Sollte hier eine Anzeige erscheinen, deren Anliegen dem unseren entgegensteht, benachrichtigen Sie uns bitte unter Angabe der URL dieser Anzeige, damit diese Werbung nicht mehr erscheint.
Lesen Sie vorher bitte unsere Erläuterungen auf der Seite Warum Werbung und wie sie funktioniert.


 


Ökumenisches Heiligenlexikon

Oskar Romero

spanischer Name: Oscar

Gedenktag katholisch: 24. März

Gedenktag evangelisch: 24. März (ELCA)

Gedenktag anglikanisch: 24. März

Name bedeutet: Gott schützt (althochdt.)

Erzbischof von San Salvador, Märtyrer
* 15. August 1917 in Ciudad Barrios in El Salvador
† 24. März 1980 in San Salvador in El Salvador


Oscar Romero
Oscar Romero

Oskar Arnulfo Romero y Galdámez wurde in einer kleinen Gebirgsstadt als Sohn eines Fernmeldearbeiters geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Im Alter von 13 Jahren kam er als Internatsschüler in das Seminar in San Miguel, mit 20 Jahren begann er das Theologiestudium am Priesterseminar in San Salvador, das er in Rom zum Abschluss brachte; dort wurde er 1942 zum Priester geweiht. 1943 brach er sein Doktoratsstudium in Rom ab, um als Priester in seiner Heimat zu wirken. Er arbeitete als Pfarrer, dann als Redakteur kirchlicher Zeitschriften und als Generalsekretär der Nationalen Bischofskonferenz. 1970 wurde er zum Weihbischof, 1974 zum Titularbischof der Diözese Santiago de Maria ernannt, 1977 zum Erzbischof von San Salvador.

Die Politik in El Salvador war geprägt von Unterdrückung der Arbeiter, der Bauern und Teilen des KlerusEin Kleriker ist in der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und altkatholischen Kirche ein geweihter Amtsträger, der eine der drei Stufen des Weihesakraments - Diakon, Priester oder Bischof - empfangen hat. Im Unterschied zu den Klerikern bezeichnet man die anderen Gläubigen als Laien. Angehörige von Ordensgemeinschaften gelten, wenn sie nicht zu Priestern geweiht sind, als Laien und in der Orthodoxie als eigener geistlicher Stand. In den protestantischen Kirchen gibt es keine Unterscheidung von Klerus und Laien. durch das Militär und die rechtsgerichteten Herrscherfamilien. Romero galt als Konservativer, der ein gutes Einvernehmen mit der Regierung garantierte. Doch die Brutalität der Militärs und die Not der Landbevölkerung bewirkten eine deutlich kritische Positionierung des neuen Erzbischofs. Schlüsselerlebnisse waren für Romero das im Februar 1977 von Militärs und Sicherheitskräften verübte Massaker an Demonstranten, die sich auf der Plaza Libertad, dem Platz der Freiheit, in San Salvador versammelt hatten, um gegen den Betrug bei den Präsidentschaftswahlen zu protestieren, zum anderen die Ermordung des Jesuitenpaters Rutilio Grande und zweier seiner Begleiter im 1977. Sein radikales Eintreten für die Armen, Entrechteten und Ausgebeuteten und sein unbeugsamer Einsatz für Gerechtigkeit machten ihn bald schon zur herausragenden Stimme der lateinamerikanischen Befreiungstheologie.

Romeros auch poltisches Engagement wurzelte in seiner liebevollen Zuwendung zu allen Menschen. Er lebte einige Zeit im Krankenhaus, um dort todgeweihten Krebskarnken ganz nahe zu sein. Nicht aus politischen Motiven, sondern aus Mitgefühl appellierte er, sich um die Armen, die Opfer der Unterdrückung ebenso zu kümmern wie um die Kranken. Mehrfach musste er nach Rom reisen, um sich zu rechtfertigen. Drei Tage vor seiner Ermordung beschlossen drei Kardinäle des Vatikan, Papst Johannes Paul II. seine Amtsenthebung vorzuschlagen.

In Ansprachen und Predigten prangerte er die Verbrechen des Militärs, der Regierung und der herrschenden Oligarchie an. Seine Reden wurden in vielen Ländern Lateinamerikas im Rundfunk übertragen. 1978 und 1979 wurde er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Als er 1980 den Ehrendoktortitel der Universität Löwen in Belgien verliehen bekam, sagte er in seiner Ansprache: Es gibt viele Menschen und Christen in El Salvador, die bereit sind, ihr Leben zu geben, damit die Armen Leben haben. Darin folgen sie Christus und machen ihren Glauben an ihn sichtbar. Sie sind eingefügt in die Welt - wie er, sie werden verfolgt und bedroht - wie er, sie geben ihr Leben - wie er, und so geben sie Zeugnis vom 'Wort des Lebens'.

