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Ökumenisches Heiligenlexikon

Lucia

Gedenktag katholisch: 13. Dezember
gebotener Gedenktag
Fest in Malta
nicht gebotener Gedenktag im deutschen Sprachgebiet
Gedenktag III. Klasse      Im alten Messbuch entspricht die III. Klasse einem gebotenen Gedenktag. Grundsätzlich werden offiziell alle Klassen als „Feste” bezeichnet, da der Rang ja nicht durch das Wort „Fest”, sondern durch die Klasse gekennzeichnet wird.
Die Feste III. Klasse sind außerhalb der geprägten Zeiten (Advent, Weihnachtsoktav, Fastenzeit, Osteroktav) immer zu feiern, wenn sie nicht von einem Fest I. oder II. Klasse verdrängt werden. Innerhalb der geprägten Zeiten können sie in der Regel nur kommemoriert, aber nicht gefeiert werden.

nicht gebotener Gedenktag im mozarabischen      Der mozarabische Ritus, auch „westgotisch” oder „altspanisch” genannt, ist eine Liturgie in der römisch-katholischen Kirche, die sich im 4./5. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel entwickelt hat und heute noch an einigen Orten in Spanien praktiziert wird. Der Name entstand nach dem Einfall der Mauren im Jahr 711, als die unter maurischer Herrschaft lebenden Christen – die „Mozaraber” – weiter ihren Glauben ausüben durften und damit auch diese Liturgie feierten. Ritus: 12. Dezember
Übertragung der Gebeine nach Venedig: 18. Januar
Übertragung der Gebeine: 30. Januar
bedacht im Eucharistischen      Die Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi. Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23. Hochgebet I und im Ambrosianischen      Die Ambrosianische Liturgie entstand im 8. Jahrhundert unter orientalischem Einfluss, sie wird auf Ambrosius von Mailand zurückgeführt, von dem wohl die meisten Texte auch stammen. Sie wird v. a. in der Kirchenprovinz Mailand und im Bistum Lugano benutzt. Karl Borromäus förderte diese Sonderform, im Mittelalter wurde aus ihr auch die Gleichwertigkeit des Mailänder Erzbistums gegenüber Rom abgeleitet. Hochgebet I

Gedenktag evangelisch: 13. Dezember

Gedenktag anglikanisch: 13. Dezember

Gedenktag orthodox: 13. Dezember

Gedenktag armenisch: 14. Dezember

Name bedeutet: die Leuchtende (latein.)

Jungfrau, Märtyrerin
* um 286 in Syrakus, heute Siracusa auf Sizilien in Italien
† 310 (?) daselbst


Lucia ist eine historische Figur, ihr Grab wurde in Siracusa wieder aufgefunden. 1894 fand man zudem eine Grabinschrift in der Katakombe San Giovanni in Siracusa, die Lucias frühe Verehrung bezeugt.

Nach der Legende gelobte Lucia schon als Kind ewige Jungfräulichkeit, aber ihre Mutter Eutychia wollte sie verheiraten. Lucia zögerte die Verlobung hinaus. Als die Mutter erkrankte, unternahm Lucia mit ihr eine Wallfahrt nach Catania zum Grab der Agatha. Ein Gebet und eine Erscheinung heilten die Mutter, die ebenfalls Christin wurde. In einem Traumgesicht erschien Agatha der Lucia, verwies sie auf die Kraft ihres Glaubens und sagte ihr ein ihr ähnliches Schicksal wie das eigene, d. h. das Martyrium, voraus. Zurückgekehrt, kündigte Lucia die abgesprochene Eheschließung. Mit ihrem Vermögen und mit Unterstützung ihrer Familie gründete sie dann eine Armen- und Krankenstation, auch die wundersam geheilte Mutter unterstützte nun ihre Tochter. Berichtet wird auch, dass Lucia ihren Glaubensgenossen Lebensmittel in die Verstecke brachte. Damit sie beide Hände frei hatte zum Tragen der Speisen, setzte sie sich einen Lichterkranz aufs Haupt, um in der Dunkelheit den Weg zu finden.

Ihren Verlobten wies Lucia nun ab, er erfuhr zudem vom Verschenken des Erbes und überantwortete Lucia dem Präfekten. Der wollte sie ins Dirnenhaus bringen lassen - ähnlich der Agatha -, aber ein Ochsengespann und tausend Männer waren nicht imstande, die Gefesselte von der Stelle zu bewegen. Weder ein Zauberer noch rund um sie entzündetes Feuer und über sie gegossenes siedendes Öl konnten ihr etwas anhaben. Da stieß man ihr ein Schwert durch die Kehle; mit durchschnittenem Hals betete sie laut weiter und verkündete den nahen Frieden des Christenreiches, da Kaiser Maximian gestorben und Kaiser Diokletian vertrieben sei. Weitere Legenden berichten, dass sie sich ihre schönen Augen ausgerissen und sie auf einer Schüssel ihrem Verlobten geschickt habe, doch habe ihr Maria noch schönere Augen wiedergegeben. Lucia starb erst, nachdem ein Priester ihr die Hostie gereicht hatte.

