Ökumenisches Heiligenlexikon

Jesaja der Einsiedler

auch: von Sketis

Gedenktag orthodox: 3. Juli

Name bedeutet: Gott hilft / Gott heilt (hebr.)

Einsiedler, Rekluse
um 370 oder 11. August um 490 um das Jahr 431 nach Palästina gegangen sei, und „eventuell in hohem Alter als Einsiedler in der Nähe von Gaza am 11. August 491


Jesaja lebte als Einsiedler in der Sketische Wüste in Ägypten - nach manchen etwa zur selben Zeit wie Makarios der Große, nach anderen im 5. Jahrhundert. Einige Schüler versammelten sich dort um ihn. Um 431 ging er nach Palästina und lebte bis zu seinem Tod nahe Gaza als Rekluse. Er wurde der Autor vieler weiser Worte für Mönche und Einsiedler zu verschiedenen Themen, die den Ruf seiner Heiligkeit begründeten und die sein Schüler Petrus sammelte, darunter die 27 Kapitel über die Bewachung des Geistes. Jesajas Worte bekamen großen Einfluss auf alle Kirchen des Orients.

Die Nachrichten über Jesaja überlieferte Nikodemos der Hagiorite.

Worte des Heiligen

Die Bedeutung der inneren Aufmerksamkeit:
Geben wir unserem Gewissen keinen Anstoß, achten wir auf uns in der Furcht Gottes, bis auch das Gewissen sich selbst zusammen mit uns befreit hat. Es soll zwischen ihm und uns eine Einheit entstehen und es fürderhin unser Wächter werden, indem es uns alles zeigt, woran wir gestoßen sind. Gehorchen wir ihm aber nicht, wird es von uns gehen; es lässt uns im Stich, wir fallen in die Hände unserer Feinde, und sie lassen uns nicht mehr aus. So hat uns auch unser Herr belehrt, als er sprach: Schließ Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm auf dem Weg bist, und das Folgende. Man sagt, das Gewissen sei ein Gegner, da es sich dem Menschen widersetzt, wenn er den Willen seines Fleisches erfüllen möchte. Und wenn der Mensch nicht darauf hört, übergibt es ihn seinen Feinden. …
Wende dich also deinem Herzen zu, und achte auf deine Sinne! Und wenn du an Gott denkst und dabei Freude besitzt, ertappst du die Diebe, wie sie dein Herz heimlich ausrauben. Wer nämlich sorgfältig mit seinen Gedanken umgeht, erkennt jene, die im Begriff sind einzudringen und ihn zu beflecken. Denn sie verwirren den Geist, dass er unsicher und träge werde. Die aber ihre Bosheit erkannt haben, bleiben ohne Verwirrung, denn sie beten zum Herrn. …
Wenn der Mensch nicht jegliches Verhalten (im Sinne) dieser Welt hasst, kann er Gott nicht verehren. Die Verehrung Gottes, worin besteht sie also, wenn nicht darin, nichts Fremdes in unserem Geist zu haben, wenn wir zu Gott beten, keine Sinnenlust, wenn wir ihn lobpreisen, keine Schlechtigkeit, wenn wir ihm singen, keinen Hass, wenn wir ihn anbeten, keinen bösen Neid, der uns behindert, wenn wir über ihn nachsinnen und seiner gedenken? All diese finsteren Dinge nämlich bilden eine Mauer, indem sie die unglückliche Seele umschließen; und diese vermag Gott nicht in reiner Weise zu verehren, solange sie diese Dinge in sich trägt. Denn sie behindern die Seele mit ihrem Nebel und lassen nicht zu, dass sie sich Gott nähert, ihn im Verborgenen lobpreist und in der Freude des Herzens zu ihm betet, um von ihm erleuchtet zu werden. Darum wird der Geist stets verdunkelt und vermag nicht vorwärtszuschreiten, wie es Gott gefällt, weil er nicht daran denkt, diese Dinge durch Erkenntnis zu zerschlagen. …
Ich ermahne dich, lasse dein Herz nicht los, solange du im Leib verweilst. Der Bauer kann ja auf keine seiner Feldfrüchte seine Hoffnung setzen, wenn sie auf seinem Acker emporwächst, denn er weiß nicht, was ihr widerfährt, bevor sie in seine Speicher eingeschlossen wird. So kann auch der Mensch sein Herz nicht loslassen, solange er Atem in seiner Nase hat. Und wie ein Mensch nicht weiß, was für ein Geschick ihm bis zu seinem letzten Atemzug begegnen wird, so darf ein Mensch auch sein Herz nicht loslassen, solange er Atem besitzt. Er muss vielmehr stets laut zu Gott rufen, um dessen Hilfe und Barmherzigkeit willen.

