140, 185, 193f, 202

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

  Herbert Huber bietet auf seiner Homepage einen Überblick über das Leben von Franz Jagerstätter und seine Wirkungsgeschichte, dazu Links und Literaturhinweise. Auch die Diözese Linz hat eine Website mit vielen Informationen über Jägerstätter - auch in Englisch und Italienisch - eingerichtet.

  Das Bistum Linz stellt ausführlich Franz Jägerstätters Leben und das Gedenken dar.

  Zum Thema der christlichen Wehrdienstverweigerung und einer Theologie des Martyriums bei Franz Jägerstätter und Dietrich Bonhoeffer gibt es einen interessanten Vortrag von Paul Gerhard Schoenborn.

  Radio Vatikan stellte Franz Jägerstätter anlässlich der Seligsprechung vor.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

Der neue Dom in Linz ist täglich von 7.30 Uhr bis 19 Uhr, sonntags erst ab 8 Uhr, geöffnet. (2019))





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.11.2019

Quellen:

• http://www.diepresse.com/home/panorama/oesterreich/312176/index.do?_vl_backlink=/home/panorama/index.do
• http://www.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=163569
• http://www.pilgerweg-vianova.eu/web/weg_stradegund_3.html
• https://www.dioezese-linz.at/site/jaegerstaetter/biografie/franziskajaegerstaetter/article/7084.html
• http://www.kirchebunt.at/einrichtungen/kirchebunt/artikel/2017/was-franz-jaegerstaetter-ybbs-gelernt-hat

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.