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Ökumenisches Heiligenlexikon

Die Schwarze Muttergottes von Einsiedeln


In der Einsiedler Engelweihlegende wird berichtet, dass Christus selbst, begleitet von Engeln und Heiligen, am 14. September 948 die ehemalige Zelle von Meinrad von Einsiedeln zu einer Kapelle geweiht habe. Diese war dem Erlöser als Patron zugeeignet, womit auch das Datum der Weihe, der 14. September, das Fest der Kreuzerhöhung, in einem gewissen Zusammenhang steht.

Viele Pilger kamen in dieser Zeit nach Einsiedeln, so wurden an der Engelweihe von 1466 um die 150.000 Pilgerzeichen verkauft. Die Marienverehrung trat aber nicht ganz in den Hintergrund. Viel mehr behauptete sie sich neben der Engelweihe. Die ursprünglich dem Erlöser geweihte Gnadenkapelle wurde im Laufe des 12. Jahrhunderts zu einer Marienkapelle. Daher stammt auch die Annahme, dass die Engelweihlegende diesen Wechsel des Patroziniums rechtfertigte: Christus selber habe diese Kapelle für seine jungfräuliche Mutter geweiht. Damals muss auch die Wallfahrt stark zugenommen haben: Abt Gero ließ um 1120 eine steinerne Brücke über die Sihl errichten.

Über das alte Gnadenbild weiss man nichts Sicheres. Vielleicht ist das gotische Konventsiegel, das 1239 erstmals erwähnt wird, ein Abbild des alten romanischen Gnadenbildes, einer sitzenden Muttergottes mit dem Jesuskind. Tn der Nacht des 21. April 1465 war in der Gnadenkapelle ein Brand ausgebrochen, der auch auf das Münster übergriff. Die ganze Kirche brannte bis zum Hochaltar hin aus. Vom Gnadenbild wird nichts berichtet. Man kann annehmen, dass das romanische Gnadenbild damals verbrannte, doch dies wurde nicht vermerkt. Zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde in einem Bauernhaus auf dem Etzelpass in der Nähe von Einsiedeln eine romanische sitzende Muttergottes mit dem Jesuskind gefunden. Sie dürfte aus der Zeit von 1150 stammen. Es wird die Ansicht vertreten, dass diese Statue das alte Einsiedler Gnadenbild gewesen sei. Mit mehr Berechtigung sieht man in dieser Statue eher eine Kopie des Gnadenbildes im damaligen Stil.

Die ersten urkundlichen Zeugen der Wallfahrt nach Einsiedeln treten eigentlich erst spät auf: 1311 wird berichtet, dass die Landleut von Schwyz kamen gen Einsiedeln mit dem Kreuze. Aus dem Zusammenhang geht hervor, dass damals dieser Kreuzgang ein althergebrachter Brauch war. 1337 gewährten die Ritter Thumb von Neuburg einen Geleitbrief für alle Pilger, die durch Vorarlberg nach Einsiedeln zogen. Einsiedeln war in den Jahrzehnten nach 1350 zum Nationalheiligtum der noch jungen Eidgenossenschaft geworden. Ein großer Kreuzgang kam seit jener Zeit fast alljährlich von Zürich nach Einsiedeln. Im Jahre 1439 forderte die Pest in Basel viele Opfer, deswegen unternahmen die Bürger dieser Stadt eine Wallfahrt nach Einsiedeln, bei der man 1400 Teilnehmer zählte. Schon früh kamen auch Pilger von Norddeutschland und Holland zur Gnadenstätte im Finstern Wald. Im Mittelalter sammelten sich in Einsiedeln auch die Pilger, die sich aus dem süddeutschen Raum nach Santiago de Compostela auf den Weg machten.

Wie es bei Gnadenbildern oft der Fall ist, weiss man vom Künstler, der es geschaffen hat, nichts. Manche sehen in ihm ein Kunstwerk der Zeit um 1450. Im Sinne der bisherigen Tradition vermuten sie einen bedeutenden Meister im süddeutschen Raum, andere sehen im Gnadenbild ein Kunstwerk aus Siena, was sie mit der Reise des Abtes Gerold von Sax zu Papst Pius II. im Jahre 1464 in Zusammenhang bringen. Ebenso ungewiss ist es, wie diese stehende gotische Muttergottes zum Gnadenbild wurde. Die Annahme, dass man um 1450 an Stelle des alten Gnadenbildes diese neue Statue in die Gnadenkapelle eingeführt hat, kann nirgends belegt werden.