Quelle: 27 Kapitel des heiligen Isaias des Anachoreten über die Bewachung des Geistes. In: Philokalie, Bd. 1, 2. Aufl. Verlag Der Christliche Osten, Würzburg 2007, S. 58 - 61

Zitate von Jesaja:

Wenn der Geist von allen seinen Feinden befreit wurde und Sabbatruhe hält, befindet er sich in einem anderen und neuen Zeitalter und denkt an Neues und Unvergängliches.
Bevor der Geist aus dem Schlaf der Trägheit erwacht, wohnt er gemeinsam mit Dämonen.
Die Krönung aller guten Taten besteht darin, all seine Hoffnung in Gott zu setzen; nur in Ihm mit ganzem Herzen und aller Kraft Zuflucht zu finden; von Mitgefühl zu Allem und Jedem erfüllt zu sein; und vor Gott zu weinen und Ihn um Gnade und Hilfe anzuflehen.
Das Zeichen dafür, dass eine Sünde vergeben wurde, ist, dass sie keine Gemütsbewegung im Herzen mehr auslöst und so weit in Vergessenheit geraten ist, dass Du im Gespräch darüber keinerlei Reiz mehr verspürst, sondern diese Sünde eher als etwas Fremdes ansiehst. Dies ist das Zeichen, dass Dir vollständig verziehen wurde.
Achte strengstens darauf, dass Du nicht mit dem Munde etwas anderes aussprichst als das, was Du im Herzen trägst.
Wenn Dein Geist von aller Hoffnung auf Sichtbares frei ist, zeigt dies, dass die Sünde in Dir erloschen ist. Wenn Dein Geist frei ist, ist die Kluft zwischen ihm und Gott überwunden.
Achte auf Dich selbst, damit nicht irgendetwas Zerstörerisches in Deinem Herzen wächst und Dich von Gottes Liebe entfernt. Und werde nicht träge und sage: Wie soll ich auf mein Herz achten, wo ich doch ein armer Sünder bin? Denn wenn jemand seine Sünden hinter sich lässt und sich Gott zuwendet, wird er durch diese Buße wiedergeboren, und alles in ihm wird erneuert.
Ein Mönch sollte den Zweck jedes Abschnitts der Heiligen Schrift beachten, an wen dieser gerichtet ist und bei welcher Gelegenheit. Er sollte sich stets im asketischen Kampf bewähren und auf der Hut sein vor den Versuchungen des Feindes. Wie ein Steuermann ein Schiff durch die Gezeiten steuert, sollte er stets den Kurs halten, geleitet durch die Gnade. Indem er seine Aufmerksamkeit auf sich selbst richtet, sollte er Gott in der Stille begegnen, seine Gedanken vor Ablenkung und seinen Verstand vor Neugier bewahre.

Quelle: orthpedia.de/index.php/Jesaja_der_Einsiedler, abgerufen am 13. April 2020

zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung





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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 26.06.2021

Quellen:
• https://www.johnsanidopoulos.com/2010/07/life-and-sayings-of-saint-isaiah.html
• https://coptic-wiki.org/de/Jesaja-von-Scetis-Heiliger-Jesaja%2C-der-Einsiedler

korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/1175439177 und http://d-nb.info/969828497 abrufbar.








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