Wohl schon Papst Gregor I. nahm Lucia in den Messkanon auf. Aldhelm von Sherborne berichtete von Lucia geweihten Klöstern in Rom und in Syrakus - dem heutigen Siracusa. Lucia stellt eine der Jungfrauen in den Mosaiken aus dem 6. Jahrhundert in Ravenna dar. Papst Honorius I. ließ für sie um 630 die Kirche S. Lucia in Selci errichten.

Die nach Lucia benannte Kirche in Siracusa steht auf frühchristlichen Katakomben. Ihre Reliquien wurden angeblich 1038 nach Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - gebracht, um sie vor den muslimischen Besatzern in Siracusa zu retten, dann 1204 beim 4. Kreuzzug nach Venedig geholt, wo sie seitdem in einem Glassarg ruhen. In Siracusa wird ein Finger, seit 1987 ein ganzer Unterarm verwahrt; nach anderer Überlieferung liegen Reliquien seit 970 auch in Metz.

Lucias Gebeine in der Kirche Ss. Geremia e Lucia in Venedig
Lucias Gebeine in der Kirche Ss. Geremia e Lucia in Venedig

Von Metz aus breitete sich Lucias Verehrung in Deutschland und ganz Europa aus. In Italien hat Lucias Legende volkstümliche Dichtung und Lieder befruchtet; auch Dante Alighieri nahm das Motiv auf.

Bis zur gregorianischen Kalenderreform war der Luciatag der kürzeste Tag des Jahres. Darauf beruhten Bräuche vorchristlichen Ursprungs von der grausigen Lucia, die als Furcht einflößende Gestalt schlampige Mägde und ungezogene Kinder bedrohte. Die grausige Lucia trat in verschiedenen Varianten auf: als Lutzelfrau, Lussibrud, Lucienbraut, Pudelmutter, Butzenlutz, Lucka oder Lucia. Lügnern schnitt sie die Zunge ab. In der Luciennacht war es streng verboten, Brot zu backen, zu spinnen oder zu nähen. In Österreich trat Lucia in Begleitung des Nikolaus als Budelfrau oder an ihrem Festtag als weißgekleidete Lutscherl auf, in anderen Gegenden auch als Schnabelpercht. In Fürstenfeldbruck bei München werden am Lucientag kleine gebastelte Boote mit Lichtern auf der Amper, dem örtlichen Fluss, zu Wasser gelassen.

Francisco de Zurbarán: Santa Lucía, um 1648, Hispanic Society of America in New York
Francisco de Zurbarán: Santa Lucía, um 1648, Hispanic Society of America in New York

Im Mittelalter wurden am Luciatag die Kinder beschert, der 24. Dezember wurde erst ab dem 16. Jahrhundert als Gabentag gefeiert. Noch heute wird in Italien am Luciatag Torrone dei poveri als Mahlzeit für die Armen vorbereitet: Kichererbsen werden mit Zucker gekocht, bis daraus eine feste Masse entsteht. Bei Dante im Inferno ist Lucia Trägerin des himmlischen Lichtes. In Italien ist sie seit jeher eine beliebte Heilige. Lucienbräuche finden sich auch in Ungarn, Serbien und Süddeutschland: am Luciatag werden ähnlich wie am Barbaratag Kirschzweige abgeschnitten und in eine Vase gestellt; blühen sie nach vier Wochen auf, soll einem das Glück im kommenden Jahr hold sein.

Der Lucientag war früher mit Losbrauchtum und Wetterorakeln verbunden. Mädchen trennten ein Stück Rinde von einer Weide ab, ritzten ein Kreuzzeichen in den Stamm und banden die Rinde wieder fest; wenn sie am Neujahrstag die Stelle wieder enthüllten, suchten sie aus den veränderten Zeichen die Zukunft zu deuten. Im Burgenland in Österreich säte man am 13. Dezember Weizen in einen mit Erde gefüllten Teller; wenn die Saat bis zum Heiligen Abend aufging, kündigte dies ein gutes Erntejahr an. Besonders Mutige wagten sich in der Luciennacht nach draußen, um den Lucienschein zu sehen, der ebenfalls die Zukunft deuten sollte.