Die „Schwarze Madonna” in Einsiedeln
Die Schwarze Madonna in Einsiedeln

Das Gnadenbild, eine spätgotische Statue, trägt weder Mantel noch Schleier. Das Haar legt sich eng an das Haupt und den Hals und verbreitet sich über den Rücken. Das Antlitz mit gewölbter Stirn zeigt einen vornehmen, eher jungfräulichen als mütterlichen Ausdruck. Die Rechte hält ein Zepter, auf der Einken sitzt das Jesuskind, völlig nackt; seine Rechte ist zum Segen erhoben, mit der Linken hält es ein Vögelchen, was einem Motiv aus frühchristlichen legendären Schriften entspricht. Das Kleid der Madonna trägt Spuren von eingepressten Mustern, der Saum war vergoldet. Die Statue hat keinen Mantel, sie dürfte zur Bekleidung mit einem rechteckigen Überwurf aus Stoff geschaffen worden sein. Der Hinterkopf dieser Statue weist eine Öffnung auf. Vielleicht war sie, was bei einem Gnadenbild gut verständlich ist, für Reliquien bestimmt, worüber aber in den Quellen nichts berichtet wird.

Die Reformationszeit war für die Wallfahrt nach Einsiedeln höchst abträglich. Aber schon bald zeigten sich wertvolle Ansätze für eine neue Gestaltung der WallfahrtsfrÖmmigkeit in Einsiedeln.

Um 1600 erhielt das Gnadenbild und das Jesuskind einen Behang in Glockenform nach spanischer Manier. Dieses Gewand der Marienstatue wird nach den liturgischen Farben entsprechend den Zeiten des Kirchenjahres gewechselt. Es sind viele Kleider in kostbarer Ausführung vorhanden, gestiftet von hoch und niedrig, bis in unsere Tage.

Auf die Bitte des Abtes Ulrich Wittwiler errichtete Julianus Turrianus, Kanonikus in Como, am 15. August 1600 in der Stiftskirche von Einsiedeln die Rosenkranzbruderschaft. Das war für die Entwicklung der Wallfahrt ein überaus wichtiges Ereignis, da sich diese Bruderschaft bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts stärkstens um die Gestaltung der Einsiedler Wallfahrt mit Prozessionen und Theateraufführungen einsetzte. Das brachte viele Pilger nach Einsiedeln, es dürfte nicht zu hoch gegriffen sein, wenn man ihre Zahl im Jahr auf 100.000 bis 150.000 schätzt.

Das Gnadenbild scheint während der Barockzeit eine gewisse selbständige Bedeutung neben der von Gott selbst geweihten Kapelle erlangt zu haben. In vielen Kupferstichen, in kleineren, aber auch in solchen von Originalgrösse, wurde es wiedergegeben, sowohl mit als auch ohne Behang. Zahlreich sind auch die Kopien des Gnadenbildes, die in Einsiedeln in dieser Zeit von bekannten Künstlern wie Joseph Kälin († um 1735) und Johann Baptist Babel (1715 - 1798) geschaffen, gesegnet und andernorts in Kirchen und Kapellen zur Verehrung aufgestellt wurden. An einigen Orten wurden sogar Einsiedler Kapellen nach dem Vorbild der Einsiedler Gnadenkapelle erbaut, so 1646 in Salzburg, 1675 in Düsseldorf und 1715 in Rastatt. Mit grossem Eifer wurden in den Mirakel- oder Wunderbüchern die besonderen Gebetserhörungen auf die Anrufung der Muttergottes von Einsiedeln aufgezeichnet. Darin lässt sich der grosse Zustrom der Pilger von nah und fern feststellen, der sich auch während der Aufklärungszeit nicht verminderte.

Als die französischen Truppen am 3. Mai 1798 Einsiedeln besetzten, rühmten sie sich, das echte Gnadenbild in Besitz genommen zu haben. In Wirklichkeit aber handelte es sich nur um eine Kopie aus der Krankenkapelle des Klosters. Das Gnadenbild war einige Tage vor dem Einmarsch der Franzosen aus der Gnadenkapelle entfernt worden. In einer Kiste verpackt wurde es am 2. Mai in das benachbarte Dörflein Alpthal geflüchtet und ist danach auf der Haggenegg oberhalb Schwyz, an der Stelle, wo heute eine Kapelle steht, vergraben worden. Trotzdem war das Gnadenbild hier nicht sicher vor Verrat. Damm trug es der Einsiedler Stiftsschaffner Placidus Kälin vom 13. bis 16. Juli 1798 über den Rhein ins Kloster St. Peter in Bludenz in Vorarlberg. Es war ein gefahrvolles Unternehmen, wobei sich der treue Diener des Klosters den Anschein eines Hausierers gab. Am 23. März 1799 wurde das Gnadenbild in die Propstei St. Gerold, eine Besitzung des Klosters Einsiedeln im Grossen Walsertal, überführt. Als man die Kiste öffnete, sah man, dass das Bild durch die Feuchtigkeit stark gelitten hatte. Es musste daher restauriert werden. Dazu berief man den Maler Johann Adam Fuetscher von Ludesch, der 1762 bei der Gestaltung des Gnadenaltares in Rankweil beteiligt war. Fuetscher verfasste über den Befund und die Restauration des Gnadenbildes einen höchst wertvollen Bericht: Ich fand also das von Holz künstlich geschnitzte heilige Gnadenbild in folgender Beschaffenheit: Erstlich ist es mit vieler Kunst und auf eine besondere, sein Altertum bescheinende Art gefasset und mit noch kennbaren Goidbluraen und goldenen Säumen gezieret. Das Angesicht war durchaus schwarz; doch ist diese Farbe nicht dem Pinsel, sondern dem Dampfe der Lichter und Ampeln, welche seit so vielen Jahrhunderten in der heiligen Kapelle zu Linsiedeln immer brannten, zuzuschreiben; denn ich fand und sah es augenscheinlich, dass die Fassung des Angesichts anfänglich ganz fleischfarbig gewesen, wie es von den abgefallenen Krusten, die man aufbehalten, gar wohl zu erkennen ist. Das auf dem unken Arme sitzende Kindlein fand ich im Angesichte und in dem Haare, die Farbe betreffend, wie die Mutter. Der Leib desselben ist, wie jeder deutlich sieht, fleischfarbig gefasset, welches ein klarer Beweis ist, dass auch das Angesicht sowohl des Kindes als der Mutter ebenso nach der Natur gemalet gewesen sei.

