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Ökumenisches Heiligenlexikon

Gregor von Nyssa

Gedenktag katholisch: 10. Januar
nicht gebotener Gedenktag im Benediktiner-, Trappisten- und Zisterzienserorden
9. März

Gedenktag evangelisch: 10. Januar (LCMS), 14. Juni (ELCA)

Gedenktag anglikanisch: 19. Juli

Gedenktag orthodox: 10. Januar, 1. Januar

Gedenktag armenisch: 10. Januar
liturgische Feier am Samstag am oder nach dem 30. Dezember
und am 6. Samstag nach dem Kreuzerhöhungssonntag

Gedenktag koptisch: 16. Januar, 14. Oktober, 22. November
Todestag nach Ansicht der Syrer: 10. Januar

Gedenktag syrisch-orthodox: 1. Januar, 10. Januar, 7. November, 22. November, 24. November

Name bedeutet: der Wachsame (griech. - latein.)

Metropolit von Sebaste, Kirchenlehrer
* um 338 in Cäsarea, heute Kayseri in der Türkei
† nach 394 in Sebaste, heute Sivas in der Türkei (?)


Gregor war der Sohn einer angesehenen und frommen Familie: sein Vater war Basilius der Ältere, seine Mutter war Emmelia, er war der zweitjüngste Bruder von Basilius dem Großen, der ihn hervorragend philosophisch und theologisch ausbildete. Er wurde zunächst Lektor, dann Redner, heiratete zunächst, trat aber nach dem Tod seiner Frau Eusebia in ein von Basilius gegründetes Kloster ein. 371 weihte ihn Basilius zum Bischof von Nyssa - den heutigen Hügeln nahe Harmandalı bei Kırşehir 1. Wegen Veruntreuung von Geldern seiner Diözese und Kontakten zu dem Anhänger des Monarchianismus und Bestreiter der Lehre von der Dreieinigkeit, Marcellus von Ancyra - dem heutigen Ankara - gab es Konflikte mit Basilius. Im Zuge der Vorherrschaft der Anhänger des Arianismus wurde Gregor 374 abgesetzt und lebte bis 378 in einem Versteck. Nach Basilus' Tod wurde er der führende Theologe zur Verteidigung der Beschlüsse des 1. Konzils von Nicäa, so 379 auf der SynodeSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Antiochia - dem heutigen Antakya.

380 wurde Gregor zum Metropoliten von Sebaste ernannt. Gregors streng orthodoxe Haltung machte ihn zu einem erbitterten Gegner des Arianismus. Auf dem Konzil von Konstantinopel von 381 und folgenden SynodenSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. 382 und 383 verfocht er seine Positionen gegen die Arianer. Kaiser Theodosius I. erklärte ihn zum Normbischof, in seinen Schriften stellte er die orthodoxe Lehre dar.

Bis 381 verfasste Gregor eine Reihe von Werken zur Darlegung des Glaubens, so Über die Jungfräulichkeit, Über die Erschaffung des Menschen, Über das Hexaëmeron - die sechs Schöpfungstage, An Eustathius über die heilige Trinität und Über den heiligen Geist. Über die Seele und die Auferstehung ist ein Zwiegespräch mit Makrina „der Jüngeren” in Auseinandersetzung mit Platons Phaidon. Zu Gregors bedeutenden Abhandlungen gehört die Kampfschrift Gegen Eunomius, in welcher er 381 bis 383 das Nicänische Glaubensbekenntnis verteidigt und Gottes Wesen als unbegrenzt und unendlich, als absolute Vollkommenheit beschreibt, die für alle Personen der Dreeinigkeit gilt; weil zu Gottes Wesen auch die Unerkennbarkeit gehört, wird der Glaube als endloser Aufstieg zu Gott verstanden. Ähnlich argumentiert nach 391 Über das Leben des Mose und die Auslegung des Hohenliedes. Sein Hauptwerk, die Große katechetische Rede betont die Richtigkeit der christlichen Lehre gegenüber Juden und Heiden. Neben den exegetischen und dogmatischen Schriften, sind auch Predigten, Grabreden und Briefe überliefert.

Reliquienschrein mit einem Kieferknochen von Gregor, 4. Jahrhundert, im Kloster Visoki Dečani bei Peć im Kosovo
Reliquienschrein mit einem Kieferknochen von Gregor, 4. Jahrhundert, im Kloster Visoki Dečani bei Peć im Kosovo

Gregor machte die antike Philosophie für den Glauben fruchtbar. Platons Idee von der Angleichung an das Göttliche wird schöpfungstheologisch und von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus her verstanden als Überwindung des Sündenfalls in der Nachfolge Christi dank der Hilfe des Heiligen Geistes. Der unerkennbare Gott erschließt sich in der Bibel und durch den Heiligen Geist; er ist Mensch geworden, um die von Sünde und Tod geprägte menschliche Natur zu überwinden. In den Orthodoxen Kirchen gilt Gregor als Kirchenlehrer.

Gregors Begräbnisort ist unbekannt; im Kloster Ivíron auf dem Athos< wird sein angeblicher Kopf als Reliquie gezeigt.

1 Traditionell wird Nyssa mit der heutigen Stadt Nevşehir identifiziert - inzwischen nicht mehr auf der Homepage der Stadt -; dies geht zurück auf eine Landkarte eines Erzbischofs Kyrill aus dem Jahr 1812; Nevşehir war bis ins 17. Jahrhundert aber ein kleines Dorf. Igor Pochoshajew hat in seinem Artikel   Nyssa in Kappadokien überzeugend nachgewiesen, dass die noch auszugrabenden zwei Hügel nahe Harmandalı der richtige Ort sind.

