Laurentius von Novara
italienischer Name: Lorenzo
Gedenktag katholisch: 30. April
Name bedeutet: der Lorbeergeschmückte oder: Mann aus Laurentum (latein.)
Der Priester Laurentius kam der Überlieferung zufolge aus dem Westen - also vielleicht aus Spanien - nach Novara und bekehrte hier viele Menschen durch seine Predigten und Wundertaten zum christlichen Glauben. Als er eines Tages eine große Anzahl Kinder taufte, wurden er und viele der getauften Kleinen von den Heiden getötet. Laurentius' Leichnam wurde in einen Brunnen geworfen - an dieser Stelle wurde später eine ihm geweihte Kirche und dann das ehemalige Kloster San Lorenzo errichtet.
Diese Nachrichten über Laurentius stammen aus der Lebensgeschichte seines Schülers Gaudentius von Novara
Bischof Peter III. von Novara, der von 993 bis 1032 amtierte, verfasste eine historisch unhaltbare Lebensgeschichte über Laurentius und nennt ihn den dritten Bischof von Novara als Nachfolger von Agabius, der dann wie der Priester Laurentius mit von ihm getauften Kindern starb. Überliefert sind drei Homilien über die Buße, das Almosen und die Frauen, die lange Zeit fälschlich Erzbischof == Laurentius von Mailand zugeschrieben wurden, dann Laurentius von Novara, tatsächlich aber von keinem der beiden stammen.
An Laurentius' Reliquien ereigneten sich viele Wunder, auch ein heilsames Öl floss aus ihnen. Beim Abriss des Klosters San Lorenzo wurden die Gebeine 1552 in den Dom von Novara übertragen und dort 1595 wieder erhoben. 1600 errichteten die Kapuziner in Novara ein Kloster, das wieder Laurentius geweiht war und seine Reliquien beherbergte, aber schon 1610 wieder aufgegeben wurde.
Worte des Heiligen
Die unkonventionelle Deutung der Rechten und der Linken durch Laurentius erinnert an das
lutherische homo simul iustus et peccator
- der [gläubige] Mensch ist
zugleich Gerechter und Sünder:
Wenn du ein Almosen gibst, soll deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut (Matthäusevangelium 6, 3):
Was bedeutet das? Ist etwa der Mensch in sich in einem Körper ungleich, dass er einer in der Rechten ist, ein anderer
in der Linken? Das sei ferne! Es ist derselbe Mensch, der eine Rechte und eine Linke hat. Und wie kann es geschehen, dass
die Linke nicht weiß, was die Rechte tut? […]
Es verhält sich folgendermaßen: Wenn die Rechte etwas Gutes zu tun versucht, d. h. die Seele, soll die Linke, die das
Fleisch ist, sie nicht daran hindern; vielmehr soll die Rechte, gleich als ob die Linke schliefe, insgeheim Gutes tun und
das Böse, d. h. das Linke, aus den Gliedern vertreiben: das ist der Sinn und das ist das rechte Verständnis der Rechten und
der Linken.
Das soll nun offener und konkret dargelegt werden: Deine Linke, d. h. das Fleisch, hat einen Fehler begangen. Die Rechte,
d. h. die Seele, verbessert den Fehler. Im Menschen hätte nämlich jede der beiden Seiten die Rechte werden können, aber
darum ist er in beiden Seiten ungleich geworden, damit er ebenso das Ferment des Guten wie des Bösen in sich enthalte, das
Ferment des Guten in der Rechten, das des Bösen in der Linken. Dies kann folgendermaßen unterschieden werden: Die Linke hat
dich zur Sünde verführt, deine Rechte soll dich der Sünde entreißen. Die Sünde hat öffentlich gesündigt, die Rechte soll im
Geheimen wieder gutmachen. Die Linke hat einen Raub begangen, die Rechte gebe Almosen. Was jene unbedacht getan hat, soll
diese schweigend verbessern. Die Linke hat ein Kleid geraubt, die Rechte kleide Nackte. Jene hat grausam zugeschlagen, diese
schaffe demütig Linderung und Heilung. Jene hat einen Frevel begangen, diese sei voll Frömmigkeit. Jene hat Wunden geschlagen,
diese wende ein Heilmittel an und versorge sie. In der Linken ist Schuld, in der Rechten sei Nachsicht. Das Böse, das die
Linke begangen hat, beseitige die Rechte, diese mache das Gift jener schadlos.
Und was mehr? Das Feuer ist in der Linken und das Wasser in der Rechten. Wenn in der Linken das Feuer der Sünde lodert,
fließe in der Rechten das Wasser der Gerechtigkeit, und nichts gibt es dann mehr, das schadet. Wenn du erfüllst, was gesagt
worden ist: Wie das Wasser das Feuer auslöscht, so löscht das Almosen die Vergehen (Jesus Sirach 3, 30). Hieraus wird klar,
dass weder die Sünde im Menschen ein Ende findet noch die Quelle und [damit] die Vergebung jemals aufhört.
Doch der Mensch ist geteilt in der Linken und in der Rechten; er ist sein eigener Entscheidungsträger: entweder er
verliert oder er findet. Was sagst dazu? Fürchtest du vielleicht, dass die Linke gewinnt? Fürchte dich nicht: Mehr vermag
die Rechte, wenn sie will. Und wenn die Linke Feindin ist, die verurteilt, so ist die Rechte Freundin, die Rettung bringt.
Und wenn jene es ist, die beschmutzt, so ist es diese, die sogleich heiligt. Stärker ist das Wasser in der Rechten als das
Feuer in der Linken. Denn sobald jenes anschwillt, wird der Schaden von jenem getilgt. Wisse daher: auch wenn die Flamme
der Sünde im Leib ist, so ist doch die göttliche Quelle im Herzen. Die Flammen liefern die Glieder, die Quelle aber bringt
der Geist zum Ausdruck. So wird es geschehen, dass, was die Linke entheiligt hat, die rechte heiligt. Die Linke birgt in
sich lang dauernden Schmutz, die Rechte lang dauernde Vergebung, so dass, was in der Linken verunreinigt wird, in der
Rechten gereinigt wird. Der Weise versteht das.
Quelle: Homilia de eleemosyna. In: Patrologia Latina 66, Sp. 110 f; eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn
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Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 25.08.2026
Quellen:
• Vollständiges Heiligen-Lexikon …, 3. Band: [I]K-L. Herausgegeben von Johann Evangelist Stadler, B. Schmid'sche
Verlagsbuchhandlung (A. Manz), Augsburg, 1869
• https://it.wikipedia.org/wiki/Lorenzo_di_Novara - abgerufen am 20.07.2023
• https://cappuccininovara.it/i-frati-minori-cappuccini - abgerufen am 20.07.2023
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der
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https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.