Video:Zur Darstellung des Videos müssen Sie mit dem Internet verbunden sein Okcar Romero und Predigtauszüge vom 23. März 1980 in englischer Übersetzung aus dem US-Film Romero
Video:Zur Darstellung des Videos müssen Sie mit dem Internet verbunden sein Dokumentation des ORF über Oscar Romero und seine Verehrung

In seiner letzen Sonntagspredigt, am 23. März 1980, wandte Romero sich noch einmal direkt an die Angehörigen der Armee, der Nationalgarde und der Polizei: Im Namen Gottes und im Namen dieses leidenden Volkes, dessen Wehklagen täglich eindringlicher zum Himmel steigen, flehe ich Sie an, bitte Sie inständig, ersuche ich Sie im Namen Gottes: Machen Sie der Repression ein Ende. Am nächsten Tag sagte der Sprecher des Generalstabes des Heeres vor der Presse, der Erzbischof habe mit seinem Aufruf ein Vergehen begangen, das ihn an den Rand des Gesetzes des Militärs bringe. Am Nachmittag desselben Tages wurde er während der Messfeier bei der Darbietung der eucharistischen Gaben am Altar erschossen. Seit der Ermordung von Thomas Becket im 12. Jahrhundert war kein so hoher kirchlicher Würdenträger mehr am Altar ermordet worden.

Der Mord an Romero war der Auftakt des Bürgerkrieges in El Salvador, der in zwölf Jahren mehr als 75.000 Todesopfer, davon 70.000 Zivilisten, kostete. Schon während seiner Begräbnisfeier, an der etwa eine Million Menschen teilnahm, feuerten Scharfschützen vom Nationalpalast aus in die Trauernden und verübten ein Massaker mit 40 Toten.

Der Bericht der Wahrheitskommission für El Salvador, die aufgrund der Friedensvereinbarungen zwischen der Regierung und der Befreiungsbewegung 1992 eingerichtet worden war, kam 1993 zum Ergebnis, dass der frühere Geheimdienstchef Roberto D'Aubuisson den Befehl zur Ermordung Romeros gab und dass er den Mitgliedern seines Sicherheitsdienstes, den berüchtigten Todesschwadronen, genaue Anweisungen gab, wie der Mord zu organisieren und zu überwachen sei. Außerdem habe der Oberste Gerichtshof die Auslieferung des früheren Kapitäns Saravia, der in die Planung und Ausführung des Mordes verwickelt war, aus den USA verhindert. So wurde nie jemand für den Mord vor Gericht gestellt. Roberto D'Aubuisson gründete später die Partei Republikanisch-Nationalistische Allianz, die von 1989 bis 2009 El Salvador regierte. Die zugesagte Agrarreform ist in dieser Zeit nicht zustande gekommen, ebensowenig wurde ein Täter oder Anstifter vor Gericht gestellt. In Zeiten der Globalisierung der Wirtschaft ging es den Armen noch schlechter als zu Romeros Zeiten. 2009 kam erstmals ein linksgerichteter Präsident an die Macht; bei seiner Amtseinsetzung verwies er auf Romero als Lehrer und Leitfigur. Das Parlament erklärte den 24. März zum jährlichen Gedenktag für Romero.

Transparent mit dem Bild Romeros an der Kathedrale in San Salvador als Einladung zu einer Gedenkmesse
Transparent mit dem Bild Romeros an der Kathedrale in San Salvador als Einladung zu einer Gedenkmesse

Romero zählt heute für die Kirche der Armen zu den gefeiertsten Gestalten der Kirche Lateinamerikas und gilt als Heiliger des Volkes und Schutzpatron Amerikas. Im Vatikan und für einige Teile der Kirche in El Salvador ist er noch immer umstritten, weil er der Stärkung linksgerichteter Gruppierungen Vorschub geleistet habe. 1995 ernannte Papst Johannes Paul II. Fernando Saénz Lacalle, den Militärbischof der salvadorianischen Armee, zum neuen Erzbischof von San Salvador. Die der politischen Rechten verbundene Tageszeitung El Diario de Hoy, kommentierte die Ernennung: Papst Johannes Paul II. hat damit der bisherigen pastoralen Arbeit der Erzdiözese ein entschiedenes Basta - Schluss jetzt zugerufen. 1996 besuchte der Papst zum zweiten Mal El Salvador, das erhoffte Wort zur Würdigung der christlichen Märtyrer blieb aus.

Kanonisation: Der Seligsprechungsprozess wurde 1997 eingeleitet, bald darauf aber durch den Präfekten der Glaubenskongragation, Kardianl Ratzinger, wieder eingefroren; die genauen Hintergründe dafür sind nicht bekannt. Die Armen in Lateinamerika verehrten Romero gleich nach seiner Ermordung wie einen Heiligen und wünschten sich dringend die Seligsprechung durch den Papst, aber die Oberschicht in El Salvador und manche Kirchenführer in Rom wollten diesen radikalen Gesellschaftskritiker lieber nicht offiziell selig sprechen. Verehrt wird Oskar Romero bislang auch in der Kirche S. Bartolomeo auf der Tiberinsel in Rom, die den Märtyrern des 20. Jahrhunderts geweiht ist. Der Vatikan hatte 2005 die Orthodoxie der Theologie des Ermordeten bestätigt, eine Kommission des Vatikans überprüfte dann lange die Orthopraxis Romeros.