Worte des Heiligen

Seine Klage über die "Gottvergessenheit" bei den Menschen mutet modern an:
Klar sehe ich nämlich, dass heutzutage allem Möglichen mit größtem Eifer nachgegangen wird, indem der eine sein Herz an dieses, der andere an jenes hängt; das kostbare Gut des Gebets aber lassen sich die Menschen nicht angelegen sein. In aller Frühe eilt der Kaufmann an sein Geschäft, eifersüchtig bemüht, eher als seine Gewerbsgenossen seine Waren den Käufern anzubieten, um deren Wünsche zuerst zu befriedigen und die Waren schnell anzubringen. … Und weil alle die gleiche Gewinnsucht haben, und jeder dem anderen zuvorkommen will, so wird vor lauter Geschäftseifer die Zeit, welche dem Gebete gewidmet werden sollte, in missbräuchlicher Weise auf Handel und Verdienst verwendet. So macht es der Handwerker, so der Gelehrte, so der Prozessführende, so der Richter: Jeder verlegt sich ganz und gar auf Geschäft und Beruf; der Gebetsdienst aber wird völlig vergessen, in dem Wahn, die Zeit, welche man auf den Umgang mit Gott verwendet, bedeute einen Schaden für unsere irdischen Obliegenheiten. … In gleicher Weise verdrängen auch die übrigen Berufe die Beschäftigung der Seele mit den höheren und himmlischen Dingen durch die Sorge um die leiblichen und irdischen. Infolgedessen ist die Sünde so mannigfach im Leben verbreitet, nimmt stets wachsend immer größeren Umfang an und dringt immer mehr in das Tun und Lassen der Menschen ein, weil allenthalben Gottvergessenheit herrscht und die Menschen den Segen des Gebetes nicht an ihre Beschäftigungen knüpfen wollen.

Der betende Mensch dagegen weiß, welch Segen auf seinem Gebet ruht:
Wenn der Mensch alles mit Gebet unternimmt, so wird er, auch wenn er noch so ernstlich nach seinem irdischen Ziel strebt, doch von der Sünde abgehalten, da ihm nichts begegnen kann, was imstande wäre, ihn zur Leidenschaftlichkeit hinzureißen. … Das Gebet ist der Schutz der Mäßigung, die Zügelung des Zorns, die Unterdrückung des Hochmuts, die Befreiung von Rachsucht, die Ausrottung des Neids, die Vernichtung der Ungerechtigkeit, die Errettung aus der Gottlosigkeit. Gebet ist Stärke des Leibes, Gedeihen der Familie, Gesetzlichkeit im Staat, Stütze der Herrschaft, Sieg im Krieg, Bürgschaft des Friedens, Versöhnung der Feinde, Bewahrung der Freundschaft. Das Gebet ist das Siegel der Jungfräulichkeit, die Treue in der Ehe, die Wehr der Wanderer, der Wächter der Schlafenden, die Zuversicht der Wachenden, die Bürgschaft der Ernte für die Landwirte, die Rettung der Seefahrer. Gebet ist der Anwalt der Angeklagten, die Erlösung der Gefangenen, die Erholung der Müden, die Wonne der Fröhlichen, die Aufrichtung der Gedrückten, der Trost der Trauernden, der Kranz der Brautleute, die Verherrlichung der Geburtsfeier, das Sterbegewand der Verscheidenden. Das Gebet ist Umgang mit Gott, Schauen der unsichtbaren Dinge, Erfüllung der Sehnsucht, Verähnlichung mit den Engeln, Fortschritt im Guten, Zerstörung des Bösen, Bekehrung der Sünder, Genuss der Gegenwart, Zuversicht auf die Zukunft.

Quelle: Gregor von Nyssa: Das Gebet des Herrn, 1. Rede. In: Bibliothek der Kirchenväter, Bd. 56. München 1927, S. 89 - 92

Zitate von Gregor von Nyssa:

Gott ist an und für sich unsichtbar, wird aber sichtbar in seinen Werken, durch dieselben manche seiner Eigenschaft en gesehen werden.

Nichts scheint mir wunderbarer, als alle Sinne zum Schweigen zu bringen und zu sich selbst zurückzukehren und mit sich und Gott Zwiegespräch zu halten.

Die Gesundheit der Seele besteht in der Entschlossenheit, immerdar den Willen Gottes zu tun, wie umgekehrt das Aufgeben dieser Bereitwilligkeit in die Seele die Krankheit trägt, die schließlich zum Tode führte.

Gott erzieht uns durch das, was uns widerwärtig ist.

Keiner von uns ist einzig für sich auf der Welt. Er ist auch für alle anderen da.

Wie armselig sind doch jene, deren Geist in Sittenlosigkeit verharrt! Sie erblicken nur das Gesicht des Widersachers. Das Leben eines Gerechten hingegen ist gekennzeichnet vom Antlitz Gottes. … Wir haben die Freiheit, zwischen beiden Alternativen zu wählen. Fliehen wir doch vor der Visage des Bösen, entreißen wir ihm die widerliche Maske und bekleiden wir uns mit dem göttlichen Antlitz, reinigen wir unser Herz! So wird die Freude zu unserem Besitz, und das Antlitz Gottes leuchtet in uns dank unsrer Reinheit in unserem Herrn Christus Jesu.

Quelle: Gregor von Nyssa: Das Gebet des Herrn, 1. Rede. In: Bibliothek der Kirchenväter, Bd. 56. München 1927, S. 125, 213, …

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung

Catholic Encyclopedia

  Schriften von Gregor und seine Lebensgeschichte gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia und auf Deutsch   in der Bibliothek der Kirchenväter der Universität Fribourg.

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 28.10.2019

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl. Bd. 4. Herder, Freiburg im Breisgau 1995

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.