Auch die ausgeprägte Lichtersymbolik hat ihre Wurzeln in der Zeit vor der gregorianischen Kalenderreform. In Schweden ist der Luciatag seit mehr als 200 Jahren ein besonderer Feiertag: Die älteste Tochter im Hause stellt die Heilige dar, trägt am Morgen des 13. ein langes weißes Kleid und hat den Kopf mit einem grünen Kranz - oft aus Preiselbeeren - geschmückt, in den eine Reihe brennender Kerzen gesteckt sind. So geht sie morgens von Zimmer zu Zimmer und weckt die Eltern und Geschwister. Alle warten schon darauf, denn sie bringt das Frühstück ans Bett und die ersten Kostproben der Weihnachtsplätzchen, ihr Licht ist Vorbote des Weihnachtslichtes. In den Dörfern und Stadtteilen, in jeder Schule, jedem Kindergarten, jeder Universität wird am Vorabend eine Lucienbraut gewählt, die dann singend von Haus zu Haus zieht. Der heutige Brauch entstand erst lange nach der Reformation; der Luciatag wurde so erstmals 1893 durch das Freilichtmuseum Skansen in Stockholm begangen, für 1927 ist in Schweden der erste Luciaumzug nachgewiesen.

Hefegebäck „Luciakatzen”
Hefegebäck Luciakatzen

In Norwegen kam alter heidnischer Legende zufolge in der besonders dunklen und gefährlichen kürzesten Nacht Lussi, eine mystische Trollfrau, zusammen mit ihrem Gefolge, Nisser und Tusser, und trieb ihr Unwesen: Sie bestrafte alle, die mit ihren Weihnachtsvorbereitungen noch nicht begonnen hatten. Lussi trat man in dieser dunkelsten Nacht des Jahres mit Helligkeit entgegen, deshalb begann man mit dem Gießen von Kerzen. Der heidnischen Lussi wurde dann Lucia entgegengesetzt, die mit Lichtern im Haar erschien, um die Unterirdischen - also Trolle, Tusser, Nisser und auch Luzifer persönlich - zu vertreiben. Ein typisches Gebäck für diesen Tag sind die Luciakatzen, ein Hefegebäck mit Safran. Am Heiligen Abend kam sie durch den Schornstein wieder und mahnte: Kein Brauen, kein Backen, kein großes Feuer haben; wer sich nicht an diese Regel hielt, dem konnte sie den Schornstein in Stücke schlagen.

Brevier des Martin von Aragon, Spanien, Ende des 14. Jahrhunderts, Bibliothèque Nationale de France in Paris
Brevier des Martin von Aragon, Spanien, Ende des 14. Jahrhunderts, Bibliothèque Nationale de France in Paris

Attribute: Halswunde, Schwert, Lampe oder Fackel, Augen auf Teller
Patronin von Siracusa und Venedig; der Armen, Blinden, reuigen Dirnen, kranken Kinder; der Bauern, Glaser, Weber, Sattler, Polsterer, Schneider, Näherinnen, Elektriker, Messerschmiede, Kutscher, Pedellen, Dienerinnen, Hausierer, Torhüter, Schreiber, Notare, Anwälte, Schriftsteller (in England); gegen Augenleiden, Blindheit, Halsschmerzen, Ruhr, Blutfluss, Infektionskrankheiten und Kinderkrankheiten
Bauernregeln: Kommt die Heilige Lucia, / findet sie schon Kälte da.
Zu St. Lucia werden Weichselzweige g'schnitt'n, / die blühn nach 4 Wochen, so will's die Sitt'n.
Wenn Lucia die Gans geht im Dreck, / so geht sie am Christtag auf Eis.
An Barnabas die Sonne weicht, / an Lucia wieder her sie schleicht. - Bis zur gregorianischen Kalenderreform waren dies die Tage der Sommer- bzw. Wintersonnwende.
St. Lucia kürzt den Tag, / soviel sie ihn nur kürzen mag.
An Sankt Lucia / ist der Abend dem morgen nah.

Legenda Aurea: Lucia

Catholic Encyclopedia

  Über Lucia und viele Bräuche am Luciatag informiert die Webseite des Erzbistums Köln.




Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 26.05.2016
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• Hiltgard L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Reclam, Ditzingen 1984
• http://www.glaubenszeugen.de/kalender/l/kall034.htm
• Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken (Hg.): Heilige in Nordeuropa. Paderborn 2000
• http://www.bauernregeln.net/dezember.html
• http://www.nikolaus-von-myra.de/lexikon/lucia.html
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl., Bd. 6. Herder, Freiburg im Breisgau 1997
• http://www.norwegenservice.net/der-tag-der-heiligen-lucia#pretty/0/ und http://www.norwegenservice.net/der-luciatag-norwegen und http://www.norwegenservice.net/rezept-luciakatzen?preview=true#pretty/0/