Der Postulator im Seligsprechungsverfahren, Bischof Vincenzo Paglia, schreib im März 2008 in der Vatikan-Zeitung L' Osservatore Romano:

Romero war kein Intellektueller, kein Organisator, kein Reformator und schon gar kein Politiker, sondern Bischof. … Er stand zwischen zwei Extremen: den Guerilla und den Todesschwadronen der Regierung, die das ganze Volk wie in Sklaverei hielten. Romero war gegen jede Art von Gewalt, von rechts wie von links. Er wollte das Problem mit der katholischen Soziallehre lösen. Das wurde ihm von einigen auf der rechten Seite verübelt; deswegen wurde ihm vorgehalten, ein Kommunist zu sein. Andererseits war er den Guerilla-Kämpfern zu konservativ; die bezichtigten ihn des Verrats. Doch Romero hat weder sein Volk noch das Evangelium verraten, auch nicht die Kirche oder gar sein Amt.

Der KurienAls römische Kurie (von lateinisch curare = „pflegen, sich kümmern”) werden seit dem 11. Jahrhundert die Leitungs- und Verwaltungsorgane der katholischen Weltkirche in Rom genannt. Die Kurie ist für die Gesamtkirche zuständig, nicht für die Regierung des Staates Vatikan.kardinal José Saraiva Martins, der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, führte 2008 aus, dass für einen positiven Entscheid des Vatikan der Hass gegen den Glauben, odium fidei, als treibendes Motiv hinter der Ermordung Romeros zu erkennen sein müsste. Monseñor Rafael Urrutias, der im Auftrag der salvadorianischen Bischofskonferenz die Seligsprechung vorantreibt, erläuterte dazu: Man muss sehen: Monseñor Romero wurde von Katholiken ermordet, von Menschen desselben Glaubens. Das ist ein Problem für Rom, denn Märtyrer werden normalerweise nicht von Katholiken erzeugt, sondern von anderer Seite.

Die salvadorianische Bischofskonferenz forderte Rom - erfolglos - auf, zum 30. Jahrestag der Ermordung von Romero im Jahr 2010 die Seligsprechung zu verkünden. Nach der Wahl von Bischof Franziskus 2013 gab es Stimmen, die eine Ankündigung der Seligsprechung am Gedenktag 24. März erwarteten, die aber nicht erfolgte; Papst Franziskus erlaubte aber die Wiederaufnahme des Verfahrens, das 2015 zum Abschluss kam. Papst Franziskus erklärte in einem Brief zur Feier der Seligsprechung: Bis zum letzten Augenblick habe Romero als Kämpfer für die Rechte der Armen mit seinem Leben Zeugnis vom Glauben gegeben und verglich ihn mit == Mose: So wie Gott einst den Mose erwählte, damit dieser das Volk in seinem Namen führe, stünden auch heute Hirten nach seinem Herzen auf und setzten sich an die Spitze der Herde.

Kanonisation: Die Seligsprechung von Oscar Romero fand am 24. Mai 2015 unter der Teilnahme von 200 Bischöfen und 300.000 Gläubigen in San Salvador statt.

  Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon





DVD Heiligenlexikon als DVD oder USB-Stick als USB-Stick


Seite zum Ausdruck optimiert

Empfehlung an Freunde senden

Artikel kommentieren/Fehler melden

Suchen bei amazon: Bücher über Oskar Romero

Wikipedia: Artikel über Oskar Romero

Fragen? - unsere FAQs antworten!

Im Heiligenlexikon suchen

Impressum

Schauen Sie sich zufällige Biografien an:
Karl Barth
Heriburg von Nottuln
Benen Benignus


  25   ?   1   1 Für Ihren Datenschutz: mit 2 Klicks empfehlen!


Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 12.09.2015
korrekt zitieren:
Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.info/969828497 abrufbar.

Quellen:
• http://www.oscar-romero-haus.de/romero.htm
• http://www.ci-romero.de/seiten/ueber/romero.html
• http://www.ila-bonn.de/artikel/233romerosarme.htm
• http://www.rbb-online.de/_/fernsehen/magazine/beitrag_druck_jsp/key=rbb_beitrag_2177280.html
• http://www.nzz.ch/nachrichten/panorama/im_volk_heisst_der_erzbischof_san_romero_1.5203174.html
• http://www.katholisches.info/2013/04/25/generalvikar-delgado-romero-nicht-politisch-instrumentalisieren/