Nach und nach schwand auch in Vorarlberg die Sicherheit vor den vorrückenden Franzosen. Im Oktober 1799 wurde P. Konrad Tanner von Abt Beat Küttel beauftragt, das Gnadenbild in Sicherheit zu bringen. Am 23. Oktober befand er sich bereits auf der Reise über den Arlberg. Seinen ersten Aufenthalt nahm er im Kapuzinerkloster in Imst. Im Mai 1800 nötigten ihn die kriegerischen Ereignisse zur Flucht nach Hall in Tirol, wo er das Gnadenbild mit weiteren Kostbarkeiten dem Schiffsmeister Franz Josef von Aichinger anvertraute. Im August des gleichen Jahres musste er vor den Franzosen aus Hall fliehen. Mit Hilfe des Ratsherrn, Stadtchronisten und Wirtes zum Schwarzen Adler von Hall Ignaz Jakob Mader gelang es ihm, mit dem Gnadenbild Bruneck im Pustertal zu erreichen. Im November 1800 ging die Flucht weiter nach Lienz in Osttirol. Als die Franzosen in der Steiermark und in Kärnten einrückten, sandte der Kaufmann und Spediteur Josef Johann Oberhuber von Lienz das Gnadenbild seinem Bruder Anton Lienhart nach Triest. Hier wurde das Gnadcnbild im Hause eines Protestanten verborgen. Nach dem Frieden von Lunéville im Februar 1801 sandte Oberhuber das Gnadenbild und andere Kostbarkeiten nach dem Kloster Wilten bei Innsbruck. Von dort kam das Gnadenbild am 29. November 1801 über den Arlberg nach Bludenz in das Kloster St. Peter zurück, wo es fast zwei Jahre lang verborgen blieb. Im September 1803 traf man Vorbereitungen, um das Gnadenbild nach Einsiedeln zu übertragen. Zuvor wurde es in Bludenz und Feldkirch auf offenem Platz zur Verehrung aufgestellt. In aller Stille wurde es in die Schweiz bis auf den Etzelpass zurückgebracht. Die feierliche Übertragung in die Stiftskirche wurde auf den 29. September festgesetzt. Mit aller nur möglichen Feierlichkeit wurde das Gnadcnbild in einer grossen Prozession unter Donner des leichten und schweren Geschützes in die Stiftskirche zurückgeführt. Am folgenden Sonntag, 2. Oktober, hielt man ein besonderes Dankfest für die glückliche Rückkehr des Gnadenbildes, das durch wunderbare Fügungen der göttlichen Vorsehung der sicheren Zerstörung entgangen war.

Unter den Einwirkungen der Aufklärung und der Französischen Revolution war auch die Wallfahrt nach Einsiedeln stark behindert worden und dementsprechend zurückgegangen. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erholte sie sich allmählich wieder, wobei sich die Mönche als Prediger und Beichtväter grosse Verdienste um die Pilger erwarben. Als Ziel der Wallfahrt trat die Engelweihe und damit die von Gott geweihte Gnadenkapelle merklich in den Hintergrund, woran die historisch-kritische Forschung und die dieser entsprechende Einstellung nicht ganz unschuldig waren. Das Gnadenbild, die schwarze Muttergottes, trat mehr in den Vordergrund. Als Einsiedeln auch durch die Eisenbahn erschlossen war, kam die Zeit der grossen Pilgerzüge; eine neue Blüte der Einsiedler Wallfahrt. Als den Höhepunkt dieser Periode kann man die Tausendjahrfeier des Klosters im Jahre 1934 betrachten. Damals wurde am Fest Mariä Himmelfahrt das Einsiedler Gnadenbild von Kardinal Ildephons Schuster feierlich gekrönt.

Quelle: Joachim Salzgeber: Die Schwarze Muttergottes von Einsiedeln. Einsiedeln 2010

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Autor: Joachim Schäfer - zuletzt aktualisiert am 11.09.2016
korrekt zitieren:
Joachim Salzgeber: Artikel
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